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Könnten dem Onlinereifenhandel die Kunden abhandenkommen?

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Offenbar besteht nicht nur die Gefahr, dass dem stationären Reifenfachhandel Kunden abhandenkommen, wenn selbst ein Onlineanbieter wie die Delticom AG mit entsprechenden Befürchtungen begründet, warum man zunehmend auch in weitere Branchen diversifiziert wie etwa in den Internetvertrieb von Lebensmitteln oder jüngst in das Gebrauchtwagengeschäft. Es lasse sich jedenfalls nicht ohne Weiteres behaupten, dass der Onlineverkauf von Reifen an Verbraucher eine große Zukunft habe, hat zumindest Delticom-Mitbegründer und -Vorstandsmitglied Dr. Andreas Prüfer unlängst in einem Interview mit dem Magazin Internet World zu Protokoll gegeben.

Gründe dafür sieht es in dem sich ändernden Mobilitätsverhalten und Autoabsatz: Angesichts von Carsharing-Modellen oder der Entwicklungen in Richtung selbstfahrender sieht er jedenfalls so manches Fragezeichen, ob Verbraucher in zehn oder 20 Jahren noch gerne Auto fahren bzw. sich überhaupt noch ein eigenes Fahrzeug anschaffen. „In unserem Segment könnte dem B2C das C und damit die Kunden abhandenkommen“, befürchtet er. Zumal die Fahrzeuge zugleich mit immer mehr elektronischen Komponenten ausgestattet und Fahrer damit seltener in der Lage seien, Teile selbst auszutauschen, womit Prüfer wiederum mögliche negative Auswirkungen auf Delticoms Teilegeschäft verbindet. „Mein Job als Vorstand ist es, Risiken zu antizipieren, frühzeitig zu handeln und nicht erst zu reagieren, wenn es Probleme gibt. Der Markt von Ersatzteilen und Reifen hat ein geschätztes Volumen von zehn bis 15 Milliarden Euro in Europa, hier werden wir sicher noch Anteile ausdehnen, aber warum sollten wir weiterhin nur auf ein Pferd setzen?“, begründet er die Delticom-Diversifikation in Bereiche, die nicht unmittelbar mit dem bisherigen Kerngeschäft Reifen bzw. Kfz-Teile in Zusammenhang stehen.

Gleichwohl werde hier mittel- bis langfristig ein Umsatzvolumen von rund einer Milliarde Euro angepeilt, nachdem es im vergangenen Jahr rund 560 Millionen Euro waren und für das laufende Jahr Verkaufserlöse irgendwo zwischen 620 und 630 Millionen Euro erwartet werden. Obendrauf sollen dazu dann die neuen Aktivitäten noch gewissermaßen das Sahnehäubchen beitragen. Bei alldem sieht Prüfer keinen Grund, warum das eine das andere ausschließt. „Unser Spielfeld ist E-Commerce, darin sind wir sehr gut und hier gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Reifen und Food. Es handelt sich um haptische Produkte, die zum Kunden transportiert werden, dafür braucht man Webseiten, Programmierung, Marketing, Backend, Callcenter, SEO-Know-how und anderes Wissen“, so der Delticom-Vorstand gegenüber dem Blatt. Ob man beispielsweise nun Suchmaschinenmarketing für Reifen oder Lebensmittel betreibe bzw. sich um die Logistik für die eine Sorte Produkte oder die andere kümmert, unterscheide sich ihm zufolge nur graduell. cm

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