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Besch … wär’ geprahlt – Stimmung im Reifenhandel sinkt wie der Absatz

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Rund um den Jahreswechsel 2015/2016 sind nicht nur die Temperaturen unter den Nullpunkt gesunken, sondern auch die Stimmung im Reifenhandel. Das lässt sich nicht zuletzt an der im Verlauf der zurückliegenden Wochen geänderten Meinung der Branche in Bezug auf das Wintergeschäft im Rahmen der jüngsten Frage des Monats dieser Fachzeitschrift ablesen. Hatte es in der Anfangsphase der Umrüstsaison im Oktober schließlich noch so ausgesehen, als könne das sich zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise gut anlassende Geschäft mit Pkw-Winterreifen die eklatante Schwäche der letztjährigen Absatzzahlen an Pkw-Sommerreifen wenigstens zu einem gewissen Teil kompensieren, so ist von diesen Hoffnungen zwischenzeitlich aber auch rein gar nichts mehr übrig geblieben.

Denn konnten im Oktober vergangenen Jahres immerhin noch zehn Prozent mehr Winterreifen vom Handel in Richtung Verbraucher (Sell-out) verkauft werden, so waren es im November und Dezember zusammengenommen dann schon wieder gut 22 Prozent weniger als in denselben beiden Monaten 2014. Insofern herrscht letztlich anders als bei der Industrie, die bei ihren Reifenverkäufen in Richtung Handel (Sell-in) noch mit einem blauen Auge davon gekommen ist, beim Blick auf die Stückzahlentwicklung und im direkten Vergleich des abgelaufenen Jahres mit dem davor aufseiten des Handels die Farbe Rot vor – wieder einmal. Und das nicht nur, aber vor allem im mengenmäßig wichtigsten Marktsegment Pkw-Reifen.

 

 

Basierend auf der vom sogenannten Sell-out-Panel des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WdK) allmonatlich nachgezeichneten Absatzentwicklung geht die NEUE REIFENZEITUNG nach eigenen Berechnungen unter Einbeziehung von Zahlen des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) zum Jahr davor davon aus, dass 2015 ziemlich genau zwischen 38 und 39 Millionen Pkw-Reifen von den Reifenvermarktern hierzulande an deutsche Autofahrer bzw. Autofahrerinnen verkauft werden konnten. Dies entspräche einem beinahe achtprozentigen Minus gegenüber dem entsprechenden und ebenfalls schon ziemlich enttäuschenden Bezugswert für 2014, wo es jedoch immerhin noch gut drei Millionen Einheiten mehr waren. Insgesamt liegt der Stückzahlverlust im Segment Pkw-Sommerreifen dabei näher an einem achtprozentigen Minus auf zwischen 20 und 21 Millionen Einheiten als bei den Pkw-Winterreifen, wo der Rückgang bei leicht über sieben Prozent auf nunmehr knapp 18 Millionen Stück liegt.

Demgegenüber ist die Absatzentwicklung dieser beiden Produktgattungen im Sell-in gemäß aktueller Daten der European Tyre and Rubber Manufacturers’ Association (ETRMA) fast spiegelbildlich. Soll heißen: Einem nicht ganz siebenprozentigen Zuwachs der Verkäufe an Sommerreifen der Industrie an den Handel, die damit irgendwo zwischen 20 und 21 Millionen Stück lagen, steht ein annähernd genauso großes Minus bei den Winterreifen gegenüber, von denen letztlich gut 20 Millionen Stück an die Vermarktungspartner hierzulande geliefert wurden. Beides zusammen ergibt eine Art Nullsummenspiel für die Industrie: Sie hat mit alles in allem gut 41 Millionen Pkw-Reifen 2015 nur unerheblich weniger von ihnen an den Handel geliefert als im Jahr zuvor.

 

 

 

Dafür wurde bei den 4×4-/SUV-/Offroadreifen einmal mehr ein kräftiges Plus von rund 19 Prozent auf deutlich über drei Millionen Einheiten im Sell-in registriert, während im Sell-out zwar ebenfalls ein Zuwachs zu beobachten war, dieser mit gut einem Prozent auf nicht ganz dreieinhalb Millionen Reifen aber ungleich kleiner ausfiel. Dafür hat der Handel bei den Lkw-Reifen das bessere Ende erwischt, weil man im vergangenen Jahr wenigstens genauso viele absetzen konnte wie 2014. Aufseiten der Industrie gingen die Lkw-Reifenlieferungen an den Handel um mehr als zwei Prozent auf nicht einmal anderthalb Millionen Einheiten zurück. Obwohl mengenmäßig mit gut drei Millionen Stück hier wie da auf etwa gleichem Niveau war beim Sell-in und dem Sell-out die Entwicklung in Bezug auf Llkw-Reifen beinahe exakt gegenläufig: Die Industrie konnte ihre Lieferungen an den Handel in diesem Produktsegment 2015 um mehr als drei Prozent steigern, der Handel aber nur rund drei Prozent weniger Llkw-Reifen an seine Kunden verkaufen als 2014.

Angesichts all dessen herrscht große Ratlosigkeit im Handel vor, wie es um die Zukunft der Branche bestellt ist. Zumal ein weiteres Jahr nicht nur massive Stückzahlverluste verbucht werden müssen, sondern auch die im Reifengeschäft zu erzielenden Margen immer weiter sinken. Und dabei augenscheinlich ein längst nicht mehr auskömmliches Niveau erreicht haben, wie so mancher Reifenfachhändler die aktuelle Situation gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG beklagt. Insofern wird sich die angespannte Lage sicherlich auch entsprechend im Betriebsvergleich des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) für 2015 niederschlagen, für den seit Kurzem die Datenerhebungsphase läuft. Freilich ohne dessen Ergebnisse wirklich vorwegnehmen zu können, steht aber zu befürchten, dass besch … eiden als Umschreibung in diesem Zusammenhang wohl noch geprahlt wäre. christian.marx@reifenpresse.de

Hinweis: Umfangreiches Zahlenmaterial zum „Reifenmarkt Deutschland“ finden Sie zudem im Bereich „Zahlen & Fakten“ auf unseren Internetseiten.

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  1. […] Bericht des Blattes weiter heißt, habe wohl dieses Wachstum in Kombination mit einem milden Winter sowie dem hohen Wettbewerbsdruck in der Branche zu der „finanziellen Schieflage“ bei Zintl […]

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