(Weiter) wachsende Nachfrage nach Ganzjahresreifen

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Ob nun eine Bedrohung oder doch eher Chance – der Reifenfachhandel berichtet nicht nur von einer gestiegenen Nachfrage nach Ganzjahresreifen, sondern erwartet zudem, dass sich dieses Marktsegment auch in Zukunft als weiter wachsend bzw. stark wachsend erweisen wird. Das hat eine entsprechende Befragung im Rahmen des sogenannten „Branchenbarometers“ TIX (Tire Index) ergeben, mit dem der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) seit Anfang vergangenen Jahres mehr oder weniger regelmäßig die Stimmungslage innerhalb der Branche sowie zu ausgewählten Themen erhebt.

Aktuell entfallen bei den an der Befragung teilnehmenden Reifenfachhandelsbetrieben demnach 9,5 Prozent der Reifenverkäufe im bisherigen Sommergeschäft 2015 auf Ganzjahresreifen, während für das letztjährige Sommergeschäft 8,3 Prozent als Vergleichswert angegeben werden. Auch im zurückliegenden Wintergeschäft 2014/2015 soll sich gemessen an allen dabei verkauften Pkw-Reifen der Anteil der Ganzjahresreifen mit 10,3 Prozent in etwa derselben Größenordnung bewegt haben, was damit eher am unteren Ende dessen liegt, was die NEUE REIFENZEITUNG unlängst mit irgendwo zwischen elf und 17 Prozent für den Ganzjahresreifenmarktanteil 2014 berechnet hat.

Unabhängig davon geht man im Handel mehrheitlich davon aus, dass die Nachfrage nach Ganzjahresreifen – nicht zuletzt beflügelt durch eine zunehmende Penetration des Marktes mit Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) bzw. entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen – weiter zulegen wird. Immerhin mehr als zwei Drittel der Befragten erwarten einen wachsenden (54 Prozent) oder sogar stark wachsenden (16 Prozent) Markt für Allwetterreifen, während andersherum 20 Prozent von einer gleichbleibenden und weitere zehn Prozent von einer rückläufigen Nachfrage nach Ganzjahresreifen ausgehen. Nicht viel anders sehen die Antworten mit Blick auf die Absatzentwicklung im eigenen Betrieb aus, wo sieben bzw. 50 Prozent stark wachsende respektive wachsende Verkaufszahlen berichten, 28 Prozent gleichbleibende sowie 15 Prozent rückläufige.

Jedenfalls wird Ganzjahresreifen offenbar „noch viel Potenzial“ seitens des Handels attestiert, wobei sie seiner Einschätzung nach „vor allem in städtischen Gebieten und bei eher durchschnittlicher bis geringer Laufleistung“ ein Thema seien. Mit einem verstärkten Trend hin zu Allwetterreifen verbindet der Handel jedoch vor allem negative Folgen. „Für den Reifenfachhandel bedeutet dies, dass Kundenkontakte durch die Umrüstung verloren gehen“, soll immerhin jeder zweite Handelsbetrieb im Rahmen der Datenerhebung zum jüngsten Branchenbarometer gesagt haben. Auch werde teils ein deutlicher Rückgang beim Absatz der Sommer- und Winterreifen erwartet, heißt es weiter.

Die aktuelle Onlineumfrage der NEUE REIFENZEITUNG auf ihren Webseiten unter www.reifenpresse.de bestätigt diese tendenziell eher negative Sicht der Dinge, obwohl vielleicht durchaus auch positive Aspekte – zum Beispiel eine weniger starke ausgeprägte Saisonalität des Pkw-Reifengeschäftes oder eine höherpreisige Vermarktung von Ganzjahresreifen – anzuführen wären. Die Frage danach, ob eine Stärkung des Pkw-Ganzjahresreifensegmentes der Reifen- und Räderbranche schadet, haben ungeachtet solcher Überlegungen bisher (Stand Mitte Juni) knapp zwei Drittel der Teilnehmer (65 Prozent) jedenfalls mit einem Ja beantwortet und annähernd ein Drittel (32 Prozent) mit einem Nein, während sich drei Prozent nicht zwischen einer dieser beiden Antwortoptionen entscheiden können.

Wie dem auch sei: Als Folge der erwarteten steigenden Nachfrage nach Ganzjahresreifen wird seitens des Handels zudem davon ausgegangen, dass es unter den Reifenherstellern zu – so ist im TIX für das zweite Quartal 2015 zu lesen – „(deutlich) mehr Wettbewerb in diesem Segment“ des Marktes kommen werde. Immerhin in Summe 80 Prozent der für das BRV-Branchenbarometer Befragten sagten, es komme „ganz bestimmt“ (44 Prozent) oder „wahrscheinlich ja“ zu einer Wettbewerbsintensivierung aufseiten der Reifenhersteller. Schließlich haben dieses Jahr erstmals etwa auch Pirelli und Michelin Reifen für einen ganzjährigen Einsatz auf breiter Front im europäischen/deutschen Markt eingeführt.

Damit treten beide nun in Konkurrenz zu Anbietern wie Goodyear, Vredestein oder Hankook, die dieses Feld bisher ja schon „beackert“ haben. Aus Sicht des Handels wird Goodyear derzeit jedenfalls die Position als „eindeutiger Marktführer“ zugeschrieben, während Hankook und Vredestein zwar als relevante Wettbewerber wahrgenommen werden, aber mit „beachtlichem Abstand“ hinter diesem folgen sollen. „Alle übrigen Marken werden tendenziell als nachgeordnet wahrgenommen“, heißt es im jüngsten BRV-Branchenbarometer dazu weiter. Aber all das muss im Zuge eines in Bewegung geratenen Marktes ja nicht so bleiben. christian.marx@reifenpresse.de

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