Reifen-Ihle-Runderneuerung jetzt auch verkauft – Rigdon GmbH gegründet

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Auch die Runderneuerung der Reifen-Ihle-Gruppe hat nun einen neuen Eigentümer gefunden. Nachdem Ende Oktober bereits die zwölf point-S-Betriebe an Reifen Müller aus Hammelburg verkauft werden konnten, sind die Verträge zum Verkauf der Runderneuerung am Standort in Günzburg seit Freitagnacht nun auch perfekt. Die R-I-G Technische Produkte GmbH geht somit an die Prolimity Capital Partners mit Sitz in Frankfurt am Main, die den Betrieb unter der neuen Gesellschaft Rigdon GmbH weiterführen wird. Wie der Geschäftsführer der Rigdon GmbH – Christoph Fluhr, Managing Partner und Mitbegründer von Prolimity – dazu gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG betont, seien durch die Übernahme 110 von zuletzt 140 Arbeitsplätzen gerettet worden; Stellen fielen vornehmlich in Verwaltung und Nebenbetrieben weg. Mit dem jetzt stattfindenden Neustart soll insbesondere der Vertrieb gestärkt werden – eine wichtige Anpassung an das sich ändernde Vermarktungsmodell. Wie sieht der Plan in Günzburg aus?

Das Wichtigste zuerst: Es geht weiter in der Reifen-Ihle-Runderneuerung in Günzburg. Nachdem die Unternehmensgruppe Ende Februar Insolvenz anmelden musste, wobei der „unerwartete Verlust eines strategischen Großkunden“ auch den neuen Eigentümern als ursächlich gilt, können nun auch die Mitarbeiter in der Produktion in Günzburg wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken. Auch wenn die Produktion von runderneuerten Lkw-, LLkw-, OTR-, AS- und Pkw-Reifen zwar während der Sommermonate weiterging, so zerrte die lange Wartezeit doch an den Nerven vieler Beteiligter, insbesondere an denen der Mitarbeiter in der Produktion selbst. Dass nun von den zuletzt 140 Mitarbeitern 110 auch in der neugegründeten Rigdon GmbH ein Auskommen finden werden, darf als durchaus Weihnachtsgeschenk betrachtet werden, bestehen doch in der Runderneuerungsbranche in Deutschland und Europa große Überkapazitäten.

Christoph Fluhr ist Managing Partner und Mitbegründer von Prolimity Capital Partners aus Frankfurt am Main und nun auch Geschäftsführer der neugegründeten Rigdon GmbH, Folgegesellschaft der insolventen Reifen-Ihle-Runderneuerung R-I-G Technische Produkte GmbH

Christoph Fluhr ist Managing Partner und Mitbegründer von Prolimity Capital Partners aus Frankfurt am Main und nun auch Geschäftsführer der neugegründeten Rigdon GmbH, Folgegesellschaft der insolventen Reifen-Ihle-Runderneuerung R-I-G Technische Produkte GmbH

Große Umbrüche stehen zunächst nicht an, wie Rigdon-Geschäftsführer Christoph Fluhr im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG betont. Dies bedeutet: Das Produktsortiment werde man vorerst nicht verändern. Allerdings stehe auch in der Produktion „grundsätzlich alles auf dem Prüfstand“, so der Rigdon-Geschäftsführer. Folglich werden sicherlich auch hier im Rahmen der „Mittelfriststrategie ‚Ridgon 2020’“ notwendige Anpassungen am Sortiment folgen.

„Mit der Übernahme von Rigdon sehen wir die Chance, ein traditionsreiches Unternehmen mit wirtschaftlich attraktiven Qualitätsreifen sowie einer guten Positionierung in einem stabilen Markt neu zu entwickeln. Zahlreiche langjährige Kunden in Deutschland und im angrenzenden Ausland schätzen die Verlässlichkeit und Wirtschaftlichkeit von Rigdon-Produkten“, kommentiert Dr. Peter Mauritz, ebenfalls Managing Partner von Prolimity Capital Partners.

Ein Auslöser für entsprechende Anpassungen am Sortiment dürfte mit Sicherheit das neue Vermarktungsmodell sein. Denn die neue Gesellschaft will ihren Vertrieb nun deutlich breiter aufstellen und plant, in Zukunft Rigdon-Reifen flächendeckend im deutschsprachigen Raum zu vermarkten. Dies dürfte die Heißrunderneuerung unter dem Label Ridgon sicherlich in Zukunft noch wichtiger für das Unternehmen machen als die Kaltrunderneuerung, die die neuen Eigentümer als „komplementär“ betrachten. Aktuell kümmere sich der alte/neue Vertriebsleiter Adolf Mayer darum, dass entsprechende personelle Strukturen geschaffen und das Key-Account-Management ausgebaut wird; die Rigdon GmbH stellt neue Vertriebsmitarbeiter ein. In den vergangenen Jahren, in denen man sich sehr auf den besagten „strategischen Großkunden“ – also Continental – konzentriert hat, geriet das aktive Vermarkten mitunter etwas in den Hintergrund. Dies soll sich jetzt wieder ändern.

Mit dem neuen Vertriebsmodell wolle Prolimity im Laufe der kommenden Jahre ein „solides Wachstum“ für die Rigdon GmbH erzielen. Förderlich ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch, dass alle Gläubiger der insolventen Unternehmensgruppe an einer Fortführung des Betriebs interessiert gewesen seien und dass diese außerdem schon frühzeitig entsprechende Entscheidungen des Insolvenzverwalters Prof. Dr. Martin Hörmann (Anchor-Rechtsanwälte, Ulm), mit dem Prolimity bereits bei früherer Gelegenheit zusammengearbeitet hat, unterstützt hatten. Dies durfte man auf der Reifen-Messe in Essen im Mai und insbesondere auch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover im September, wo die Reifen-Ihle-Gruppe jetzt erstmals ausstellte, begutachten. Das Signal dort jeweils: Es geht weiter mit uns, wir arbeiten an unserer Zukunft.

An der Entwicklung dieser Zukunft will sich nun auch die auf Restrukturierungssituationen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Prolimity Capital Partners wenigstens mittelfristig beteiligen, wie Christoph Fluhr betont. „Wie haben keinen Exit-Druck“, betont der Geschäftsführer weiter im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Man sei unter Beteiligung lokaler Partnerbanken, durch „einen erheblichen Anteil an Eigenkapital in Höhe von 60 Prozent“ sowie durch externe Investoren von außerhalb der Reifenbranche „mit einem langfristig orientierten Finanzierungskonzept ausgestattet“ und könne damit auch mit frischem Kapital an der Weiterentwicklung des Geschäfts arbeiten. Insgesamt sei das Finanzierungskonzept – ungeachtet des Kaufpreises, den der Käufer freilich nicht mitteilen will – „großzügig dimensioniert“. Allein, dass die neuen Eigentümer mit einer „Wachstumsstrategie 2020“ arbeiten, zeigt: Prolimity will sich längerfristig in Günzburg engagieren. Allerdings betont Christoph Fluhr gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG auch, dass eine Beteiligungsgesellschaft eben immer nur „ein Partner auf Zeit“ sein könne. Wann es zu einem Weiterverkauf kommt, sei freilich heute keine der Fragen, mit denen man sich in Günzburg befasst.

Im Laufe des heutigen Nachmittags werden die Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Neugründung der Rigdon GmbH und die Pläne der neuen Eigentümer unterrichtet. Der Geschäftsführer der in die Rigdon GmbH überführten insolventen R-I-G Technische Produkte GmbH – Jürgen Eigenbrodt – wird das Unternehmen verlassen. Die ehemalige Eigentümerfamilie der Reifen-Ihle-Gruppe ist in die Rigdon GmbH nicht direkt einbezogen. Sie habe sogar das nicht zur Insolvenzmasse gehörende Grundstück, auf dem die Produktionsstätte in Günzburg steht, an Prolimity verkauft.

Prolimity Capital Partners mit Sitz in Frankfurt ist eine Beteiligungsgesellschaft und konzentriert sich auf mittelständische Unternehmen in Sondersituationen. Prolimity versteht sich als aktiver Investor und begleitet seine Portfoliounternehmen unternehmerisch. Daneben berät Prolimity Unternehmen in Krisensituationen, erarbeitet und setzt Restrukturierungskonzepte für Problemengagements von Banken und Kapitaleignern unternehmerisch um. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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