Wenn die Angebotswelle über den Atlantik schwappt

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In den USA könnten demnächst wieder Antidumping- und Strafzölle gegenüber Pkw- und LLkw-Reifen aus China eingeführt werden. Bekanntermaßen ist ein entsprechendes Verfahren bei der International Trade Administration des US-Handelsministeriums anhängig. Erst Anfang des Monats hatte die ITA mitgeteilt, aufgrund der besonderen Komplexität der Materie werde man die „vorläufige Entscheidung“ nicht vor Ende Januar treffen und veröffentlichen können; bisher lag der Termin Anfang Dezember. Bereits jetzt sorgt das Verfahren aber für Verwerfungen auf dem US-Reifenmarkt, die später auch in Europa ankommen könnten, wie im aktuellen Goodyear-Quartalsbericht nachzulesen ist.

Mit Blick auf mögliche Zölle, die den Einfuhr aus China – wie bereits in den drei Jahren ab September 2009 – deutlich teurer machen würden, bauen US-Importeure augenscheinlich derzeit große Lagerbestände mit entsprechenden China-Reifen auf. Wie Goodyear dazu in seinem aktuellen Quartalsbericht schreibt, lag der US-Markt beim Sell-in (Hersteller an Handel) im dritten Quartal bei einem Plus von drei Prozent. Während Goodyear selber im dem Zeitraum (allerdings in ganz Nordamerika) mit 15,2 Millionen 3,8 Prozent weniger Reifen als im Vergleichsquartal vermarkten konnte, stiegen die Importe aus China in dieser Zeit um satte 25 Prozent an, so Goodyear weiter; der Rest des Marktes musste demnach einen Rückgang beim Sell-in von vier Prozent hinnehmen.

Laut Goodyear finde demnach ein „Bestandsaufbau mit chinesischen Reifen deutlich über Endverbrauchernachfrage“ statt, die in den USA Goodyear zufolge im dritten Quartal immerhin um ein bis zwei Prozent stieg. Dies werde einen Effekt auf die gesamte Branche haben, ist man sich in Akron am Sitz von Goodyear Tire & Rubber sicher, insbesondere was Marken und Anbieter im mittleren und unteren Marktsegment betrifft.

Sollten die Antidumping- und Strafzölle gegenüber Pkw- und LLkw-Reifen aus China in den USA wirklich im kommenden Jahr wieder eingeführt werden, so stehen auch in Europa entsprechende Marktverschiebungen an, da den chinesischen Anbietern konsequenterweise der große, attraktive US-Markt wegbrechen würde, was wiederum sehr wahrscheinlich in großen Teilen in Europa kompensiert werden müsste – die Angebotswelle würde über den Atlantik nach Europa schwappen. ab

 

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