Nokian-Tyres-Chef: Wie habe man „nur so dumm“ sein können?

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„Ich habe keine Wahl gehabt.“ – Ari Lehtoranta, President und CEO von Nokian Tyres, ist überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, als er Ende Februar gegenüber Medien jahrelange und europaweite Reifentestmanipulationen beim finnischen Reifenhersteller zugegeben hat. Er steht seit Oktober 2014 an der Spitze von Nokian Tyres und fragt sich heute, warum der Hersteller überhaupt speziell gefertigte Testreifen geliefert hat, wenn er doch in Tests auch ohne Manipulationen in den vergangenen Jahren immer wieder gute Bewertungen erhielt. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erklärt Ari Lehtoranta, warum es jetzt so wichtig ist, den Schwung der derzeit stattfindenden öffentlichen Diskussion mitzunehmen und daraus neue branchenweit gültige Transparenzregeln für Reifentests zu entwickeln. Dies sei insbesondere in dem Wissen von Bedeutung, weil Nokian Tyres zwar das erste Unternehmen ist, das öffentlich über seine Manipulationen spricht, nicht aber das einzige sei, das sich entsprechend verantworten sollte. Lehtoranta macht allerdings dabei auch deutlich: Solche Initiativen und Hinweise „machen unsere eigenen Fehler nicht wett“.

In den vergangenen Jahren kursierten im Markt immer wieder Vorwürfe gegenüber Reifenherstellern, die bei Reifentests betrogen haben sollen. Sie sollen speziell für Tests produzierte Reifen an die testenden Zeitschriften und Organisationen geliefert haben, Reifen, die so nie in den Handel kommen sollten. Ein Verhaltensmuster, das dabei oft zu Tage trat: Die Beschuldigten haben im Grunde genommen nie etwas zugegeben und die Vorhaltungen schlichtweg ausgewettert.

Für Ari Lehtoranta sind indes die Rahmenbedingungen völlig andere. Während Manager anderer Reifenhersteller im Zweifel auch für sich selbst etwas zu verantworten gehabt hätten, ist der President und CEO von Nokian Tyres neu im Unternehmen und neu in der Branche. Ernannt wurde er im Mai 2014, fing beim finnischen Reifenhersteller am 1. September an und übernahm seine jetzige Funktion an der Spitze des Unternehmens von Kim Gran dann offiziell zum 1. Oktober desselben Jahres. Zuvor stand er sechs Jahre in Diensten des Fahrstuhl- und Rolltreppenproduzenten Kone (ebenfalls aus Finnland), nachdem er davor 24 Jahre bei Nokia Siemens Networks, Nokia Corp. und Nokia Networks war. Wären entsprechende Reifentestmanipulationen mit seiner Kenntnis in seiner Zeit bei Nokian Tyres geschehen, „wäre ich zurückgetreten“, sagt Ari Lehtoranta im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. „Geschieht so etwas in meiner Zeit, ist es meine Verantwortung.“ Der Nokian-Tyres-Chef kann also eine klare Linie ziehen zwischen seinem eigenen Wirken oder Nicht-Wirken und dem, was vor seinem Start beim finnischen Reifenhersteller geschehen sein mag. Dies hat seine Entscheidung, öffentlich über die Manipulationen zu sprechen und diese als falsch zu brandmarken, mit Sicherheit beeinflusst.

Dennoch fragt man sich unweigerlich: Hätte Lehtoranta das Fehlverhalten, das nun dem Unternehmen unwiderruflich anlastet, nicht einfach abstellen können, eben ohne darüber zu sprechen? Die übliche Menschenkenntnis lässt einen jedenfalls vermuten, dass er zu einem solchen Schritt zumindest von dritter Seite gedrängt worden ist, ist es doch seine Pflicht als President und CEO des Unternehmens, Schaden abzuwenden. Und es ist ein Schaden entstanden.

Auf konkrete Nachfrage dieser Zeitschrift jedenfalls betonte Ari Lehtoranta, es habe keinen solchen Druck vonseiten Dritter oder gar Erpressungsversuche etc. gegeben. Ihm sei es hingegen wichtig gewesen, einen klaren Schnitt zu machen, und zwar in dem Wissen, dass Nokian Tyres immer wieder gute Bewertungen in Reifentests erhalten hat, in denen eben keine manipulierten Reifen getestet wurden, sondern ausschließlich solche, die hinterher auch europaweit über den Handel vertrieben wurden. „Warum will man bei nationalen Meisterschaften dopen, wenn man die Olympischen Spiele auch ohne Doping gewinnt“, ist das Bild, das Ari Lehtoranta skizziert; bei kleineren Test, für die die Reifen angeliefert werden durften, betrügen, während man bei großen Tests, für die die Reifen – zum Teil seit Jahren bereits – ausschließlich gekauft werden, eben nicht. Wie habe man „nur so dumm“ sein können?

Heute werden Nokian-Reifen pro Jahr in rund 80 externen Produkttests auf ihre Leistungsfähigkeit hin überprüft; während hier früher oftmals speziell gefertigte Reifen zugeliefert wurden, habe es 2015 nur noch „vereinzelte Fälle“ gegeben

Heute werden Nokian-Reifen pro Jahr in rund 80 externen Produkttests auf ihre Leistungsfähigkeit hin überprüft; während hier früher oftmals speziell gefertigte Reifen zugeliefert wurden, habe es 2015 nur noch „vereinzelte Fälle“ gegeben

Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG betont Ari Lehtoranta unterdessen, dass solche Manipulationen bei Nokian Tyres vermutlich bereits seit den 1980er Jahren stattgefunden haben; so genau könne man das aufgrund der Dokumentenlage nicht sagen. Sicher sei aber, dass in den vergangenen drei bis fünf Jahren die Anzahl der Reifen, die speziell für Reifentests produziert wurden, kontinuierlich abnahm; 2015 habe es nur noch „vereinzelte Fälle“ gegeben, versichert Lehtoranta. Die Nachfrage nach Reifen, die für einen Test bereitgestellt werden sollten, hat in den vergangenen Jahren außerdem nachgelassen. Der Grund ist klar: Gerade die großen Organisationen bzw. Zeitschriften ADAC resp. Auto-Bild und deren Partner kaufen mittlerweile ihre Reifen nur noch im Reifenhandel, wenn sie ihre Sommer- oder Winterreifentests vorbereiten. Heuer nähmen Nokian-Reifen jährlich an immerhin 80 Tests teil, folglich gibt es immer noch genügend Produkttests, für die der Hersteller die Reifen zuliefert.

Wer in den vergangenen Jahren die Entscheidungen getroffen hat, Reifen für Tests bewusst zu manipulieren, mochte und konnte Ari Lehtoranta nicht sagen. Auch nicht, welche Reifen und welche Tests entsprechend betroffen waren. Er stehe für das gesamte Unternehmen, das sich in den vergangenen Jahren offensichtlich etwas hat zu Schulden kommen lassen, und trage dort Verantwortung; er sei aber kein Staatsanwalt, der öffentlich Anklage erhebt. Allerdings hätten die Manipulationen „in den Fabriken auf operativer Ebene“ stattgefunden, soviel könne er sagen. Dass solche Vorgänge bewusst vonseiten des Top-Managements gefordert worden seien, sei ihm nicht bekannt, sei aber auch nur schwer vorstellbar. Dass Lehtorantas Vorgänger Kim Gran und Lasse Antero Kurkilahti aber zumindest Kenntnis von den jahrzehntelangen Manipulationen gehabt haben könnten, soviel könne er sich vorstellen. Kim Gran hatte erst kürzlich nach Bekanntwerden der Reifentestmanipulationen durch Nokian Tyres gegenüber Medien betont, solches Vorgehen sei „in der Branche üblich“. Ob dies als Eingeständnis zu werten ist, muss jeder Leser für sich entscheiden. Bewusst abgestritten hat Gran dies in dem besagten Interview jedenfalls nicht.

Was aber hat Nokian Tyres genau getan, um Reifentests in seinem Sinne zu beeinflussen? Im Detail mochte und konnte Ari Lehtoranta auch dies nicht sagen. Es habe allerdings nie eine offizielle Gruppe oder gar eine Abteilung gegeben, die die Reifen für unabhängige Tests speziell erstellt hat oder erstellen sollte; Lehtoranta zufolge seien entsprechende Manipulationen demnach nicht das konzertierte Werk einer eigens dafür tätigen oder zuständigen Gruppe von Mitarbeitern, sondern – so der Eindruck im Interview – vielmehr das Werk von einzelnen, die ihrerseits besonderen Motivationen folgten; zu der Motivation unten mehr.

Wie der President und CEO von Nokian Tyres gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG betont, habe wohl üblicherweise „eine leichte Modifikation der Mischung“ stattgefunden, die bewusst eine Eigenschaft des zu produzierenden Reifens „um einige Prozente“ verbesserte; dies sei stets „auf Basis eines bereits guten Reifens“ geschehen. Während also eine der Eigenschaften des Reifens bewusst verbessert wurde – vielleicht die Eigenschaften auf Nässe –, haben sich vermutlich eine oder mehrere andere Eigenschaften des Reifens leicht verschlechtert.

Für Ari Lehtoranta bedeute dies, die Reifen seien „in Bezug auf ihre Charakteristik anders gewesen, nicht aber in Bezug auf ihre Qualität“. Auch wenn man in dieser Feststellung Haarspalterei sehen mag, so hätten demzufolge wohl doch auch die manipulierten Reifen dieselben Labeleinstufungen wie die nicht manipulierten Reifen gehabt, auch habe die Manipulation keinerlei Auswirkungen auf die Zulassung und die Sicherheit des jeweiligen Produktes gehabt, versichert Lehtoranta weiter und stellte dies auch in offiziellen Mitteilungen des Unternehmens direkt Ende Februar nach Bekanntwerden der Nokian-Tyres-Reifentestmanipulationen klar. Die „Anpassungen“, so Lehtoranta weiter, seien insgesamt immer „sehr gering“ gewesen, so dass man vermuten darf, Nokian Tyres hätte auch ohne Manipulationen den Platz im Reifentest erhalten, den der Hersteller mit den angepassten Testreifen erreicht hat.

Kommen wir zur Frage der Motivation. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen durch das selbst angestrebte Interview Lehtorantas mit der finnischen Wirtschaftszeitung Kauppalehti und den zwei Tage später erschienenen Beitrag in derselben Zeitung, in dem umfassend über die vermeintlichen Hintergründe berichtet und auch spekuliert wurde, sah sich das Unternehmen zu einer Stellungnahme genötigt, derzufolge ein Aktienoptionsprogramm für Vorstände die Manipulationen eben nicht bewusst befördert oder zumindest begünstigt habe.

Es gab und gibt ein solches Programm bei Nokian Tyres, wie es das auch bei zahllosen anderen Aktiengesellschaften im Reifenmarkt gibt. Der Erfolg des Unternehmens und vor allem die positive Entwicklung des Aktienkurses speise sich dabei aber kaum aus gut abgeschnittenen Reifentests. In den vergangenen Jahren habe die Entwicklung von Nokian Tyres zentral von der Entwicklung in Russland, der Reifenfabrik dort und dem Wachstum der Vertriebsnetzwerke profitiert, allen voran das des Vianor-Netzwerkes.

In einem langen Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Nokian Tyres President und CEO Ari Lehtoranta, die Branche solle sich künftig „ethischen Reifenteststandards“ unterwerfen, die etwaige Manipulationen grundsätzlich und branchenweit unterbinden helfen sollen

In einem langen Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Nokian Tyres President und CEO Ari Lehtoranta, die Branche solle sich künftig „ethischen Reifenteststandards“ unterwerfen, die etwaige Manipulationen grundsätzlich und branchenweit unterbinden helfen sollen

Darüber hinaus gab und gibt es bei Nokian Tyres aber auch ein ebenfalls alles andere als unübliches Jahresbonusprogramm für die Mitarbeiter in den verschiedenen Abteilungen des Hersteller. Danach wird entsprechend verschiedener Erfolgsfaktoren (den sogenannten „Key Performance Indicators“ bzw. KPIs) am Jahresende ein Bonus ausgezahlt, der maximal zwei Monatsgehälter umfasst. Für die Abteilung Forschung und Entwicklung etwa gab und gibt es neben anderen einen KPI „gewonnene Reifentests“, bestätigt Ari Lehtoranta. Daran sei auch grundsätzlich nichts Falsches; es sei nicht verwerflich, Reifentests zu gewinnen, die Frage sei allerdings, wie man sie gewinne, so der Nokian-Tyres-Chef weiter. Man dürfe in einem solchen Bonussystem nicht grundsätzlich die Aufforderung zur Reifentestmanipulation vermuten. Folglich werde ein solcher KPI für die F&E-Mitarbeiter „sehr wahrscheinlich“ auch nicht abgeschafft. Was aber intern sehr wohl bereits beschlossen sei, so Lehtoranta weiter, ist, dass das F&E-Management in Zukunft keinen entsprechenden KPI mehr als Basis für die eigenen Boni haben werde. Damit wolle der Hersteller Anreize minimieren, die in der Vergangenheit in den eigenen Reihen zu Reifentestmanipulationen geführt haben können. Es sei indes „unfair“ anzunehmen, dass entsprechende Bonussysteme erstellt worden wären, nur um Reifentestmanipulationen zu befördern.

Nokian Tyres’ President und CEO betonte im Gespräch mehrfach, etwaige Hinweise auf „dubiose Aktivitäten in der Industrie“ sollen nicht von dem eigenen Fehlverhalten ablenken. Dennoch kann Lehtoranta darin eine Erklärung für ein eventuell mangelndes Schuldbewusstsein in den eigenen Reihen finden. F&E-Mitarbeiter wechselten Arbeitgeber und hätten auch immer wieder engen Kontakt zu Mitarbeitern anderer Hersteller und vor allem zu Reifentestern. Man könne annehmen, so Lehtoranta weiter, dass sich daraus eine Perspektive auf gewisse Verhaltensweisen ergeben hat, die der Manipulation Vorschub geleistet haben könnte. Mit anderen Worten: Wenn das alle tun, warum nicht auch wir? Solche Praktiken seien ihm zufolge jedenfalls „in der Branche allseits bekannt“ gewesen und man habe sich vermutlich gefragt, warum man nicht auch „dasselbe Spiel spielen“ könnte. Darin dürfe man aber keine Rechtfertigung sehen, müsse es aber als ein Teil der Erklärung hinnehmen.

Nachdem Ari Lehtoranta zum 1. Oktober 2014 die Führung von Nokian Tyres übernommen hatte, seien ihm entsprechende Manipulationen im eigenen Unternehmen zunächst noch einige Monate lang nicht mitgeteilt worden, betont er im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Nokian Tyres hatte in der Übergangszeit von Kim Gran auf Ari Lehtoranta und seither die bisher größte Krise des Unternehmens in Russland durchzustehen. Dort hatte der Hersteller 2005 nahe St. Petersburg eine eigene Fabrik eingeweiht, die in den Folgejahren stark wuchs. In den Jahren ab 2012 hatte der Hersteller aber in Russland und den anderen GUS-Staaten wieder mehr als die Hälfte seiner Umsätze eingebüßt; der Markt steht derzeit noch für 17 Prozent der Umsätze, im Spitzenjahr 2012 waren dies noch 35 Prozent.

Im Frühjahr 2015 habe Lehtoranta dann erstmals Details über die Abläufe bei europäischen Reifentests erfahren und später auch erfahren, dass Nokian Tyres – wie vermutlich auch andere Hersteller – für Produkttests optimierte Reifen geliefert hat. Er macht dabei deutlich: „Nichts von alldem fand mit meiner Kenntnis statt.“ Wäre dies so gewesen, wäre er zurückgetreten, betont er. Weiter: „Ich war geschockt, es war eine Überraschung für mich.“

Nach dem Sommer 2015 hat der Nokian-Tyres-Chef dann ein internes Audit zu den angeblichen Reifentestmanipulationen im eigenen Unternehmen angeregt, das dann ab November auch stattfand. Mitte November dann konnte er die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse der Untersuchung dem Chairman im Board of Directors Petteri Walldén vorlegen. Daraufhin stieß das Unternehmen einen Prozess an, der den verbindlichen internen Verhaltenskodex, den sogenannten „Code of Conduct“, für Nokian-Tyres-Mitarbeiter konkretisieren soll. Darin war nämlich bisher nicht konkret von Reifentests und den Umgang damit die Rede, wie dies im Übrigen auch bei Mitbewerbern nicht der Fall sei, so Lehtoranta weiter. Während man die entsprechenden Prinzipien bereits formuliert und vor allem intern kommuniziert habe, sei die Ausformulierung der verschiedenen Details derzeit im Gange, so dass man zukünftig intern arbeitsrechtliche Schritte gegen Mitarbeiter einleiten kann, die gegen den Verhaltenskodex verstoßen, bisher sei der juristische Zugriff eher schwierig. Zusammen mit dem veränderten Verhaltenskodex müssten auch die internen Kontrollmechanismen entsprechend angepasst werden.

Es ist gerade das Thema Verhaltenskodex, dass für Ari Lehtoranta auch über das eigene Unternehmen hinaus eine branchenweite Bedeutung erlangen sollte. Seiner Meinung nach könne die gesamte Branche – Reifenhersteller wie auch Reifentester – viel gewinnen, wenn sie eine Selbstverpflichtung eingeht. Dabei geht es um Transparenz der Reifentests, hier insbesondere die der Reifenbeschaffung durch die Tester, und auch um gewisse Ethikregeln, denen sich die Branche in Bezug auf Reifentests unterwerfen soll. Für den President und CEO von Nokian Tyres sind solche Vorschläge offenbar alles andere als Nebelkerzen, die von den eigenen Manipulationen ablenken sollen. Lehtoranta ist bereits aktiv geworden und hat den europäischen Branchenverband ETRMA gebeten, die Entwicklung branchenweit gültiger „ethischer Reifenteststandards“ zu moderieren, zu koordinieren und voranzutreiben. Diese sollen in Zukunft ein transparentes Testen gewährleisten und dazu gewisse Prinzipien und Prozesse festschreiben, die für die Branche Gültigkeit haben.

Dass ein solcher politischer Vorstoß daran scheitern könnte, dass insbesondere kleinere Medien und Organisationen nicht die finanziellen Mittel aufbringen können, um die Reifen für ihre Tests zu kaufen, glaubt Lehtoranta nicht. Es gebe sicherlich Mittel und Wege um sicherzustellen, dass die getesteten Reifen vergleichbar mit denen sind, die auch im Handel verkauft werden, und wenn der Hersteller, dessen Produkte getestet werden, die im freien Handel durch die Tester gekauften Reifen nach Vorlage der Rechnung erstattet. So oder so, die Kosten für Reifen an sich seien bei einem Test in der Regel eher zu vernachlässigen, ist sich Lehtoranta sicher und betont: Wenn die Reifen grundsätzlich im Handel gekauft werden, wie es zunehmend üblich wird, seien Manipulationsversuche grundsätzlich sehr schwierig, wenn auch nicht ausgeschlossen.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatte Nokian Tyres allerdings von der ETRMA noch keinerlei Reaktion auf die Eingabe erhalten. Auch habe der Hersteller selber noch keinen seiner Mitbewerber als Unterstützer geworben. Lehtoranta ist sich aber sicher, dass kein anderer Reifenhersteller etwas gegen die von ihm vorgeschlagenen „ethischen Reifenteststandards“ haben könne und ist sich ebenfalls sicher, dafür ein positives Feedback aus dem Markt zu erhalten. „Es ist wichtig, dass wir dies jetzt verändern. Nokian Tyres war jetzt das erste Unternehmen, das damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, aber nicht das erste, das dies [Reifentestmanipulationen; d.Red.] getan hat.“ Nokian Tyres könne aber nicht alleine entsprechende Veränderungen branchenweit durchsetzen, sondern benötige die Unterstützung der Mitbewerber und der Reifentester.

Insgesamt hofft der Nokian-Tyres-Chef, der finnische Reifenhersteller könnte letzten Endes auch von den jetzt bekannt gewordenen Reifentestmanipulationen profitieren. Auch wenn der Aktienkurs ab Ende Februar deutlich einbrach, stieg er ab Mitte März bereits wieder an; Anleger wenden ihren Blick offensichtlich wieder auf andere Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Gerade in den vergangenen drei bis fünf Jahren seien Lehtoranta zufolge bei Nokian Tyres kaum noch Reifen speziell für Tests produziert worden und trotzdem habe man in Tests gut abgeschnitten und sogar wichtige Tests gewinnen können. Nokian Tyres ist also auch ohne Manipulationen sehr wohl imstande, herausragende Produkte zu entwickeln, so die Message. Und dies werde man auch in Zukunft tun, betont der President und CEO weiter. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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