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BRV-Industriegespräche offenbaren „wahrnehmbare Distanz“

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Der Reifenfachhandel muss sich seine „Position als unverzichtbarer Industriepartner“ zurückerobern. – So fällt das Fazit des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk nach den diesjährigen Industriegesprächen aus, dem Treffen von Verbands- und Industrievertretern zum allgemeinen Meinungsaustausch. An dem aktuellen Treffen nahmen Vertreter von Goodyear Dunlop, Michelin, Pirelli und Vredestein teil, während Vertreter von Bridgestone und Continental ihre Teilnahme „kurzfristig aus Compliance-Gründen“ abgesagt hatten. Die Kernfrage der Gespräche zum alles überragenden Thema „Strukturwandel“ habe dabei gelautet: „Wie sehen die Hersteller die derzeitige Situation und die Zukunftsfähigkeit des Reifenfachhandels und welche Bedeutung hat der Distributionskanal Reifenfachhandel zukünftig für die Hersteller?“ Die Antworten darauf zeigen eine scheinbar zunehmende Distanz.

Dem oben zitierten Fazit zugrunde liegt die Erkenntnis, dass der Reifenfachhandel diese Position, derer er sich lange Jahre sicher sein konnte, mittlerweile eingebüßt hat. Die Distributionskanäle Autohaus/Kfz-Werkstätten sowie B2C-Plattformen wachsen kontinuierlich, und zwar zu Lasten des Reifenfachhandels. Außerdem setzen Hersteller zunehmend auf eigene Vertriebskanäle; Stichwort: kontrollierte Distribution. In diesen Kanälen fänden sich „genügend qualifizierte Vermarkter als Alternative zum klassischen Reifenfachhandel“, schreibt dazu der BRV in einer Mitteilung.

Folglich und darüber hinaus diagnostiziert der Verband bei der Reifenindustrie „eine wahrnehmbare Distanz zum Reifenfachhandel“, die ihre Ursache hauptsächlich – so interpretiert der BRV – „in der von Industrievertretern bemängelten Unverbindlichkeit des Handels“ habe, „die eine planbare Zusammenarbeit unterläuft“. Während die Industrievertreter zwar die „Problematik“ der durch den BRV vertretenen Unternehmen erkenne, schreibt der Verband in der Mitteilung weiter, findet „eine ‚Gegenoffensive’ in Form einer besondere Förderung des ‚zentralen Distributionskanals Reifenfachhandel’, wenn überhaupt, nur eingeschränkt statt“. Dem BRV zufolge sei auch anlässlich der jüngsten Industriegespräche „klar erkennbar“ gewesen, „dass die Hersteller eher darauf setzen, dass der Reifenfachhandel durch ‚Selbsthilfe’ und ‚Eigeninitiative’ seine Lage verbessert, anstatt dem Irrglauben zu unterliegen, die Industrie würde es schon richten.“

Der Eindruck wird deutlich, dass der Reifenfachhandel nicht auf die breit angelegte Unterstützung der Industrie hoffen darf, wenn es um die Bewältigung der großen Herausforderungen im Rahmen des Strukturwandels geht. Ebenfalls wird der Eindruck deutlich, dass es der Industrie mitunter sogar zupass kommt, mit einem ‚schwachen’ Reifenfachhandel zu tun zu haben; die Schwäche des anderen stärkt die eigene Verhandlungsposition.

Im Nachgang zu den Industriegesprächen habe der BRV-Vorstand beschlossen, kein umfangreiches Protokoll mehr pro Hersteller zu veröffentlichen, stattdessen nur eine Zusammenfassung und Bewertung des Gesagten, so der Verband weiter. Man mag glauben, auch darin das Ergebnis einer zunehmenden Distanz zu sehen. arno.borchers@reifenpresse.de

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