OTR-Reifenmarkt und die Bauma: Kaum Grund zum Jammern, aber …

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Wer auf der Bauma in München Gespräche mit den Ausstellern zum Thema Reifenmarkt führte, der erhielt oftmals klassische Sowohl-als-auch-Antworten. Gerade in den vergangenen drei Jahren ist der hiesige Markt – so belegen es die vorliegenden Daten – um mehrere Prozente gewachsen. Dies schlägt sich in der Stimmung der Aussteller positiv nieder. Gleichzeitig liegt der Markt damit aber immer noch zehn bis 20 Prozent unter dem Spitzenjahr 2011. Grund zum Jammern scheint trotzdem nicht zu bestehen. Allerdings brechen sich auch auf dem OTR-Reifenmarkt und darin auch auf dem EM-Reifenmarkt Entwicklungen Bahn, die wir bereits von anderen Märkten kennen, etwa dem Pkw- oder dem Lkw-Reifenmarkt: Es drängen zunehmend neue Anbieter mit immer breiter werdenden wettbewerbsfähigen Sortimenten in den Markt, die ein Stück vom Kuchen für sich reklamieren. Dies zeigt sich auch an den zunehmenden Importzahlen, die etwa nicht im Europool auftauchen. Durch das daraus folgende Überangebot kommen die Preise unter Druck; die drei Weltmarktführer, von denen lediglich die Nummer eins Bridgestone in München ausstellte, betrifft dies indes (noch) nur punktuell, binden sie ihre Kunden im Premiumsegment doch auch über Dienstleistungen.

Die Bauma in München findet nur alle drei Jahre statt, ist weltweit die größte Baumaschinenmesse. Auch dieses Jahr lockten wieder über 3.400 Aussteller 580.000 Besucher aus 200 Ländern in die bayerische Landeshauptstadt. Hatte man 2013 bereits zur Kenntnis nehmen müssen, dass Michelin nicht mehr auf der Bauma ausstellt, so ging der Messe in diesem Jahr auch Goodyear als Aussteller verloren. Nun sind die Kosten für eine Messepräsenz, wie sie für einen der Weltmarktführer schicklich wäre, sicherlich nicht mal eben aus der Portokasse zu bezahlen; man kann hier gut und gerne 100.000 bis über 300.000 Euro rechnen, wenn man alles in die Kalkulation mit einbezieht. Während der weltgrößte Hersteller von Reifen und anderen Gummiprodukten auf der diesjährigen Bauma mit Präsenz und neuen Produkten glänzte, kann die wahrgenommene Verschiebung der Bedeutung der verschiedenen Hersteller auf dem europäischen und auf dem deutschen OTR-Reifenmarkt auch dem Bridgestone-Konzern als ‚letzter der Großen’ nicht gefallen. Im Gegenteil. Während Bridgestone auf der Bauma den Kontakt zu Endverbrauchern pflegt und sucht, zeigt der Hersteller vor allem auch eins: Er hat für sich beschlossen, dass man es sich eben nicht leisten kann, der Bauma den Rücken zu kehren. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass zunehmender Preiswettbewerb Auswirkungen auf die Marketingbudgets und vor allem deren Verteilung hat. Da macht auch der OTR-Reifenmarkt keine Ausnahme. Aber unabhängig von den Kosten und dem personellen Aufwand – so mancher großer Reifenhersteller baut seit einigen Jahren in den entsprechenden Vertriebsabteilungen eher Personal ab als auf –, die Präsenz auf einer Weltleitmesse ist immer auch ein Signal an den Markt und an den Glauben daran. Und ein solches Signal wird von vielen Kunden wahrgenommen.

Auch wenn man bei Bridgestone am Bauma-Messestand, vor dem der weltweit größte EM-Reifen mit 63 Zoll thronte, freilich nicht offiziell über den Wettbewerb sprechen wollte, so war man dort auch der Ansicht, mit der Messepräsenz ein klares Signal setzen zu wollen. Als größter Reifenhersteller der Welt komme in der Präsenz auf der größten Baumaschinenmesse der Welt auch ein Stück weit eine „Philosophie zum Ausdruck“, die kaum Zweifel an den Ansprüchen des Unternehmens auf dem Weltmarkt hinterlässt. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erklärte Matthias Engelhardt, viele Kunden orientierten sich heute – gerade beim Investitionsgut EM-Reifen – immer langfristiger. Der Senior Manager Commercial Business North und EM-Reifen für den DACH-Markt sagt, diese Kunden interessierten sich für mehr als für Produkte und Preise. „Wir präsentieren hier auch unsere Kompetenz“, so Engelhardt weiter – die Basis für Vertrauen, auf das es im Geschäft eben auch immer ankommt. „Wir nutzen unsere Chance“, so der Senior Manager weiter, auf der Bauma in München seien schließlich „viele Entscheider da“.

Und die bekamen bei aller notwendigen Kontaktpflege am 200 m² großen Bridgestone-Stand auch einiges an Neuheiten zu sehen und zu hören. So etwa den neuen Mobilkranreifen VHS2, der ab sofort in der Größe 445/95R25 (Lastindex 174) erhältlich ist. Der Reifen wurde entwickelt, „um die Rentabilität für Betreiber schwerer Mobilkräne zu steigern. Mit seiner Leichtbaukonstruktion und dem gleichmäßigen Abriebverhalten bietet der VHS2 absolute Zuverlässigkeit und eine lange Lebensdauer, kombiniert mit geringen Laufgeräuschen und hoher Stabilität bei ebensolchen Geschwindigkeiten“, so der Hersteller am Bauma-Messestand. Ebenfalls neu im Sortiment: der VLT-Reifen in der neuen Größe 33.25R29 speziell für den neuen Volvo A60H, den weltgrößten knickgelenkten Dumper. „Das Reifendesign ist speziell auf höchste Wendigkeit sowie Traktion und für Fahrzeuge mit einer Nutzlast von bis zu 55 Tonnen ausgelegt.“

Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachten wird der Markt die jetzt beginnende Kooperation mit dem Runderneuerer Rösler, der sich auf EM-Reifen spezialisiert hat. Das Dortmunder Unternehmen fertigt ab jetzt exklusiv für Bridgestone runderneuerte EM-Reifen. Das erste jetzt verfügbare Produkt – der V-Tread BMT (entspricht dem Neureifenprofil VMT) – ist dabei in drei 25-Zoll-Größen über Bridgestones Vertriebskanäle erhältlich. Das für die Produktion ausschließlich Bridgestone-1A-Karkassen genutzt werden, versteht sich. Das Produkt soll im Rahmen des „Total Tyre Care“ genannten Komplettangebots an EM-Reifen und dazugehörenden Dienstleistungen und Tools am Markt platziert werden und das Produktangebot ‚nach unten hin’ abrunden. In der Einführung, so betont Matthias Engelhardt, komme eben auch der Wunsch vieler Kunden zum Ausdruck, die mehr von ihrem Reifen haben wollen als nur ein Leben. „Damit binden wir Kunden an uns, indem wir den Reifen für ein zweites Leben nutzen können.“ Dass auf der Seitenwand des Reifens eben nicht Bridgestone, sondern V-Tread steht, sei eine Frage der Abgrenzung. „Die Marke Bridgestone steht für Neureifen“, so der Senior Manager weiter.

„Highlight des Messeauftritts von Bridgestone ist das ‚Total-Tyre-Care’-Konzept für Baumaschinenreifen“, betont der Hersteller. „Das Programm verbindet Reifenprodukte in Premiumqualität mit professioneller Beratung, maßgeschneiderten Systemen, Services und Tools, mit denen Flottenbetreiber ihre Betriebskosten erheblich reduzieren können.“ Als wichtigen Teil des „Total-Tyre-Care“-Programms demonstrierte Bridgestone mit einem animierten Baustellenmodell die Funktionsweise des RDKS-Systems für OTR-Reifen. „Die Aufrechterhaltung des richtigen Reifendrucks trägt zur Maximierung der Reifenlebensdauer bei“, so Engelhardt, „unerwartete Reifenschäden lassen sich vermeiden und Kraftstoffverbrauch sowie Abnutzung verringern.“

Neben der Herstellung von Reifen nutzt Bridgestone seine Expertise im Bereich der Kautschukverarbeitung auch zur Entwicklung einer großen Palette von Gummierzeugnissen für Maschinen aus der Bergbauindustrie und dem Bauwesen. Zum ersten Mal setzt Bridgestone auf der Bauma auf ein gemeinsames Standkonzept und zeigt neben Reifen auch seine Industrieprodukte. Hierzu gehören etwa Bridgestone-Gummiketten und -Gummibodenplatten für Bagger und andere Raupenfahrzeuge oder auch Schwingungsisolatoren für Motoren, Fahrerkabinen oder Fahrwerke. Darüber hinaus gab Bridgestone einen Einblick in das Sortiment der Fördergurte.

Auf dem Markt für OTR-Reifen noch ein relativer Newcomer, zumindest in Europa, arbeitet Continental doch mit Nachdruck daran, dass sich dies ändert. Nachdem der deutsche Reifenhersteller und Zulieferer bereits 2013 den Einstieg ins Sortiment der Industrie-/Hafenreifen geschafft hat, stellte der Geschäftsbereich Continental Commercial Specialty Tires (CST) auf der Bauma nun auch seinen ersten EM-Reifen vor: den ContiEarth EM-Master in 25 Zoll und zwei Profiltiefen für knickgelenkte Muldenkipper (ADT) und Radlader. Ebenfalls neu im Sortiment, wenn auch nicht auf der Bauma zu sehen, ist der ContiEarth RDT-Master in 33 Zoll für Starrrahmenmuldenkipper (RDT). Der Continental-Konzern ist zwar weltweit mit OTR-Reifen am Markt präsent, etwa über die Marke General mit Produktion in Südafrika oder über Simex mit Produktion in Malaysia. Nun kümmere man sich aber auch intensiv um den Einstieg in Europa, wie Christian Luther im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG auf der Bauma betonte. Der Produkt Line Manager Earthmover Tires mit Verantwortung für die Segmente Mining und Construction erläutert, dass nach der jetzt vollzogenen Einführung der ersten Produkte weitere Produktlaunches folgen werden und das Sortiment im Laufe der Jahre immer dichter werden soll. Die Fertigung der Reifen findet aktuell im Reifenwerk im Rumänien statt (Timisoara). Auch wenn hin und wieder auch die anderen Marken des Konzerns in Europa vertrieben werden, wolle man sich zukünftig bei EM- und Minenreifen doch auf Reifen der Marke Continental konzentrieren.

Dabei will Continental weit mehr als nur Produkte anbieten und kann in diesem Zusammenhang aus dem großen Portfolio der eigenen Automotive Group schöpfen. Im Mittelpunkt derzeit dabei: das RDK-System „ContiPressureCheck“. Das System stellt den Reifendruck in Echtzeit dar und liefert die Daten entweder an den Fahrer der entsprechend ausgerüsteten Erdbewegungsmaschine oder direkt an den Fuhrparkmanager. „Dieses Informationssystem erlaubt es Nutzern, den richtigen Reifendruck für optimale Handhabung, Sicherheit und Kraftstoffwirtschaftlichkeit verlässlich einzuhalten“, heißt es dazu vonseiten des Herstellers. Nur wer über die zentralen Einsatzdaten zu seinen Produkten verfüge, so Luther weiter, könne die Total Costs of Ownership (TCO) optimieren.

Zu den Produkten. Der ContiEarth EM-Master ist in zwei Versionen mit unterschiedlichen Laufflächendesigns verfügbar. Die Reifenversion E3/L3 verfügt über eine normale Profiltiefe (100 Prozent) und einen größeren Abstand zwischen den Profilblöcken als der ContiEarth EM-Master E4/L4. Dies ermögliche eine hervorragende Selbstreinigungsfähigkeit, eine leistungsstarke Traktion und eine sehr gute Manövrierfähigkeit selbst auf matschigen Böden, so der Hersteller. Das offene Profildesign und die Standardprofiltiefe der Reifenversion E3/L3 führten außerdem zu einer besseren Kühlung. Dadurch werde die Wärmeentwicklung im Reifen minimiert und die Lebensdauer verlängert. Der ContiEarth EM-Master E4/L4 sei optimal für den Einsatz auf Kies- und Felsböden geeignet. Er verfügt im Vergleich über größere Profilblöcke mit einem kleineren Abstand sowie ein tieferes Profil. Er besitze dadurch einen hohen Karkassenschutz und eine ausgezeichnete Schnittfestigkeit. Das Risiko von Reifenschäden und Ausfallzeiten werde so minimiert. Der verringerte Abstand zwischen den Profilblöcken ermögliche zudem eine höhere Laufruhe selbst auf harten Untergründen. Durch ein höheres Abriebvolumen der Lauffläche biete der ContiEarth EM-Master E4/L4 zudem eine noch längere Lebensdauer als die Reifenversion E3/L3.

Der ContiEarth RDT-Master E4 ist für den Transport von besonders schweren Lasten ausgelegt und optimal für den Einsatz an schweren Baufahrzeugen wie Starrrahmenmuldenkippern geeignet. Das spezielle Reifendesign mit einem tiefen Profil sowie einem breiten und flachen Laufflächenradius soll für hohe Belastbarkeit und Schnittfestigkeit sorgen. Die abgewinkelten Profilklötze und die offene Schulter ermöglichten eine höhere Seitenstabilität für einen verbesserten Fahrkomfort und optimale Traktion. Darüber hinaus trage das spezielle Profildesign zu sehr guten Selbstreinigungseigenschaften auf schlammigen Untergründen bei.

Rajiv Poddar und Lucia Salmaso sehen in einem kompletten Sortiment den Schlüssel zum Erfolg eines Herstellers auf dem OTR-Reifenmarkt

Rajiv Poddar und Lucia Salmaso sehen in einem kompletten Sortiment den Schlüssel zum Erfolg eines Herstellers auf dem OTR-Reifenmarkt

In den vergangenen Jahren hat vor allem ein Unternehmen auf dem OTR-Reifenmarkt für Aufruhr gesorgt: BKT aus Indien. Der Hersteller ist mittlerweile in nahezu jedem Produktsegment vertreten und kann auf ein Line-up verweisen, das sich durchaus mit denen der Weltmarktführer messen lassen kann. Dabei setzt der Hersteller Balkrishna Industries Ltd., der am Markt nahezu ausschließlich mit seiner Produktmarke BKT auftritt, gezielt auf die Unterstützung von starken Vertriebspartnern in den verschiedenen Märkten. In Deutschland etwa vertraut das indische Unternehmen auf die Bohnenkamp AG. Der Großhändler aus Osnabrück, der ebenfalls auf der diesjährigen Bauma ausstellte (mehr dazu unten), vertreibt dabei das gesamte BKT-Programm. Dazu gehören neben Landwirtschafts- und Forstreifen eben auch MPT- sowie das komplette Sortiment an Baustellen-, Industrie- und anderen OTR-Reifen für Kräne, Radlader und Muldenkipper verschiedenster Größen; BKT führt nahezu alles bis zu 51 Zoll.

„Ein komplettes Sortiment ist der Schlüssel zum Erfolg“, betont Rajiv Poddar im Gespräch mit dieser Zeitschrift. „Wir wollen unseren Kunden alles aus einer Hand bieten“, so der Joint Managing Director weiter. BKT sei auch deswegen seit dem Start in Europa vor gut 20 Jahren entsprechend stark gewachsen, weil eben „fast keine Lücken im Sortiment“ zu finden sind, meint auch Lucia Salmaso, Geschäftsführerin des hiesigen Tochterunternehmens BKT Europe mit Sitz in Italien. Selbst zu althergebrachten Diagonalreifen bekennt man sich bei BKT wie selbstverständlich. Dabei sei ein umfassendes Produktangebot nicht der einzige Schlüssel, den BKT erfolgreich zu drehen weiß. Der Hersteller legt es nicht darauf an, mit seinen Produkten stets der günstigste zu sein, auch wenn der Wettbewerb in Europa und weltweit derzeit stark über den Preis geführt wird und BKT in der Wahrnehmung vieler Beobachter (noch) nicht der Nimbus eines Premiumanbieters umgibt. Dennoch biete man qualitativ hochwertige Produkte, so Poddar weiter, und folglich vor allem ein wettbewerbsfähiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Markt stelle jedes Unternehmen derzeit vor große Herausforderungen, findet auch der Joint Managing Director von Balkrishna Industries; der Druck auf die Preise sei durch das globale Überangebot groß. Folglich suchten Kunden immer wieder – und zurecht – „nach günstigen Gelegenheiten“. Was sie indes nicht wollen, sei es, einen Kompromiss in Bezug auf die Sicherheit einzugehen. Unter einer hohen Produktqualität versteht Poddar eine weitere Grundlage für ein auf Dauer gut gehendes Geschäft. Gleichzeitig muss jeder Hersteller – zusammen mit seinen Vertriebspartnern – seinen Kunden einen umfassenden Aftersales-Service bieten; das werde gerade beim ‚Investitionsgut OTR-Reifen’ schlichtweg erwartet. Dazu gehört freilich auch eine gut funktionierende Logistik. Aber eben auch ein funktionierendes Beziehungsmanagement – in diesem Zusammenhang sei die Bauma in München zentraler Marketingbaustein von BKT und seinen Partnern.

Produktseitig zeigte BKT auf der Bauma auch die vier Neuheiten dieses Jahres: den Earthmax SR 31 in der Größe 23.5R25, den ersten radialen Hafenreifen des Herstellers Portmax PM 90 in 18.00R25 bzw. Portmax PM 93 in 16.00R25 sowie den Liftmax LM 81 in 7.50R15). Die fünfte auf der Bauma 2016 präsentierte Neuheit von BKT war im Außenbereich der Messe ausgestellt: der Earthmax SR 45 Plus in der Größe 27.00R49 und damit einem Durchmesser von 2,70 Meter.

Stefan Bruns vom Mitas-Marketing konnte auf der diesjährigen Bauma in München gleich mehrere neue Produkte präsentieren

Stefan Bruns vom Mitas-Marketing konnte auf der diesjährigen Bauma in München gleich mehrere neue Produkte präsentieren

Auch wenn man anlässlich der Bauma gerne mehr über die geplante Übernahme der CGS Holding und damit des Reifenherstellers Mitas durch die schwedische Trelleborg-Gruppe erfahren hätte, nachdem dies Anfang November angekündigt wurde, sahen sich Neugierige enttäuscht. Die Übernahme liegt immer noch bei den europäischen Wettbewerbsbehörden; würde sie genehmigt werden, würde Mitas neben Landwirtschaftsreifen vor allem auch ein attraktives Sortiment an OTR-/EM-Reifen in die Beziehung einbringen, das derzeit umfassend ausgeweitet wird. Die Einführung von vier neuen Profilen und acht neuen Reifengrößen sind „das Kernstück der Produkteinführungen und Innovationen“, die Mitas für 2016 geplant hat, erläuterte Stefan Bruns vom Mitas-Marketing anlässlich der Bauma. Einige dieser Reifen zeigte der Hersteller auch in München auf der Messe, so etwa den brandneuen ERD-45 18.00R33 für Muldenkipper; bisher hatte Mitas entsprechende Reifen lediglich in 25 Zoll im Produktangebot. Drei weitere Ausführungen des ERD-45 sollen in den beiden kommenden Jahren folgen, und zwar in den Größen 21.00R33, 21.00R35 und 24.00R35, so Bruns weiter.

Eine spezielle Profilentwicklung innerhalb des Mitas-EM-Reifensegments, das bei der Bauma vorgestellt wurde, ist der neue 20.5 R25 EMR-01, ein Reifen, der für Lader mit vorwiegendem Einsatz in der Landwirtschaft konzipiert wurde. EMR-01 hat folglich ein entsprechendes Traktionsprofil ähnlich dem von Traktorreifen, ist aber eben auch in einer Größe erhältlich, wie sie bei in der Landwirtschaft – etwa für Biogasanlagen – genutzten Radladern gebräuchlich ist. Der neue Mitas EMR-01 soll im Juni 2016 auf den Markt kommen, hieß es dazu am Mitas-Stand auf der Bauma.

„Die Investitionen in unsere Produktionsstätten tragen nun Früchte. Wir sehen ein riesiges Marktpotenzial bei EM-Reifen, und die Einführung acht neuer Größen in diesem Segment zeigt, dass wir bereit sind, den starken Wettbewerb anzunehmen“, erläuterte Jaroslav Musil vom Mitas-Produktmanagement. Außerdem zeigte Mitas auf der Bauma erstmals seinen neuen Kranreifen CR-02 in 445/95 R25. Der Nachfolger des CR-01, der weiterhin im Sortiment bleiben wird, wurde für Geschwindigkeiten von bis zu 85 km/h konzipiert; die maximale Tragfähigkeit im Einsatz bei 80 km/h beträgt 6.700 Kilogramm mit 9 bar Luftdruck. Der Mitas CR-02 habe „dank der optimierten Konstruktion eine verbesserte Betriebseffizienz“, so Bruns. Da der neue CR-02 leichter als sein Vorgänger ist, sei es nun „auch möglich, die CR-02-Reifen auf eine einteilige Felge zu montieren, um das Gesamtgewicht des Mobilkrans zu reduzieren. Diese Verbesserungen haben positive Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch.“ Mitas CR-02 Reifen sind bereits im Markt erhältlich. Der CR-01 ist unterdessen weiterhin in den Größen 525/80 R25, 445/95 R25 und 385/95 R25 erhältlich.

Die Alliance Tire Group stellte auf der Bauma den neuen Baggerreifen Dual Master in 315/80 R22.5 vor, der 6.800 Betriebsstunden im ersten Leben erreicht und wenigstens zwei Mal runderneuert werden kann

Die Alliance Tire Group stellte auf der Bauma den neuen Baggerreifen Dual Master in 315/80 R22.5 vor, der 6.800 Betriebsstunden im ersten Leben erreicht und wenigstens zwei Mal runderneuert werden kann

Auch am Bauma-Stand der Alliance Tire Group (ATG) drehten sich viele der Gespräche um eine Übernahme; wie seit Ende März bekannt ist, will Yokohama Rubber den indischen Reifenhersteller für 1,05 Milliarden Euro übernehmen. Anders als im Falle Trelleborg/CGS/Mitas konnte man bei Alliance Tire bereits etwas konkreter zum Stand der Dinge werden. So sei es bereits jetzt sicher, dass ATG „weiterhin als unabhängige Business Unit arbeiten“ werde, konnte man dazu in München auf der Bauma erfahren. Es gebe nur „minimale Produktüberlappungen“ zwischen den Sortimenten von ATG und Yokohama. Außerdem: „ATG wird seine Marke, seine Kultur und sein Geschäftsmodell beibehalten. Nach der Übernahme wird ATG von der durch Yokohama gewonnenen zusätzlichen Expertise profitieren.“

„Durch den Zugriff auf Yokohamas Ressourcen und Möglichkeiten in Bezug auf F&E, Marketing, Supply Chain und Einkauf erwarten wir Größenkostenersparnisse“, sagt dazu Yogesh Mahansaria, Gründer und Chief Executive Officer der Alliance Tire Group, anlässlich der Bauma. Außerdem werde ATG durch die Akquisition in die Lage versetzt, bei den Aktivitäten und der Marke international zu wachsen. „Für die Kunden von ATG habe ich eine klare Message: Wir bleiben weiterhin wie gewohnt unseren Kunden verpflichtet und können außerdem zusätzlichen Nutzen durch die Expertise und Stärke eines globalen Marktführers bringen.“ Weitere Details zum zeitlichen Fahrplan der Übernahme von ATG durch Yokohama Rubber gab es auf der Bauma indes nicht. Aktuell hält die Private-Equity-Gesellschaft KKR 90 Prozent der Anteile an der Alliance Tire Group; Yogesh Mahansaria ein Großteil der verbleibenden zehn Prozent. Auch der Gründer und Chief Executive Officer des Unternehmens werde seine Anteile verkaufen, heißt es dazu auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG.

Als einer der größten Großhändler Europas mit spezieller Ausrichtung auf das OTR-Segment durfte auch Heuver Banden nicht auf der diesjährigen Bauma in München fehlen. Das Unternehmen mit Sitz im niederländischen Hardenberg konzentriere sich dabei auf drei zentrale Marktsegmente: Lkw-, Landwirtschafts- und Erdbewegungsreifen. Für den Großhändler, der diesen Mai sein 50-jähriges Jubiläum feiert, steht dabei natürlich die Marke Aeolus im Mittelpunkt.

„Als Spezialist für Erdbewegungsreifen bieten wir ein Gesamtangebot an – von neuen bis gebrauchten Reifen, von Abdeckungen bis hin zu Felgen und vom Einsammeln von Karkassen bis hin zu einem großen festen Bestand. Einer unserer Schwerpunkte ist dabei unsere exklusive Hausmarke Aeolus. Diese Marke produziert fast jeden vorstellbaren Reifen und liefert immer Spitzenqualität zu einem möglichst günstigen Preis. Vor allem im Bereich Reifen für Baumaschinen können wir unserem Kunden, dem Reifengroßhandel, mit Aeolus ein ganz besonderes Angebot machen“, betonte Bertus Heuver anlässlich der Bauma in München.

Die Magna Tyres Group präsentierte sich auf der Bauma in München nicht nur als Partner des europäischen Reifenfachhandels, sondern auch mit mehreren neuen Produkten. Das im niederländischen Waalwijk ansässige Unternehmen hat in der jüngsten Vergangenheit intensiv an der Erweiterung seines Partnernetzwerks in Europa und in Deutschland gearbeitet, wozu mittlerweile auch führende Nutzfahrzeugreifenexperten wie Helm, John, Müller (Hammelburg), Ehrhardt und Lorenz gehören. Wie Marketingmanager Edwin Muilwijk auf der Bauma erklärte, sei eine globale Abdeckung mit Vertriebspartnern für die Reifen der Marke Magna zentral für den Geschäftserfolg des Unternehmens; in Deutschland sei man mit Vertriebspartnern bereits überaus gut vertreten.

Damit das langfristig so bleibt, investiert die Magna Tyres Group in die Entwicklung neuer Profile, was in den Niederlanden selbst stattfindet, während die Produktion bei Offtake-Partnern in Asien stattfindet. So zeigte das Unternehmen in München etwa den neuen Autokranreifen Magna MA03+ (E3). Erhältlich ist der Nachfolger des MA03 – bleibt zunächst weiterhin im Angebot, wurde er doch erst 2014 eingeführt – in den Größen 385/95 R25 170 F, 445/95 R25 174 F und 525/80 R25 176 F. Der neue MA03+ zeichne sich aufgrund des neuen Profildesigns vor allem durch einen verbesserten Rollwiderstand aus, was zu einem reduzierten Kraftstoffverbrauch führe, so Muilwijk weiter. Ebenfalls neu im Magna-Tyres-Sortiment: der MA11 (E2/L2) für kleinere Radlader. Der neue Reifen ist ab dem dritten Quartal in 18 und 20 Zoll erhältlich.

Für den aufstrebenden OTR-Reifenanbieter Maxam Tire International ist die Bauma in den vergangenen Jahren zu einer Pflichtveranstaltung geworden. Wie Geschäftsführer Martin West und Operations Director Federico Fiorini im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutern, sei die Münchener Messe zentraler Anlaufpunkt der gesamten Baumaschinenbranche, und die Bauma habe eben „einiges zu bieten“. „Maxam betreibt ein weltweites Geschäft“, so Martin West. „Dazu passt eine weltweite Leitmesse erstklassig.“ Dabei arbeite das in Großbritannien ansässige und seit 2011 zur chinesischen Sailun-Jinyu-Gruppe gehörende Unternehmen vorzugsweise mit Vertriebspartnern in den verschiedenen Regionen zusammen. Auch in diesem Zusammenhang biete die Bauma als Anlaufpunkt gute Möglichkeiten zur Kontaktpflege und zum Kontaktaufbau.

Dabei ist das Produktsortiment – gezeigt am Stand in der Halle wie auch auf einem weiteren Stand auf dem Außengelände der Messe München – seit der Gründung des Unternehmens vor mittlerweile mehr als 50 Jahren deutlich angewachsen und decke fast die komplette Range an OTR-Reifen ab; dazu gehören Industriereifen genauso wie auch Landwirtschaftsreifen (eingeführt erst 2015) sowie Produkte für zahlreiche weitere Anwendungen auf Baustellen, in Minen und im Tagebau. Ganz neu im Maxam-Tire-Sortiment ist der MS901R, ein radialer MPT-/EM-Reifen, der in zunächst zehn Größen (20 und 24 Zoll) erhältlich sein wird und auf der Bauma Premiere feiern konnte. Insbesondere sei das breite Line-up des neuen Maxam-Reifens zu betonen, betonte Fiorini. Nicht zuletzt auch zur Unterstützung der Partner betreibt Maxam seit einiger Zeit ein Pufferlager in der Nähe von Trier.

Wo Reifen im anspruchsvollen Baustelleneinsatz sind, da sind auch Reifenschäden meist nicht weit. Auf der diesjährigen Bauma präsentierte Rema Tip Top folglich Produkte zur Reifenreparatur und führte diese auch gleich auf dem Außengelände Interessierten vor. Wie Andreas Grotherr, bei Rema Tip Top Technischer Berater, gegenüber dieser Zeitschrift betonte, seien kleine wie große OTR-Reifen stets mit hohen Investitionen des Betreibers verbunden. Und gerade wenn sich die Reifen im harten Baustelleneinsatz befinden, seien Reifenschäden eher die Regel als die Ausnahme. Viele der üblicherweise auf der Baustelle auftretenden Reifenschäden ließen sich unterdessen ohne großen Aufwand – Pflaster, Stopfen, Abheizen – reparieren, was dem Betreiber wie auch dem Reifenhändler, der die Reparatur durchführt, einen echten Mehrwert brächte, gerade weil der defekte Reifen weiterhin genutzt werden könne und nicht ersetzt werden müsse; mit den Verfahren und Produkten von Rema Tip Top aus Poing bei München können somit kleine wie ganz große Reifen in 63 Zoll gerettet werden.

Sieben Tage München, 150 m² Messestand, drei Marken – BKT, Windpower, Alliance –, ein fünf Meter hoher Reifenturm und unzählige Kundengespräche – der Osnabrücker Reifengroßhändler Bohnenkamp hatte auf der diesjährigen Bauma einiges zu bieten. Der aus zehn verschiedenen EM-Reifen bestehende Reifenturm verfehlte dabei seine ‚Leuchtturmwirkung’ auf dem Außengelände der Messe nicht und lockte zahlreiche Besucher auf den Messestand.

Gesamtvertriebsleiter Thomas Pott dazu: „Es war das zweite Mal, dass wir an der Bauma teilgenommen haben. Seit unserer Bauma-Premiere 2013 haben wir in den letzten drei Jahren vor allem im EM-Bereich unser Produktportfolio deutlich weiterentwickelt, sodass wir den Kunden heute für nahezu alle Anwendungen im EM-Bereich eine passende Lösung bieten können. Das scheint sich rumgesprochen zu haben. Wir werden als professioneller Partner des Handels und als Spezialist für EM-Reifen verstärkt wahrgenommen. Das verdeutlichten uns auch die Quantität und Qualität der Messekontakte, die sich gegenüber 2013 merklich gesteigert haben. Ungezählt, aber gefühlt hatten wir doppelt so viele Besucher wie beim ersten Mal. Das freut uns und spornt uns an – auch für die nächste Bauma.“

Händler und interessierte Besucher auf der Bauma seien umfassend von den Bohnenkamp-Experten für die Bereiche EM-, Industrie und Lkw-Reifen beraten worden; es liefen intensive Gespräche rund um allgemeine Branchenthemen und speziell zu Reifen und Räder im EM-Bereich. Dazu Karsten Krückeberg, Geschäftsbereichsleiter EM/Lkw bei Bohnenkamp: „Der persönliche Kontakt zu Kunden ist für uns von besonderer Bedeutung. Nirgendwo erhalten wir so umfangreiche und offene Rückmeldungen wie auf den Messen und speziell auf der Bauma. Das positive Feedback aus den Messegesprächen zeigt uns, dass wir mit unseren Serviceleistungen offensichtlich nützliche Hilfestellungen für den Handel bieten können.“

Auch die ausgestellten Produkte hätten die Besucher und Kunden überzeugen können, so der Großhändler. „Die in Deutschland und weiteren europäischen Ländern primär durch Bohnenkamp vermarkteten Reifen der Marken BKT, Windpower und Alliance standen im Mittelpunkt des Besucherinteresses. Insbesondere die qualitativ hochwertigen EM-Reifen des Partners BKT erfreuten sich hoher Nachfrage.“

Der Großhändler Grasdorf präsentierte sich auf der Bauma in München als „Spezialist für Räder und Reifen weltweit“. Auf dem Stand auf der Freifläche des Münchener Messegeländes nutzte das in Holle bei Hildesheim ansässige Unternehmen die Messe, um sein umfassendes Sortiment an OTR-Reifen und -Rädern – hier insbesondere an EM-Reifen und -Rädern – zu zeigen, wobei sich auch etliche Exponate auf dem Stand selbst befanden. arno.borchers@reifenpresse.de

 

 

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