Nokian Tyres gibt jahrelangen Testbetrug zu – „Marke beschädigt“

Der Druck und die Beweislast wurden offenbar zu groß. Ari Lehtoranta, President und CEO von Nokian Tyres, gestand heute, dass das von ihm seit Herbst 2014 geführte Unternehmen jahrelang bei Reifentests manipuliert hat. Jetzt hat auch die Reifenbranche ihren handfesten Betrugsskandal!

Nachdem heute morgen die finnische Wirtschaftszeitung Kauppalehti exklusiv aus ihr vorliegenden E-Mails berichtete die belegen sollten, dass der finnische Reifenhersteller speziell für Tests gefertigte Reifen an testende Organisationen und Zeitschriften geliefert haben soll, mochte man noch nicht absehen, was aus diesen Anschuldigen werden würde. Nun ist klar: Die Reifenbranche hat ihren handfesten Skandal! Und man mag sich gar nicht vorstellen, wen im Reifenmarkt die jetzt in Gang kommende Lawine noch alles mitreißen mag, wenn klar ist, dass Nokian Tyres – vermutlich über ein ganzes Jahrzehnt – die Fachpresse, die Reifenhändler und auch die Endverbraucher für dumm verkauft hat.

„Die Reifen wurden speziell für die Tests angefertigt und waren in ihren Eigenschaften den im Handel erhältlichen Modelle überlegen. Unsere Richtlinien verbieten ein solches Vorgehen nun. Ich kann versichern, dass wir seit Ende letzten Jahres keine speziellen Reifen mehr für Tests angefertigt haben“, wird Ari Lehtoranta von Reuters zitiert.

Die der Zeitung Kauppalehti vorliegenden E-Mails belegten, dass Nokian Tyres in den vergangenen zehn Jahren systematisch Autozeitschriften und andere Medien, die Reifen testen, mit veränderten Reifen beliefert hat. Diese verfügten über mehr Haftung und bessere Laufeigenschaften als die Standardprodukte. Nokian Tyres hat schlichtweg qualitativ hochwertige Reifen unter großem Aufwand für Tests produziert und diese an Motorjournalisten ausgeliefert, um bessere Ergebnisse und damit eine positivere Berichterstattung zu erzielen; solche getürkten Testreifen sind aber niemals in den Markt gekommen.

„Wir erwarten nicht, dass dies unsere Verkäufe beeinflusst, aber wir müssen damit leben, dass es unsere Marke beschädigt“, bemüht sich Lehtoranta um Schadensbegrenzung. arno.borchers@reifenpresse.de

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