Jobangebot lässt Goodyear-Mitarbeiter vor Wut schäumen

Freitag, 17. Juli 2015 | 0 Kommentare
 
Die Stadt Wolverhampton und Goodyear haben fast 90 Jahre gemeinsame Geschichte. Einst haben bis zu 7.000 Menschen in dieser Fabrik gearbeitet
Die Stadt Wolverhampton und Goodyear haben fast 90 Jahre gemeinsame Geschichte. Einst haben bis zu 7.000 Menschen in dieser Fabrik gearbeitet

Bekanntlich schließt Goodyear ein Runderneuerungswerk im britischen Wolverhampton zum Ende des nächsten Jahres und 330 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Etwa auf das Schließungsdatum fällt auch die Eröffnung eines neuen Goodyear-Werkes im mexikanischen San Luis Potosi mit ca. tausend Arbeitsplätzen. Ein Aushang im Werk Wolverhampton, dass sich die Mitarbeiter doch in San Luis Potosi – 8.600 Kilometer entfernt – bewerben könnten, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Anfangs hatten noch einige Mitarbeiter an einen schlechten Scherz geglaubt, von dem man nicht wisse, ob man „drüber lachen oder weinen“ solle. Doch der Aushang ist echt, in der Personalabteilung, in der Produktion und in der Qualitätssicherung sind in der neuen mexikanischen Fabrik noch Jobs zu haben. Die Erklärung des Arbeitgebers, es handle sich um eine Standardmitteilung an Mitarbeiter über Goodyear-Jobs auf der ganzen Welt, beruhigt die aufgebrachten Mitarbeiter natürlich überhaupt nicht. Mittlerweile ist das Thema Stadtgespräch, wobei die lokale Labour-Abgeordnete mit einer Formulierung wie „inakzeptabel und lächerlich“ noch eine von den harmloseren Reaktionen zeigt.

Die Medien weisen darauf hin, dass die durchschnittlichen Gehälter in San Luis Potosi weniger als zehn Prozent von denen betragen, die in Wolverhampton bezahlt werden. Sie zitieren Mitarbeiter, die „vor Wut schäumen“, die sich „beleidigt“ fühlen, für die das „ein Tritt in die Zähne“ sei.

Wie „bizarr“ das Angebot ist, soll mit einigen Fakten zu San Luis Potosi untermauert werden. Die 2,64-Millionen-Stadt (Wolverhampton hat 253.000 Einwohner) mitten in Mexiko ist Schauplatz von Kriegen rivalisierender Drogenkartelle, im Jahre 2012 habe man 14 Leichen in einem SUV unweit des Stadtzentrums gefunden. Die US-Regierung warne, es sei so gefährlich, dass man zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens dort nicht reisen solle, auch die kanadischen und australischen Behörden mahnen zu „extremer Vorsicht“. Es ist nicht bekannt, ob ein solcher Aushang auch in Wittlich am schwarzen Brett hängt, wo die Pkw-Reifenfertigung aufgegeben wird und 120 Jobs entfallen. detlef.vogt@reifenpresse.de

Schlagwörter: , , , , ,

Kategorie: Markt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *