Bridgestone feiert zehnjähriges Jubiläum der Bulldog-Übernahme

Zehn Jahre nachdem Bridgestone Bulldog übernommen hat, ist der britische Runderneuerungsmarkt ein anderer. Damals betrieb man noch eine Pkw-Reifenrunderneuerung, auch wenn sie bereits über ihren Zenit hinaus war. Chinesische Lkw-Reifen waren zwar bereits verfügbar, hatten aber nicht ansatzweise den Einfluss wie heute, auch wenn sie bereits zu ähnlichen Preisen vermarktet wurden. Außerdem wurden damals deutlich mehr Runderneuerungsstätten betrieben als heute.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Dieser Beitrag ist in der Runderneuerungsbeilage Retreading Special erschienen, die Sie hier als E-Paper lesen können.

Trotz all dieser Herausforderungen hat sich die Bridgestone-Heißrunderneuerung (Bulldog in Bourne) im Besonderen und das Bridgestone-Runderneuerungsangebot im Allgemeinen – wozu auch das Bandag-Franchisenetzwerk zählt – durchaus entwickelt. Jüngste Beispiele dieser Entwicklung sind etwa der neue Flottenvertrag mit Maxi Haulage oder die Einführung des neuen Produktprogramms Bandag FuelTech. Vor diesem Hintergrund hat sich die NEUE REIFENZEITUNG mit Bridgestones Commercial Sales Director Greg Ward in Großbritannien über die jüngsten Entwicklungen im Unternehmen und den allgemeinen Marktkontext unterhalten.

Im Vordergrund dieser Unterhaltung standen – natürlich – die zahlreichen Herausforderungen der Lkw-Reifenrunderneuerung in Großbritannien und darüber hinaus, zu allererst die der Reifenimporte aus Fernost und ihre Auswirkungen auf den Markt ganz allgemein und die Karkassensituation im Besonderen. Außerdem ein Thema: die Kosten rechtlicher Marktbeschränkungen. Die Tatsache, dass Goodyear nach Jahrzehnten öffentlich über die Schließung der Runderneuerung im britischen Wolverhampton nachdenkt und folglich in Großbritannien nur noch Bridgestone (inklusive Bandag) und Michelin sowie die beiden unabhängigen Runderneuerer Bandvulc und Vacu-Lug als Produzenten übrig bleiben, zeigt deutlich, wie es um den britischen Reifenmarkt bestellt ist. Es wird in Marktkreisen sogar darüber diskutiert, ob sich die Entwicklung der Pkw-Reifenrunderneuerung im Zuge zunehmender Pkw-Reifenimporte aus Fernost nun auch bei Lkw- und Busreifen wiederholen könnte.

Auch wenn Greg Ward solche Besorgnisse nicht von der Hand weisen kann und den Markt realistisch einschätzt, sieht er doch einiges, das für eine Zukunft der Runderneuerung spricht: „Es gibt Pessimisten in Bezug auf die Runderneuerung. Es gibt aber einiges, was uns in die Hände spielt, und zwar sind es die richtigen Produkte im richtigen Produktzyklus.“ Wenn Ward über den „richtigen Produktzyklus“ spricht, meint er natürlich die Bridgestone-Philosophie „Total Tyre Care“ im Gegenzug zu dem, was andere Hersteller und neuere Marktteilnehmer mitunter bieten.

Im Laufe der Jahre ist das Volumen des Fahrzeugparks, den Neureifenhersteller und Runderneuerer bedienen, stetig zurückgegangen. Die Konsolidierung im Transportsektor bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Fahrzeuge führte dazu, dass heute weniger Zugmaschinen und Anhänger auf der Straße sind als noch vor einem Jahrzehnt. Gleichzeitig wachsen die weniger werden Unternehmen der Branche und werden professioneller. Folglich müssen sich die Neureifenhersteller ohne klares und nachhaltiges Runderneuerungskonzept heute anstrengen, um bei diesen Flotten zu bestehen. Es gibt außerdem gewisse systemische Probleme für diejenigen Anbieter, die lediglich Reifen vermarkten, nicht aber gleichzeitig auch den Service einer Runderneuerung sowie den von weiteren Systembausteinen. Selbst das Geschäftsmodell derjenigen, die nur runderneuern, könne man kritisieren, so Ward, würden sie doch keine Neureifen in den Markt bringen, um diese im Nachhinein auch zu runderneuern. Schlimmer noch, so Bridgestones Commercial Sales Director, sei das Geschäftsmodell derjenigen, deren Reifen nicht runderneuert werden sollen oder können – sie lieferten weder Runderneuerte, noch Karkassen, kämpften dafür aber vornehmlich gegen runderneuerte Reifen an, und zwar auf Preisbasis.

Neue Bandag-FuelTech-Runderneuerung

Vor dem Hintergrund entsprechender Entwicklungen hat Bridgestone sein Angebot in ein noch vielschichtigeres Produktangebot ausgebaut. Während Bridgestone weiterhin die Hauptmarke des größten Reifenherstellers der Welt bleibt, haben die Japaner zuletzt ihre Zweitmarke Firestone deutlich stärker in Europa positioniert. Außerdem wolle das Unternehmen in Großbritannien nun auch die Marke Dayton unterhalb von Bridgestone und Firestone positionieren; ein offizieller Launch soll in Großbritannien im September kommen. Die Marke Dayton werde dabei das Portfolio gegen Wettbewerber im unteren Drittel des Marktes absichern, wo vornehmlich Marken aus Asien ein Auskommen suchen. Nichtsdestotrotz, die Marke Dayton werde nicht ausschließlich über ein besonders attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis von Bridgestone in den Wettbewerb geschickt, sondern wird mit einer klaren Mehr-Leben-Strategie und aus europäischer Produktion stammend vermarktet; dies werfe ein Schlaglicht auf die Konzepte anderer Anbieter, die weder das eine noch das andere böten.

In einem weiteren Schritt, der offensichtlich in Zusammenhang mit der Einführung von Dayton-Lkw-Reifen steht, führt Bridgestone jetzt auch eine neue Produktlinie ein: Bandag FuelTech. Bridgestones Commercial Sales Director Greg Ward zufolge sei der neue Bandag-Reifen durch „eine moderne Laufflächenmischung und ein innovatives Laufflächendesign“ charakterisiert und könne so „eine herausragende Kraftstoffeffizienz“ wie bei Bridgestone-Reifen auch liefern. Als Folge dieser Entwicklungen könne der neue Bandag FuelTech ein Mehr an Leistung bei verringertem Rollwiderstand und folglich einem geringerem Kraftstoffverbrauch bieten.

Terry Salter, bei Bridgestone UK Retread Development Manager, ergänzt: „Dies unterstreicht die Investitionen, die wir in unser Runderneuerungsangebot stecken. Unsere Kunden können folglich von einem längeren Reifenleben und geringeren Kilometerkosten profitieren.“

Maxi Haulage unterzeichnet Flottenvertrag

Bridgestones Herangehensweise in Bezug auf Runderneuerung ist besonders, in Großbritannien wie in ganz Europa, denn zusätzlich zum Bandag-Franchisenetzwerk an Kaltrunderneuerern betreibt der japanische Reifenhersteller in Großbritannien mit Bulldog -gleichzeitig noch eine eigene Heißrunderneuerung, wo im Übrigen auch kaltrunderneuerte Reifen produziert werden; in Frankreich betreibt der Hersteller eine zweite Heißrunderneuerung. Mit Blick auf dieses Angebot habe Maxi Haulage kürzlich einen Flottenvertrag mit Bridgestone abgeschlossen. Die Bridgestone-Philosophie „Total Tyre Care“ habe bei den Verhandlungen besonders überzeugen können, heißt es vonseiten des Herstellers. Zeitgleich konnte Bridgestone das zehnjährige Jubiläum der Bulldog-Übernahme feiern.

Bridgestones eigene Runderneuerung wird im Markt vielfach noch als Bulldog bezeichnet, eben so, wie das Unternehmen vor der Übernahme vor zehn Jahren hieß. Dennoch will man beim Hersteller betont wissen, dass die Heißrunderneuerung im britischen Bourne von besonderem Wert für das Gesamtangebot des Herstellers ist. Gerade weil der britische Reifenmarkt traditionell durch die Heißrunderneuerung dominiert wird, nimmt Bulldog mit seiner Heiß- und Kaltrunderneuerung – das Unternehmen kann in Bourne gleich viele Kalt- wie Heißrunderneuerte produzieren – eine besondere Position im Markt ein.

Freilich wird in der Produktion jeder runderneuerte Reifen mehrfachen Kontrollen unterzogen, bevor er – wie Bridgestone betont – von einem abgefahrenen Reifen zu einem „Premiumstück mit neuem Leben“ gemacht wurde.

Was den neuesten Flottenvertrag betrifft, so soll die „Total-Tyre-Care“-Philosophie Maxi Haulage ein maximales Reifenleben bieten und gleichzeitig durch das Reportingsystem „Total Tyre Manager“ ein zusätzliches Bewusstsein dafür schaffen, dass Bridgestone Produkte mit echtem Mehrwert anbietet. chris.anthony@tyrepress.com/ab

 

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