Kurz Karkassenhandel investiert weiter in neue Technologien

Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen in der Branche der Karkassenhändler und Altreifenverwerter sind Nischen heute wichtiger denn je, um sich im Wettbewerb abzusetzen. Ein Unternehmer, der dabei immer wieder branchenweit mit besonderen Initiativen und Investitionsvorhaben von sich reden macht, ist Karl Kurz. Ob Pyrolyse, Feinvermahlung oder der Karkassenhandel mit Kuba – der heute 82-Jährige lässt es nie an dem notwendigen Drive vermissen, sein Unternehmen, den Kurz Karkassenhandel, voranzubringen. Während Kurz offensichtlich nicht nach Schlagzeilen giert, zeigt ein Blick in die Presse doch, wie sehr der Unternehmer mit der Branche identifiziert wird. Selbst in Forschungsprojekte führender Reifenhersteller ist das Unternehmen regelmäßig eingebunden.

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Wenn andere in der Branche mitunter nur ein Schulterzucken übrig haben, wenn es darum geht, aus dem Abfall Reifen bzw. Gummi mehr herauszuholen als traditionelle Verwertungswege es vorzuschreiben scheinen, sieht Karl Kurz seinen unternehmerischen Ehrgeiz erst richtig angespornt. Zuletzt hatte er vor gut zwei Jahren mit einem Plan von sich reden gemacht, eine Pyrolyseanlage in Betrieb nehmen zu wollen. Die Pyrolyse wird dabei als Rückgewinnungsverfahren verstanden, bei dem Altreifen bzw. Gummi in einem sogenannten Entgasungsprozess unter Ausschluss von Sauerstoff in ihre einzelnen Bestandteile – Öl, Koks und Gas – zerlegt werden können.

Kurz Karkassenhandel handelt jährlich immerhin 150.000 bis 170.000 Karkassen und entsorgt über 40.000 Tonnen Altreifen und Altgummi

Kurz Karkassenhandel handelt jährlich immerhin 150.000 bis 170.000 Karkassen und entsorgt über 40.000 Tonnen Altreifen und Altgummi

Um die notwendigen Partner aus der Reifenindustrie zu überzeugen, dass ein solches „Verfahren zur nachhaltigen Gummiverwertung“ technisch funktioniert und dass sie sich folglich langfristig als Voraussetzung für das wirtschaftliche Funktionieren einer solchen Anlage auch zur Lieferung von Gummiabfällen und gummierten Stahlcordabfällen an den Kurz Karkassenhandel binden sollten, hat Karl Kurz in Oschersleben eine Pilotanlage eingerichtet. Das Patent für die Anlage sei gewährt worden. Und viele Vertreter führender Reifenhersteller hätten sich die Anlage auch angesehen, so Karl Kurz gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG.

Da die geplante Pyrolyseanlage aber ein Investitionsvolumen von 4,5 bis fünf Millionen Euro umfasst hätte, war Kurz auf langfristige Entsorgungsaufträge der Reifenindustrie angewiesen. Diese wollte sich aber nicht länger als das übliche Jahr vertraglich binden; seit Jahren schon werden entsprechende Aufträge mit Kurz Karkassenhandel stets verlängert, nur eben nie länger als für ein weiteres Jahr. Karl Kurz hatte eine Vertragslaufzeit von vier Jahren im Auge.

Ein Auftrag der Reifenindustrie wäre entsprechend wichtig für Kurz gewesen, da darüber auch der Ausschuss aus der Produktion entsorgt worden wäre. Dies seien vulkanisierte, in der Hauptsache aber unvulkanisierte Reifen. Und bei diesen Reifen läge der Entsorgungspreis eben mitunter 50 Prozent über dem für normale Altreifen. Hätte der Altreifenentsorger und Recycler Kurz aber mit den niedrigeren Preisen kalkulieren müssen, ohne langfristig die höheren Entsorgungspreise von der Reifenindustrie für unvulkanisierten Gummi (Reifenrohlinge) einrechnen zu können, wäre die Rechnung für die Investition in die Pyrolyseanlage mit ihrer Jahreskapazität von 15.000 Tonnen vermutlich nicht aufgegangen. So oder so, das Risiko erschien dem 82-Jährigen einfach zu hoch, technisch habe die Anlage funktioniert.

Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG betont Kurz die Bedeutung von langfristigen unternehmerischen Entscheidungen; gerade im fortgeschrittenen Alter. Das Unternehmen sei heute „total schuldenfrei“, so Karl Kurz. Und entsprechend wolle er es auch einmal an seine Enkelin Hanna Schöberl übergeben – die designierte Nachfolgerin des Firmeninhabers. Es sei zwar „schade drum“, dass sich das Projekt der Pyrolyseanlage nicht habe umsetzen lassen. Mehr aber auch nicht. Entsprechende Reifen könnten auch wie bisher der sogenannten thermischen Verwertung zugeführt werden, also in der Zementindustrie als Ersatzbrennstoff genutzt werden.

Am Standort in Landau in der Pfalz betreibt Karl Kurz seit dem vergangenen Jahr eine eigene Feinvermahlungsanlage. „Darin sehen wir die Zukunft“, betont der Unternehmer, der bereits seit nahezu 60 Jahren selbstständig ist. Die Anlage, die immerhin eine Kapazität von 5.000 bis 6.000 Tonnen pro Jahr aufweist, dient ausschließlich Versuchs- und Forschungszwecken. Das Ausgangsmaterial sei mit einem Durchmesser von 0,04 Millimeter derart klein, wie es aktuell nur ganz wenige Altreifenrecycler liefern könnten. Das entstehende Feinmehl könne dann wiederum in der Herstellung anderer Gummiprodukte beigemischt werden. „Wir haben diese Investition getätigt, um den Markt kennenzulernen und ihn aufzubauen“, so Kurz gegenüber dieser Zeitschrift, und sieht mögliche Anwendungen in der Runderneuerung genauso wie in der Neureifenfertigung wie auch im Straßenbau (Stichwort: „modifizierter Bitumen“).

An den beiden Standorten in Landau in der Pfalz – dem größeren – und in Wendlingen bei Stuttgart (Foto) beschäftigt Karl Kurz insgesamt 35 Mitarbeiter

An den beiden Standorten in Landau in der Pfalz – dem größeren – und in Wendlingen bei Stuttgart (Foto) beschäftigt Karl Kurz insgesamt 35 Mitarbeiter

Eine mögliche Weiterverwertung des Feinmehls in einer Devulkanisationsanlage sieht Karl Kurz hingegen skeptisch. Es hätten bereits etliche Unternehmen in diese Richtung geforscht. Aber: „Es hat bisher noch keiner nachgewiesen, dass die Devulkanisation funktioniert“, so Kurz und meint damit insbesondere eine industrielle Anwendung der Devulkanisation. Führende Reifenhersteller hätten bereits mit dem Feinmehl aus Landau Devulkanisationsversuche unternommen – bisher allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse.

Ebenfalls am Standort in Landau betreibt Karl Kurz seit 2013 einen eigenen Granulierer. Bisher hatte Karl Kurz jedes Jahr rund 25.000 Tonnen Altreifen etc. in verschiedenen Granulierbetrieben für die stoffliche Verwertung aufbereiten lassen. Abnehmer ist neben Marktführer Genan etwa auch ATU in Weiden. Während man unter Altreifenentsorgern in Bezug auf Shreddern das grobe Zerkleinern von Altreifen meint, damit diese in der Regel in den Öfen der Zementindustrie verbrannt werden können, ist das Ausgangsmaterial beim Granulieren deutlich kleiner und in der Regel auch stofflich getrennt; Stahlcord etwa wird vorher über eine magnetische Metallabscheidung entnommen. Kurz betreibt allein drei Shredder in Landau.

Der neue Granulierer indes kann Material in einer Größe produzieren, die sich in die Öfen der Zementindustrie mühelos einblasen lässt. Dies – so Karl Kurz – würde einen noch höheren Effizienzgrad bei der Verbrennung erzielen, was wiederum im Interesse der Zementindustrie sei; diese erhalte reines Granulat ohne Metallreste.

Der Kurz Karkassenhandel zeigt sich aber nicht nur beim Recycling von Altreifen und Gummiabfällen von seiner kreativen Seite und bleibt somit wettbewerbsfähig. Auch was den namensgebenden Karkassenhandel betrifft, so zeigt sich Karl Kurz im Wettbewerb gewappnet. Insbesondere gelten seine guten Geschäftskontakte zu Lieferanten und Abnehmern als sprichwörtlich in der Branche. Ob Militärreifen aus alten Sowjetbeständen, Karkassen für Kuba oder Containerladungen voller Karkassen aus Japan – kein Geschäft scheint dabei zu komplex, als dass Karl Kurz daran keinen Spaß haben könnte. Pro Jahr handelt Kurz immerhin 150.000 bis 170.000 Karkassen. Dazu gehören zwar auch Pkw-Karkassen. Diese machen im Handel aber oftmals keinen Sinn. Entweder weil der Preis zu gering ist, als dass sich der Aufwand für den Entsorger lohne. Oder weil eben kaum Nachfrage da ist (etwa bei größeren Durchmessern) bzw. das Angebot fehlt (kleinere Durchmesser von Premiumfabrikaten). Die „Blütezeit im Karkassenhandel“ jedenfalls, die sieht Karl Kurz als beendet an. Heute sind es eben die Nischen, die wichtiger denn je sind, um sich im Wettbewerb abzusetzen. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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