Große Preisunterschiede bei Winterreifen – ATU am billigsten

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Im Rahmen seiner Fernsehsendung „Marktcheck“ hat der Südwestrundfunk (SWR) die Beratungsleistung verschiedener Vermarkter rund um den Winterreifenkauf überprüft. Mittels sogenanntem Mystery-Shopping wurde nicht nur getestet, welche Reifenmodelle der Handel einem potenziellen Kunden empfiehlt, sondern abgefragt wurde jeweils auch der Preis für einen bestimmten Conti-Reifen. Angesteuert wurden dazu in Mannheim vier Betriebe von ATU, Euromaster, Pit-Stop und Vergölst sowie ein Citroën-Vetragshändler, weil als Testwagen ein Fahrzeug eben dieser Marke zum Einsatz kam. Unterstützt wurde der TV-Sender bei alldem von dem als Reifenexperten beschriebenen ehemaligen Michelin-Pressesprecher Jan Hennen, der aktuell in Diensten des chinesischen Reifenherstellers Hangzhou ZhongCe steht.

In Bezug auf die Beratung hat bei der Stichprobe vor allem die ausgewählte Pit-Stop-Filiale offenbar keinen besonders guten Eindruck hinterlassen. Der Verkäufer/Kundenberater habe „nicht besonders interessiert“ gewirkt und sich zum Beispiel nicht nach dem Fahrzeug seines Kunden in spe erkundigt oder dessen vorwiegenden Einsatz (Autobahn, Landstraße etc.) abgefragt. Schlimmer noch: Im Zusammenhang mit der Reifenlabeleinstufung gibt er die falsche Auskunft, diese gebe Auskunft über die Schneeeigenschaften eines von ihm empfohlenen Hankook-Modells. „Das war völlig daneben. Auch zur Profiltiefe sind Aussagen gemacht worden, die so überhaupt nicht stimmen“, bezeichnet Hennen die gezeigten Leistungen des Pit-Stop-Mitarbeiters als „ganz unterirdische Geschichte“. Besser hat man es bei Euromaster gemacht, wo zunächst das Auto in Augenschein genommen wurde. Empfehlung dort war letztlich ein Michelin-Winterreifen, weil dieser – so der Verkäufer – beim Bremsen und auf Schnee stark sowie zudem noch besonders haltbar sei. „Michelin – die teuerste aller Marken. Kein Wunder: Euromaster gehört dem französischen Hersteller. Michelin ist quasi Hausmarke. Wer das nicht weiß, zahlt schnell zu viel“, erklärt der SWR seinen Zuschauern.

Bei Vergölst wurde demgegenüber wiederum nicht nach dem Auto geschaut, aber zumindest nach dem Bedarf und Fahrprofil des Kunden gefragt sowie danach, was ihm sonst noch wichtig ist. Als hierbei der Preis als Stichwort gegeben wird, meint der Verkäufer, dass er dann ja eigentlich einen „Chinaböller“ anbieten müsste, wenn nur dieses Kriterium allein zählte. „Aber das ist sicher nicht, was Sie wollen“, sagt er. Umso bemerkenswerter ist es, dass bei der Conti-Kette der Preis für den angefragten Conti-Wunschreifen mit 812 Euro je Satz am höchsten ausfällt, während Pit-Stop und Euromaster zuvor knapp 776 Euro bzw. 712 Euro aufgerufen hatten. „Wir rennen alle noch mit einem kurzen T-Shirt rum, es ist noch relativ warm draußen. Und da versucht natürlich auch der eine oder andere Wettbewerber natürlich mit aggressiven Preisen diesbezüglich vorzugehen. Ich kann nur sagen, ich habe nach gutem Gewissen die Preise gemacht, die Vergölst dementsprechend vorgibt“, erklärt Filialmitarbeiter Sascha Lehr die relative große Preisdifferenz, nachdem sich das Fernsehteam zu erkennen gegeben hat.

Beim Citroën-Autohaus wird den Testkäufern wiederum nur ein Preis an den Kopf geworfen – etwas, das die Bezeichnung Beratung verdient hätte, gab es demnach offenbar nicht. Dafür wird der angefragte Conti-Reifen hier zum Preis von 712 Euro pro Satz angeboten. „Er hat sein System. Aus dem System kommen Angebote raus, teilweise mit Testergebnissen hinterlegt, mit denen er wieder ein bisschen argumentieren kann. Aber von den Reifen selber – hatte ich das Gefühl – weiß er eigentlich nichts“, beschreibt Hennen seinen Eindruck von dem Verkäufer in dem Autohaus. Das macht der Mitarbeiter in der getesteten ATU-Filiale zwar besser, weil er eine fachlich und preislich interessante Auswahl präsentierte. Aber bei alldem habe er ständig telefoniert und bei dem Verkaufsgespräch offenbar unter Zeitdruck gestanden. Dafür wird der Conti-Reifen für lediglich gut 603 Euro angeboten – nicht zuletzt deshalb, weil zum Testzeitpunkt gerade eine 20-Prozent-Rabattaktion bei der Werkstattkette lief.

Letztlich hätte ein Kunde also für einen Satz ein und desselben Reifens also beinahe 210 Euro sparen können, weshalb der SWR unabhängig von seiner sicher nicht auf andere Standorte übertragbaren Stichprobe in Mannheim Verbrauchern unbedingt zu einem Preisvergleich rät. „Bei Winterreifen sollte es nicht nur um den Preis gehen“, gibt der Sender gleichwohl zu bedenken, wo man es vor diesem Hintergrund als schade empfindet, dass die Beratung bei den eigenen Stichproben oft viel zu kurz kam. „Es sollte eigentlich ein paar Unterschiede geben, die ein guter Verkäufer dem Kunden dann auch entsprechend argumentativ erklären kann. Und das hat mir bei allen eigentlich gefehlt“, so Hennens Fazit. christian.marx@reifenpresse.de








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