Vipal in Europa: Neues Lager in Großbritannien beispielhaft für breiteres Wachstum

Erst Ende 2014 berichtete Vipal, der brasilianische Anbieter von Runderneuerungsmaterialen, über die Eröffnung eines neuen Vertriebszentrums in Großbritannien. Dabei steht die Einrichtung in der Hafenstadt Felixstowe (bei Harwich) für weit mehr als schlichtweg Wachstum in einem europäischen Land; es zeigt examplarisch das Wachstum Vipals in ganz Europa. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutern Alessandro Campos, General Manager für Vipal Europe, und Sales Representative Michal Baxa die näheren Hintergründe der Eröffnung und die weiteren Wachstumspläne.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Dieser Beitrag ist in unserer Runderneuerungsbeilage Retreading Special erschienen, die Sie hier als E-Paper lesen können.

Es gibt zwei wichtige Gründe, warum Vipal seine Vertriebsaktivitäten am Standort in Felixstowe konzentriert. Zunächst sei es notwendig, gewisse Lagerkapazitäten vorzuhalten, will man seinen bestehenden Kunden im Markt einen guten Service bieten und neue Kunden akquirieren. Und dann ist Felixstowe als Standort insbesondere durch seine strategisch günstige Lage direkt in Hafennähe kosteneffektiver als beispielsweise Standorte in Birmingham, Stoke-on-Trent oder Manchester. Auch wenn ein Vertriebszentrum in Felixstowe weit entfernt gelegen scheint von Kunden, so mache es logistisch betrachtet doch Sinn. Durch die Eröffnung eines Lagers in einer der großen Städte müsste die gesamte Ware doppelt gehandelt werden, was zu doppelten Kosten führen würde (Hafen zum Lager und Lager zum Kunden). Da Vipal die Runderneuerungsmaterialien für seine europäischen Kunden in Brasilien fertigen lässt, koste dieses Modell den Anbieter schlichtweg weniger und der Kunde könne seine Ware außerdem schneller erhalten. Dabei wiederholt Vipal in Felixstowe im Grunde genommen nur das, was man bereits zuvor in Deutschland, Spanien und Slowenien erfolgreich erprobt habe.

Und warum gerade jetzt? Campos zufolge bestehe die Vipal-Geschäftsphilosophie aus so etwas wie einer Mischung aus US-amerikanischer und japanischer Mentalität: Während es manchmal lange dauere, um eine Entscheidung herbeizuführen, werde sie – sobald einmal getroffen – gerne schon „gestern“ umgesetzt. Genau dies sei jetzt eben auch mit der Eröffnung des neuen Vertriebszentrums in Großbritannien geschehen, außer dass es buchstäblich eben im vergangenen Jahr eingeweiht wurde und nicht eben gestern. Indes, während das Lager zum Ende des vergangenen Jahres eingeweiht wurde, hatte Vipal die Geschäftsaktivitäten in Felixstowe bereits Anfang des vergangenen Jahres begonnen; eigentlich kann Vipal damit am Standort derzeit seinen ersten Geburtstag feiern. Entsprechend hoch ist demnach auch bereits der Auslastungsgrad des Lagers.

Vipal fasste dabei bereits 2007 Fuß auf dem britischen Markt, als man begann, Vacu-Lug – einen der beiden großen unabhängigen britischen Runderneuerer – mit Laufstreifen zu versorgen. Für die Jahre danach baute das Unternehmen seine Präsenz auf dem Markt über das deutsche Vertriebszentrum in Hamburg auf und aus. Bereits vor einigen Jahren habe man bereits darüber nachgedacht, auch für den britischen Markt ein eigenes Lager in Betrieb zu nehmen; die Entscheidung dazu, als nächsten Standort in Europa ein Lager in Großbritannien zu eröffnen, fiel dann aber erst Mitte 2013, wie Alessandro Campos erläutert.

Der erste Schritt der Inbetriebnahme des neuen Vertriebszentrums in Felixstowe war die Verlagerung einiger speziell für den britischen Markt produzierter Laufstreifen aus dem Hamburger Lager. Dieses Sortiment wurde dann mit weiteren Produkten aufgefüllt, die direkt aus dem Werk nach Felixstowe geliefert wurden. Wie Campos erläutert, werde das Lager per Ende März 2015 bereits 100 Tonnen Kaltlaufstreifen, 150 Tonnen Mischungen für die Heißrunderneuerung sowie in gewissem Umfang weitere Materialien vorrätig halten. Dabei biete das Lager sogar deutlich mehr Platz. Auf den 2.000 m² können bis zu 500 Tonnen Runderneuerungsmaterialien gelagert werden.

Alessandro Campos (rechts), General Manager für Vipal Europe, sowie ein Mitarbeiter eines Logistikdienstleisters führen durch das neue Vipal-Vertriebszentrum im britischen Felixstowe

Alessandro Campos (rechts), General Manager für Vipal Europe, sowie ein Mitarbeiter eines Logistikdienstleisters führen durch das neue Vipal-Vertriebszentrum im britischen Felixstowe

Zusätzlich zu den oben bereits erwähnten Gründen biete das neue Vertriebszentrum auch logistische und Planungsvorteile. Nun kann Vipal wöchentliche Auslieferungen innerhalb Großbritanniens fahren lassen. Gegenwärtig macht das Unternehmen dies für seinen Kunden Vacu-Lug sowie für einen weiteren Kaltrunderneuerer. Durch die hinzugewonnene Flexibilität mit dem neuen Vertriebszentrum kann Vipal dies nun auch für andere Kunden anbieten. Außerdem umfasst die Lieferzeit von Felixstowe in der Regel nur ein bis zwei Tage, während zuvor regelmäßig eine gute Woche zu Buche schlug. Dies ist insbesondere für Kunden wichtig, die selber keine großen Lagerbestände pflegen wollen. Gerade dieser Grund war einer der ausschlaggebenden für die Entscheidung, ein neues Vertriebszentrum in Großbritannien zu eröffnen; man könne nun den Service gerade für kleinere Kunden verbessern.

Neues Büro in Italien und zusätzliches Personal

Alessandro Campos zufolge setzt Vipal aktuell ein klares Zeichen an das weitere Wachstum in Europa. So hat das brasilianische Unternehmen ebenfalls Ende vergangenen Jahres ein Büro in Italien eröffnet, aus dem heraus seit Januar das Tagesgeschäft für den italienischen Markt abgewickelt wird. Vipal plane unterdessen zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein eigenes Vertriebszentrum in Italien, da das Lager in Slowenien den italienischen Markt von seiner Kapazität her im Augenblick durchaus noch mitbedienen kann.

Dennoch zeigt diese jüngste Entscheidung, dass Vipal seinen Marktanteil auch in Italien über die Jahre weiter ausbauen konnte und dort auch weiterhin ausbauen will. Man sei allerdings von einer niedrigen Basis eingestiegen, so dass namhafte italienische Wettbewerber die Auswirkungen des Vipal-Wachstums in Italien vermutlich nur begrenzt gemerkt haben – für den Moment.

Auch in Bulgarien und Slowenien ist Vipal mit dem erzielten Wachstum durchaus zufrieden; auch auf anderen Märkten zeigen sich mitunter positive Entwicklungen, wobei auch gelegentlich Absatzrückgänge zu verzeichnen seien, etwa aufgrund sich ändernder Vertriebsbeziehungen. Der britische Markt habe sich dabei zuletzt verständlicherweise durchaus positiv entwickelt. Auch für 2015 habe man „überaus gute Erwartungen“ nach „überaus guten Verhandlungen“, so der General Manager. Folglich erwarte man Wachstum in Großbritannien wie auch ganz allgemein in Europa für das neue Jahr.

Zusätzliche Möglichkeiten für Vipal und die Runderneuerer

Campos zufolge stimmten die jüngsten ETRMA-Zahlen zuversichtlich, was den Reifenbestand in Europa betrifft; dies werde sich mittelfristig positiv auf den Runderneuerungsmarkt auswirken, ist der General Manager überzeugt. Durch die zusätzlichen Karkassen im Markt könnte der Runderneuerungsmarkt in Europa 2015 insgesamt um drei bis 4,5 Prozent wachsen.

Was bedeutet dies nun entsprechend für Vipal? Ohne in die länderspezifischen Details zu gehen, nimmt der brasilianische Anbieter in einigen der wichtigsten Märkte Marktanteile im zweistelligen Bereich für sich in Anspruch. Folglich stehe Vipal auf diesen Märkten mitunter auch vor einigen der renommiertesten Anbieter. Auf anderen Märkten wiederum ist man von entsprechenden Marktanteilen noch weit entfernt. Folglich sei es zentral wichtig, jetzt stabile Geschäftsbeziehungen zu den europäischen Runderneuerern aufzubauen und einige der Kunden künftig nahezu komplett mit Material zu versorgen.

Das große Ziel sei es, so Campos weiter, erster Anbieter nach der Neureifenindustrie zu werden und sich weltweit einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent zu erarbeiten. Wie gesagt, in einigen Ländern sei man diesem Ziel bereits näher als in anderen. Gerade in Südeuropa sei Vipal traditionell stärker als andernorts; in Großbritannien etwa habe man das Ziel bereits „zur Hälfte“ erreicht. In Osteuropa habe sich Vipal ebenfalls binnen kurzer Zeit „einen anständigen Marktanteil“ aufbauen können, was nicht zuletzt am Vertriebszentrum in Slowenien liege, wo man wiederum den Markt dominiere; in Bosnien und in Serbien liefen die Geschäfte auch „sehr gut“. Ob Vipal auch in Russland versucht, Fuß zu fassen, sei noch nicht entschieden. Man wolle auf der Moskauer Reifenmesse Tires & Rubber Ende April ausstellen, um ein besseres Gespür für den Markt dort zu bekommen. chris.anthony@tyrepress.com/ab

 

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