„Verbraucherbedürfnisse bedienen sowie Marktchancen erkennen und nutzen“

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Goodyear Dunlop ist klarer Marktführer auf dem deutschen Ganzjahresreifenmarkt, den viele Beobachter auf rund sechs Millionen Stück schätzen und dem genauso viele für die kommenden Jahre wenigstens zweistellige Wachstumsraten zutrauen. Auch wenn das Produkt im Reifenhandel stark polarisiert und vielen dort immer noch als „Ding des Teufels“ gilt – eines ist klar: einen Marktanteil von derzeit schon bis zu 15 Prozent kann niemand ignorieren, der sein Unternehmen in die Zukunft führen will. Dabei sind einige Hersteller mitunter seit Jahrzehnten mit herausragenden Produkten im Segment der „Alleskönner“ unterwegs. Im NRZ-Interview erläutert Jürgen Titz, bei Goodyear Dunlop Group Managing Director DACH und damit ‚Herr’ über knapp ein Drittel des deutschen Ganzjahresreifenmarktes, welche Faktoren die Entwicklung des Marktes zukünftig beeinflussen und wie der Konzern sich dabei aufstellt.

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NEUE REIFENZEITUNG:

Es kursieren verschiedene Zahlen zum Volumen des deutschen Ganzjahresreifenmarktes. Mit welcher Zahl rechnet man bei Goodyear Dunlop?

Jürgen Titz:

Wir beobachten natürlich den Markt und analysieren für uns die Potenziale und Chancen. Sie können bestimmt nachvollziehen, dass wir diese Information nicht nach außen tragen.

NEUE REIFENZEITUNG:

Klar ist aber, dass der Markt auch weiterhin überdurchschnittlich gute Wachstumraten verspricht. Wie ist die Annahme in Ihrem Haus für die kommenden Jahre zur jährlichen Wachstumsrate bei Ganzjahresreifen?

Jürgen Titz:

Aktuell rechnen wir bis mindestens zum Jahr 2020 mit anhaltend hohen Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Wichtige Treiber sind beispielsweise warme Winter oder Trends wie die zunehmende Urbanisierung. Außerdem ist auch das Thema RDKS ein Grund, weswegen Verbraucher zunehmend über Ganzjahresreifen nachdenken. Wie lange dieser Wachstumstrend anhält und wann er wieder abflacht, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen und wäre daher reine Spekulation.

Goodyear prägt mit seinem Vector-Reifen (im Bild der aktuelle Vector 4Seasons Gen-2) seit nunmehr über 30 Jahren den europäischen und damit insbesondere auch den deutschen Ganzjahresreifenmarkt

Goodyear prägt mit seinem Vector-Reifen (im Bild der aktuelle Vector 4Seasons Gen-2) seit nunmehr über 30 Jahren den europäischen und damit insbesondere auch den deutschen Ganzjahresreifenmarkt

NEUE REIFENZEITUNG:

Goodyear gilt mit seinem Vector als Pionier des Ganzjahresreifenmarktes und klarer Marktführer – auch in der Erstausrüstung. Wie kann Goodyear mit seinem Produkt von einer bereits dermaßen herausragenden Position aus weiter wachsen?

Jürgen Titz:

Wenn das Segment insgesamt wächst, profitieren auch wir als Hersteller. Dass wir Ganzjahresreifen in der Entwicklung individuell betrachten und uns so über viele Jahre mit Innovationskraft und erstklassigen Produkten einen Namen gemacht haben, ist eine wichtige Grundlage dafür, unsere Marktposition weiter zu stärken und auszubauen. Ebenfalls eine wichtige Säule für nachhaltiges Wachstum ist die Erstausrüstung – hier sind wir mit rund 70 OE-Freigaben sehr erfolgreich aufgestellt. Darüber hinaus haben wir mit dem neuen Fulda MultiControl gerade ein neues Produkt gelauncht, das seit diesem Sommer auf dem Markt ist und unser Produktportfolio perfekt abrundet.

NEUE REIFENZEITUNG:

Wie wichtig ist es für einen Konzern wie Goodyear Dunlop, Ganzjahresreifen mehrerer Marken im Angebot zu haben?

Jürgen Titz:

Als Marktführer im Ganzjahressegment ist es unser Anspruch, dem Handel eine Produktpalette zu bieten, die es ihm ermöglicht, die Bedürfnisse der Verbraucher möglichst breit bedienen zu können. Mit unserem Ansatz, unterschiedliche Preissegmente abzudecken, sind wir für die diversen Anforderungen der Verbraucher optimal aufgestellt. Denjenigen, die keine Kompromisse eingehen möchten und ein absolutes Premiumprodukt wollen, bieten wir den Goodyear Vector 4Seasons. Hierzu zählen beispielsweise auch die Vielfahrer unter den All-Season-Usern. Mit dem neuen Fulda MultiControl decken wir das Qualitätssegment in der Mitte ab und tragen damit den Ansprüchen derjenigen Rechnung, die etwas kostenbewusster sind und Wert auf ein entsprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis legen. Verbrauchern, die sich ein günstiges Produkt wünschen, das dennoch die nötige Sicherheit gewährt, bieten wir mit unseren Budget-Marken Sava und Debica ebenfalls zuverlässige Produkte.

NEUE REIFENZEITUNG:

Welche Rolle wird Ihrer Ansicht nach die zunehmende Durchdringung des Automobilmarktes mit RDK-Systemen auf den Absatz von Ganzjahresreifen im Ersatzgeschäft haben?

Jürgen Titz:

Reifendruckkontrollsysteme sind für Verbraucher ein Kostenfaktor, der durchaus einen wichtigen Einfluss darauf hat, über den Wechsel auf Ganzjahresreifen nachzudenken. Darüber, ob ein solcher Wechsel in Frage kommt und worauf sie beim Kauf achten müssen, herrscht bei den Verbrauchern hoher Aufklärungsbedarf. Daher sind wir als gesamte Branche gefordert, ihnen qualifizierte Informationen zur Verfügung zu stellen, und sie so bei der Kaufentscheidung zu unterstützen.

NEUE REIFENZEITUNG:

Wie sehen Sie heute die Akzeptanz von Ganzjahresreifen in der Erstausrüstung und wie und warum sollte sich dies in Zukunft vielleicht ändern?

Jürgen Titz:

Sowohl die Akzeptanz als auch das Interesse sind heute schon da, das zeigt auch die Anzahl unserer OE-Freigaben. Wir gehen davon aus, dass mit wachsendem Verbraucherinteresse die Nachfrage in der Erstausrüstung steigen wird.

NEUE REIFENZEITUNG:

Auch die Einführung der situativen Winterreifenpflicht hat seinerzeit den Markt positiv beeinflusst. Wie sollte sich nun wiederum die geplante Verschärfung der Winterreifenpflicht auf den Markt auswirken?

Jürgen Titz:

Soviel ist klar, ein Ganzjahresreifen kann einen erstklassigen Winterreifen nicht ersetzen. Wer vorwiegend in schneereichen, gebirgigen Gegenden unterwegs ist und einen hohen Anspruch an Fahrdynamik hat, dem empfehlen wir den Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen, da die Spezialisten für diese Einsatzzwecke leistungsfähiger sind. Denjenigen, die in schneeärmeren Regionen und in Städten unterwegs sind und überwiegend kurze Strecken zurücklegen, kann ein Ganzjahresreifen ein guter Begleiter sein. Im Sinne der Sicherheit ist es jedoch gut und richtig, dass Wintereigenschaften auch bei Ganzjahresreifen stärker in den Fokus rücken, denn das Thema Sicherheit kommt gerade auch bei winterlichen Verhältnissen besonders zum Tragen. Daher setzen wir bei unseren Produkten klar auf sehr gute Wintereigenschaften, um auch hier unserem hohen Anspruch an Sicherheit und Performance gerecht zu werden.

NEUE REIFENZEITUNG:

Es gibt etliche Pseudo-Ganzjahresreifen im Markt, also M+S-markierte Sommerreifen ohne irgendwelche Wintereigenschaften. Welche Zukunft haben solche Produkte?

Jürgen Titz:

Im Rahmen der Kaufentscheidung spielen Produktleistung und -qualität eine entscheidende Rolle und Verbraucher sind immer besser informiert. Damit steigt auch deren Bewusstsein darüber, welche Bedeutung die Reifen als einzige physische Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße für die Sicherheit von Fahrer und Insassen haben. Jetzt, wo dieses Produktsegment zunehmend ins Blickfeld der Verbraucher rückt, werden sie sich zunehmend damit auseinander setzen, was ein Ganzjahresreifen können muss, um sich auch bei winterlichen Verhältnissen erfolgreich zu behaupten. Daher sehen wir eine vielversprechende Zukunft für Produkte mit erstklassigen Wintereigenschaften.

NEUE REIFENZEITUNG:

Gehen die steigenden Absätze bei Ganzjahresreifen Ihrer Meinung nach eigentlich eher zulasten von Sommer- oder von Winterreifen?

Jürgen Titz:

Sowohl als auch. Dabei gehen wir von einen stärkeren Effekt bei Sommerreifen aus, da hier der Performancegewinn für den Verbraucher beim Wechsel auf einen Ganzjahresreifen höher ist.

NEUE REIFENZEITUNG:

Es gibt mittlerweile einige Ganzjahresreifen, die sommers wie winters zu Höchstleistungen fähig sind und technologisch überzeugen. Sind diese Reifen auch heute schon wirklich ‚nur’ noch ein Kompromiss?

Jürgen Titz:

Nein. Es geht vielmehr darum, die optimale Balance der Fahreigenschaften im Sommer und im Winter zu gewährleisten. Genau darauf setzen wir in der Entwicklung unserer Ganzjahresreifen und suchen nach immer neuen Materialien und Technologien, um diese Balance zu erreichen. Wichtige Stellschrauben sind dabei zum einen eine moderne, hochleistungsfähige Gummimischung, die bei frostigen und heißen Temperaturen ein gutes Gripniveau bietet. Zum anderen ist aber auch die Profiltechnologie ausschlaggebend. Der Goodyear Vector 4Seasons beispielsweise verfügt über die SmartTred-Technologie mit spezifischen Profilzonen, die sich den unterschiedlichen Straßenverhältnissen anpassen. Bei unserem neuesten Produkt, den Fulda MuliControl, nutzen wir eine Lamellentechnologie namens 3D-Bubble-Blade. Bei Schnee und Eis sorgt sie für dauerhaft hohen Grip und gleichzeitig für gute Fahrstabilität auf trockener Straße.

NEUE REIFENZEITUNG:

Kann man sich den Ganzjahresreifen der Zukunft – voll beladen mit Hightech in Konstruktion, Mischung und Profil – als echten Alleskönner vorstellen, der es im Winter mit einem Winterreifen und im Sommer mit einem Sommerreifen aufnehmen kann?

Jürgen Titz:

Unsere aktuellen Ganzjahresreifen sind heute schon vollgepackt mit den neuesten Innovationen und Technologien und können daher mit Fug und Recht als Alleskönner bezeichnet werden. Natürlich ist das Spannungsfeld der Witterungsbedingungen denen sie gerecht werden müssen, eine große Herausforderung für die Entwicklung. Dass wir uns dieser Herausforderung erfolgreich stellen, haben wir in den vergangenen 30 Jahren wiederholt unter Beweis gestellt und werden dies auch in Zukunft tun. Daher werden diese Alleskönner künftig ebenfalls immer besser und können infolgedessen auch immer mehr.

NEUE REIFENZEITUNG:

Viele Reifenhändler sehen Ganzjahresreifen aus mehreren bekannten Gründen als ‚Ding des Teufels’. Inwiefern ist eine stärkere Verbreitung dieser Produkte aber auch positiv für den Handel?

Jürgen Titz:

Der Handel ist aufgrund des sich verändernden Einkaufsverhaltens der Konsumenten viel weit reichenderen Veränderungen ausgesetzt, als nur der Frage, ob Ganzjahresreifen Fluch oder Segen sind. Unterm Strich geht es darum, Verbraucherbedürfnisse zu bedienen sowie Marktchancen zu erkennen und zu nutzen. Wer hierin gut und erfolgreich ist, der braucht sich auch vor einer steigenden Nachfrage an Ganzjahresreifen nicht zu fürchten. Sogar der BRV, der Ganzjahresreifen bis dato eher kritisch gegenüber stand, hat sich jüngst dafür ausgesprochen, sich der rasanten Nachfrageentwicklung nicht zu verschließen. Insbesondere bei der Frage, wann ein Ganzjahresreifen in Frage kommt und worauf Verbraucher beim Kauf achten müssen, herrscht Informations- und Beratungsbedarf – hier kann der Handel beim Kunden als kompetenter Partner rund ums Auto punkten. Mit seinem Fachwissen kann sich der Reifenfachhändler bei jedem Kundenkontakt vom Wettbewerb abheben, zusätzlichen Service rund um Reifen, Felgen und Kfz-Service generieren und damit die Bindung des Kunden an seinen Betrieb stärken. ab

 

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