Pirelli-Verkauf an ChemChina: Beginnt jetzt ein Wettbieten? Hat Bridgestone Interesse?

Seit dem vergangenen Wochenende steht fest: Der chinesische Staatskonzern China National Chemical Corporation (kurz: ChemChina) will Pirelli übernehmen und hat dazu mit den derzeitigen Großinvestoren – namentlich mit dem Investor Camfin um Pirelli-Chairman und -CEO Marco Tronchetti Provera – ein entsprechendes Agreement gefunden. Teil desselben ist es, nach vollzogener Übernahme der 26,2 Prozent an Pirelli (Kaufpreis: 1,9 Milliarden Euro), die Camfin hält, ein öffentliches Übernahmeangebot an alle weiteren Aktionäre abzugeben. Der Preis, den ChemChina bereit ist zu bezahlen: 15 Euro pro Aktie. Nur wenige Tage nachdem das Agreement bekannt wurde, machen jetzt allerdings Spekulationen die Runde: Was wäre, wenn ein anderes Unternehmen ein höheres Angebot an alle weiteren Aktionäre machen würde? Der Name eines Unternehmens aus der Reifenbranche wird dabei immer wieder genannt: der des Branchenriesen Bridgestone.

Wie Tronchetti Provera gestern noch einmal bestätigte, habe er im Laufe der vergangenen Monate mit zwei weiteren asiatischen, aber nicht chinesischen Marktteilnehmern intensive Gespräche über eine mögliche Verknüpfung zur Pirelli-Lkw-Reifensparte geführt – ohne Ergebnis; die Synergien wären nicht die gleichen gewesen, so der Pirelli-Chairman und -CEO nun. Während Ende vergangener Woche auch die Namen Hankook und Yokohama kolportiert wurden, ohne dass die Namen jedoch von den Beteiligten bestätigt worden wären, fragen internationale Beobachter jetzt nach einem möglichen höheren Übernahmeangebot, das von Bridgestone kommen könnte.

Tronchetti Provera sieht in einer solchen Option „ein Desaster“, da es zwischen Pirelli und dem japanischen Branchenriesen zu viele Überschneidungen gebe. Darüber hinaus habe er keinerlei Kenntnis vom Plan einer solchen Übernahme und einem sich entfaltenden Wettbieten. Die 15 Euro, die ChemChina bereit ist, pro Aktie zu bezahlen, seien Tronchetti Provera zufolge ein „sehr guter“ Preis und es gebe „keine Luft, um den Preis zu erhöhen“.

Beobachter sind unterdessen der Ansicht, dass der angekündigte Preis von 15 Euro, den ChemChina auch im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebotes bezahlen will, zu dicht am letzten Schlusskurs der Pirelli-Aktie vor Bekanntwerden des Verkaufs liege (plus vier Prozent). Die Prämie sei folglich „zu gering“, wird gemutmaßt, so dass Pirelli-Investoren eventuell verleitet sein könnten, ihre Aktien einem anderen Kaufinteressenten anzubieten, der einen entsprechend höheren Preis zu zahlen bereit ist. Von Bridgestone selber gibt es zu diesem neuerlichen Gerücht um den Pirelli-Verkauf derzeit keinen Kommentar. ab

 

1 Antwort
  1. Ersatzreifen says:

    Ich habe Bedenken das eine chinesische Firma sich Wissen, Patente und Produktionsmaschinen aneignet und dann sehr schnell Produktion und Entwicklungszentren in weniger billigen Ländern schließt.

    Sollte das der Fall sein wird diese Marke in Zukunft weder auf meiner Einkaufs- noch Empfehlungsliste sein.

    Schließlich gibts sehr gute Reifenhersteller die noch in Deutschland produzieren: Michelin, Goodyear, Dunlop, Conti

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