Pkw-Sommerreifensaison: „Isch over“?

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Im Zusammenhang mit den in die Länge gezogenen, des Öfteren vor dem Aus stehenden und doch immer wieder von Neuem aufgenommenen Verhandlungen um EU-Finanzhilfen für Griechenland hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem schwäbischen Dialekt den Ausspruch „Isch over“ geprägt. Anders als in der Europapolitik, wo inzwischen klar, dass man den Hellenen bei Erfüllung bestimmter Auflagen auch weiterhin bzw. für zunächst drei Jahre unter die Arme greifen wird, ist im deutschen Pkw-Reifenersatzgeschäft die Sommersaison inzwischen aber nun wohl tatsächlich weitestgehend zu Ende – „over“ eben. Auf Stückzahlenebene erscheint aus derzeitiger Sicht ein Plus gegenüber 2014 nach dem bisherigen vom Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WdK) ausgewiesenen Jahresverlauf mehr als illusorisch, zumal das per Ende Juli aufgelaufene Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei beinahe neun Prozent liegt.

Um in diesem Produktsegment im Sell-out (Absatz Handel an Verbraucher) jetzt wenigstens noch das Niveau des vergangenen Jahres – laut Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) gut 22,3 Millionen Einheiten – zu erreichen, müssten die Reifenvermarkter hierzulande von August bis Dezember, wo im Vorjahr in Summe immerhin etwa ein Fünftel aller 2014 insgesamt abgesetzten Pkw-Sommerreifen einen Käufer fand, rechnerisch Monat für Monat jeweils etwa 30 Prozent mehr Pkw-Sommerreifen an die Frau bzw. den Mann bringen. Selbst angesichts einer allgemein erwarteten weiteren Zunahme der Nachfrage nach Ganzjahresreifen, die innerhalb der Branche ja bekanntlich zu den Sommerreifen gezählt werden, dürften solche Zuwächse nur schwer realisierbar sein.

Von daher muss man sich wohl schon jetzt mit einem eher deutlichen Minus im Sell-out in Sachen Pkw-Sommerreifenstückzahlen anfreunden. Stand Ende Juli entsprechen nicht ganz 16 Millionen Einheiten wie zuvor bereits erwähnt einem knapp neunprozentigen Rückgang, während die rund zweieinhalb Millionen vom Handel in Richtung Verbraucher abgesetzten Pkw-Winterreifen einem Zuwachs von über drei Prozent gleichkommen. Doch dass diese eigentlich doch positive Entwicklung nicht überbewertet werden darf, zeigt einerseits allein schon das Stückzahlverhältnis von Sommer- zu Winterreifen, weil Letztere ja erst in zum Ende des Jahres hin verstärkt von den Verbrauchern nachgefragt werden bzw. werden sollten. Andererseits spiegelt sich dies ohnehin im Gesamtabsatz von aller Pkw-Reifen bisher wieder, wo die in Summe über beide Gattungen über 18 Millionen Einheiten immer noch einen Rückgang um etwa sieben Prozent bedeuten.

Im Sell-in – also beim Absatz der Industrie in Richtung Handel laut Zahlen der ETRMA (European Tyre and Rubber Manufacturers’ Association) – stellt sich die Entwicklung ähnlich dar, wenngleich mit Blick auf die Teilsegmente Pkw-Sommer- und -Winterreifen spiegelbildlich zum Sell-out. Soll heißen: Die Industrie hat entsprechend einem Minus von gut drei Prozent mit alles in allem mehr als 25 Millionen Stück zwar ebenfalls weniger Pkw-Reifen an ihre Vermarktungspartner liefern können, aber mit über 17 Millionen Einheiten fast vier Prozent mehr solcher für die wärmeren Monate des Jahres und mit gut acht Millionen Stück rund 15 Prozent weniger für die kalte Jahreszeit. Dafür bereitet das Geschäft mit 4×4-, Offroad- bzw. SUV-Reifen sowohl Handel als auch Industrie weiterhin gleichermaßen Freude angesichts Zuwachsraten von 14 Prozent auf knapp zwei Millionen Stück (Sell-in) sowie nicht ganz zwei Prozent auf anderthalb Millionen Einheiten (Sell-out).

Größtenteils zu wünschen übrig lässt demgegenüber das Nutzfahrzeugreifengeschäft. Von Januar bis Juli von der Industrie an den Handel gelieferte knapp zwei Millionen Llkw-Reifen kommen einem Minus von rund zwei Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum 2014 gleich. Und bei den Lkw-Reifen liegt der Rückgang im Sell-in sogar bei knapp drei Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres eine Dreiviertelmillion Lkw-Reifen an die Vermarkter hierzulande ging. Letztere konnten ihrerseits zwar eine geringfügig größere Menge in Richtung Verbraucher verkaufen, aber immer noch gut ein Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bei den Llkw-Reifen war der Handel dafür erfolgreicher und setzte bisher über drei Prozent mehr von ihnen ab bzw. per Ende Juli in Summe etwa 1,3 Millionen Stück. christian.marx@reifenpresse.de

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