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Handel will mit „Bewerbungsmappe“ die Reifenindustrie für sich einnehmen

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Basierend auf dem von ihm initiierten Roland-Berger-Projekt „Geschäftsmodell Zukunft“ hat der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) nach Erörterungen/Diskussionen mit diversen Kooperations- und Handelssystemgeschäftsführern eine Art „Bewerbungsmappe“ zusammengestellt, mit welcher der Reifenfachhandel aufseiten der Industrie für ein Mehr an Partnerschaft beider Seiten werben will. Das, was der BRV selbst als Kommunikationspapier bezeichnet, fasst wesentliche Ergebnisse der Roland-Berger-Studie zusammen und soll aufzeigen, was aus Sicht des Handels im Miteinander nicht so optimal funktioniert und wie die Situation verbessert werden könnte. „Die politische Bedeutung des Papiers liegt darin, dass der BRV gemeinsam mit einem anerkannten Strategieberater wie Roland Berger im Rahmen seiner ordnungspolitischen Tätigkeit einen Beitrag leisten möchte, um zu Optimierungen der Zusammenarbeit zwischen Reifenindustrie und Reifenfachhandel zu kommen“, erklärt der geschäftsführende BRV-Vorsitzende Peter Hülzer. Das Ganze soll den Reifenherstellern Bridgestone, Continental, Goodyear Dunlop, Michelin, Pirelli und Vredestein im Rahmen der sogenannten BRV-Industriegespräche am 29. Februar und 1. März in Bonn vorgestellt und danach mit den Vertretern der Produzenten erörtert werden.

Thematisiert wird in dem Kommunikationspapier unter anderem das „Ungleichgewicht im Reifenhandel“, wonach die Hersteller selbst zwar eine unvergleichliche Profitabilität vorweisen können, durch ihre „derzeitige Politik“ jedoch gleichzeitig den Reifenhandel nachhaltig schwächen. „Die Distributionsordnung im Reifenhandel hat keine klaren Regeln und Verbindlichkeiten. Es wird an jeden distribuiert“, lautet beispielsweise einer der in Richtung der Industrie geäußerten Kritikpunkte. Ein anderer ist, dass die industrieeigenen Handelsketten zwar ebenso unter schlechten Erträgen leiden und Verluste schreiben würden, aber die Hersteller all dies am Jahresende ausglichen und somit statt für faire Preise für eine Verzerrung des Wettbewerbs sorgten. Und das, obwohl der Reifenfachhandel in Richtung Endverbraucher mit einem Distributionsanteil von 40 Prozent und darüber (Stand 2014) nach wie als wichtigster Partner der Industrie bezeichnet wird. „Keiner der anderen Vertriebskanäle kann der Reifenindustrie ein ähnlich umfassendes Kompetenzprofil im Bereich Reifen bieten wie der Reifenfachhandel“, ist in dem Standpunktepapier des BRV diesbezüglich zu entnehmen. Selbst wenn es konkret so nicht formuliert wird bzw. so nur zwischen den Zeilen zu lesen, ist Tenor also mehr oder weniger Folgendes: Die Industrie sollte es sich mit dem Reifenhandel nicht verscherzen, weil sie ihn einfach braucht.

Zumal die Hersteller – so die weitere Argumentation – durch OEMs/Autohäuser und deren Bündelung von Volumina aus dem Erstausrüster- und Ersatzmarkt „in ein wachsendes Abhängigkeitsverhältnis“ geraten könnten und der Onlinehandel ohnehin nur „niedrige Preispunkte“ setze bzw. das Preisniveau im gesamten Reifenhandel senke. Bei alldem wird allerdings nicht verschwiegen, dass auch der Reifenfachhandel seine „Hausaufgaben“ machen muss und machen wird. „Der Reifenfachhandel hat eigene Schwächen erkannt, wird sich weiter professionalisieren und sein Kompetenzprofil erweitern: Das Projekt ‚Geschäftsmodell Zukunft’ hat dazu die notwendige Aufbruchsstimmung und Willen zur Umsetzung im Reifenfachhandel erzeugt“, so die Überzeugung des BRV. Doch weil man nichtsdestoweniger an einer fehlenden Distributionsordnung, Wettbewerbsverzerrung und mangelnder Konsolidierung im Markt leide, sieht man aufseiten der Reifenhersteller die Notwenigkeit, zu „überdenken, ob sie anhand dieser Hebel den Markt fairer gestalten möchten“. Denn sowohl für die Reifenhersteller als auch für den Reifenfachhandel wäre ein partnerschaftlicherer Umgang miteinander als bisher von Vorteil, so die bei der Handelsvertretung vorherrschende Meinung. christian.marx@reifenpresse.de

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