Mehr Realitätsnähe in Sachen vermuteter Gefährdung durch PAK gefordert

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Immer wieder sind Stimmen zu vernehmen, wonach befürchtet wird, die in Kautschukerzeugnissen enthaltenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) könnten die Gesundheit des Menschen gefährden. Vor diesem Hintergrund wurden vor vielen Jahren bereits entsprechende Grenzwerte in der EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) festgeschrieben, die auch für Reifen gelten. Dennoch steht offenbar die Befürchtung im Raum, dass von Produkten, bei deren Herstellung aus Altreifen gewonnene Rezyklate als Rohstoff verwendet werden, ein gewisses Gefahrenpotenzial ausgeht. „Ob beim Gebrauch eines Produktes ein gesundheitliches Risiko bestehen kann, wird bislang daran gemessen, ob ein Schadstoff enthalten ist. Aussagekräftig ist das nicht“, meint Stephan Rau, technischer Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie e.V. (WdK). Vor diesem Hintergrund begrüßt er den Auftrag der EU-Kommission an das europäische Joint Research Center, eine Prüfmethode zur Messung des Stoffüberganges von einem Produkt auf den Menschen zu entwickeln. „Denn nur gesundheitsschädliche Stoffe, mit denen ein Verbraucher auch tatsächlich in Kontakt kommt, stellen ein Risiko dar“, erklärt er. Die bisherigen Methoden zur Ermittlung, ob von PAK eine Gefahr ausgeht oder nicht, hat demnach zumindest nach Auffassung des WdK gewisse Defizite in Bezug auf die Realitätsnähe. Eine darauf basierende „Überregulierung“ gefährde zudem die Märkte und Ziele der Kreislaufwirtschaft, heißt es.

Verbrauchernahe Produkte wie zum Beispiel Sportgeräte, Werkzeuge oder Haushaltsgeräte dürften laut der europäischen REACH-Verordnung zwar nicht mehr als ein ppm an PAK enthalten. Doch von entscheidender Bedeutung in diesem Zusammenhang sei die Frage, ob PAK aus einem Produkt migrieren und beispielsweise durch Hautkontakt in den menschlichen Körper gelangen könnten. Bislang wird dem WdK zufolge eine vermutete Gefährdung durch PAK mittels vollständigen Herauslösens aller Inhaltsstoffe unter Verwendung eines aggressiven organischen Lösemittels bestimmt. „Das spiegelt die tatsächlichen Verwendungsbedingungen und eine mögliche Gefährdung in keiner Weise wider“, stellt Rau hierzu fest. Neuere Untersuchungen zu einem simulierten PAK-Stoffübergang von einem Elastomererzeugnis auf die Haut hätten eine geringe Beweglichkeit der PAK-Moleküle gezeigt – selbst bei erhöhten Temperaturen. Die Migration sei so gering, dass ein aus Reifenrezyklat hergestelltes Elastomererzeugnis aus WdK-Sicht zur Herstellung von Lebensmittelverpackungen geeignet ist. „Die künftig anzuwendende Analysemethode zur Messung der Migration von PAK muss die Nutzungsszenarien beim bestimmungsgemäßen Gebrauch der Erzeugnisse realitätsnah abbilden“, fordert Rau. „Die Orientierung auf EU-Ebene hin zu Migrationsuntersuchungen ist für vergleichbare Anforderungen an Produkte zum Beispiel im Baubereich gleichfalls anzustreben“, ergänzt er. cm

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