Unsinniger „harter Schlag“ – Kampf gegen Philippsburg-Aus angekündigt

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Ein „harter Schlag“ ist laut Karsten Rehbein die Ankündigung Goodyears gewesen, sein Reifenwerk in Philippsburg schließen zu wollen und insofern den rund 890 Mitarbeitern dort ihren Arbeitsplatz zu nehmen. Die Entscheidung des Unternehmens, den Standort bis Ende 2017 dichtzumachen und damit ab 2018 in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) zunächst 20 Millionen US-Dollar pro Jahr bzw. später dann sogar 30 Millionen Dollar jährlich mehr an operativem Gewinn einfahren zu können, wolle man aber „so nicht einfach schlucken“, wie der für den Bezirk Karlsruhe zuständige Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ergänzt.

„Für das Reifenwerk und den Erhalt der Arbeitsplätze werden wir kämpfen“, sagt er. „Die Schließung der Reifenproduktion ist für uns nicht vorstellbar und hat uns total überraschend getroffen. Zunächst müssen alle Möglichkeiten ausgelotet werden, um den Standort und die Arbeitsplätze doch noch zu erhalten“, stößt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Özal Özkan ins selbe Horn. Betriebsrat und die IG BCE halten die Schließung der Produktion in Philippsburg demnach schlicht für unsinnig: Der Standort gehöre – nicht nur wegen seiner strategischen Lage zu vielen Absatzmärkten – zum „Tafelsilber“, weswegen es keinen Grund zu „Schnellschüssen“ gebe. Vielmehr sollten die notwendigen Investitionen unter anderem in den Bereich der Premiumreifen in Größen ab 17 Zoll freigegeben werden, damit in diesem Werk noch profitabler gearbeitet werden könne. Zumal Goodyear seine Entscheidung zur Schließung des Werkes ja vor allem damit begründet hat, dass der Markt immer mehr nach größer dimensionierten Reifen verlange und die am fraglichen Standort produzierten demgegenüber zu den Segmenten zählten, die „geringes Wachstum aufweisen oder rückläufig sind“. Wie Medien darüber hinaus berichten, ist vor diesem Hintergrund für heute nicht nur eine außerordentliche Betriebsversammlung in Philippsburg geplant, sondern auch die regionale Politik will sich für den Erhalt der Arbeitsplätze an dem von der Schließung bedrohten Standort einsetzen.

Schließlich gilt Goodyear als größter Arbeitgeber der knapp 40 Kilometer nördlich von Karlsruhe liegenden und gut 13.000 Einwohner zählenden Stadt. Das dürfte erklären, warum deren parteiloser Bürgermeister Stefan Martus in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert wird, er werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Unterstützung in dieser Sache kommt außerdem noch vonseiten des CDU-Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Bruchsal/Schwetzingen Olav Gutting. „Die geplante Schließung des Reifenwerkes von Goodyear Dunlop und der damit verbundene Wegfall von rund 900 Arbeitsplätzen sind ein schwerer Schlag für die Stadt Philippsburg sowie die gesamte Region. Erneut wird von einem US-amerikanischen Konzern eine solch schwerwiegende Entscheidung, die persönliche Schicksale von Angestellten und deren Familien völlig außer Acht lässt, von weit aus der Ferne getroffen“, so der Politiker in einer Stellungnahme auf seiner Website. Der Parlamentarier appelliert aus diesem Grund an die Geschäftsleitung der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH, die Entscheidung nochmals zu überdenken. „Die Mitarbeiter sind es, die ein Unternehmen zu dem machen, was es ist. Ich kann die Geschäftsführung daher nur ausdrücklich darum bitten, diese fatale Entscheidung nochmals zu überdenken und nach alternativen Lösungen zu suchen“, so Gutting. christian.marx@reifenpresse.de

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