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Betrugsvorwurf: Werden indirekte RDK-Systeme von Fahrzeugherstellern manipuliert?

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Ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS), das den Autofahrer nicht auf einen gefährlichen Minderdruck hinweist, kann seinen Zweck als gesetzlich vorgeschriebenes Sicherheitsinstrument nicht erfüllen. Spätestens seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen im Volkswagen-Konzern im vergangenen Herbst unter dem Schlagwort „Dieselgate“ ist die Öffentlichkeit einerseits sensibilisiert für die Tricks von Fahrzeugherstellern, was das Schönen von Leistungsdaten der von ihnen gefertigten Autos betrifft, und sie interessiert sich andererseits auch dafür, dass solche Leistungsdaten nicht nur auf einem Prüfstand unter Laborbedingungen gelten, sondern eben auch auf der Straße unter Alltagsbedingungen. Die belgische Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) zieht nun in Bezug auf indirekt messende Reifendruckkontrollsysteme entsprechende Parallelen zum Abgasskandal und wirft Autobauern – namentlich Volkswagen und Fiat – sogar bewusste Manipulationen vor und sieht große Risiken für die Autofahrer in Europa. T&E untermauert die Vorwürfe jetzt mit Testergebnissen.

Durch Idiada in Spanien durchgeführte „unabhängige“ Tests im Auftrag von T&E hätten nun ergeben, dass ein getesteter VW Golf 14 von 16 Tests mit einem Minderdruck nicht bestand, während ein Fiat 500L sogar in allen Alltagstests patzte und das darin verbaute indirekt messende RDK-System nicht eine einzige Warnung an den Fahrer abgab. Folglich liege ein „Betrugsverdacht“ vor, so die Umweltorganisation T&E, die jetzt zu den Tests und den vermeintlichen Schlussfolgerungen umfassend publiziert hat. Die Vermutung: Die Fahrzeughersteller verbauten indirekt messende RDK-Systeme, die eben auch günstiger als direkt (also per Sensoren im Rad) messende Systeme seien, die aber ausschließlich in den für die Typengenehmigung das Fahrzeugs notwendigen offiziellen Tests gesetzeskonforme Ergebnisse erzielten – was auch Idiada entsprechend nachtesten konnte –, später im Straßeneinsatz aber nicht oder kaum mehr funktionierten. Solche Fehlfunktionen des RDK-Systems habe man „bei freier Fahrt“ auf dem Idiada-Testgelände wie auch bei einem bereits leicht abgewandelten offiziellen Typengenehmigungstest feststellen können, schreibt T&E. Lediglich in den Tests, die nach dem offiziellen Protokoll für die Homologation vorgeschrieben sind, gaben die RDK-Systeme regelmäßig Warnungen an den Fahrer heraus.

Info_NEU_button Zu den Detailergebnissen lesen Sie bitte das hier verlinkte Testprotokoll von Transport & Environment.

„Jetzt stellt sich heraus, dass Hersteller vielleicht ähnliche Abschaltvorrichtungen („defeat devices“; d.Red.) einsetzen, um ineffektive Reifendruckkontrollsysteme die Sicherheitstests bestehen zu lassen und selber zehn Euro zu sparen“, so Julia Poliscanova, Clean Vehicles Manager bei T&E und fordert weitergehende Untersuchungen der „verdächtigen Leistung der RDK-Systeme“ und „dringende rechtliche Maßnahmen auf EU-Ebene“. Die Testergebnisse wiesen einerseits darauf hin, es gebe „beträchtliche Sicherheitsbedenken“ für Autofahrer, in deren Fahrzeuge indirekt messende RDK-Systeme verbaut sind und die Testergebnisse deuteten andererseits darauf hin, dass „Fahrzeughersteller die Systeme kalibrieren, nur um den Test zu bestehen, nicht aber um auf der Straße zu funktionieren“. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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