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LifeCycle-Werk: Continental richtet zweite Ausbaustufe in Hannover-Stöcken ein

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Die Continental fährt ihre eigene Runderneuerung am Standort in Hannover-Stöcken deutlich schneller hoch, als bisher von vielen angenommen worden war. Wie Christian Sass im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG betonte, habe man zum Ende des vergangenen Jahres begonnen, die zweite Ausbaustufe einzurichten, die im Laufe des kommenden Jahres komplett zur Verfügung stehen dürfte. Der Director Retread Business mit weltweiter Verantwortung unterstrich außerdem, der deutsche Hersteller werde sich damit weiter auf die eigene Heißrunderneuerung konzentrieren, während man in Bezug auf die Kaltrunderneuerung weiter auf die unabhängigen ContiTread-Partner setzen will, auch wenn man im ContiLifeCycle-Werk weiterhin eine eigene Produktionslinie – als „Kompetenzzelle“, so Sass – betreiben wird.

Auch wenn der Runderneuerungsmarkt in Deutschland im vergangenen Jahr mit bis zu zwei Prozent und in Europa mit bis zu vier Prozent leicht rückläufig war und sich damit insbesondere schlechter als der Lkw-Neureifenmarkt entwickelte, wolle Christian Sass nicht klagen. Der Director Retread Business und damit bei der Continental weltweit für die Runderneuerung zuständig sieht darin kaum mehr als marktübliche Schwankungen. Es gebe allerdings einige Faktoren, die für den Runderneuerungs- genauso wie für den Neureifenmarkt von Bedeutung sind und deren weitere Entwicklung allgemein nur schwer abzuschätzen sei, erklärte Sass im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG.

Einer der zentralen Einflussfaktoren in Europa im vergangenen Jahr war die deutliche Zunahme an chinesischen Neureifenimporten. Aktuellen Zahlen der ETRMA zufolge sind 2014 über 60 Prozent mehr Neureifen nach Europa importiert worden als noch im Vorjahr, als dies keine zwei Millionen Reifen waren. Sass sieht darin vorwiegend „das Ergebnis eines großen Kapazitätsdrucks“ in China und andernorts. Man könne davon ausgehen, dass die dortigen Lkw-Neureifenkapazitäten zu kaum mehr als 70 Prozent ausgelastet seien, schätzt man bei der Continental in Hannover.

Für Christian Sass, bei der Continental Director Retread Business mit weltweiter Verantwortung, sind die aktuellen Entwicklungen am Markt kaum mehr als marktübliche Schwankungen, es gebe aber etliche Einflussfaktoren, die nur schwer einzuschätzen sind

Für Christian Sass, bei der Continental Director Retread Business mit weltweiter Verantwortung, sind die aktuellen Entwicklungen am Markt kaum mehr als marktübliche Schwankungen, es gebe aber etliche Einflussfaktoren, die nur schwer einzuschätzen sind

Diese zusätzlichen 1,25 Millionen Lkw-Neureifen in Europa, die vorwiegend aus China stammen, bringen natürlich Marktverhältnisse und -gleichgewichte in Bewegung, führt Kapazitätsdruck doch schließlich letzten Endes immer auch zu Preisdruck. Dem Director Retread Business bei der Continental zufolge stünden die Importreifen dabei qualitativ und preislich viel stärker im Wettbewerb mit kaltrunderneuerten Lkw-Reifen als mit Heißrunderneuerten, die ihrerseits oftmals in Gesamtkonzepte der Neureifenhersteller eingebettet sind. Freilich will Sass damit nicht sagen, dass die Kaltrunderneuerung von geringerer Qualität ist als eine industrielle Werksrunderneuerung. Im Gegenteil: „Wir glauben an beide Technologien“, so Sass. Nicht zuletzt betreibt die Continental in ihrem LifeCycle-Werk in Hannover-Stöcken auch eine eigene Produktionslinie für jährlich rund 30.000 Kaltrunderneuerte. Beide Technologien hätten ihre Vorteile und Nachteile und seien folglich „beide zu Recht am Markt“.

Aber während die industrielle Heißrunderneuerung oftmals in Konzepte der Hersteller wie das ContiLifeCycle-Konzept – und damit in komplexe Vertriebssysteme – sowie folglich auch in das Flottengeschäft eingebunden ist, sieht es bei der Kaltrunderneuerung oftmals anders aus. Diese Reifen werden vorwiegend von Händlern und mittelständischen Runderneuerern im Rahmen ihres allgemeinen Produktangebotes quasi als ‚freie Ware’ am Markt angeboten.

Hüben wie drüben bestimmen zwar langfristige Geschäftsbeziehungen den Markt. Dennoch gilt gerade bei Handelsbeziehungen, die nicht über Gesamtkonzepte wie dem ContiLifeCycle-Konzept geprägt sind, ein deutlich stärkerer Wettbewerb der Fabrikate und Produkte. Gerade hier heizt ein zunehmender Reifenimport aus Fernost natürlich den Wettbewerb noch zusätzlich an und führt zu einer noch größeren Spreizung bei den angebotenen Kaltrunderneuerten und deren Preisen als eh schon vorhanden.

Der Druck durch Lkw-Reifenimporte aus Fernost lastet zwar insgesamt auf dem Markt, besonders betroffen seien davon aber eben die Kaltrunderneuerer, wie auch Christian Sass betont. Entsprechende Entwicklungen lassen sich in Deutschland und in Europa ganz allgemein an den Marktzahlen ablesen. Insbesondere zeigt aber ein Blick auf den durch Kaltrunderneuerer dominierten Osten Europas, welchen Einfluss Lkw-Neureifenimporte aus Fernost haben: Der Runderneuerungsmarkt in Osteuropa hat sich 2014 schwächer entwickelt als der Markt insgesamt. Der Grund dafür sind preisaggressive Neureifenimporte aus Fernost.

Inwiefern eine entsprechende Entwicklung anhält, lasse sich nur schwer vorhersagen, so der Director Retread Business. Aktuell sehe man bei der Continental jedenfalls kaum Anzeichen für eine grundlegende Trendwende am Markt, was die Importware und den durch sie ausgelösten Druck insbesondere auf die Kaltrunderneuerung anbelangt. Aber auch grundsätzlich gelte, dass man für Deutschland und Europa im neuen Jahr keine nennenswerten Schwankungen am Markt weder in die eine noch in die andere Richtung erwarten bzw. befürchten müsse.

Ein weiterer Aspekt übrigens, der sich durch die zunehmenden Neureifenimporte aus Fernost negativ auf den Markt auswirkt, ist der, dass diese Reifen oftmals nicht als runderneuerungsfähig gelten. Folglich wird der Wettbewerb um gute Karkassen auf dem Markt immer intensiver, und zwar insbesondere auch deshalb, weil es der Industrie ihrerseits immer besser gelingt, die Vertriebswege der eigenen Produkte entsprechend zu kontrollieren und damit den Rückfluss an Karkassen als Rohstoff für die eigenen Runderneuerungsaktivitäten sicherzustellen. Der deutsche Hersteller sei dabei „nicht unerfolgreich“ und habe 2014 „nur wenig Probleme“ bei der Karkassenbeschaffung zu verzeichnen gehabt. Continental kauft darüber hinaus auf dem Karkassenmarkt ausschließlich eigene Konzernmarken zu.

Für den deutschen Hersteller sind Erfolg im Flottengeschäft, stabile und kontrollierbare Netzwerke im Handel für den Karkassenrückfluss und genügend eigene Neureifen im Markt zentral für die weitere Entwicklung der Runderneuerung in Hannover-Stöcken. Und diese scheint sich in der Tat gut zu entwickeln, besser noch, als bisher von vielen mit Blick auf den allgemein stagnierenden Markt angenommen worden war. Continental hatte sein LifeCycle-Werk Ende 2013 in Betrieb genommen und konnte wenig später offiziell die Serienproduktion in Betrieb nehmen. Bereits jetzt könne man sich in Hannover-Stöcken über hohe Auslastungsgrade freuen. Christian Sass mochte diesbezüglich zwar keine Details in der Zeitung lesen, dennoch hat der Hersteller Ende vergangenen Jahres angefangen, mit der zweiten Ausbaustufe des ContiLifeCycle-Werks zu beginnen. Diese Investition darf man sehr wohl als Zeichen für ein gut ausgelastetes Geschäft mit entsprechendem Wachstum verstehen. „Wir sind im Plan mit dem Werk“, so der Director Retread Business weiter.

Anlässlich der feierlichen Eröffnung des ContiLifeCycle-Werks gaben Vertreter des Unternehmens die „Zielkapazität“ des Werks mit 150.000 Heiß- und 30.000 Kaltrunderneuerten pro Jahr zu vertreiben in ganz Europa an. Während die Produktion von Kaltrunderneuerten bereits mit der ersten Ausbaustufe komplett eingerichtet ist, dient die zweite Ausbaustufe ausschließlich der Erweiterung der Heißrunderneuerung, deren aktuelle Kapazität bei gut 90.000 Reifen pro Jahr liegen soll. Mit anderen Worten: Zusätzlich zu den bestehenden 16 Pressen sollen im Laufe der kommenden Monate weitere zehn Pressen im ContiLifeCycle-Werk installiert werden. Die Installation der Pressen wird dabei der Schlusspunkt eines „graduellen Prozesses“ sein, der „in den kommenden Quartalen“ mit der kompletten Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe abgeschlossen sein wird. Die ursprüngliche Investitionssumme von gut zehn Millionen Euro werde man halten, betont Sass; sie war mit 1,2 Millionen Euro für die ebenfalls im ContiLifeCycle-Werk in Betrieb genommenen Recyclinganlage durch das Bundesumweltministerium gefördert worden.

Während die Continental damit ganz klar auf die eigene Heißrunderneuerung setzt und diese weiter ausbaut, betreibt sie in Hannover-Stöcken gleichzeitig auch eine ContiTread-Kaltrunderneuerung. Diese, so Christian Sass, müsse man zu guter Letzt als „Kompetenzzelle“ sehen, man wolle und müsse schließlich „beide Technologien beherrschen“. Der Grund dafür sind freilich die ContiTread-Kaltrunderneuerungspartner in Europa, denen man auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiges Angebot machen wolle. Dies sei einfacher, wenn der Hersteller auch das Know-how in der Kaltrunderneuerung auf dem Stand der Dinge hält. Gleichzeitig läuft man dabei natürlich Gefahr, die Produktion in Hannover-Stöcken könnte als Wettbewerb zu den Produktionen der ContiTread-Kaltrunderneuerungspartner in Europa und gerade in Deutschland verstanden werden. Verständlicherweise hatte damals vor Baubeginn in Hannover-Stöcken der eine oder andere Continental-Partner mit Unbehagen auf die Pläne in Bezug auf die Kaltrunderneuerung geblickt.

Auch wenn das Produkt letzten Endes dasselbe ist, das in Hannover-Stöcken wie auch durch die ContiTread-Partner gefertigt wird, so versteht die Continental die eigene Kaltrunderneuerung doch eher als Mittel, um neue ContiLifeCycle-Konzeptkunden schrittweise an das Thema Runderneuerung heranzuführen und um diese dann zur Heißrunderneuerung zu bringen und an sich zu binden.

Dazu gehört natürlich ein Produktsortiment, das dem der Neureifen und der Heißrunderneuerung kaum nachsteht. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG betonte Christian Sass, dass es demnächst auch ContiTread-Kaltlaufstreifen – seit Langem übrigens gefertigt durch Marangoni – mit Profilen der 3er-Generation von Continental geben wird; Profile der vorangegangenen Generationen bleiben dabei den ContiTread-Partnern und dem ContiLifeCycle-Werk erhalten.

Gleichzeitig plane der deutsche Hersteller aber auch, sein Angebot an Kaltlaufstreifen „nach unten hin abzurunden“. Genauso, wie andere führende Laufstreifenhersteller in Europa mittlerweile zusätzlich zu ihrem Premiumprodukt auch ein Zweitlinienprodukt im unteren Segment des Marktes platzieren, will nun auch Continental entsprechend aktiv werden. Wann genau eine solche Produktlinie an Kaltlaufstreifen verfügbar sein wird, ist noch nicht klar; sie werde aber 2015 auf den Markt kommen. Klar sei hingegen, dass die Laufstreifen nicht unter dem Label „ContiTread“ vermarktet werden. Eine entsprechende Sortimentsabrundung sei auf dem deutschen Markt genauso wichtig wie insgesamt auf dem europäischen Markt. Gerade auf dem durch die Kaltrunderneuerung dominierten Markt in Osteuropa könne Continental sich mit zwei Produktlinien an Kaltlaufstreifen deutlich besser positionieren und neue ContiTread-Partner hinzugewinnen. Es sind dabei gerade die ContiTread-Partner, die eine weitere Produktlinie explizit gefordert hatten, haben sie doch damit im Wettbewerb mit den importierten Lkw-Neureifen aus Fernost auch ein zusätzliches Argument. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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