Fehlende „Zukunftszuversicht“ – Frust im Reifenhandel?

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War sie in den zurückliegenden Jahren mitunter schon reichlich angespannt, so bietet die momentane Lage im Reifengeschäft weiterhin nicht gerade Anlass für große Freudensprünge. Selbst so manch altgedienter Fahrensmann der Branche spricht da schon von so etwas wie einem „schleichenden Tod im Reifenhandel“.

Die Absatzentwicklung im deutschen Ersatzgeschäft Handel an Verbraucher ist im bisherigen Jahresverlauf mal wieder hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was umso schwerer wiegt, weil sich die Branche gleichzeitig mit vielerlei Herausforderungen konfrontiert sieht. Dabei geht beispielsweise ein anhaltender Preisdruck durch ein Warenüberangebot im Markt Hand in Hand mit einem verstärkten Wettbewerb durch konkurrierende Vertriebskanäle wie das Autohaus bzw. Kfz-Werkstätten sowie das Internet. Aber auch auf durch die EU-Gesetzgebung getriebene Entwicklungen wie die seit Herbst vergangenen Jahres geltende Pflicht zur Ausrüstung von Neufahrzeugen der Klasse M1 mit Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) und die damit zumindest bei Ausstattung mit direkten Systemen steigenden Anforderungen rund um den Reifenservice gilt es sich einzustellen.

Ein Weiter-so-wie-bisher kann angesichts dessen wohl kaum die richtige Strategie aufseiten des Handels sein, und doch scheinen zumindest Teile der Branche an so etwas wie dem „HSV-Syndrom“ zu leiden. Diese Diagnose der NEUE REIFENZEITUNG hat einige Reaktionen provoziert, die im Wesentlichen zeigen, dass einerseits einige Verunsicherung herrscht, wie es um die Zukunft des Reifenfachhandels bestellt ist, sowie andererseits, dass sich ein gewisses Maß an Frustration angesichts der derzeitigen Situation nicht leugnen lässt. Ausdruck dessen ist, dass der Redaktion bereits mehrere – sicher aber nicht ganz ernst gemeinte – Angebote unterbreitet wurden, doch mal den einen oder anderen Reifenhandel zu übernehmen und zu schauen bzw. ganz praxisnah zu demonstrieren, ob und wie es möglich ist, sich am Markt zu behaupten.

„Wenn Sie den Königsweg für die Gesundung des Reifenhandels kennen würden, würden Sie als Unternehmensberater durch die deutsche Reifenlandschaft ziehen und sich eine goldene Nase verdienen“, stellt aber Manfred Strobel, von der Strobel Reifen + Service GmbH in Hof, in einem Leserbrief richtigerweise fest, dass das Beobachten/Beschreiben gewisser Marktentwicklungen nicht gleichbedeutend damit sein muss, dafür auch Patentlösungen parat zu haben. Seine weiteren Ausführungen fassen allerdings sehr gut das derzeitige Dilemma der Branche zusammen und gleichzeitig zeigt Strobel auf, worauf es seiner Meinung nach letztlich ankommt. „Der Reifenhandel und jeder einzelne Betrieb muss besser sein als andere Vermarkter“, sagt er. Ein möglichst guter und kompetenter Service scheint demnach ein vielversprechender Schlüssel zum Erfolg zu sein. Doch eben dies ist offenbar noch nicht allerorten verinnerlicht worden.

„Der Reifenfachhandel hat es schwer wie nie, und überwiegend wird sich nicht auf die Situation eingestellt. Der Reifenfachhandel hat es nicht begriffen, dass der Kunde, der durch die Fachhandelstür geht, Rat und Hilfe sucht“, so Andre Steffen, Betreiber des „Reifen-Support“ genannten Beratungsangebotes für Reifenvermarkter. Es gebe zwar durchaus positive Ausnahmen, doch bei seinen Wettbewerbsbeobachtungen im Kundenauftrag seien „dreckige Fachberater, keine ordentlichen Wartezonen und Desinteresse am Kunden“ trotzdem bei Weitem keine Einzelfälle. „Mir werden Preise an den Kopf geknallt und in den seltensten Fällen konkrete Empfehlungen gegeben“, so eine seiner weiteren Erfahrungen. Jedenfalls wird es auch aus seiner Sicht „höchste Zeit für den Fachhandel, ‚mal was zu tun’“.

Zumal laut dem jüngsten Branchenbarometer TIX (Tire Index) des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) für das zweite Quartal dieses Jahres viele Betriebe tendenziell sogar eher noch mit Verschlechterungen im Reifenfachhandel rechnen. Zwar wird die Stimmung insgesamt als „mittelmäßig“ beschrieben, gleichzeitig werden augenscheinlich jedoch nach wie vor nur wenig positive Impulse für die Branche erwartet. „Das Wintergeschäft 2014 hat im Reifenfachhandel einen deutlichen Stimmungsabschwung herbeigeführt. Aus diesem Tief ist der Reifenfachhandel bislang noch nicht ganz herausgekommen“, ist dem aktuellen Branchenbarometer zu entnehmen, mittels dem der BRV mehrmals im Jahr gemeinsam mit der BBE Automotive GmbH die Lage im deutschen Reifenfachhandel untersucht.

Die Erwartungen für den eigenen Betrieb sollen die Teilnehmer an der dem Ganzen zugrunde liegenden Befragung allerdings positiver sehen. „Die aktuelle Umsatzsituation wird als gut eingestuft. Aber auch hier wird teils Stagnation erwartet. Zudem werden tendenziell auch Verschlechterungen bei Rohertrag und Gewinn befürchtet“, gibt der BRV die diesbezügliche Einschätzung wieder. Vergleiche man die aktuelle Stimmung (101 Indexpunkte) mit demselben Quartal des Vorjahres, als die damalige aktuelle Lage ordentlich eingestuft worden (135 Indexpunkte) und der Blick nach vorn ebenfalls positiv ausgefallen sei, so werde offenkundig, dass es dem Reifenfachhandel – schlussfolgert der BRV – „augenblicklich an der Zukunftszuversicht“ fehle. christian.marx@reifenpresse.de

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