Studie: Nachfrage nach Billigreifen „schwindend gering“

Donnerstag, 5. März 2015 | 1 Kommentar
 
Einer Idealo.de-Studie zufolge können vermeintliche Billigreifen im Wettbewerb mit Premiumprodukten nicht bestehen; die Nachfrage liege nur bei 2,2 Prozent
Einer Idealo.de-Studie zufolge können vermeintliche Billigreifen im Wettbewerb mit Premiumprodukten nicht bestehen; die Nachfrage liege nur bei 2,2 Prozent

Das Onlinepreisvergleichsportal Idealo.de hat jetzt seine Zugriffsdaten ab 2011 zur Nachfrage nach vermeintlichen Billigreifen in Deutschland sowie zum wirklichen Einsparpotenzial untersucht und kam dabei zu dem Ergebnis: „Billigreifen fassen hierzulande keinen Fuß und sind gar nicht so günstig wie angenommen.“ Zwar ließen sich laut Idealo.de pro Reifen durchschnittlich bis zu 30 Prozent sparen, dennoch vereinten die vermeintlichen Schnäppchenreifen nur 2,2 Prozent Nachfrage auf sich. Und haben die diese Reifen, die zumeist aus Fernost kommen, auch noch einen schlechten Rollwiderstand nach EU-Reifelabel, reduziert sich das tatsächliche Einsparpotential innerhalb eines Reifenlebens auf wenige Euro, heißt es dazu in einer aktuellen Mitteilung des Onlinepreisvergleichsportals.

Ostern rückt näher und damit eine wichtige Zeit für alle Autofahrer: die Sommerreifensaison. Wer sich an die klassische Regel „Von Oktober bis Ostern“ hält, bei dem ist demnächst ein Reifenwechsel fällig. Vor dem Kauf neuer Reifen informieren sich dabei die meisten Verbraucher über die am Markt erhältlichen Reifenmodelle. Automobilclubs, Fach-  und Testmagazine begutachten hierfür jedes Jahr verschiedenste Reifenmodelle bekannter Marken sowie unbekannter Hersteller. Letztere kommen zumeist aus dem chinesischen Raum und wollen mit billigen Reifen den Markt erobern. Deutschlands größte Onlinepreisvergleichsportal Idealo.de wollte wissen, welchen Stellenwert der Faktor Sparen bei deutschen Autofahrern hat und wie sich die chinesischen Sommerreifen auf dem Markt behaupten.

Das Ranking der beliebtesten Premiummarken laut Idealo.de

Das Ranking der beliebtesten Premiummarken laut Idealo.de

Für den Vergleich wurden die Idealo.de-Top-10 der beliebten Premiummarken mit den zehn beliebtesten chinesischen Herstellern*) verglichen. Betrachtet wurden die kaufstarken Frühjahrsmonate seit 2011, in denen Verbraucher üblicherweise Sommerreifen kaufen: März und April. „Für die untersuchten chinesischen Autoreifenhersteller herrscht eine schwindend geringe Nachfrage von gerade einmal 2,2 Prozent im Vergleich zu den Premiummarken wie Continental, Dunlop oder Michelin. Für ihre Reifen interessieren sich 97,8 Prozent der Verbraucher.“

Idealo.de bilanziert dazu weiter: „Die prozentuale Nachfrageverteilung zeigt, dass Verbraucher beim Reifenkauf nicht allein auf den Preis achten und stattdessen den Testergebnissen renommierter Medien vertrauen. Für die Premiummarken bedeutet das eine klare Marktdominanz im Vergleich zu den günstigen Herstellern aus Fernost.“

30 Prozent Durchschnittsersparnis

Der Hauptgrund, sich für einen Billigreifen zu interessieren, ist der Preis. Wie groß die durchschnittliche Ersparnis ausfällt, hat Idealo.de anhand dreier häufig verwendeter Reifentypen analysiert. Bei den drei untersuchten Reifengrößen beträgt das Einsparpotenzial bei Billigreifen bis zu 30 Prozent im Vergleich zu teureren Markenreifen. Das sind pro Reifen bis zu 23,50 Euro. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um den Durchschnitt. In Einzelfällen liegt die Ersparnis deutlich höher.

– Kleinwagen 185/60 R15: Bei der typischen Reifengröße für viele Kleinwagen wie zum Beispiel dem VW Polo sparen Verbraucher im Durchschnitt 10,68 Euro (22 Prozent) im Vergleich zum durchschnittlichen Marktpreis.

– Kompakt- bis Mittelklasse 205/55 R16: Das Einsparpotenzial beim häufig verwendeten Reifentyp in der Mittelklasse beträgt 22 Prozent beziehungsweise 12,50 Euro im Vergleich zum durchschnittlichen Marktpreis.

– Oberklasse 225/45 R17: Bei größeren Reifen für die Oberklasse sparen Autofahrer durchschnittlich 30 Prozent. Das sind rund 24 Euro im Vergleich zum durchschnittlichen Marktpreis.

Eingebüßtes Sparpotenzial

Der Anschaffungspreis eines neuen Reifensatzes ist nur ein Kostenfaktor, der bei der Wahl des richtigen Sommerreifens eine Rolle spielt. So haben auch die Haltbarkeit und die Kraftstoffeffizienzklasse (KEK) eine unmittelbare Auswirkung auf die anfallenden Gesamtkosten. Die Kraftstoffeffizienz eines Reifens wird anhand seines Rollwiderstands ermittelt. Als Optimum gilt ein Reifen der Klasse A, der ideale Abrollbedingungen zeigt. Ein Reifen mit der Klasse B verbraucht theoretisch bereits 0,10 Liter mehr Kraftstoff auf 100 km und die schlechteste Klasse sogar 0,66 Liter mehr. Zwar ist der Verbrauch vor allem vom individuellen Fahrstil abhängig, die Klassifizierung lässt aber bereits eine Tendenz erkennen. Während viele Premiummarken Sommerreifen mit der KEK A anbieten, fallen Billigreifen aus Fernost vermehrt durch schlechtere Kraftstoffeffizienzklassen auf.

„Wir haben einen Sommerreifen mit KEK A eines Premiumherstellers (Continental ContiPremiumContact 5) mit dem günstigsten Billigreifen (Wanli S1200) eines chinesischen Herstellers verglichen, der nur KEK E besitzt. Dieser verbraucht laut EU-Verordnung rund 0,14 Liter mehr Kraftstoff“, heißt es dazu vonseiten Idealo.de. Die Onlinepreisvergleichsplattform rechnet vor:

– Premiumreifen Continental ContiPremium Contact 5 in 185/60 R16, Kraftstoffeffizienz A, Preis pro Satz: 243,60 Euro, Kraftstoffverbrauch pro 40.000 km: 3.561,36 Euro.

– Billigreifen Wanli S1200 in 185/60 R16, Kraftstoffeffizienz E, Preis pro Satz: 133,28 Euro, Kraftstoffverbrauch pro 40.000 km: 3.636,90 Euro.

Idealo.de dazu: „Gemessen an einem Reifensatz, beträgt die Preisersparnis beim Kauf von Billigreifen in diesem Fall rund 110 Euro. Der erhöhte Kraftstoffverbrauch verursacht bei einer Laufleistung von 40.000 Kilometern allerdings Mehrkosten in Höhe von 75,54 Euro. So beträgt die tatsächliche Ersparnis nur 34,78 Euro. In dieser Rechnung ist aber noch nicht der Verschleiß enthalten. Geht man davon aus, dass ein günstiger Reifen eine niedrigere Lebenserwartung hat, also früher erneuert werden muss, amortisieren sich die Mehrkosten für Premiumreifen früher als angenommen.“

Bei der Wahl des passenden Reifens lassen sich deutsche Autofahrer vorwiegend von Testergebnissen renommierter Testmagazine beeinflussen. Und die bestätigen immer wieder, dass Billigreifen zwar nicht automatisch schlecht sind, aber im Vergleich zu den besser getesteten Modellen klar das Nachsehen haben. Als einziger Kontakt zur Straße tragen Reifen maßgeblich zur Sicherheit beim Autofahren bei, wofür Verbraucher gewillt sind zu bezahlen. „Rechnet man die Ersparnis beim Kauf gegen die höheren Betriebskosten und den möglichen schnelleren Verschleiß, relativiert sich die Ersparnis von Billigreifen – und die ohnehin geringe Nachfrage von zwei Prozent.“ ab

*) Premiummarken nach Beliebtheit auf Idealo.de sind: Continental, Dunlop, Michelin, Hankook, Pirelli, Goodyear, Bridgestone, Uniroyal, Fulda, Vredestein; Chinamarken sind: GoodRide, Wanli, Sunny, Infinity, Linglong, Sonar, Blackstone, Chengchan, Triangle, Maxxis; Stand: 27.02.2015.

 

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Kategorie: Produkte

Kommentare (1)

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  1. Hammer sagt:

    Was lehrt uns das?? Die Deutschen brauchen keine Billigreifen kaufen, weil die Premiumprodukte eh billig angeboten werden. Oder anders gesagt: Es ist der Branche einfach nicht gelungen, für Hightech-Produkte wie hochwertige Sommer- bzw. Winterreifen angemessene Preise zu realisieren.

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