GDHS und FRI – Reifen- und Autoservice auf einer höheren Stufe

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Es gibt im Reifenmarkt einige Organisationen, die im Laufe vieler Jahre ein Autoserviceangebot entwickelt haben, das auch im Wettbewerb mit ungebundenen und Vertragswerkstätten absolut bestehen kann. Wichtig für den langfristigen Erfolg ist dabei immer die kontinuierliche und individuelle Unterstützung der einzelnen Händler vor Ort mit Know-how, Marketing, insgesamt mit einem Systemangebot eben. Ebenfalls von besonderer Bedeutung dabei: Die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die zwar einerseits als landesweit operierende Vollsortimenter einen hohen Abdeckungsgrad garantieren können, andererseits aber nicht im direkten Wettbewerb mit ihrem Kunden im Reifenmarkt stehen dürfen, wie Thorsten Brückner, Leiter Autoservice bei der Goodyear Dunlop Handelssysteme (GDHS), und Helmut Pesch, Geschäftsführer der Freien Reifeneinkaufs-Initiative, im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutern.

button_nrz-schriftzug_12px-jpg Dieser Beitrag ist in der August-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG erschienen, die Abonnenten hier als E-Paper lesen können.

Mit der Übernahme der Kempen-Betriebe in den 1970er Jahren kam erstmals umfassendes Tuning-/Autoservice-Know-how in die deutsche Goodyear-Handelsorganisation. Spätestens in den 1980er und 1990er Jahren wurde daraus aber ein Geschäftsfeld, dem man sich ganz bewusst und nachhaltig widmen wollte; die Einführung von „Goodyear Reifen + Autoservice“ 1988 (die sogenannten GRAS-Betriebe) und ab 1996 die Etablierung von Premio (später dann Premio Reifen + Autoservice) legen davon Zeugnis ab.

Seit der Premio-Gründung Mitte der 1990er Jahre hat sich das Konzept dermaßen stark entwickelt, dass es nicht zuletzt auch landesweit als Autoserviceangebot vom Endverbraucher wahrgenommen und akzeptiert wird. Die GDHS-Zentrale in Köln steht ihren Partnern dabei – und das schließt die HMI-Partner mit ein – als Systemzentrale zur Seite und bietet mittlerweile ein Leistungsangebot, das keinerlei Lücken umfasse, wie GDHS-Autoserviceleiter Thorsten Brückner im Gespräch mit dieser Zeitschrift erläutert. Im Gegenteil: Er und seine beiden Kollegen aus der Autoserviceabteilung der GDHS reduzierten das Angebot an den Rändern sogar gelegentlich, etwa wenn man an Gasfahrzeuge oder Oldtimer denkt; hier rechtfertige die Nachfrage aus den Reihen der Partner ein umfassendes Angebot kaum, so Brückner.

Während für die Premio- und die HMI-Partner – die sind aktuell an 300 resp. 650 Standorten in Deutschland vertreten, wobei an 400 dieser Standorte ein Kfz-Meister tätig ist – Bremse, Lenkung, Auspuff, Stoßdämpfer, Filter und Öl zu den wichtigsten Produktgruppen in Bezug auf Autoservice gehören, kommt schrittweise das Motorenmanagement hinzu. Das Angebot wächst dabei zumeist „organisch“, so Brückner; Anreize würden von den Partner und mitunter auch von der Zentrale selbst gesetzt.

Beim Autoserviceangebot der GDHS-Zentrale in Köln handele es sich „um ein individuelles Leistungsangebot der GDHS“, die sich dadurch ganz bewusst auch als Wettbewerber zu anderen etablierten Werkstattsystemen – etwa auch aus dem Umfeld ihrer Lieferanten – versteht und positioniert

Beim Autoserviceangebot der GDHS-Zentrale in Köln handele es sich „um ein individuelles Leistungsangebot der GDHS“, die sich dadurch ganz bewusst auch als Wettbewerber zu anderen etablierten Werkstattsystemen – etwa auch aus dem Umfeld ihrer Lieferanten – versteht und positioniert

Für diesbezügliche Bedarfe wollen Brückner und seine Kollegen ein Angebot machen. Dass sich das Geschäftsfeld Autoservice kontinuierlich entwickelt, illustriere die Tatsache, dass die Freie Reifeneinkaufs-Initiative – die Einkaufsorganisation fast aller GDHS-Partner für alle Produkte, die eben nicht vom Reifenhersteller Goodyear Dunlop Tires Germany geliefert werden – erstmals vor zwei Jahren mehr Einkaufsvolumen bei Autoteilen als bei Rädern verzeichnen konnte. Wie FRI-Geschäftsführer Helmut Pesch weiter erläutert, lag dieses Sich-Kreuzen eben nicht an einem rückläufigen Rädergeschäft der FRI-Gesellschafter; dies blieb konstant. Stattdessen habe sich das Einkaufsvolumen für den Autoservice – also der Sell-in mit Autoteilen – „deutlich stärker entwickelt“ als andere Geschäftsbereiche. Wie Pesch betont, machten die FRI-Gesellschafter über die von der FRI-Zentrale in Frechen verhandelten Konditionen mittlerweile „nennenswerte zweistellige Umsätze im Einkauf bei Autoteilen“. Klar auf Rang eins freilich: Umsätze mit Reifen.

Während es für Premio-Partner ein Muss ist, einen Kfz-Meister zu beschäftigen, was auch den Claim „Reifen + Autoservice“ unterstreicht, ist es für HMI-Partner immerhin eine Empfehlung, zumindest wenn dieser Partner sich über seine Kernkompetenz Reifen hinaus auch als Autoservicedienstleister am Markt etablieren will; Quick-Betriebe hingegen bieten per Definition keinen Autoservice.

Damit die Partner ihren Autoservice nachhaltig erfolgreich anbieten könne, findet nicht nur eine kontinuierliche operative, technische und betriebswirtschaftliche Betreuung vor Ort statt. Auch bietet die GDHS-Systemzentrale ihren Partnern ein „Trainingscenter“ mit aktuell über 1.400 Angeboten. Diese Angebote werde regelmäßig den Bedürfnissen angepasst, betont Thorsten Brückner. Das Schulungsangebote im GDHS-Trainingscenter werde von den Partnern und ihren Mitarbeitern im Kfz- und im Reifenservice intensiv genutzt. Die selbstständigen Reifenfachhändler, die Partner eines der GDHS-Konzepte sind, täten dies aus eigenem Antrieb, sei der Wissenstransfer im immer komplexer werden Kfz-Geschäft doch von zentraler Bedeutung für den unternehmerischen Erfolg.

Um das Schulungsangebot auf hohem Niveau und stets umfassend und aktuell zu halten, arbeitet die GDHS-Systemzentrale intensiv mit ihren Lieferanten und deren Experten zusammen. Auch dies sei dabei eine Dienstleistung, die die Lieferanten für die GDHS-Zentrale zu Vollsortimentern macht, die wiederum zu den (Premio-)Partnern als Full-Service-Anbieter passen. Das Beziehungsgeflecht zu den Teilelieferanten sei dabei über Jahre hinweg gewachsen, erläutert Helmut Pesch. Dem Geschäftsführer zufolge arbeite die FRI aktuell mit rund 220 Lieferanten zusammen. Dazu gehören Räderhersteller genauso wie Anbieter von Alarmanlagen. In Bezug auf den reinen Autoteilehandel wiederum kooperiere man ganz gezielt mit Grossisten.

Entsprechende Rahmenverträge zwischen der Freien Reifeneinkaufs-Initiative – die eben nicht nur Konditionen für den Einkauf von Reifen verhandelt, wie der Name der Gesellschaft suggeriert – und den Teilehändlern sind unterdessen auf einige wenige begrenzt. Laut Helmut Pesch sind dies zu allererst Wessels + Müller (inkl. Trost), Stahlgruber (inkl. PV Automotive), Hans Hess Autoteile und Matthies. Diese könnten stets deutschlandweit und überall zu gleichen Preisen schnell und zuverlässig und in der Regel mehrmals täglich liefern. Dass es sich dabei ausschließlich um Lieferanten handelt, die dem freien Teilehandel zuzuordnen sind und nicht dem Universum der Vertragswerkstätten und ihrer an Fahrzeughersteller gebundenen oder angelehnten Zulieferer, ist kein Zufall. Mit diesen Grossisten sehen Pesch und Brückner sich in „einer Art Schicksalsgemeinschaft“. Gemeinsam würden die Reifenfachhändler der GDHS und ihre Lieferanten es in diesem Zusammenhang mit Wettbewerbern aus der Automobilindustrie zu tun haben, die mit großem Druck in den Reifenmarkt drängten.

Einen entsprechenden Druck könne Pesch bei den Autoteilelieferanten der Premio- und HMI-Partner nicht erkennen, was das Reifengeschäft betrifft. Während zwar der eine oder andere Teilehändler – etwa Wessels + Müller – ein durchaus umfassendes Geschäft auch mit Reifen macht, scheint das entsprechende Angebot, von dem auch die Reifenhändler aus den Reihen der GDHS profitieren könnten, als „konfliktfrei“. Mit anderen Worten: Die Reifenfachhändler der Goodyear Dunlop Handelssysteme können in der Regel immer Reifen über den Konzern bzw. von externen Lieferanten (über die FRI oder über die bekannten B2B-Plattformen) zu deutlich günstigeren Preisen beziehen als über den Teilegrossisten.

Eine entsprechend „konservative“ Preispositionierung dort ist zum Teil strategisch gewollt, zum Teil aber auch den deutlich höheren Kosten im Teilehandel mit Lieferungen mehrmals täglich, kostenlosen Rücknahmen (Stichwort: Wiedereinlagerungsgebühr) und teuren Lägern geschuldet. Folglich gebe es in der Kernkompetenz Reifen „keine Überschneidungen“ zwischen dem Teilehandel und dem Reifenhersteller hinter der GDHS sowie den Lieferanten, mit denen die FRI ihrerseits Konditionen vereinbart.

Thorsten Brückner und Helmut Pesch betonen dabei unisono, dass sich die GDHS-Partner Autoteile von externen Lieferanten liefern ließen, nicht aber „ein komplettes Fremdsystem“; das Premio-Konzept sei keine Adaption eines Werkstattsystems, „und zwar in keiner Warengruppe“, unterstreichen beide. Auch wenn bestimmte Elemente „vielleicht gleich“ seien, handele es sich bei dem „konzeptionellen Systemangebot um ein individuelles Leistungsangebot der GDHS“, die sich dadurch ganz bewusst auch als Wettbewerber zu anderen etablierten Werkstattsystemen – etwa auch aus dem Umfeld ihrer Lieferanten – versteht und positioniert. Aber: „Wir stehen allerdings noch eine Stufe darüber“, so der FRI-Geschäftsführer. Man könne neben dem Autoservice auch und vor allem eine Kernkompetenz in Sachen Reifen und Räder bieten. Folglich komme den Premio- und HMI-Partnern, die sich auch auf Autoservice konzentrierten, am Markt ein besonders herausgehobene Stellung im Vergleich zu freien und gebundenen Kfz-Werkstätten zu. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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