Werksrunderneuerung in Wittlich wächst kontinuierlich – Dieter Schölling: Natürliche Ergänzung

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Hersteller, die heute im Geschäft mit Nfz-Flotten ein umfassendes und wettbewerbsfähiges Angebot machen wollen, kommen an einer Runderneuerung – in der Regel eine Werksrunderneuerung im Heißverfahren – nicht vorbei. Ebenfalls gilt: Ohne die Partner im Reifenfachhandel und ohne deren flächendeckendes Dienstleistungsangebot kann es nicht gelingen, die Mobilitätskosten der Flottenkunden zu minimieren und somit deren Ansprüche zu bedienen. Spätestens seit der Eröffnung einer eigenen Produktion in Wittlich 2010 drängt Goodyear Dunlop immer stärker auch im hiesigen Markt in das Flottengeschäft vor, das – so erläutert Dieter Schölling, Director Commercial DACH, im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG – nur am Rande von den aktuellen Umwälzungen am Markt durch billige Neureifenimporte aus Fernost betroffen ist, dafür aber unter anderen Einflussfaktoren steht.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Dieser Beitrag ist in der Runderneuerungsbeilage Retreading Special erschienen, die Sie hier als E-Paper lesen können.

Nachdem Goodyear Dunlop Ende Juni meldete, es gäbe einen Vorschlag, die Werksrunderneuerung im britischen Wolverhampton bis voraussichtlich 2017 zu beenden und zeitgleich auch die noch verbliebene Pkw-Neureifenproduktion im deutschen Wittlich vollends zu verlagern, wo der Hersteller seit 2010 eben auch eine Werksrunderneuerung – zusätzlich zur Lkw-Neureifenproduktion – betreibt, schossen die Spekulationen ins Kraut. Viele Beobachter gingen und gehen davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil der Runderneuerung aus Wolverhampton nach Wittlich verlagert wird. Neben der deutschen Werksrunderneuerung betreibt der US-Reifenhersteller demnächst nur noch eine weitere Werksrunderneuerung im EMEA-Vertriebsgebiet, nämlich im französischen Riom. Fragt man bei Goodyear Dunlop in Großbritannien oder in Deutschland bzw. in der Brüsseler Europazentrale nach, so mag zwar niemand etwaige Spekulationen kommentieren und mutmaßen, wie sich die Schließung hier auf die Produktion dort auswirken könnte. Dieter Schölling betont im Gespräch mit dieser Zeitschrift, es sei einfach noch zu früh, um zu den womöglich stattfindenden Änderungen etwas Konkretes zu sagen, selbst wenn man es denn wollte.

Dabei kann man festhalten, dass sich die Werksrunderneuerung in Wittlich in den vergangenen Jahren seit der Inbetriebnahme kontinuierlich entwickelt hat und dass der Hersteller in den gesamten Standort allein in den Jahren 2012 bis 2014 weitere rund 20 Millionen Euro investiert hat. Neben der Erweiterung der Produktionskapazitäten von möglichen 100.000 Runderneuerten pro Jahr 2011 auf 150.000 im darauf folgenden Jahr habe man in den drei betreffenden Jahren auch in Energieeffizienz und Arbeitssicherheit investiert. Nahezu parallel zum Ausbau der Werksrunderneuerung in Wittlich stieg dort auch die Produktion. Nach 52.000 Runderneuerten 2011 fertigten die 67 Mitarbeiter 2014 bereits 102.000 Runderneuerte in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt; im Laufe dieses Jahres sollen dies dann sogar über 110.000 sein, wodurch sich die Kapazitätsauslastung in Wittlich auf rund 75 Prozent erhöhen würde.

In der Goodyear-Dunlop-Werkserneuerung in Wittlich wurden im vergangenen Jahr gut 100.000 Lkw-Reifen runderneuert, in diesem Jahr sollen dies sogar noch einmal rund zehn Prozent mehr werden

In der Goodyear-Dunlop-Werkserneuerung in Wittlich wurden im vergangenen Jahr gut 100.000 Lkw-Reifen runderneuert, in diesem Jahr sollen dies sogar noch einmal rund zehn Prozent mehr werden

Dass eine vergleichsweise deutliche Entwicklung wie diese in der neuen Werksrunderneuerung in Deutschland Auswirkungen auf den 90 Jahre alten Produktionsstandort in Wolverhampton haben würde, will zwar ebenfalls niemand kommentieren, scheint aber auf der Hand zu liegen. Goodyear Dunlop ist es offensichtlich auf dem DACH-Markt und in den angrenzenden Regionen in den vergangenen Jahren gelungen, ein großes Momentum in der Marktakzeptanz und Marktpräsenz aufzubauen und sich insbesondere bei den kontinentaleuropäischen Flotten mit einem umfassenden Komplettprogramm bestehend aus Neureifen und Runderneuerten sowie zahlreichen diese Produkte begleitende Services zu etablieren.

Goodyear Dunlop konzentriert sich dabei seit Längerem immer deutlicher auf die eigene Heißrunderneuerung – die eigene Werksrunderneuerung in Wittlich und an den beiden anderen Standorten in Europa – und integriert diese dabei immer mehr in das eigene Neureifenangebot. Dies ist Ausdruck dessen, was im Konzern Multi-Leben- bzw. Multiple-Life-Konzept heißt. Die Goodyear-Dunlop-Werkserneuerung soll dabei Produkte liefern, die „in ihrer Leistung, dem Erscheinungsbild und der Lebensdauer den Premiumneureifen entsprechen“, verspricht der Hersteller dazu. Weiter: „Der einzige Unterschied sind die wesentlich geringeren Kosten.“ Das Runderneuerungsprogramm umfasst dabei in dieser Form seit vergangenem Herbst zuallererst die Premiumrunderneuerung von Goodyear- und Dunlop-Karkassen der jeweils neuesten Generation unter der Bezeichnung „TreadMax“ (bei Dunlop bis dahin als „MultiTread“ bezeichnet). Hier kommen die gleichen Laufflächendesigns, Gummimischungen und Technologien wie bei den Neureifen zum Einsatz.

Darüber hinaus bietet der Hersteller eine Heißrunderneuerung unter der Bezeichnung „Next Tread“ an, bei der Karkassen älterer Generationen der Marken Goodyear und Dunlop mit Profilen der Vorgängerreihen runderneuert werden. Außerdem können Karkassen der beiden Konzernmarken Fulda und Sava, die eben auch als Lkw-Reifen verfügbar sind, als „Next Tread“ neu besohlt werden. Die Marke Sava ist in Deutschland dabei im Übrigen die Exklusivmarke des Kanals GDHS. Fremdfabrikate spielen in Wittlich indes eine untergeordnete Rolle.

Darüber hinaus unterhält Goodyear Dunlop noch ein Netzwerk an autorisierten Kaltrunderneuerungspartnern, die sich auch vom Hersteller zertifizieren lassen können. Auch wenn es sich dabei Dieter Schölling zufolge um „strategische Partner“ des Neureifenherstellers handele, die auch entsprechend mit Kaltlaufstreifen – das sind zugelieferte Profile aus dem UniCircle-, UniWing- und UniTac-Sortiment – versorgt werden, stehe das Geschäft mit dem „Goodyear Authorized Retreader“ (GARs) doch nicht im Fokus des Konzerns. Es handele sich dabei stattdessen um „eine Option“, die Goodyear Dunlop seinen (Neu-)Reifenpartnern in der Branche biete.

Zum Konzept des Konzerns passe es dabei auch nicht, das eigene Angebot nach unten hin abzurunden, also eine eigene Budget-Heißrunderneuerung anzubieten, wie Dieter Schölling bescheinigt. Man nehme am Markt zwar durchaus eine gewisse Nachfrage zur Kenntnis und sehe auch, dass der eine oder andere Marktbegleiter bereits einen entsprechenden Weg gegangen ist. Ob Goodyear Dunlop diesen Weg ebenfalls gehen wolle und gehen werde, stehe aktuell nicht zur Debatte, zumal das Volumen der wahrgenommenen Nachfrage nach entsprechenden Werksheißrunderneuerten eine solche Entscheidung auch nicht gerade erzwinge, wie der Director Commercial DACH findet.

Man nehme in Brüssel in der Europazentrale und in Hanau – dem Sitz der Deutschlandzentrale – auch die jüngsten Entwicklungen auf dem europäischen Nfz-Reifenmarkt wahr. Während der Gesamtmarkt in Deutschland (andere Märkte entwickelten sich in der Regel analog dazu) im ersten Halbjahr 2015 stagnierte bzw. leicht rückläufig war und die Runderneuerung insgesamt, vorwiegend aber die Kaltrunderneuerung, um einen zweistelligen Prozentsatz einbrach, überschwemmten Neureifenimporte aus Fernost weiterhin den hiesigen Markt. Das zuletzt deutlich steigende Angebot an billigen Importreifen in Deutschland und der gesamten EU – nach Deutschland wurden im vergangenen Jahr 435.000 Lkw-Neureifen aus China importiert (plus 34 Prozent gegenüber 2013), in die gesamte EU-27 sogar 3,46 Millionen (plus 50 Prozent; Zahlen des WdK auf Basis Eurostat) – treffe die Premiumheißrunderneuerung und die beiden Premiummarken des Konzerns Goodyear und Dunlop „nur am Rande“, so Dieter Schölling. Der Director Commercial DACH weiter: „Das ist ein anderes Segment.“

Produkte und Dienstleistungen

Einer der diese Produkte begleitenden Services ist die Runderneuerung von kundeneigenen Karkassen in der Werksrunderneuerung in Wittlich. Erstmals konnten Kunden aus Deutschland das Angebot, ihre sogenannten „Customer Own Casings“ (COC) in Wittlich runderneuern zu lassen, im Herbst 2013 nutzen. Anfang dieses Jahres wurde das Angebot dann auf die beiden anderen Märkte der DACH-Region ausgeweitet: Österreich im Mai und die Schweiz im Juli. „Kunden können die Qualität ihrer Karkassen einschätzen. Dieses Wissen hat Einfluss auf deren Investitionen im Reifenbereich“, sagt Dieter Schölling. Mit anderen Worten: Weiß der Kunde, dass er seine gut gewartete Karkasse in jedem Fall wiederbekommen kann, ist er eher bereit, gutes Geld für einen hochwertigen Neureifen auszugeben. „Die Runderneuerung kundeneigener Karkassen wird vom Markt einfach nachgefragt“, so der Director Commercial DACH weiter. Das Angebot sei in Deutschland bereits „sehr gut eingeführt“; jeder dritte hier vermarktete Runderneuerte verlässt Wittlich auf einer kundeneigenen Karkasse. Dies ist damit spätestens nach sechs Wochen wieder beim Kunden. Der Anteil werde in Deutschland weiter steigen, so die Erwartung des Herstellers, in Österreich und in der Schweiz sowieso, ist das COC-Angebot dort doch erst in den vergangenen Monaten schrittweise eingeführt worden.

Die „schrittweise“ Einführung sei nicht durch vermeintlich hohe Investitionskosten beim COC-Modul zu erklären, ergänzt Schölling, denn es entstünden bei der Runderneuerung kundeneigener Karkassen kaum ins Gewicht fallende Mehrkosten, sobald das System einmal etabliert sei. Auch wenn bei Etablierung der COC-Runderneuerung tendenziell weniger Karkassen von Großhändlern bezogen werden müssen, habe man vorwiegend prozessuale Herausforderungen zu lösen. So müsse in der Produktion in Wittlich etwa über Barcodes sichergestellt werden, dass der Kunde seine eigene Karkasse zurückerhält. „Wenn das System einmal steht, ist es nicht aufwendiger als zuvor, aber der Prozess muss eben eingeführt werden.“

Ein weiterer Servicebaustein, der auch für den Erfolg einer Runderneuerung unerlässlich ist, ist die Zusammenarbeit mit den Partnern im Reifenfachhandel. Diese ist einerseits wichtig für den Flottenservice selbst, andererseits hilft sie auch dabei, das unausweichliche Karkassenproblem einer zentralen Werksrunderneuerung zu lösen. Hersteller wie Goodyear Dunlop, die ihren Kunden eine „Premiumheißrunderneuerung“ als Ergänzung des Neureifensortiments bieten wollen, sind auf die Versorgung mit Karkassen der eigenen Fabrikate zentral angewiesen. Dies insbesondere dann, wenn ein Hersteller wie Goodyear Dunlop Neureifen und die dazugehörende Heißrunderneuerung – etwa bei der neuen Ultra-Grip-Max-Serie – zeitgleich einführen, auch wenn abgefahrene Karkassen der neuen Neureifen eben erst nach und nach verfügbar sind. Ein dicht gespanntes Netz an Reifenfachhandelspartnern kann dabei helfen, Karkassen, die nicht als COCs in die Heißrunderneuerung zurückkommen, im von Goodyear Dunlop kontrollierten Kreislauf zu halten.

Dieses Netz hilft aber auch dabei, den zentralen Montage- und nachfolgenden Flottenservice flächendeckend zu gewährleisten. Für Dieter Schölling steht fest, dass der Hersteller Goodyear Dunlop das Flottengeschäft „im engen Schulterschluss mit dem Handel“ betreiben wolle. Einige wenige Ausnahmen gebe es, wenn große Flotten selber montieren wollen. Für alle anderen Flotten übernimmt der Handel Verkauf, Montage und den Flottenservice beim Kunden vor Ort – im Rahmen der Flottenverträge zwischen dem Hersteller und der Flotte, die allen Seiten ein ansprechendes Auskommen ermöglichen soll. „Dieses Geschäft geht nur zusammen“, so der Director Commercial DACH.

In diesem Zusammenhang kann Goodyear Dunlop auf eines der engmaschigsten Netzwerke in Europa und auf dem DACH-Markt vertrauen. Europaweit gehören dem TruckForce-Servicenetzwerk immerhin rund 2.000 Partner an, „strategisch geografisch in 28 Ländern verteilt“. Davon sind 360 in Deutschland ansässig, 50 in Österreich und 20 weitere in der Schweiz. „Die Abdeckung im DACH-Markt funktioniert sehr gut“, betont Schölling weiter, dennoch sei man immer auf der Suche nach weiteren strategischen Partnern, auch außerhalb der Goodyear Dunlop Handelssysteme, die mit ihrem Lkw-Baustein im hiesigen Markt die Basis für das TruckForce-Netzwerk legen. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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