Schuhe und Reifen: Jihua und Michelin schmieden Allianz

Das französische Verb „chausser“ hat zwei Bedeutungen: Seine Schuhe anziehen oder Reifen ans Auto montieren. Rund um die Produkte Schuhe und Reifen findet sich ein ähnliches Vokabular wie „Fußabdruck“ und beide haben Gemeinsamkeiten: Sie sind für Menschen die einzige Verbindung zum Untergrund wie für Autos. Jetzt sind zwei absolute Schwergewichte für ihre Bereiche eine Partnerschaft eingegangen: der chinesische Titan im Bereich technischer Bekleidungsartikel Jihua und der weltweit zweitgrößte Reifenhersteller Michelin.

Die einzige Verbindung des Menschen mit dem Untergrund: die Schuhsohle

Die einzige Verbindung des Menschen mit dem Untergrund: die Schuhsohle

Grip, Haltbarkeit und Komfort sind Schlüsselbegriffe, wenn es um Reifeneigenschaften geht. Sie sind es auch bei Schuhsohlen. Technologien, die bei Reifen das Leistungspotenzial verbessern, kommen auch bei Schuhsohlen zum Tragen, leicht daran zu erkennen, dass es beide Male um Gummi geht. Aber natürlich nicht irgendein Gummi: Wie bei Reifen geht es auch bei Schuhsohlen beispielsweise um bestimmte Mischungen, die für Rutschfestigkeit sorgen. Und so hat sich Michelin bei den Materialien für die Sohlen sowie der Profilbilder der ersten drei Schuhserien, die beide Partner in den Markt bringen, bei bestimmten Reifenproduktlinien bedient.

Bei den TCX-Stiefeln für Motorradfahrer standen für die Produktlinie „Adventure Evo Gore“ Enduro-Reifen vom Typ „Anakee 3“ Pate, bei der Produktlinie „Urban“ ließen sich die Entwickler von den Reifenmodellen „Pilot Road 3“ und „Pro Grip 4“ inspirieren. Beim Schuhwerk für Mountain-Biker diente einerseits der Enduro-Fahrradreifen „Wild Rock’R 2“ als Vorbild, andererseits bei einer parallelen Schuhlinie Technologien der Michelin-Reifentypen „Country Mud“ (auch als Laufflächendesign) und „Country Trail“. Für beispielsweise Arbeiter der Öl- und Gasindustrie, die extremen Wetterbedingungen ausgesetzt sind, stellt Michelin besonders rutschfeste und die Gefahr elektrostatischer Aufladung verhindernde Sohlen zur Verfügung: Bei der Entwicklung dieses Schuhwerks mit Namen „Artic“ konnte der Reifenhersteller auf Technologien des Pkw-Winterreifens „Alpin 4“ und hinsichtlich des Profilmusters auf den „Anakee 2“ zurückgreifen.

Das Ziel der Allianz ist nicht unbescheiden: Im Bereich High-Performance-Sohlen für technisches Schuhwerk wird ein globaler Marktanteil von fünf bis zehn Prozent angestrebt. Dabei geht um einen Markt von einer halben Milliarde Paar Schuhe. Gebündelt wird die Expertise durch zwei Tochterfirmen beider Unternehmen: für Jihua durch JV International, für den Reifenhersteller durch Michelin Lifestyle. JV International fällt die Aufgabe zu, sämtliche gemeinsamen Projekte zu koordinieren, den gesamten Produktionsprozess zu managen, von der Identifikation des Bedarfs bis hin zur Auslieferung des fertigen Produktes.

Der chinesische Partner

Die JV-Muttergesellschaft Jihua Group ist an der Börse Shanghai gelistet, 66,3 Prozent der Anteile gehören dem chinesischen Staatskonzern Xinxing Cathay International, der im vergangenen Jahr 32,5 Milliarden US-Dollar umsetzte und auf der Forbes-Liste der 500 größten Firmen weltweit auf Platz 365 rangiert. Uniformen für Militär, Polizei, Feuerwehr, selbst die Schuhe für Astronauten sind typische von Jihua hergestellte Kleidungsstücke. Als Jihua im Jahre 2010 an die Börse gebracht wurde, betrug der Jahresumsatz 2,8 Milliarden US-$, im vergangenen Jahr waren es bereits 4,3 Milliarden; in diesem Zeitraum konnte der Gewinn (net income) von 110 Millionen auf 200 Millionen Dollar fast verdoppelt werden. Die Jihua Group hat 40.000 Mitarbeiter, mehr als tausend davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. In 31 Fabriken werden Jihua-Produkte gefertigt, in sieben davon Schuhe, etwa 170 Millionen jährlich. 70 Tochterfirmen befinden sich im Heimatland China, zehn außerhalb der Landesgrenzen. Die im Jahre 2013 gegründete JV International hat ihre China-Zentrale in Hongkong, ihre Auslandszentrale im italienischen Como, das Designcenter nicht weit entfernt in Verona.

Der französische Partner

Michelin Lifestyle ist im Jahre 2000 gegründet worden und 2001 mit diversen Produkten gestartet. Der hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Reifenherstellers fällt die Aufgabe zu, das Michelin-Profil zu schärfen und die Verbindung zum Verbraucher durch „Nicht-Reifen-Produkte“ zu intensivieren. Die Produkte, die Michelin Lifestyle in den Markt bringt, haben immer irgendwie mit der Mobilität von Menschen und Gütern zu tun und immer auch mit der Expertise und dem Know-how Michelins. Michelin Lifestyle hat 65 Lizenznehmer weltweit, verkauft mehr als 18 Millionen Produkte in etwa 50.000 Verkaufsstellen in 85 Ländern weltweit bei einem Jahresumsatz von 260 Millionen Euro.

Die jetzt eingegangene Partnerschaft mit JV International ist bezogen auf Schuhe für Michelin Lifestyle kein Neuland. So sei an Projekte mit der Firma Babolat bei Tennis- und Badminton-Schuhen erinnert, mit Kempa bei Schuhen für Handballer und mit Le Chameau für Stiefel. detlef.vogt@reifenpresse.de

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