Point-S-JHV: Hohe Überschüsse, Gewinnausschüttung und Konzeptkritik

Die point S Deutschland GmbH zieht ein positives Fazit ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung, die Ende Juni in Frankfurt stattfand. Während sich im Vorfeld zum Treffen, wie oft bei dieser Gelegenheit, etliche interne und externe Kritiker zu Wort gemeldet hatten, konnte die Geschäftsführung offenbar die Gesellschafter mit einer guten Bilanz überzeugen und erhielt für die deutlich höheren Überschüsse 2014 und auch für die weitere strategische Ausrichtung der Kooperation deutlichen Zuspruch: die Entlastung fiel entsprechend einstimmig aus; ein klarer Vertrauensbeweis, der die Leitung der Kooperation stärkt. Eine zuvor von einigen erwartete kontroverse Diskussion im Plenum hat es hingegen nicht gegeben. Auch wenn einige Industrievertreter gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG im Nachgang zur JHV weiterhin das Veranstaltungskonzept kritisierten und es sicher nicht gerne hören werden, dass die Geschäftsführer der Kooperation dieses Konzept auch 2016 umsetzen möchten, zeigten auch sie sich beeindruckt von der Nachdrücklichkeit der Entwicklungen im Hause point S. Gerade was die Onlineaktivitäten betrifft, unterstrich point S erneut ihre führende Rolle unter den Kooperationen unabhängiger Reifenhändler.

button_nrz-schriftzug_12px-jpg Dieser Beitrag ist in der Juli-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG erschienen, die Sie hier auch als E-Paper lesen können.

Die Gesellschafter der point S Deutschland konnten sich in Frankfurt über durchaus angenehme Geschäftszahlen freuen. Wie Geschäftsführer Rolf Körbler dort anlässlich der Jahreshauptversammlung berichtete, stieg der Jahresüberschuss des point-S-Konzerns – dazu zählen neben den Gesellschaften point S Deutschland auch point S Deutschland Services, point S Reifenpartner, Automeister sowie anteilig Point S Development (Lyon/Frankreich), nicht aber Servicequadrat – auf über 702.000 Euro; im Vorjahr lag das Konzernergebnis noch bei 250.000 Euro (2012 indes bei 427.000 Euro), was einem Plus von 180 Prozent entspricht. Dabei lastete im vergangenen Jahr allerdings erstmals nach vier Jahren keine Konzernabschreibung über 250.000 Euro durch die Automeister-Akquise mehr auf dem Ergebnis.

Die Gesellschafter der point S Deutschland konnten auf ihrer Jahreshauptversammlung Ende Juni in Frankfurt von einer guten Geschäftsentwicklung und einem stark gestiegenen Jahresüberschuss hören

Die Gesellschafter der point S Deutschland konnten auf ihrer Jahreshauptversammlung Ende Juni in Frankfurt von einer guten Geschäftsentwicklung und einem stark gestiegenen Jahresüberschuss hören

Insbesondere die vier deutschen Gesellschaften (ohne Point S Development) für sich entwickelten sich im vergangenen Geschäftsjahr den Informationen aus der Zentrale zufolge überaus positiv. Wie die anwesenden Gesellschafter in Frankfurt erfuhren, stieg der Jahresüberschuss von 176.000 auf jetzt 613.000 Euro, was einer Steigerung um 248 Prozent entspricht. 2012 wies point S Deutschland einen Jahresüberschuss von 283.000 Euro aus.

Folglich entwickelte sich der Überschuss der Point S Development von 74.000 auf jetzt 89.000 Euro, was einem Plus von immerhin noch 20 Prozent entspricht (2012: 144.000 Euro). „Die Bilanz stimmt“, meinte Geschäftsführer Rolf Körbler. „Wir waren 2014 sehr erfolgreich“, bilanzierte folglich auch Alfred Wolff, Geschäftsführer der point S Deutschland GmbH, die vorgelegten Zahlen. Das positive Ergebnis für das Jahr 2014 sei ein Zeichen für Kontinuität, „darauf muss man stolz sein“, sagte Heinrich Steinmetz, Vorsitzender des point-S-Gesellschafterrats.

Die point S Deutschland GmbH will ihre Gesellschafter an dieser Geschäftsentwicklung beteiligen. Gleichzeitig will die Geschäftsführung auch auf das immer wieder diskutierte ‚Problem’ der von vielen als zu hoch eingeschätzten Gesellschafteranteile reagieren. Wie bereits bei früherer Gelegenheit berichtet, müssen Interessenten an einer Mitgliedschaft in der point S, zumindest wenn sie Vollgesellschafter werden wollen, über 80.000 Euro einzahlen, wobei ein Teil davon dauerhaft gestundet wird – dies entspricht aktuell dem Wert der Anteile der Vollgesellschafter, wie sie sich in über 30 Jahren seit Firmengründung entwickelt haben. Diese Anteile werden jetzt „kontrolliert zurückgeführt“, wie Alfred Wolff bereits Anfang des Jahres angekündigt hatte und die Gesellschafterversammlung nun auch umsetzt. Es gibt demnach jetzt nicht nur eine Verzinsung der Anteile am Eigenkapital der point S Deutschland GmbH, sondern eine Teilauszahlung der Anteile im fünfstelligen Bereich. Dies sei „wie eine Gewinnausschüttung“, meinte Alfred Wolff gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG.

Die Gesellschafter der point S Deutschland GmbH haben ihrer Geschäftsführung und ihrem Beirat das Vertrauen ausgesprochen und mit der Entlastung ein klares Votum abgegeben, mit der angestrebten internen Umstrukturierungen fortzufahren

Die Gesellschafter der point S Deutschland GmbH haben ihrer Geschäftsführung und ihrem Beirat das Vertrauen ausgesprochen und mit der Entlastung ein klares Votum abgegeben, mit der angestrebten internen Umstrukturierungen fortzufahren

Während die Gesellschafter sich offensichtlich über eine positive Geschäftsentwicklung ihrer point S Deutschland freuen konnten, sehen die Verantwortlichen in der Kooperationszentrale auch die einzelnen Gesellschafter auf einem guten Weg. Im vergangenen Jahr habe das Hofgeschäft im Vergleich zum Wiederverkauf bei den einzelnen Gesellschafter zugenommen; der Großhandel war allerorten deutlich unter Druck geraten. Die Einzelhändler unter dem blau-weißen point-S-Logo hätten sich allerdings auch insgesamt besser als der Markt entwickelt, befand Alfred Wolff in Frankfurt und betonte, dass sich diese Entwicklung auch im laufenden Jahr fortsetzen solle. „2015 kommen neue Herausforderungen auf uns zu, denen wir uns selbstbewusst stellen wollen“, so Wolff. Ziel für 2015 sei es folglich, stärker zu wachsen als der Markt. Gelingen könne dies durch die Akquise weiterer neuer Mitglieder für die Marken point S und Automeister sowie „das erfolgreiche Wirken der bestehenden Gesellschafter“, ist man in Ober-Ramstadt überzeugt.

Trotz der jüngsten Entwicklung der Zahlen sei es aber erforderlich, sich neben der Kernkompetenz „Reifen“ dem Thema „Mobilität“ im Allgemeinen zu öffnen, ist man im Gesellschafterrat überzeugt. „Viele point-S-Betriebe haben sich in den Jahren des viel beschworenen Niedergangs des freien Reifenfachhandels erfolgreich zum Ort der Mobilität entwickelt“, meinte Heinrich Steinmetz. Diese Entwicklung sei kontinuierlich durch Leistungen und die Mitarbeiter der point-S-Zentrale begleitet worden. „Das Projekt ‚Erfolg mit System’ ist ein Meilenstein in der händlerindividuellen Betreuung der Kooperation“, so die point S Deutschland.

„Neue point-S-Onlinewelt“

Unter dem Motto „Hallo Zukunft“ wurde auf der Jahreshauptversammlung auch die „neue point-S-Onlinewelt“ präsentiert. Der Gesellschafterrat verwies in diesem Zusammenhang zunächst darauf, „dass die Stärke der Kooperation in der jahrzehntelangen Tradition und den familiengeführten Unternehmen besteht. Traditionsbetriebe und persönliche Beratung für den Endverbraucher bleiben wichtig. Doch Ziel sei es für die point S Deutschland GmbH, die Symbiose aus dem großen Anspruch an gutes Handwerk mit den Ansprüchen an eine attraktive Onlinewelt zu schaffen. Die moderne und innovative Internetplattform, die derzeit entwickelt wird, soll nicht nur mit überarbeitetem Design überzeugen, sondern auch mit einzigartigen Tools, die für Gesellschafter einen großen Nutzen bringen und letztendlich dem Kunden ein modernes Verkaufserlebnis bieten“ sollen, kündigte die Kooperation an.

Point S sieht sich „ganz nah am Puls der Zeit“: Erstmals wurde die Jahreshauptversammlung, an der zahlreiche Gesellschafter und Gäste der point S Deutschland GmbH aus dem In- und Ausland teilnahmen, live im Internet übertragen.

„Auf große Zustimmung stieß dabei das neue, effizientere Konzept der Jahreshauptversammlung“, betonte Alfred Wolff gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. Das Gesellschaftertreffen wurde in diesem Jahr erstmals von den Mitarbeitern der point-S-Zentrale in Ober-Ramstadt in Eigenregie organisiert. „Das neue Konzept ist kostengünstiger und der Zeit angemessen“, ergänzte Heinrich Steinmetz, Vorsitzender des point-S-Gesellschafterrats. Die Jahreshauptversammlung sei in diesem Jahr näher zusammengerückt. Das bedeutete auch, dass die Wege kürzer wurden. Darin zeige sich auch „die vielleicht wichtigste Funktion der Kooperation: der intensive und partnerschaftliche Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen der Gesellschafter untereinander“.

„Viele Industriepartner der point S Deutschland GmbH nutzten auch in diesem Jahr den Termin, um sich bei der Jahreshauptversammlung zu präsentieren und den Austausch mit den Gesellschaftern zu pflegen“, so die point S weiter. Während die point S Deutschland ihr Versammlungskonzept – zentral ging es dabei um den Wegfall der ansonsten üblichen Industrieausstellung mit in der Regel groß angelegten Messeständen und Präsentationen – durchaus positiv bewertet, kam aus den Reihen der Aussteller auch im Nachgang zur JHV in Frankfurt Kritik. Hatten sich im Vorfeld zur Versammlung gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG bereits einige mit harscher Kritik zum neuen Konzept und den als deutlich zu hoch empfunden Teilnahmegebühren geäußert (ein „Unding“ sei das Konzept), wurde diese Kritik auch im Nachgang wiederholt und mit der Forderung verbunden, für 2016 solle die point S Deutschland das Versammlungskonzept und/oder die Gebühren überdenken, „ansonsten kommt dann keiner mehr; das war nichts“, wie ein hochrangiger Mitarbeiter aus dem Ausstellerkreis gegenüber dieser Zeitschrift meinte; diese Meinung hätten etliche Aussteller geteilt. Geschäftsführer Alfred Wolff hingegen sieht keinen konkreten Handlungsbedarf und äußert gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG den Plan, das Konzept der Jahreshauptversammlung auch im kommenden Jahr entsprechend umzusetzen, wobei er noch keine Aussage über die Kostenbeteiligung der Industrieaussteller für 2016 treffen mochte.

Einen „echten Mehrwert“ hätten auf der Jahreshauptversammlung in Frankfurt viele Vorträge geliefert, darunter auch zum Thema „Unternehmensnachfolge und Risikomanagement“ des Baden-Badener Fachanwalts Michael Voßhenrich. Der Experte für Steuerrecht machte deutlich, dass frühzeitige Nachfolgeregelungen für Unternehmen von großem Nutzen seien. Aber auch neue Marketingstrategien wurden in Frankfurt im Rahmenprogramm der point-S-Jahreshauptversammlung präsentiert. „Wie wird man zu einer lokalen Marke und kann seine Zielgruppen punktgenau erreichen?“, darum ging es etwa im Vortrag von Thomas Ötinger, Geschäftsführer der Marcapo GmbH. „Bei guter Werbung hilft es, die eigene Persönlichkeit mit einzubringen und lokale Netzwerke zu nutzen“, so Ötinger. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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