Runderneuerungsmarkt: Wie Unternehmen wie Bandvulc den Sturm umschiffen

In den vergangenen Monaten haben wir viel von dem Nachfragerückgang nach Runderneuerten gehört und wie gleichzeitig chinesische Lkw-Reifen neue Tiefstpreise erreichen. Dies ist freilich ein überaus schwarz gemaltes Bild über die Runderneuerung in Großbritannien, ein Markt, auf dem preisgünstige Importe seit jeher bedeutender waren als im Rest Europas. Die Neureifenhersteller meinten, sie könnten den Sturm umschiffen, indem sie ihre starke Position in Bezug auf Flotten einsetzen. Weil sie eben gleichzeitig auch ihre eigenen Runderneuerten produzieren, dachten sie, ihre Geschäfte würden vergleichsweise unbeeinträchtigt bleiben von den Problemen mit Reifen geringer Qualität und einem hohen Überangebot, mit dem die unabhängigen Runderneuerer zu kämpfen hatten. Diese Lesart der jüngsten Vergangenheit beruht dabei auf zwei Annahmen: erstens, dass der Markt in einem fortgesetzten Abschwung bleibt, und zweitens, dass die Premiumhersteller mit ihren eigenen Runderneuerungsangeboten am besten positioniert sind, um ‚das Schlagloch‘ auf dem Weg, den der Markt derzeit nimmt, zu nehmen. Das muss aber nicht notwendigerweise so sein.

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Während Daten der ETRMA zum Runderneuerungsmarkt darauf schließen lassen, die Nachfrage habe in der Tat stark unter den oben beschriebenen Umständen gelitten, und auch darauf, wie eine Quelle gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG betonte, das Verhältnis von neu zu runderneuert habe sich von Ende 2014 auf Ende 2015 von 67:33 auf dann 75:25 verschoben, während man vor zehn Jahren auch in Großbritannien nah an 50:50 war, so ist das weitere Bild doch nicht so einfach.

Während man anerkennen muss, dass Neureifen eben zugunsten von Runderneuerten auf dem Vormarsch sind, so zeigen diese und andere Daten aber auch, dass es parallel dazu einen Trend hin zu mehr Premiumneureifen gibt, die ihrerseits in der Regel eine Runderneuerung in ihrem Fahrwasser haben. Diese Entwicklung, so heißt es, sei gekoppelt mit einer stärkeren Nachfrage nach „Alles-aus-einer-Hand“-Angeboten mit Reifen von der Lenk- über die Antriebs- bis hin zur Trailerachse von einem einzigen Anbieter; dies war früher eher die Ausnahme. Mit anderen Worten: Es gibt Hinweise darauf, dass es eine Gegenmentalität zum schieren Budgetdenken in Großbritannien gibt.

Gleichzeitig ist immer wieder von chinesischen Reifenherstellern zu hören, die ihre Preise zunehmend nach oben hin anpassen (müssen). Auch wenn wir hier lediglich von Preisschritten in der Größenordnung zwei bis fünf Prozent reden – es scheint sich darin dennoch immerhin eine gewisse Kehrtwende abzuzeichnen; vielleicht sind die Preise so tief gelangt, wie sie konnten? Wenn dies der Fall sein sollte, wäre dies ein durchaus gutes Zeichen auch für die Runderneuerer in Europa.

Mit Blick auf diese Vorgänge scheint es wichtig, die Entwicklungen und Beobachtungen der größten Runderneuerer Großbritanniens zu betrachten, Unternehmen wie Bandvulc. Im Laufe der Jahre sind aus diesen Betrieben überaus professionelle Unternehmen geworden, die ihrerseits umfassende Verkaufsstrategien aufseiten der Flotten betreiben. Im Falle Bandvulcs, so hat der Runderneuerer ein vielschichtiges Geschäftsmodell entwickelt, zu dem Reifenverkäufe, die Runderneuerung, die Mischungsproduktion sowie Montagebetriebe genauso zählen wie auch einige der größten Flotten des Landes als Kunden.

Der Rückgang im Allgemeinen und das bereits erwähnte Überangebot im Markt sind in jedem Fall auch ein Problem für ein entsprechend aufgestelltes Unternehmen. Dennoch, auch wenn niemand behauptet, Bandvulc hatte in den vergangenen Jahren eine leichte See zu segeln, liegen die Umsätze des Unternehmens doch weiterhin ungebrochen jenseits der 60-Millionen-Pfund-Marke. Dabei muss man aber auch sehen, dass das Unternehmen allein mit seinem Flottengeschäft namens „Bandvulc Plus+“ rund 40 Millionen Pfund umsetzt und folglich die verbleibenden 20 Millionen Pfund auf die anderen geschäftlichen Aktivitäten verteilt, darunter auch die Runderneuerung. Wie konnte sich also Bandvulc gegen den Trend stellen?

„Für unser Geschäft ist Geschwindigkeit die neue Währung“, erklärt Phil West, Group Commercial Director bei Bandvulc, im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG und fügt hinzu: „Es ist nicht schlecht, über die neuesten Technologien und Kommunikationssysteme zu verfügen. Aber dies muss parallel zu Mitarbeitern existieren, die motiviert sind, einen Servicegrad zu erbringen, der ihnen hilft, das volle Potenzial im Markt zu heben. Wir haben alle bereits gesehen, wie uns eine Dienstleistung enttäuscht hat und sagen dann oft, ‚so ist es eben‘. Aber stimmt das? In Wahrheit ist es oftmals ein Mitarbeiter, der nicht das entsprechende Training oder die notwendige Wertschätzung im Job erfahren hat. Bei Bandvulc sind solche persönlichen und individuellen Dinge von besonderer Bedeutung und unterscheiden uns vom allgemeinen Markt; dadurch können wir auch weiterhin kontinuierlich wachsen.“

West bestreitet dabei nicht, dass Reifen und insbesondere die Runderneuerung, die für rund drei bis fünf Prozent der Betriebskosten eines Flottenbetreibers stehen, turbulente Jahre erlebt haben. Auch gibt er zu, welche besonderen Herausforderungen gemeinsam mit den billigen chinesischen Neureifen auf den Plan getreten sind. Allerdings betont er dabei auch, dass man darin nur noch mehr die Notwendigkeit einer guten Dienstleistung erkennen muss.

Zusammen mit den zunehmenden Reifenimporten aus Fernost haben auch neue Einkaufsmodelle auf dem Markt an Bedeutung gewonnen, sodass Anbieter heute verschiedene Optionen für den Reifenkauf anbieten können, etwas, das man bei Bandvulc auch in den kommenden Jahren im Aufwind sieht. Auch darin zeigt sich die Bedeutung von Dienstleistungen und das Stehen zu bestimmten Verpflichtungen. Flottenbetreiber müssen sich heute fragen, ob es ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist, das sie wünschen, oder der niedrigste Einstandspreis.

Ein weiterer Grund für den fortgesetzten Erfolg von Bandvulc liegt offenkundig in dem Willen des Unternehmens, uneingeschränkt zu investieren. Natürlich werden die Investitionen dabei in der gesamten Unternehmensgruppe getätigt und sollen dabei zuallererst dort ansetzen, wo sie proaktiv die Leistung am Kunden erweitern und verbessern. So soll etwa die neue Bandvulc-Software namens „Galahad“ als Schnittstelle zum Kunden dazu dienen, „die totale Sichtbarkeit und Transparenz“ der Prozesse zu schaffen. Bei der Investition haben Bandvulc-eigene Entwickler mitgearbeitet und dafür gesorgt, die Umsetzung des Projektes zu beschleunigen; nun können die Kunden Daten zu ihren Reifen in Echtzeit ganz nach ihren Bedürfnissen abrufen. „Galahad“ ist außerdem eine Plattform, mit der Bandvulc sich mit seinem „Key Service Provider Network“ verknüpft. Dabei können Daten schnell und präzise zwischen Organisationen ausgetauscht werden, sodass immer der Status quo der Transaktionen sichtbar und ein Überblick über die Lagerbestände möglich wird.

Der größte Wachstumsfaktor innerhalb der Bandvulc-Gruppe ist dabei mittlerweile das Reifenmanagement und der 24-Stunden-Service. Darin zeigt sich, der „einzigartige Ansatz“ von Bandvulc generiert auch einen Return. Für Bandvulc geht es weniger darum, den eigentlichen Reifen zu verkaufen – West zufolge ein überaus einfacher Teil des Geschäftes –, sondern es geht dabei vielmehr um Kontrolle der Abläufe, die pünktliche Lieferung des Produktes, Verlässlichkeit allgemein und die Verringerung der Kosten auf Kundenseite.

Die Sparte „Bandvulc Plus+“ entwickelt sich folglich stark. Heute gehören dazu nicht mehr nur der Reifen und das Management, sondern auch die Erbringung vereinbarter Dienstleistungen durch den eigenen Reifenservice „Tyre Maintenance“.

West dazu: „Alle diese Elemente ermöglichen es uns, mehr Kontrolle und Präzision anbieten zu können, was unsere Kunden schätzen. Unser Team arbeitet responsiv mit schnellen Entscheidungen, kann jede Bedenken ausräumen und jede vorwärts gerichtete Idee entwickeln, um dem Geschäft zu helfen. Diese Flexibilität und Dynamik in der Art zu reagieren hilft uns dabei, dem Kunden zu helfen. Während wir schon anerkennen, dass Investitionen in Systeme und Technologien der Schlüssel zum Erfolg sind, so sind wir doch auch der Meinung, dass Investitionen in Menschen die Grundlage für unser Geschäft sind. Ein Großteil unserer Vertriebsmitarbeiter ist bereits seit etlichen Jahren im Unternehmen. Das bedeutet Vorteile durch Kontinuität, Training und starke Kunden- und Geschäftsbeziehungen zwischen Menschen, die sich kennenlernen können. Das ist eigentlich Allgemeinwissen.“

Natürlich muss auch dies erst auf die Probe gestellt werden. Bei Bandvulc ist man der Ansicht, das moderne Angebot und die Treue beweisen, dass das Team sein Serviceversprechen ernst nimmt. Beispiele dazu sind etwa jüngste Flottenabschlüsse wie etwa der mit Wincanton oder davor Searon.

Wincanton gehört in Großbritannien und Irland zu den führenden Anbietern von Supply-Chain-Lösungen und betreibt dazu rund 4.000 Fahrzeuge von 200 Standorten aus. Erst diesen Frühling hat Bandvulc einen Abschluss mit Wincanton machen können, der die Lieferung von Hankook-Neureifen sowie das umfassende Flottenpaket beinhaltet. Bandvulc zufolge habe es zuvor ein „intensives Tender-Verfahren“ gegeben.

Phil West war entsprechend zufrieden mit dem Abschluss, gehörte Wincanton doch jahrelang zu den begehrten Zielkunden von Bandvulc. „Darin zeigt sich unsere Konsistenz im Angebot, die diesen Erfolg ermöglicht hat. Unter dem Dach dieses Vertrages wird ‚Bandvulc Plus+‘ auf das breit gefächerte Service-Provider-Netzwerk in Großbritannien zurückgreifen können, wozu natürlich auch unser eigener Teil gehört, ‚Tyre Maintenance‘.“

Chris Kingshot, Geschäftsführer von Wincanton, dazu: „Wir freuen uns sehr darüber, unseren Kunden führende Dienstleistungen erbringen zu können mit einer Supply Chain, die jetzt noch effizienter und ökologischer ist. Unsere Partnerschaft mit Bandvulc wird unser Reifenmanagement verbessern und uns ermöglichen, die Kontrollen noch einmal zu steigern vom Reifen hin zum Recycling. Das Bestreben bei Bandvulc, Dinge zu entwickeln und zu erneuern, ist erfrischend, und wir freuen uns auf eine langfristige Beziehung für die Zukunft.“

Die Nachricht, „Bandvulc Plus+“ konnte nun auch Searon Logistics Ltd. unter Vertrag nehmen, stellt einen weiteren wichtigen Flottenvertrag dar. Dazu gehören weit mehr als 200 Fahrzeuge. Searon Logistics ist stark im britischen Containergeschäft involviert und steht damit unter einem großen Zeitdruck. „Bandvulc Plus+“ habe dabei ein Angebot machen können, das den dazu gehörenden Erwartungen an den Reifendienstleister entspricht.

Phil West dazu: „Im Transportgewerbe kommt es heute auf jede Sekunde an. Die Unternehmen müssen ihre Fahrzeuge rund um die Uhr auf der Straße haben, und wir sind dazu da zu gewährleisten, dass dies auch so ist. Die Anforderungen von Searon Logistics im Containersektor sind anspruchsvoll, wie man sich denken kann. Unser Dienstleistungsangebot ist entscheidend für unsere Fähigkeit zu wachsen. Folglich müssen wir bei solchen Verträgen sicherstellen, alles liefern zu können, was gefordert wird.“

Rob Lewis, Fleet Manager bei Searon, dazu: „Das Angebot von Bandvulc war kosteneffizient, vorausschauend und beinhaltete noch Raum für zukünftige Entwicklungen und Veränderungen, sobald sich das Geschäft weiterentwickelt.“

Folglich – während der Markt so aussieht, als habe er das Schlimmste hinter sich – ist man Bandvulc überzeugt, dass kontinuierliche Investitionen, erfahrene Mitarbeiter und die Verpflichtung, das versprochene Serviceniveau auch zu liefern, die Gründe dafür sind, dass das Unternehmen gegen den Trend gehen kann. chris.anthony@tyrepress.com/ab

 

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