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Rigdon schließt zwei zentrale Restrukturierungsprojekte ab

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Die großen Schritte der Rigdon-Restrukturierung werden dieser Tage abgeschlossen, sodass sich die Verantwortlichen beim Runderneuerer in Günzburg an der Donau nun noch mehr auf die Weiterentwicklung ihres Produkt- und Dienstleistungsangebotes sowie die Erweiterung der Kundenbasis kümmern können. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläuterten Geschäftsführer Günter Ihle und Vertriebsleiter Adolf Mayer die jüngsten Veränderungen und die weiteren Pläne auf dem Weg zu „Rigdon 2020“, wie die neuen Eigentümer von Prolimity Capital Partners (Frankfurt am Main) vor rund zwei Jahren ihre Wachstumsstrategie und geplante Unternehmenstransformation betitelt hatten.

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Im Mittelpunkt der damals begonnenen Restrukturierung standen immer zwei zentrale Projekte. Einerseits sollte die Produktion, die bis dahin in mehreren Hallen am Standort in Günzburg an der Donau untergebracht war, komplett neu arrangiert werden. Damit sollte die Effizienz deutlich gesteigert, nicht (mehr) betriebsnotwendige Abteilungen geschlossen und freiwerdende Immobilien langfristig vermietet oder verkauft werden. Andererseits sollte das Vertriebsteam den heutigen Anforderungen an eine wettbewerbsfähige Vermarktung von runderneuerten Reifen angepasst und gleichzeitig geografisch deutlich ausgeweitet werden. Wie Geschäftsführer Günter Ihle Anfang Mai anlässlich eines Redaktionsbesuchs erläuterte, habe Rigdon mittlerweile diese beiden zentralen Projekte nahezu abgeschlossen. Lediglich in Bezug auf die Produktion fänden derzeit noch die letzten Abstimmungen statt.

Die Marke Rigdon gehört zu den etabliertesten Runderneuerungsmarken Deutschlands und wird zunehmend „in die Breite“ des Marktes hinein vertrieben

Die Marke Rigdon gehört zu den etabliertesten Runderneuerungsmarken Deutschlands und wird zunehmend „in die Breite“ des Marktes hinein vertrieben

Als die Rigdon GmbH Ende 2014 aus der vormaligen Reifen Ihle GmbH gegründet wurde, beherbergte das Betriebsgelände in Günzburg mit 88.000 Quadratmeter rund 44.000 Quadratmeter Hallenfläche unter Dach, die für die Produktion von runderneuerten Reifen und einige angehängte Abteilungen genutzt wurden. Heute sind dies nur noch 20.000 Quadratmeter in zwei Hallen, und zwar ohne dass sich durch die stattgefundene Neuordnung und Verdichtung der Produktion und der Produktionsabläufe etwas an der Kapazität bzw. dem Output des Runderneuerers geändert hätte. Zwischenzeitig geschlossen wurden etwa der eigene Maschinenbau wie auch der Formenbau. Wie Günter Ihle erläutert, habe man die frei gewordenen 20.000 Quadratmeter zwischenzeitig fast vollständig an den Logistikpartner eines großen Handelsunternehmens für Haushaltsgeräte vermieten können, und zwar langfristig.

Auch wenn Anfang Mai anlässlich des Redaktionsbesuches die Restrukturierung der Produktionshalle immer noch nicht komplett abgeschlossen war, lief die Produktion von kalt- und heißrunderneuerten Lkw- und EM-Reifen bereits nahezu ohne Unterbrechungen. Einer der offenkundigen Vorteile, der sich regelmäßigen Besuchern in Günzburg schnell offenbart: Es findet kein Zwischenfahren zwischen den einzelnen Produktionsschritten mehr statt; der Staplerverkehr in der Produktion gehört der Vergangenheit an. Stattdessen durchzieht mittlerweile eine Monorailbahn die Produktion komplett; die zuletzt noch offenen Lücken darin werden dieser Tage geschlossen, so dass ein deutlich effizienterer Produktionsprozess entstanden ist. Die letzten Umbauarbeiten seien voraussichtlich Ende Juni abgeschlossen, betont Günter Ihle.

Verständlicherweise haben die Verantwortlichen in Günzburg die verschiedenen Schritte auf dem Weg zur geplanten völligen Restrukturierung der Produktion priorisiert. So hat sich das Unternehmen zunächst darauf konzentriert, die Runderneuerung von Lkw-Reifen neu anzuordnen. Was gegenwärtig im neuen Produktionslayout noch nicht eingerichtet ist, ist die Pkw-Reifenrunderneuerung. Rigdon ist einer von zwei Pkw-Reifenrunderneuerern in Deutschland und verfügt über nominelle Produktionskapazitäten von 300.000 Reifen pro Jahr. Derzeit seien die Pressen für die Pkw-Reifenrunderneuerung aber nicht angeschlossen, so dass keine Pkw-Reifen produziert würden. Günter Ihle mochte sich zwar nicht festlegen, ob noch im Laufe dieses Jahres entsprechende Reifen produziert würden; es könne durchaus sein, dass 2017 keine Pkw-Reifen in Günzburg runderneuert werden. Allerdings sei darin keine wie auch immer geartete strategische Entscheidung zu sehen. Im Gegenteil: Auch wenn man natürlich den Markt sehe, seien Pkw-Reifen schon Teil der langfristigen Unternehmensplanung und des Fünfjahresprogramms „Rigdon 2020“. Es sei aber wichtig, ist der Geschäftsführer überzeugt: „Zu viele Baustellen gleichzeitig“ seien eher hinderlich für den Restrukturierungsprozess und daher nicht zielführend.

55 bis 60 Prozent der in Günzburg runderneuerten Lkw-Reifen werden im Heißverfahren produziert; dabei kommt modernes Equipment wie etwa die Alpha-Twin-Belegemaschine von Marangoni zum Einsatz

55 bis 60 Prozent der in Günzburg runderneuerten Lkw-Reifen werden im Heißverfahren produziert; dabei kommt modernes Equipment wie etwa die Alpha-Twin-Belegemaschine von Marangoni zum Einsatz

Gleichzeitig setzt Rigdon aber auch auf die Expansion des eigenen Produktangebotes und damit Akzente. So setze man weiterhin große Stücke auf das Lagersystem RigoTec mit seinen verschiedenen Produkten. Ob ein komplettes Logistikzentrum oder Einzelregale – Rigdon könne seinen Kunden mit RigoTec „ein maßgeschneidertes Lagerkonzept“ bieten. Darüber hinaus setzt der Anbieter zunehmend auch auf Produkte zum Reifentransport innerhalb eines Lagers bzw. einer Werkstatt. Neu im Sortiment etwa: die „Rigo Tyre Disc“. Dahinter verbergen sich Kunststoffpaletten für Reifen und Räder von 13 bis 20 Zoll, die als Unterlage für Reifenstapel in vielleicht nicht immer ganz besenreinen Lagern gut dienen können und mit RigoTec-Unterfahr-Reifenstapeltransportern kompatibel sind. Es sei gerade das Thema Regalbau, dass Rigdon weiterhin „aktiv pushen“ möchte.

Auch mit weiteren Nischenprodukten will Rigdon sich im Markt fest etablieren, etwa mit Verladerampenanschlägen für Lagerhallentore oder mit Tiefladerrampenschutzplatten – beides jeweils aus in Günzburg vulkanisiertem Gummi. Ebenfalls kümmere man sich bei Rigdon jetzt intensiver um die Runderneuerung von Gummiketten für Großmähdrescher im Sinne einer Stollenerneuerung. Und mit der Einführung der patentrechtlich geschützten „RIGside“-Technologie habe Rigdon „einen neuen Qualitätsstandard für kalterneuerte Lkw-Reifen gesetzt“, ist man in Günzburg überzeugt. „RIGside“ ermöglicht darüber hinaus „ein preislich erschwingliches Private-Branding für den Kunden, das z.B. von größeren Handelspartnern oder Endverbrauchern gewünscht ist, damit diese eine Individualisierung ihrer Reifen bekommen“, so Ihle weiter.

Während also die Restrukturierung in der Produktion mittlerweile nahezu vollständig abgeschlossen ist, trifft dies auch auf das zweite oben genannte Projekt zu: die Anpassung des Vertriebsteams. Im Team von Vertriebsleiter Adolf Mayer sind mittlerweile bereits zehn Vertriebler tätig, wobei sich einer davon – erst im April eingestellt – ausschließlich um die Vermarktung von RigoTec-Lagersystemen kümmert; unterstützt wird das Vertriebsteam vom geschulten Innendienst. „Wir wollen vertrieblich maximal Gas geben“, sagt Mayer und unterstreicht, dass runderneuerte Reifen heute mehr denn je aktiv vermarktet werden müssten. Aufgrund der allseits bekannten Wettbewerbssituation sei ein einfaches „Abladen der Reifen“ auf dem Hof des Kunden mittlerweile nicht mehr möglich. Mit anderen Worten: Das Verkaufen wird aufwendiger. Diesem Umstand trage man mit der Erweiterung des Vertriebsteams Rechnung.

Gleichzeitig komme in der Erweiterung des Vertriebsteams aber auch die Erweiterung des Rigdon-Vertriebsgebietes zum Ausdruck. Auch wenn rund 30 Prozent der Produktion außerhalb Deutschlands verkauft werden, verbergen sich dahinter fast ausnahmslos die Märkte Österreich und Schweiz. Außerhalb des DACH-Marktes sind die Geschäfte des schwäbischen Runderneuerers eher begrenzt. Dieses komprimierte Vertriebsgebiet deckt das Vertriebsteam um Adolf Mayer mittlerweile nahezu komplett ab und sorgt durch einen entsprechend kleinteiligen Zuschnitt der Vertriebsbezirke für einen engen Kundenkontakt. Lediglich für Norddeutschland gebe es augenblicklich noch eine Vakanz, die Kunden würden aber aus einem Nachbarbezirk betreut werden.

Ridgon runderneuert nicht nur Reifen, sondern auch Gummiketten; darüber hinaus setzt der Hersteller auf weitere Nischenprodukte

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Dass Rigdon wachsen will, wundert natürlich nicht. Gerade das Wachstum „in die Breite“ des Marktes ist aber eine personalintensive Übung, wissen auch die Verantwortlichen in Günzburg, scheuen aber eben nicht den dafür notwendigen Aufwand. Hatte sich das Vertriebsteam bisher stets schwerpunktmäßig auf den Reifenhandel als den Partner von Rigdon konzentriert, so sieht Vertriebsleiter Adolf Mayer heute mehr die Endverbraucher – also Flottenverantwortliche und Fuhrparkbetreiber – im Fokus. Verkauf und Dienstleistungen würden zwar weiterhin über den verbundenen Reifenhandel stattfinden, so der Vertriebsleiter, der in diesem Zusammenhang etwa auf eine neue Listung bei Point S hinweist. Da der (auch) auf Nutzfahrzeuge spezialisierte Reifenhandel aber zunehmend in irgendeiner Form gebunden ist, muss der ungebundene Produzent Rigdon sich eben direkt die Nachfrage schaffen, die es braucht, um der Produktion in Günzburg gute Auslastungsgrade zu bescheren. „Wir bringen dem Handel die Geschäfte“, verspricht Mayer und betont dabei, dass eine entsprechende Vermarktung eben über das Qualitäts- und nicht über das Preisargument erfolge, auch wenn der Markt letztes offenbar lieber hört. Das Geschäft solle jedenfalls für alle Beteiligten auskömmlich sein und bleiben. Gerade im April habe man die Preise aufgrund steigender Rohstoffkosten anheben müssen, habe einen Teil der eigentlich notwendig gewordenen Preissteigerungen aber über gleichzeitig stattfindende Effizienzsteigerungen wettmachen können.

Mit Blick auf die Marktsituation, die eben so ist wie sie ist, betont Mayer: „Kostensparen im Vertrieb ist keine Option für uns.“ Folglich wolle man auch in Zukunft insbesondere das Rigdon-Standbein Vertrieb weiter stärken, verspricht Günter Ihle. Der Geschäftsführer sucht derzeit etwa einen Nachfolger für Vertriebsleiter Adolf Mayer, der kürzlich seinen 68. Geburtstag feiern konnte.

Die Erweiterung des Vertriebs und des Vertriebsgebietes haben auch die Erweiterung des Fuhrparks nach sich gezogen. Natürlich sind die Außendienstmitarbeiter in Rigdon-gebrandeten Pkws im DACH-Markt unterwegs. Darüber hinaus hat die Gesellschaft erst kürzlich zwei weitere Actros von Mercedes-Benz gekauft; mit den beiden Bestandsfahrzeugen verfügt der Runderneuerer damit bereits über vier eigene 40-Tonner sowie drei 7,5-Tonner. Mit den Fahrzeugen werden nicht nur die fertig runderneuerten Reifen ausgeliefert, auch werden damit die Karkassen zusammengefahren und nach Günzburg transportiert. Der Karkasseneinkauf obliegt dabei einem Mitarbeiter aus dem Mayer-Vertriebsteam. Insgesamt hat die Ridgon GmbH aktuell 77 Mitarbeiter. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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