Reifen Gundlach etabliert sich als OEM-Lieferant für Audi und Magna

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Reifen Gundlach hat sich in den vergangenen Jahren immer breiter aufgestellt und sich damit auch wetterfest für das übliche Auf und Ab auf dem Reifenmarkt gemacht. Das vor über 40 Jahren als kleiner Montagebetrieb im Westerwald gegründete Unternehmen hat sich zu einem der größten Reifengroßhändler des Landes entwickelt, mit Com4Tires zu einem Systemanbieter für den Reifenhandel und zu einem nachgefragten Partner für die Montage von Kompletträdern. Nun kristallisiert sich mehr und mehr heraus: Reifen Gundlach sieht seine Zukunft auch als Lieferant für die Erstausrüstung; bereits heute fahren BMW-, Audi- und Mercedes-Benz-Modelle auf von Gundlach- bzw. Gundlach-Töchtern montierten Kompletträdern vom Band. Gerade das Jahr 2015 wird einmal in die Historie von Reifen Gundlach als das Jahr eingehen, in dem sich die Westerwälder als OEM-Lieferant in Europa etablieren konnten – mit zwei weitreichenden Entscheidungen.

button_nrz-schriftzug_12px-jpg Dieser Beitrag ist in der Januar-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG erschienen, die Sie hier auch als E-Paper lesen können.

Als die Verantwortlichen bei Reifen Gundlach die Entscheidung trafen, in eine maschinelle Montagestraße zur Herstellung von OE-konformen Kompletträdern zu investieren, sei man ein nicht unerhebliches Risiko eingegangen, erinnert sich Gebhard Jansen heute. Aber die Investitionen hätten sich durchaus bezahlt gemacht, so der Reifen-Gundlach-Geschäftsführer weiter. Nachdem die Montagestraße 2008 im Gundlach-Zentrallager in Dürrholz nicht weit vom Firmensitz in Raubach entfernt die ersten Kompletträder produzierte, hat sich das Unternehmen nicht nur als Montagepartner für viele Händler im Markt etabliert. Gerade die zunehmende Komplexität des Themas Reifen – hier namentlich durch die zunehmende Verbreitung von RDK-Systemen – wie auch die zunehmende Vermarktung von Reifen – in der Regel als Kompletträder – über die Kanäle Autohaus, Kfz-Werkstätten und Internet, wo die Montagekompetenz nicht unbedingt immer auf dem Niveau des Reifenfachhandels ist, haben Reifen Gundlach diesbezüglich in die Karten gespielt. Über den Status als Montagepartner der mit Reifen handelnden Unternehmen hinaus konnte sich das Westerwälder Traditionsunternehmen außerdem in den vergangenen Jahren einen guten Ruf als Partner der Automobilindustrie erarbeiten.

Reifen Gundlach hat im alten Jahr einige Meilensteine erreicht, erläutert Geschäftsführer Gebhard Jansen, so ist man jetzt exklusiver OEM-Lieferant für Kompletträder für das Audi-Werk im ungarischen Györ und beliefert außerdem auch Magna International in Österreich

Reifen Gundlach hat im alten Jahr einige Meilensteine erreicht, erläutert Geschäftsführer Gebhard Jansen, so ist man jetzt exklusiver OEM-Lieferant für Kompletträder für das Audi-Werk im ungarischen Györ und beliefert außerdem auch Magna International in Österreich

Den Einstieg in das Geschäft mit der Automobilindustrie schaffte Reifen Gundlach bereits 2009 kurz nach Inbetriebnahme der Montagestraße. Damals begannen die Westerwälder damit, Kompletträder an die rund 500 Kia-Autohäuser in Deutschland zu liefern und diesen darüber hinaus einen umfassenden Aftersales-Service anzubieten. Heute zählen Kia und auch Hyundai mit ihren Autohäusern zu den Reifen-Gundlach-Kunden. Diese Partnerschaft halten bis heute und wurden für die kommenden Jahre bereits geregelt.

Der große Sprung kam dann aber 2014, als man einen offiziellen Vertrag als OEM-Lieferant für das Audi-Werk im ungarischen Györ abschließen konnte. Dort baut der Hersteller aus dem VW-Konzern seinen A3 als Limousine und als Cabriolet sowie seit 2014 auch den neuen Audi TT. Diese Modelle werden in der Zwischenzeit komplett durch Audi Hungaria Motor Kft. gefertigt. Die Anforderung des Kunden Audi an den OEM-Lieferanten Reifen Gundlach war es allerdings, dass die Kompletträder vor Ort in der Nähe der Automobilfabrik montiert werden müssten; nur so sei die erforderliche Just-in-sequence-Lieferung praktisch zu garantieren. Folglich hat Reifen Gundlach 2014 in Györ eine eigene neue Fabrik zur Komplettradmontage für das Produktionsband bei Audi errichtet und in Betrieb genommen.

Nicht nur, dass Reifen Gundlach durch das Geschäft mit Audi den renommierten Status eines Zulieferers der Automobilindustrie erhielt. Das Unternehmen kann zudem das Audi-Werk zu 100 Prozent mit Kompletträdern beliefern. Reifen Gundlach gehört dabei seit 2012 zur niederländischen Pon-Gruppe, die ihrerseits in den Niederlanden exklusiver Importeur für Audi, VW, Porsche und weitere Marken aus dem Volkswagen-Konzern ist. Reifen und Räder für das Audi-Werk in Ungarn stammen dabei indes nicht vom deutschen Reifengroßhändler; der erbringt für Audi ausschließlich die Montagedienstleistung.

Dies ist alles andere als eine Kleinigkeit. Wie Gebhard Jansen gegenüber dieser Zeitschrift erklärt, werden in Ungarn aktuell täglich 3.300 Kompletträder montiert; die Produktion übernehmen 57 neue Reifen-Gundlach-Mitarbeiter im Dreischichtsystem. Der Automobilhersteller hat dabei mit Reifen Gundlach einen langfristigen Liefervertrag abgeschlossen, wobei die Laufzeit an den Modellzyklen der Automobilindustrie hängt. Täglich stellen damit 15 bis 17 Lkw-Ladungen voller Kompletträder die geforderte Just-in-sequence-Belieferung sicher, indem die Räder direkt aus der Fertigung ans Band bei Audi gehen.

Reifen Gundlach ist als OEM-Lieferant für Kompletträder bereits seit Längerem zertifiziert, im vergangenen Sommer kam dann die ISO/TS-16949-Zertifizierung hinzu, „das höchste Level des Qualitätsmanagements für den automotiven Sektor“

Reifen Gundlach ist als OEM-Lieferant für Kompletträder bereits seit Längerem zertifiziert, im vergangenen Sommer kam dann die ISO/TS-16949-Zertifizierung hinzu, „das höchste Level des Qualitätsmanagements für den automotiven Sektor“

Damit nicht genug. Ende 2014 hatte Reifen Gundlach eine Produktionsstätte für Kompletträder in Österreich gekauft. Bis dahin wurde die in Kalsdorf südlich von Graz gelegene Anlage durch die Profi Reifen- und Autoservice GmbH (in kurz: Profi-Reifen) betrieben. Die bisherige Tochter der Continental AG betrieb dort seit einigen Jahren eine Anlage wie die, die Reifen Gundlach später in Ungarn installiert hat. Mit der Übernahme durch Reifen Gundlach firmierte Profi-Reifen in PTG Automotive Solutions & Services Ges. mbH um.

Wichtiger indes als diese Verbindung stellt die Verbindung zwischen der ehemaligen Profi-Reifen und Magna International ein weiteres Eintrittsbillett in die Welt der Automobilzulieferer dar. Der kanadisch-österreichische Konzern übernimmt Auftragsfertigung in Österreich für mehrere europäische Fahrzeughersteller, darunter auch Premiummarken wie Mercedes-Benz (G-Klasse), BMW (Mini Countryman und Paceman) und wohl bald auch Jaguar; selbst der Peugeot RCZ wurden 2015 von Magna International gefertigt.

Die Kompletträder dazu kommen nun ebenfalls exklusiv von Reifen Gundlach bzw. von dessen Tochtergesellschaft PTG Automotive Solutions & Services. Bei Übernahme der Profi-Reifen-Komplettradmontage lief der bestehende Vertrag mit Magna noch zwei Jahre, also bis 2016. Reifen Gundlach habe den Vertrag aber bereits jetzt für gleich zwei weitere Modellzyklen langfristig verlängern können. In Österreich wird in zwei Schichten produziert; Mitarbeiter insgesamt gibt es 38.

Um als OEM-Lieferant überhaupt akzeptiert zu werden, sind nicht unerhebliche Voraussetzungen zu erfüllen. Im Zentrum eines entsprechenden Verfahrens: die Zertifizierung nach verschiedenen Standards. War man zunächst ‚nur’ durch Audi für die Lieferung ans Band in Ungarn zertifiziert, so kam im vergangenen Sommer eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Zertifizierung als Automobilzulieferer für Reifen Gundlach hinzu. War man bereits 2006 erstmals nach dem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 zertifiziert worden, so kam nun nach mehrtägigem Audit „das höchste Level des Qualitätsmanagements für den automotiven Sektor“ hinzu, so Jansen: die ISO/TS-16949-Zertifizierung.

Diese Ausbaustufe der ISO-Systeme sei für alle Automobilzulieferer verpflichtend und stelle höchste Ansprüche an die gesamte Wertschöpfungskette in der Produktion. Ein „Meilenstein für Reifen Gundlach“, hieß es damals. Auch der die Zertifizierung übernehmende TÜV Rheinland fand lobende Worte: „Wir sind wirklich sehr positiv beeindruckt und können Ihnen sagen, dass wir eine solch reibungslose Überprüfung bei einer Erstzertifizierung bisher noch nicht erlebt haben.“

Auch wenn Geschäftsführer Gebhard Jansen keine Details zu möglichen weiteren Verträgen als OEM-Lieferant nennen will, solange keine Abschlüsse vorhanden sind, kann man durchaus annehmen, dass sich Reifen Gundlach durch die ISO/TS-16949-Zertifizierung weitere Aufträge aus der europäischen Erstausrüstung ausrechnet.

Heute bereits nahezu ausgelastet ist die Verpackungsstraße im Reifen-Gundlach-Logistikzentrum; im neuen Jahr will der Großhändler hier investieren und die Outbound-Kapazitäten verdoppeln

Heute bereits nahezu ausgelastet ist die Verpackungsstraße im Reifen-Gundlach-Logistikzentrum; im neuen Jahr will der Großhändler hier investieren und die Outbound-Kapazitäten verdoppeln

Investitionen in die Logistik

Das Reifen-Gundlach-Zentrallager in Dürrholz zählt heute wohl zu den größten Reifen- und Räderlagerstätten Deutschlands. Die Einrichtung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut worden und soll auch in Zukunft weiter ausgebaut werden, um dem Wachstum des Unternehmens zu entsprechen. Ebenfalls ist ein Ausbau notwendig, um perspektivisch Engpässe zu vermeiden, die mit der aktuellen Infrastruktur bei stetig wachsendem Auftragsvolumen entstehen könnten. Bereits heute hat Reifen Gundlach rund 45.000 m² Lagerfläche unter Dach. Dabei knapp vor der Kapazitätsgrenze: die Verpackungsstraße. Wie Heiko Marmé, General Manager Marketing, gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG erklärt, schaffe man aktuell mit der bestehende Verpackungsstraße zwar noch alle Bestellungen abzuarbeiten, da aber im Reifenhandel die Bevorratungsneigung im Laufe der Jahre kontinuierlich abgenommen hat und folglich die Saisonspitzen für den Reifengroßhandel mit immer geringeren durchschnittlichen Bestellmengen immer weiter zugenommen haben, entscheidet ein hoher Durchsatz an der Verpackungsstraße mittlerweile über Erfolg und Misserfolg eines Großhandelsunternehmens wie Reifen Gundlach. Im Laufe des kommenden Sommers, also rechtzeitig zur nächsten Winterreifensaison, soll deshalb eine zweite Verpackungsstraße im Zentrallager installiert werden, mit der Reifen Gundlach seinen Durchsatz an kommissionierten Reifen und Rädern für den Versand per Paketdienst glatt verdoppeln kann. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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