RuLa schließt Produktion und Verwaltung in Schraden – Umzug nach Zernsdorf

Die RuLa GmbH – einer der größten unabhängigen Runderneuerer Deutschlands – will ab Mitte dieses Jahres Produktion und Verwaltung am Standort in Königs Wusterhausen bei Berlin zusammenfassen und folglich den Stammsitz in Schraden bei Dresden komplett schließen. Wie Geschäftsführer Detlev Biermann auf Anfrage der NEUE REIFENZEITUNG bestätigte, seien von der Schließung in Schraden 25 Mitarbeiter betroffen. Wie viele davon das Angebot über einen Arbeitsplatz in Königs Wusterhausen wahrnehmen, sei noch nicht klar; ein Großteil der Beschäftigten werde vermutlich freigestellt. Das Unternehmen litt wie viele seiner Mitbewerber zuletzt immer stärker unter Überkapazitäten und einer stark rückläufigen Nachfrage nach Kaltrunderneuerten aufgrund stark steigender Neureifenimporte aus Fernost.

Die RuLa und ihre Tochter – das Berliner Runderneuerungswerk (BRW) – haben zuletzt intensiv in den Auf- und Ausbau der Heißrunderneuerungskapazitäten am Standort im Ortsteil Zernsdorf in Königs Wusterhausen investiert und damit auf einen langfristigen Markttrend reagiert, wie im vergangenen Sommer Mit-Geschäftsführer Jörg Wolter im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläuterte. Bestand die Produktion vor fünf Jahren noch zu zwei Dritteln aus Kaltrunderneuerten, so waren dies im vergangenen Jahr nur noch ein Drittel – bei annähernd gleichbleibendem Output von rund 80.000 Runderneuerten in beiden deutschen Produktionsstätten.

Der Runderneuerer geriet in den vergangenen Jahren genau wie viele seiner Mitbewerber auch zunehmend durch billige Neureifenimporte unter Druck, die insbesondere aus China nach Europa kamen und hierzulande die Nachfrage nach runderneuerten Reifen und deren Preisstellung stark belasteten. Allein 2014 wurden mit 3,22 Millionen Stück über 50 Prozent mehr Neureifen von nicht ETRMA-Mitgliedern nach Europa exportiert als 2013 – mit dramatischen Folgen gerade für mittelständische Runderneuerer. In Deutschland wurden laut BRV im vergangenen Jahr noch 950.000 runderneuerte Lkw-Reifen vermarktet, zehn Jahre zuvor waren dies noch 1,14 Millionen und damit 200.000 Stück mehr. Detlev Biermann zufolge könnten Runderneuerer wie die RuLa heute kaum mehr im Wettbewerb mit diesen sogenannten „Billigreifen aus Fernost“ konkurrieren, die – so der Geschäftsführer weiter – hochgradig subventioniert seien. In den vergangenen Jahren hätten die Importe dem deutschen Runderneuerer bereits die Absätze auf dem russischen Markt zunichtegemacht; dort hatten RuLa und BRW noch 2007 mehr als jeden dritten ihrer runderneuerten Reifen vermarktet. Heute tendiert der Absatz dort gegen Null, wie Biermann bestätigt.

Mit der Entscheidung, Produktion und Verwaltung in Schraden zu schließen, reagiert Geschäftsführer Detlev Biermann auf den schwachen Markt und den stark steigenden Wettbewerb durch sogenannte „Billigreifen aus Fernost“

Mit der Entscheidung, Produktion und Verwaltung in Schraden zu schließen, reagiert Geschäftsführer Detlev Biermann auf den schwachen Markt und den stark steigenden Wettbewerb durch sogenannte „Billigreifen aus Fernost“

Dass RuLa jetzt den Standort Schraden schließt, wo ausnahmslos kaltrunderneuert wird, liege dabei im Übrigen nicht daran, dass Detlev Biermann 2013 den polnischen Kaltrunderneuerer ATB Truck mit Sitz in Warschau mit einer Kapazität von „rund 70.000 bis 80.000 Stück“ (Jörg Wolter) übernommen hat und nun die Produktionskapazitäten aus Schraden dorthin verlagern wolle, unterstreicht der Geschäftsführer. „In Polen läuft es auch nicht gut“, so Biermann weiter; man werde keine Produktionskapazitäten nach Polen verlagern.

Verlagert werden soll nun aber ein wesentlicher Teil der Kaltrunderneuerung aus Schraden nach Königs Wusterhausen. Biermann zufolge habe man zuletzt an beiden Standorten die Kaltrunderneuerungskapazitäten lediglich zu je einem Drittel ausgelastet. Während in Schraden von bis zu 50.000 möglichen Kaltrunderneuerten zuletzt nur noch 20.000 produziert wurden, wurden in Königs Wusterhausen von 20.000 möglichen Kaltrunderneuerten zuletzt nur noch 7.000 gefertigt. Ziehe man die Produktionen zusammen, könne man die verbleibende Kaltrunderneuerung am Standort in Königs Wusterhausen „wenigstens zu zwei Dritteln auslasten“, so Biermann weiter.

Inwiefern die 25 Mitarbeiter am bisherigen Stammsitz des Unternehmens in Schraden von der Zusammenfassung beider Standorte im 140 Kilometer Königs Wusterhausen südlich von Berlin betroffen sein werden, konnte Biermann im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG noch nicht genau abschätzen. Von den 15 betroffenen Mitarbeitern in der Produktion würde vermutlich niemand das Angebot annehmen, mit nach Königs Wusterhausen zu gehen und in Zukunft dort zu arbeiten. Lediglich von den zehn Verwaltungsmitarbeitern würden einige die Verlagerung mitmachen und mit an den neuen Standort umziehen. Die Produktion in Schraden werden dem aktuellen Plan zufolge dann zum 30. Juni eingestellt. Zum Ende dieses Jahres werde dann auch die Verwaltung am bisherigen Stammsitz geschlossen und nach Königs Wusterhausen verlagert.

Detlev Biermanns Vater hatte 1992 das „Runderneuerungswerk Lauchhammer“ – benannt nach einem Nachbarort Schradens, wo die Produktion ursprünglich entstehen sollte – gegründet. Durch die Übernahme des Berliner Reifenwerkes – heute: Berliner Runderneuerungswerk (BRW) – im Jahr 2000 kam dann ein zweiter Standort in der ehemaligen DDR hinzu. 2009 dann bezog das Unternehmen den komplett neuen Standort im Ortsteil Zernsdorf von Königs Wusterhausen bei Berlin und schloss im Folgejahr den alten BRW-Standort in Berlin. arno.borchers@reifenpresse.de

 

2 Kommentare
  1. hans wurst says:

    Schon gewusst! Die Rula gmbh kaufte damals das insolvente Berlinerreifenwerk das zur Tochter wurde, ab den Zeitpunkt wurde der Standort in Schraden nur gebraucht um das neue Reifenwerk in Zernsdorf und Werke in Polen zu finanzieren. Investitionen in Schraden waren nur noch selten, selbst löhne wurden nie angepasst. die Mitarbeiter der RULA waren jahrelang ein Spielball des Geschäftsführers der trotzdem immer mehr wollte.Zum dank wird das Werk geschlossen, was die Mitarbeiter der RULA in jahrelanger qulliätsarbeit aufgebaut hat. die letzten 25 Fachkräfte der Rula wollen niemals zur BRW gehören und das weiß der Geschäftführer auch und nicht so wie im bericht geschrieben.

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