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Weniger Exporte: RuLa und BRW vollziehen erfolgreichen Kurswechsel

Nachdem sich die RuLa und ihre Tochter, das Berliner Runderneuerungswerk (BRW), noch vor einigen Jahren intensiv um den Ausbau ihres Exports nach Osteuropa und Russland gekümmert haben, konzentriert man sich nun wieder schwerpunktmäßig auf den hiesigen Markt und damit auch um die Weiterentwicklung der Heißrunderneuerung und der logistischen Fähigkeiten hierzulande. Dazu wird vor allem am neuen Standort in Königs Wusterhausen Zernsdorf südlich von Berlin investiert. Gleichzeitig setzt das Unternehmen von Detlev Biermann aber auch weiter auf Osteuropa und hat in Polen erst kürzlich einen Kaltrunderneuerer von stattlicher Größe und moderner Ausstattung übernommen. Beides soll dem mittelständischen Runderneuerer, der zu den größten Deutschlands zählt, ‚wetterfest’ für den weiteren Strukturwandel in der Branche machen, wie die NEUE REIFENZEITUNG anlässlich eines Vor-Ort-Termins erfuhr.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Dieser Beitrag ist in der September-Ausgabe unserer Runderneuerungsbeilage „Retreading Special“ erschienen, die Abonnenten hier als E-Paper lesen können.

Noch bevor die RuLa 2009 ihren neuen Standort im Ortsteil Zernsdort in Königs Wusterhausen eröffnete, an dem vorwiegend heißrunderneuert werden sollte, und ein Jahr später folglich dann das alte Berliner Runderneuerungswerk schloss, stand für Inhaber Detlev Biermann fest: ein großer Teil der betrieblichen Zukunft werde in Osteuropa und darüber hinaus in Russland und den GUS-Staaten liegen. Da heute aber kaum noch ein Runderneuerer im Wettbewerb mit chinesischen Neureifen im Osten des Kontinents bestehen könne, wie Geschäftsführer Jörg Wolter erläutert, ist der Export dorthin für viele Marktteilnehmer stark eingebrochen. Noch 2007 lieferten RuLa und BRW jeden zweiten Runderneuerten außerhalb Deutschlands aus, 70 Prozent davon gingen allein nach Russland. Seit zwei Jahren lägen die Russland-Exporte aber „nahe Null“.

Wirft man einen Blick auf die Situation in Russland sowie die Ukraine-Krise, kann man etwas überaus Positives darin sehen, dass der russische Markt kaum noch Runderneuerte aufnimmt; wer wollte sich derzeit schon wirtschaftlich abhängig von einem Markt machen, von dem niemand weiß, wie dort die Zukunft aussieht.

Heute besteht die Jahresproduktion von RuLa und BRW zu zwei Dritteln aus Heißrunderneuerten, die allesamt in Königs Wusterhausen gefertigt werden

Heute besteht die Jahresproduktion von RuLa und BRW zu zwei Dritteln aus Heißrunderneuerten, die allesamt in Königs Wusterhausen gefertigt werden

Während heute der Output beider Werke in Deutschland fast unverändert bei insgesamt 80.000 Stück pro Jahr (2013) liegt, hat sich durch die fremdbestimmten Entwicklungen auf den Exportmärkten das Verhältnis von Kalt- zu Heißrunderneuerung deutlich verändert. Bestanden vor vier Jahren zwei Drittel der Produktion noch aus Kaltrunderneuerten, so sind dies heute bereits zwei Drittel Heißrunderneuerte. Auch liegt die Exportquote heute bei ‚nur’ noch 30 Prozent, wobei die entsprechenden Reifen jetzt auch gleichmäßiger auf Ost- und Westeuropa verteilt sind. 30 Prozent Export allein im Osten sei heutzutage kaum mehr möglich, konstatiert Wolter.

Osteuropa und insbesondere Russland sind traditionell starke Kaltrunderneuerungsmärkte. Fallen diese langsam weg, sind die Folgen für die eigene Produktion klar. Die RuLa und das Berliner Runderneuerungswerk haben sich bereits früh auf den offensichtlichen Trend auf den osteuropäischen Exportmärkten eingestellt und entsprechende Investitionsentscheidungen getroffen, die eine wieder stärkere Hinwendung zum hiesigen westeuropäischen und vor allem auch zum deutschen Markt befördern sollten. Das zentrale Stichwort hier: Heißrunderneuerung. So sind etwa allein in den vergangenen vier Jahren sechs moderne Heizpressen als Ersatz für alte aus dem Bestand des BRW in Königs Wusterhausen installiert worden. Aktuell betreibt man dort 24 Pressen. Erst im Laufe dieses Jahres hat das Unternehmen am Standort weiter in eine neue Shearografie von Steinbichler und in einen neuen Nagellochdetektor investiert. Beide Anlagen sollen den Karkasskontrolleur bei der Eingangskontrolle unterstützen und die Produktqualität weiter steigern helfen. Jörg Wolter beziffert alleine die beiden letztgenannten Investitionen mit rund einer Viertel Million Euro, während auch moderne Heizpressen heute kaum für weniger als einen sechsstelligen Betrag zu haben sind. „Wir haben deutlich in unsere Qualität investiert“, sagt der Geschäftsführer der Berliner Runderneuerungswerk GmbH im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Gerade im Wettbewerb auf dem deutschen Reifenmarkt, auf dem mehr und mehr auch die Neureifenhersteller mit ihren Werksrunderneuerungen die Geschicke bestimmen, ist Qualität das A und O für den Vermarktungserfolg. Während sich andernorts – siehe Russland – etliche Kunden allein vom Preisargument verführen lassen und die Runderneuerung mitunter auf eine Ebene mit Gebrauchtreifen stellen, ist in Deutschland und in Westeuropa schon längst das Verständnis für die offensichtlichen Vorteile der Runderneuerung und ihre qualitativen Produkteigenschaften im Markt angekommen. Der gute Ruf der Runderneuerung wird nicht zuletzt auch durch die Werkserneuerungen von Michelin, Goodyear, Continental und Co. befördert. Entsprechende Anforderungen an die Qualität sind dementsprechend in Deutschland und in Westeuropa natürlich hoch und folglich auch zu bedienen.

Die Marke „Berliner“ ist heute mit einem breiten Sortiment am Markt verfügbar

Die Marke „Berliner“ ist heute mit einem breiten Sortiment am Markt verfügbar

Dies tun die RuLa und das Berliner Runderneuerungswerk auch produktseitig. Erst in diesem Jahr wurden zwei neue Profile für die Heißrunderneuerung unter dem Markennamen „Berliner“ eingeführt. Während jetzt der B225 als Winterreifen für die Antriebsachse auf Lkws im Fern- und Nahverkehr (verfügbar in 315/70 R22.5 und 315/80 R22.5) eingeführt wird, ist der B228 (315/80 R22.5) ein Antriebsachsreifen für den gemischten Einsatz Straße/Baustelle bereits seit Kurzem verfügbar. Beide Profile wurden von Kraiburg entwickelt und werden auch dort als Kaltlaufstreifen angeboten; RuLa und BRW – beides gute, langjährige Kraiburg-Kunden – nutzen das Kraiburg-Profildesign in ihren eigenen Formen für die Heißrunderneuerung.

Insgesamt haben RuLa und insbesondere das Berliner Runderneuerungswerk mit seiner Heißrunderneuerung in Königs Wusterhausen in den vergangenen Jahren viel in moderne Produkte und in die Erweiterung und Vertiefung der Produktpalette ganz allgemein investiert. Auch dies schlage sich in zunehmenden Absätzen heißrunderneuerter Reifen auf dem deutschen und dem westeuropäischen  Markt nieder. Während das Unternehmen früher am neuen Standort in Königs Wusterhausen heiß- und kalterneuerte, wird der Kessel dort heute kaum noch genutzt; die Kaltrunderneuerung findet mittlerweile fast ausschließlich am Stammsitz in Schraden bei Dresden statt, wo wiederum keine Pressen vorhanden sind.

Nicht nur produktseitig, auch in Bezug auf die Logistik wollen RuLa und BRW ihre Dienstleistungen immer weiter verbessern, um sich im Wettbewerb gut behaupten zu können. Dazu zählt nicht nur das neue, 2011 eingeweihte Lager am Standort in Königs Wusterhausen mit 2.400 m². Viel mehr als das geht es dabei um das Auslieferungs- und Karkassenmanagement, in das man deutlich investiert hat. So sind beide Unternehmen jetzt mit insgesamt acht Fahrzeugen – das sind drei 20-Tonner, drei Zwölf-Tonner und zwei Sprinter – in Deutschland unterwegs, liefern aus und kümmern sich um den Rückfluss an runderneuerungsfähigen Karkassen, damit die Produktionen in Königs Wusterhausen und Schraden weiterlaufen können. Und das natürlich nahezu flächendeckend in ganz Deutschland. Weiterhin kümmern sich zwei Außendienstmitarbeiter um die Kunden in Deutschland.

Für die RuLa und das Berliner Runderneuerungswerk jedenfalls scheinen sich diese Investitionen auszuzahlen, steigt doch die Nachfrage nach Heißrunderneuerten immer weiter und kann ohne Weiteres den Nachfragerückgang in Osteuropa und insbesondere in Russland gut kompensieren, wie auch der über die Jahre kontinuierlich hohe Output beweist.

RuLa und BRW produzieren aktuell rund 80.000 Runderneuerte pro Jahr an zwei Standorten in Deutschland

RuLa und BRW produzieren aktuell rund 80.000 Runderneuerte pro Jahr an zwei Standorten in Deutschland

RuLa kauft polnischen Runderneuerer ATB Truck

Hatte Inhaber Detlev Biermann eine eigene Runderneuerung in Russland vor Jahren noch als durchaus erstrebenswerte „Vision“ bezeichnet, so ist im Unternehmen davon heute natürlich keine Rede mehr. Dennoch – oder gerade deswegen – hat RuLa Anfang vergangenen Jahres den polnischen Kaltrunderneuerer ATB Truck mit Unternehmenssitz in Warschau übernommen, dessen damaliger Inhaber – die in Staatsbesitz befindliche Spedition Pekaes – ihre Geschäftsfelder konsolidieren und Randaktivitäten abstoßen wollte. Eine „überaus günstige Gelegenheit“, wie Jörg Wolter erläutert. Die Produktionsstätte von ATB Truck in Srem südlich von Poznan war erst in den 1990er Jahren eingerichtet worden und gilt nach westlichen Standards als durchaus modern. Bereits seit zehn bzw. zwölf Jahren erfüllt der Runderneuerer die Normen des ISO-9001:2000 bzw. der ECE-R 109; nach der Übernahme von ATB Truck durch Pekaes 2002 war man Lizenzvereinbarungen mit Bridgestone und Goodyear eingegangen – ebenfalls Ausweis hoher Produktionsstandards. Dass der deutsche Investor nun ATB Truck übernommen hat, um die eigene Produktion von Königs Wusterhausen bzw. vom Kaltrunderneuerungsstandort Schraden aus nach Srem zu verlagern, weist Wolter von sich.

Im Gegenteil: Biermann habe die Fabrik gekauft, um noch stärker als bisher eine Präsenz auf dem polnischen Markt zu haben. Die kaltrunderneuerten ATB-Truck-Reifen werden fast ausschließlich in Polen vermarktet, und zwar über den Reifenhandel, wie dies auch RuLa und BRW in Deutschland tun; es gibt einen hohen Anteil an Auftragsarbeit (COC bzw. Kundenkarkassen) von über 70 Prozent. Im Vergleich dazu: In Deutschland bei RuLa und BRW sind dies nur rund 30 Prozent. Die Logik der Akquisition ergibt sich vorwiegend daraus, dass über ATB Truck und dessen etablierte Vertriebsbeziehungen im polnischen Reifenhandel eben mehr und mehr in Deutschland gefertigte heißrunderneuerte Reifen in Polen vermarktet werden sollen. Das neue Geschäft in Polen würde für die beiden Produktionsstätten in Deutschland sogar neue Wachstumsimpulse setzen.

„Dies läuft soweit ganz gut“, zeigt sich Wolter im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG durchaus zufrieden mit den ersten Ergebnissen rund ein Jahr nach der Übernahme. „Es gibt keine Produktionsverlagerungen“, so Wolter weiter, die 80 Mitarbeiter in den beiden deutschen Gesellschaften müssten sich keine Gedanken um ihre Arbeitsplätze machen. Wolter gibt die Produktionskapazität des ATB-Truck-Werkes mit „rund 70.000 bis 80.000 Stück“ an; diese würden vor Ort allerdings längst nicht produziert. Es sind dort 40 Mitarbeiter beschäftigt. Kurz nach der Übernahme hatte Biermann übrigens den Mietvertrag mit Pekaes für ein weiteres ATB-Truck-Runderneuerungswerk in Tychy bei Katowice gekündigt und die Produktionskapazitäten im Werk in Srem zusammengefasst. Zu den Übernahmekonditionen wollte der Käufer sich nicht äußern.

Eine weitere interessante Nebenerscheinung der Übernahme von ATB Truck: Das Unternehmen ist Altreifenentsorger und betreibt darüber hinaus eine komplett neue Recyclinganlage, in der Altreifen geshreddert werden. Dies ist für Detlev Biermann ein komplett neues Geschäftsfeld. Auch dies könnte dabei helfen, die Unternehmensgruppe aus RuLa, BRW und ATB Truck ‚wetterfest’ für den weiteren Strukturwandel in der Branche zu machen. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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