Zwei Accuride-Akquisitionen: Im Rädergeschäft und im „Nicht-Rädergeschäft“

Der nordamerikanische Zulieferer der Nutzfahrzeugindustrie und Hersteller von Stahl- sowie Aluminiumschmiederädern Accuride Corporation (Evansville/Indiana) macht durch gleich zwei Akquisitionen auf sich aufmerksam. Erstere dient dem„Nicht-Rädergeschäft“, zweitere verändert die europäischen Verhältnisse bei Stahlrädern für Nutzfahrzeuge maßgeblich: Accuride wird Mehrheitsgesellschafter des hinter Maxion und Mefro drittgrößten europäischen Herstellers Gianetti Ruote S.r.l. (Ceriano Laghetto in der Nähe von Mailand).

Accuride hat die Century-3 Plus L.L.C. gekauft, ein Unternehmen, das Bremsenteile fürs Militär und die Nutzfahrzeugindustrie designt und herstellt, die aus Leichtmetallen und Verbundwerkstoffen bestehen. Das Unternehmen hat dafür zwei Millionen Dollar in bar bezahlt, müsste bei gewissen technologischen und kommerziellen Meilensteinen von Century-3 Plus L.L.C. aber  bis zu maximal weitere acht Millionen Dollar nachschießen. Die Akquisition soll die nach „Wheels“ zweitgrößte Konzerneinheit Gunite stärken.

Allerdings wird der Abstand der Sparte „Wheels“ durch die zweite Akquisition zu Gunite deutlich anwachsen und die Accuride Corporation zu einem internationalen Nfz-Räderanbieter machen: Accuride hat die Mehrheit der Anteile der Gianetti Ruote S.r.l. erworben. Der bisherige Gianetti-Eigner ist MW Wheels (MW steht für Magnetto Wheels), die wiederum eine von vier Divisionen des italienischen Stahlkonzerns CLN S.p.A. ist und Minderheitsgesellschafter bei Gianetti bleibt. CLN (Caseletto bei Turin) hat mehr als 50 Produktionsstandorte und Dependancen auf vier Kontinenten, beschäftigt mehr als 8.000 Menschen und hat im Jahre 2014 bei einem Konzernumsatz von 1,5 Milliarden Euro 1.260.000 Tonnen Stahlprodukte hergestellt.

Mit Gianetti und Accuride kommen zwei Unternehmen zusammen, die in ihrer Historie ein verbindendes Element haben. Die Italiener, die im Jahre 1880 mit Rädern für landwirtschaftliche Fahrzeuge erstmals aufwarteten und in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in das Geschäft mit Stahlrädern für Fahrzeuge aller Art einstiegen, erwarben in den 30ern von der Firestone Steel Products die Lizenz, Lkw-Stahlräder herzustellen. Firestone Steel Products hatte sich im Jahre 1905 vom gleichnamigen Reifenhersteller abgespalten und war im Jahre 1986 Keimzelle der heutigen Accuride.

Bislang war Accuride sehr weitgehend auf Nordamerika fokussiert, das wird sich mit dem Einstieg bei Gianetti ändern: MW hat elf Produktionsstätten für Stahlräder außer im Heimatland Italien auch in Frankreich (ehemals Dunlop Roues), Rumänien (ehemals Roti Auto), Polen (ehemals Daewoo), Russland, Japan und Malaysia sowie Joint Ventures in der Türkei und Mexiko. Die Gesamtkapazität liegt bei mehr als 20 Millionen Stahlrädern, das Pkw- und Motorradrädergeschäft verbleibt bei MW Wheels.

Mit der Akquisition fallen mehrjährige Erstausrüstungsvereinbarungen Gianettis mit europäischen Nutzfahrzeugherstellern (Lkw, Busse, Trailer/Anhänger) an Accuride. Obwohl Gianetti Ruote in die Accuride-Sparte „Wheels“, die unter der Leitung von Scott Hazlett steht, integriert werden soll, bleiben der hauptsächliche Produktionsstandort und das Engineering in Ceriano Laghetto erhalten. Accuride hat sich gegenüber dem bisherigen Gianetti-Eigner verpflichtet, innerhalb der nächsten 36 Monate 19,75 Millionen Euro in die Modernisierung der Stahlräderproduktion zu investieren. Im Zeitraum Januar bis September 2015 hat Gianetti einen Umsatz von 28,7 Millionen Euro bei einem negativen EBITDA von 2,2 Millionen Euro generiert. detlef.vogt@reifenpresse.de

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