Mehrheit an BBS weitergereicht: An koreanische Investoren

Eine große Überraschung ist das nicht mehr. Bereits seit dem letzten Jahr haben es die Spatzen von den Dächern gepfiffen. Die zum 1. April 2012 als Mehrheitsgesellschafter beim Aluminiumgussräderhersteller BBS (Schiltach) eingestiegene Beteiligungsgesellschaft Tyrol Equity sucht den Ausstieg. Im Frühjahr 2013 hatte der von den Österreichern nach Schiltach als Statthalter entsandte Dr. Stefan Hamm gegenüber dieser Fachzeitschrift gesagt, er komme nicht von einem „klassischen Private-Equity-Fonds“, verfolge daher „auch keinerlei Exit-Strategie“, sondern: „Wir schätzen eine gute Dividende durchaus und sehen unser Engagement längerfristig.“ Jetzt ist bekannt, was unter längerfristig zu verstehen ist. Neuer Mehrheitsgesellschafter der BBS GmbH wird die koreanische NICE Holdings Co., Tyrol Equity verbleibt als Minderheitsgesellschafter.

Das Investorenkonsortium geführt durch die Tyrol Equity AG hat den Vertrag zum Verkauf der Mehrheitsanteile an der BBS GmbH mit NICE unterzeichnet. Tyrol Equity will das Unternehmen als Minderheitsgesellschafter weiterhin begleiten, sagt aber nicht wie lange und wie hoch die verbliebenen Anteile sind. Man wolle den neuen Partner NICE tatkräftig bei der Umsetzung der BBS-Wachstumsstrategie unterstützen. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung zuständiger Behörden und wird voraussichtlich innerhalb der nächsten Monate abgeschlossen. Beide Parteien haben Stillschweigen über die Höhe des Kaufpreises vereinbart.

BBS ist ein Hersteller von gegossenen Leichtmetallrädern für Premium-„Original Equipment Manufacturers“ (OEMs), Tuningfirmen und den freien Ersatzteilhandel (IAM). Seit Gründung in den 1970ern deckt BBS die gesamte Wertschöpfungskette von der Gießerei über Flow-Forming und der mechanischen Bearbeitung bis hin zur Oberflächenbehandlung im eigenen Haus ab. Allerdings hat die Verteilung der Produktion auf die beiden Standorte Schiltach und Herbolzheim in der Vergangenheit direkte Wettbewerber immer davon abgehalten, sich selbst bei dem Mitbewerber einzubringen. Bei anderthalb Stunden Fahrzeit mit einem Lkw von einem Werk zum anderen sprechen sie von unzeitgemäßem Felgentourismus, den man sich in der heutigen zeit nicht mehr leisten könne. Immerhin: BBS-Produkte werden zu hundert Prozent in Deutschland entwickelt, produziert und getestet. In 2014 erwirtschaftete die BBS einen Umsatz von ca. 70 Millionen Euro bei einer Mitarbeiterzahl von ca. 430 Angestellten.

„Seit unserem Einstieg im Frühjahr 2012 haben wir intensiv an der Reorganisation des Prozessablaufs und der Implementierung einer nachhaltigen Wachstumsstrategie gearbeitet. Wir möchten uns beim gesamten Managementteam und bei allen Mitarbeitern für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen bedanken. Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben und wir sind davon überzeugt, dass NICE der richtige Partner für die BBS ist, um den nächsten Schritt machen zu können“, so Dietmar Gstrein, Vorstand Tyrol Equity AG. Die Österreicher wurden bei der Transaktion von der internationalen Investment Bank N+1 (M&A) und Orth Kluth Rechtsanwälte (Legal) beraten.

„Tyrol Equity hat während der dreijährigen Zusammenarbeit mit dem BBS-Management große Hingabe und fundierte Expertise in der Restrukturierung und Weiterentwicklung des Unternehmens bewiesen. Für das Unternehmen als auch für das Management-Team war dies eine sehr fruchtbare Zeit. Heute schauen wir der zukünftigen Zusammenarbeit mit unserem neuen starken Partner NICE voller Spannung und Freude entgegen“, so Jürgen Lohmann, Geschäftsführer BBS GmbH.

„Wir freuen uns sehr, BBS als neuen Partner gewonnen zu haben. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam einen großartigen Geschäftserfolg realisieren können und sind zuversichtlich, dass BBS der NICE-Gruppe zu der Chance verhilft, unvergleichliche Erfolge im europäischen Markt zu erzielen. Zusätzlich werden die solide finanzielle Position der NICE Gruppe sowie unser hervorragendes Netzwerk in Asien zu der Weiterentwicklung der BBS beitragen“, so Jin Dong-Hyun, General Director NICE Holdings.

Über NICE:

Die börsennotierte NICE-Gruppe ist in den Bereichen Finanzdienstleistung und industrielle Produktion aktiv. Mit Sitz in Korea ist NICE in drei Geschäftsbereiche unterteilt: Financial Information, Financial Infrastructure und Manufacturing. Der Bereich Manufacturing fokussiert sich auf Leichtmetalltechnologien und unterstützt seit 2010 neben dem Kerngeschäft das starke Wachstum der Holding. NICE ist kontinuierlich auf der Suche nach attraktiven und geeigneten Geschäftsfeldern, in denen eine große Nachfrage nach Leichtmetalltechnologien (wie zum Beispiel in der Automobil-, Luftfahrt- und anderen stets auf Energieeffizienz bedachten Industrien) herrscht. detlef.vogt@reifenpresse.de

 

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