Beitrag Fullsize Banner NRZ

Wettbewerb der Reifenmessen: „Alles andere hat keine Substanz“ – NRZ-Interview

, , ,

Ab 2018 finden voraussichtlich erstmals zwei Messen in Deutschland statt, die sich schwerpunktmäßig um die Reifenbranche kümmern: die Reifen-Messe – dann in Frankfurt parallel zur Automechanika – sowie die neue „The Tire Cologne“, organisiert durch die Koelnmesse im Verein mit dem BRV. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen, das Geschäftsmodell der zukünftigen Reifen-Messe, worin die Vorteile für Aussteller und Branche liegen sollen und wie er den Versuch von Koelnmesse und BRV einschätzt, in Köln ab 2018 eine alternative Veranstaltung zu etablieren.

NEUE REIFENZEITUNG:

2018 findet die Reifen-Messe erstmals gemeinsam mit der Automechanika in Frankfurt statt. Worin sehen Sie dabei die Vorteile für Aussteller und Besucher aus der Reifenbranche?

Oliver P. Kuhrt:

Die Vorteile sind erheblich: Wir bringen die Reifen- und Felgenindustrie sowie den Reifenhandel mit dem Automotive Aftermarket zusammen und schaffen auf diesem Weg attraktive Synergien. Damit entsprechen wir auch der aktuellen Entwicklung der Branche hin zum One-Stop-Shop. Die Aussteller der ‚Reifen’ erreichen in Frankfurt künftig nochmals deutlich mehr Geschäftspartner: Rund 138.000 Besucher kommen zur Automechanika, darunter die internationalen Entscheider der Automobilwirtschaft. Auch die Automechanika profitiert, deren Portfolio die ‚Reifen’ ideal ergänzt. Der Mehrwert für Besucher aus der Reifenbranche: Sie können sich künftig neben ihrem Kerngeschäft noch umfassender über angrenzende Themen informieren, beispielsweise den Autoservice.

button_nrz-schriftzug_12px-jpg Dieses Interview ist in der Mai-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG erschienen, die Abonnenten hier auch als E-Paper lesen können. Sie sind noch kein Abonnent? Das können Sie hier ändern.

NEUE REIFENZEITUNG:

Gerade das Thema Autoservice gewinnt in der Reifenbranche zunehmend an Bedeutung – wie übrigens auch das Thema Reifen in der Kfz-Branche. War da ein Zusammengehen oder zumindest eine enge Zusammenarbeit mit der Automechanika nicht unausweichlich?

Oliver P. Kuhrt:

Absolut. Deshalb kooperieren wir bereits seit 2014 mit der Automechanika und gehen jetzt den nächsten Schritt. Die Branche konsolidiert sich – alte Geschäftsmodelle kommen an ihre Grenzen, und neue entstehen. Unser Anspruch als Messegesellschaft besteht darin, solche Trends rechtzeitig aufzuspüren und der Industrie attraktive Angebote zu machen. Die ersten Reaktionen der Aussteller lassen darauf schließen, dass uns das mit dem neuen Konzept der ‚Reifen’ in Frankfurt hervorragend gelungen ist. Uns liegen bereits positive Rückmeldungen mehrerer Hersteller sowie nationaler und internationaler Verbände vor.

NEUE REIFENZEITUNG:

Reifen-Messe und Essen gehören seit Jahrzehnten synonym zusammen und stehen auch für viel Altbewährtes und gemeinsame Erfolge. Wird jetzt alles anders? Auf welche Veränderungen darf oder muss sich der Markt einstellen?

Oliver P. Kuhrt:

Wir gehen den nächsten Schritt bewusst auf dem Höhepunkt des Erfolgs. Denn die Veränderungen innerhalb der Branche sind in vollem Gang, darüber täuscht auch der Ausstellerrekord der ‚Reifen 2016’ nicht hinweg. Das Modell der reinen Reifenmesse, isoliert und ohne Anknüpfungspunkte zu benachbarten Geschäftsfeldern, hat nach 2016 langfristig ausgedient. Wenn sich Märkte konsolidieren, müssen Messen diese Entwicklung ebenfalls abbilden. Von dem Schritt nach Frankfurt erwarten wir frische Impulse für den Markt. Die Veränderungen für Aussteller und Besucher sind positiv: neue Zielgruppen, ein breiteres Angebot und zusätzliche Absatzfelder.

NEUE REIFENZEITUNG:

Gibt es Teile des bisherigen Veranstaltungskonzeptes, des ‚Modells Reifen-Messe’ also, die Sie in jedem Fall auch in Frankfurt umsetzen wollen? Welche?

Oliver P. Kuhrt:

Die gibt es. Die ‚Reifen’ tritt auch zukünftig als eigenständige Marke und Veranstaltung auf. Denn für zahlreiche Aussteller und Besucher ist die ‚Reifen’ gleichbedeutend mit Messeerfolg. Die vier wesentlichen Säulen des Angebots bleiben weitgehend erhalten: Hersteller, Händler, Runderneuerung und Recycling. Eine Veränderung gibt es im Bereich Werkstatt, der zur Automechanika wandert. Im Gegenzug wechselt das bisherige Angebot an Reifen und Felgen auf der Automechanika zur ‚Reifen’. Dazu haben wir uns gemeinsam mit der Messe Frankfurt entschieden, um sämtliche Angebote gebündelt an jeweils einem Ort auf dem Messegelände abzubilden.

NEUE REIFENZEITUNG:

Sie teilten jüngst mit, die Aussteller der Reifen-Messe könnten auch vom ‚internationalen Netzwerk der Automechanika’ profitieren. Inwiefern? Haben Sie spezielle Initiativen geplant, um die Reifen-Messe international noch erfolgreicher zu machen?

Oliver P. Kuhrt:

Die Automechanika ist der Exportschlager unter den weltweiten Messemarken. Deshalb freuen wir uns, dass die ‚Reifen’ ab sofort auch eigenständig und parallel zu den 14 weiteren Veranstaltungen der Automechanika neben Frankfurt stattfindet. Damit eröffnen wir den Ausstellern der ‚Reifen’ auf einen Schlag ein weltumspannendes Netzwerk mit attraktiven Zukunftsmärkten. Beide Veranstaltungen werden künftig gemeinsam beworben und vermarktet, so dass die Aussteller der ‚Reifen’ auch hier von der enormen internationalen Strahlkraft der Automechanika profitieren werden.

Das monothematische Geschäftsmodell einer reinen Reifenmesse hat in den Augen der Essener Messeverantwortlichen keine Zukunft, der Markt ändere sich zu sehr; stattdessen wollen sie gemeinsam mit der Messe Frankfurt die Reifen- und Felgenindustrie sowie den Reifenhandel mit dem Automotive Aftermarket zusammenbringen und „auf diesem Weg attraktive Synergien“ schaffen

Das monothematische Geschäftsmodell einer reinen Reifenmesse hat in den Augen der Essener Messeverantwortlichen keine Zukunft, der Markt ändere sich zu sehr; stattdessen wollen sie gemeinsam mit der Messe Frankfurt die Reifen- und Felgenindustrie sowie den Reifenhandel mit dem Automotive Aftermarket zusammenbringen und „auf diesem Weg attraktive Synergien“ schaffen

NEUE REIFENZEITUNG:

Wird die Reifen-Messe denn unter dem Dach der Automechanika eigenständig sein und bleiben? Oder wird die zukünftige Reifenhalle 12 in Frankfurt eine Themenhalle der um ein Mehrfaches größeren Automechanika sein?

Oliver P. Kuhrt:

Die ‚Reifen’ bleibt eigenständig. Die Marke ist so erfolgreich und etabliert, dass sie auch in Frankfurt zahlreiche Aussteller und Besucher anziehen wird. Der Reiz unserer strategischen Partnerschaft liegt ja gerade im erfolgreichen Zusammenspiel zweier Weltleitmessen, deren Angebot sich auf ideale Weise ergänzt.

NEUE REIFENZEITUNG:

Wie soll denn der Vertrieb der ‚Reifen 2018’ organisiert sein? Kümmert sich die Messe Essen um die Ausstellerakquise, bucht man seine Standfläche weiterhin bei Ihnen? Oder sind dabei auch die Kollegen der Messe Frankfurt involviert?

Oliver P. Kuhrt:

Der Vertrieb erfolgt gemeinsam in enger Abstimmung durch beide Messegesellschaften, um auch die Synergieeffekte zur Automechanika für unsere Kunden konsequent zu nutzen. Diese Vorgehensweise ist nicht neu, weil wir international bereits seit 2014 an ausgewählten Standorten im Ausland kooperieren. Die Erfahrung zeigt, dass wir auch aus Vertriebssicht gemeinsam ticken.

NEUE REIFENZEITUNG:

Wo sehen Sie gegebenenfalls weitere Synergien bei der Ausrichtung der beiden Messen?

Oliver P. Kuhrt:

Aus Sicht beider Messegesellschaften gibt es natürlich weitere Synergien im weltweiten Marketing der Veranstaltungen. Noch wichtiger sind aber die Synergien für Aussteller und Besucher: Es gibt in Deutschland künftig nur noch diesen einen Termin für die Industrie, auf den sich alles konzentrieren wird, alles andere hat keine Substanz.

NEUE REIFENZEITUNG:

Könnten Sie sich vorstellen, die Veranstaltung und die Namensrechte komplett an die Messe Frankfurt abzutreten?

Oliver P. Kuhrt:

Wir arbeiten in der aktuellen Konstellation hervorragend mit den Kollegen in Frankfurt zusammen, und das wird auch so bleiben.

NEUE REIFENZEITUNG:

Das Rahmenprogramm der ‚Reifen 2018’ werden Sie dann ohne branchennahen Partner aufstellen, oder?

Oliver P. Kuhrt:

Im Gegenteil. Wir haben bereits anlässlich der ‚Reifen 2016’ mit der ‚Future Tire Conference’ eines der renommiertesten Kongressformate der Branche für uns gewinnen können. Für die internationalen Besucher – und das sind mehr als die Hälfte – hat das weitere Rahmenprogramm unseres bisherigen regionalen Branchenpartners ohnehin nur begrenzten Wert. Außerdem wird die ‚Reifen’ durch den Schritt nach Frankfurt nochmals internationaler, und ich bin sicher, dass sich das auch im Rahmenprogramm widerspiegeln wird.

NEUE REIFENZEITUNG:

Mit der diesjährigen Veranstaltung verabschiedet sich die Reifen-Messe von Essen. Haben Sie dazu besondere Pläne, ist dies ein Grund zum Feiern?

Oliver P. Kuhrt:

Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite ist der Schritt zur Automechanika absolut im Sinne der Branche und unserer Kunden. Auf der anderen Seite ist die ‚Reifen’ in Essen über viele Jahrzehnte erfolgreich gewachsen, weshalb sich viele zu Recht dem Standort verbunden fühlen. Nichtsdestotrotz zahlt eine erfolgreiche ‚Reifen’ in Frankfurt auch auf den Standort Essen und unsere Unternehmensmarke ein, beispielsweise über den Umweg der weltweiten Berichterstattung. Deshalb werden wir die kommende ‚Reifen’ in Essen nutzen, um gemeinsam eine hervorragende Visitenkarte für die Zukunft abzugeben.

NEUE REIFENZEITUNG:

Wie schätzen Sie den Versuch von Koelnmesse und BRV ein, in Köln ab 2018 eine alternative Veranstaltung zu etablieren?

Oliver P. Kuhrt:

‚Reifen’ und Automechanika werden sich durchsetzen. Zunächst einmal gewinnt der Autoservice für die Reifenbranche wie bereits angesprochen zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung erkennt auch der BRV an. Doch mit ein bisschen Autoservice on top einer reinen Reifenmesse ist der Branche nicht geholfen. Wir gehen den entscheidenden Schritt weiter und bringen die Reifenbranche aktiv mit dem Automotive Aftermarket zusammen. Dafür gibt es keine bessere Messe als die Automechanika. In Kombination mit der ‚Reifen’ sehe ich hier erhebliches Potenzial für sämtliche Marktteilnehmer.

Alle nationalen und internationalen Unternehmen, die für sich die zusätzlichen Synergien einer Weltleitmesse wie der Automechanika nutzen wollen, sind dankbar in Frankfurt ab 2018 zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Die Rückmeldungen auf unseren Erstkontakt mit einem Großteil der Aussteller wenige Stunden nach Ankündigung haben dies in eindrucksvoller Weise bestätigt.

Darüber hinaus ist das internationale Netzwerk der Automechanika unschlagbar. Die vielfältigen Möglichkeiten für unsere Aussteller, in unterschiedlichen Paketlösungen – je nach Zielregion-Ansprache – nun auch in 14 weiteren Ländern an einer ‚Reifen’ parallel zur Automechanika teilnehmen zu können, sind alternativlos. Ein so umfassendes Netzwerk bietet die ‚Tire Cologne’ meines Wissens nicht mal ansatzweise. Insofern sehen wir dem Wettbewerb gelassen entgegen. Konkurrenz belebt das Geschäft – in diesem Fall unseres. ab

 

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.