Continental zeigt Taraxagum-Reifen in Genf

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Der noch bis Sonntag dauernde Genfer Automobilsalon ist traditionell Auftakt zu einem neuen Jahr. Hier werden die neuesten Modelle der Fahrzeughersteller mit Premieren gefeiert, während die Zulieferer einen Einblick in ihr aktuelles Leistungsangebot geben. Genf ist dabei eine gute Gelegenheit, auch einmal Konzeptreifen und Kooperationen jenseits des Alltäglichen vorzustellen und damit Denkanstöße für die Zukunft der Produktentwicklung zu geben. Die Continental nutzte in diesem Zusammenhang ihre Präsenz in Genf gleich mehrfach, wie die NEUE REIFENZEITUNG vor Ort erfuhr.

Während das vergangene Jahr für viele Marktteilnehmer im Handel zahlreiche Herausforderungen bereithielt, bilanzieren etliche Reifenhersteller ein nicht unerfolgreiches Jahr. Als Erstausrüstungslieferant zum Beispiel habe die Continental „ein sehr positives Jahr“ erlebt, hieß es dazu in Genf, dem Treffpunkt der OEMs und ihrer Lieferanten. „Dazu hat sowohl das Geschäft mit den europäischen Fahrzeugherstellern wie auch den asiatischen Autoproduzenten beigetragen. Während der Reifenhersteller bei den europäischen Partnern in nahezu allen Bereichen von den Minis bis zur Oberklasse weitere Freigaben erzielen konnte, wurden auch in Asien – und erstmals auch mit lokalen chinesischen Herstellern – neue Verträge geschlossen. Dabei kann der Reifenspezialist aus Hannover sehr differenzierte Lösungen zur Bestückung ab Werk anbieten und für nahezu jedes Fahrzeugkonzept passende Lösungen entwickeln.“

Continental ist traditionell bei den europäischen Fahrzeugherstellern gut vertreten. „Wir haben hier einen Erstausrüstungsanteil von gut einem Drittel“, berichtet Karlheinz Evertz, Leiter der weltweiten Erstausrüstungsaktivitäten für Pkw-Reifen. Folglich darf man den Hannoveraner Reifenhersteller gefahrlos als größten Erstausrüstungslieferanten in Europa bezeichnen. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir alle Anfragen ohne Anstrengungen abarbeiten können. Im Gegenteil, die Entwicklung der Reifen für verschiedene Fahrzeugtypen ist immer wieder eine große Herausforderung, bei der unsere Ingenieure alle Register ziehen müssen.“

Erfolgreich seien die Produkte von Continental aber auch bei den amerikanischen Autobauern gewesen, hieß es dazu weiter am Continental-Stand in Genf. Dort liege der Lieferanteil bei rund einem Sechstel. Bedingt durch die aktuell höhere Nachfrage nach Neuwagen in den USA sieht Evertz hier „zusätzliches Potenzial für Continental“. Erfreulich aus der Sicht der Hannoveraner sind auch die Erfolge im Fernen Osten. Hier bereift der Konzern japanische und koreanische Pkw sowie nun auch chinesische Fahrzeughersteller. Die meisten dieser Reifen werden im Continental-Werk im chinesischen Hefei hergestellt – der Hersteller produziert somit „In the market for the market“, wirtschaftlich und logistisch aufwändige Transporte von Europa oder den USA nach China entfielen. „Wir wollen unser Geschäft in Asien schrittweise weiter ausbauen und sehen auch dort attraktive Wachstumspotenziale“, so Evertz.

Ebenfalls großes Wachstumspotenzial sehen die Verantwortlichen in Hannover bei den sogenannten „grünen Reifen“. Seit mehreren Jahren forscht die Continental gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut an einer Alternative für Naturkautschuk. Diese habe man, so ist man überzeugt, im Löwenzahn gefunden. Im vergangenen Oktober brachte der Hersteller erstmals ein Auto mit Reifen auf die Straße, deren Laufflächen mit Löwenzahnkautschuk produziert wurden, dem sogenannten Taraxagum. Der in Kleinserie gefertigte Reifen – ein WinterContact TS 850 P – „muss in jedem Fall so gut sein wie das Original“, erklärte man dazu in Genf, wo der Reifen erstmals einer breiten Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Die Entwicklung des Taraxagum-Reifens sei bisher sehr vielversprechend verlaufen, jedoch würde man noch wenigstens fünf bis zehn Jahre zur Industrialisierung eines entsprechenden Reifens benötigen. Diese Zeit werde dabei zu allererst für den Anbau von ausreichend Löwenzahn veranschlagt wie auch für die Optimierung des Produktes. Man werde dadurch langfristig unabhängiger von traditionellen Rohstoffen und Rohstofflieferanten; Löwenzahn kann in Europa angebaut werden. ab

 

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