„Sottozero 3“ entscheidet Winterbreitreifentest knapp für sich

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Die Zeitschrift AutoBild Sportscars hat einen der ersten Winterreifentests zur bevorstehenden aktuellen Umrüstsaison 2014/2015 veröffentlicht und dabei unter sechs angetretenen Kandidaten nicht nur das Modell ermittelt, das in der Größe 235/35 R19 91W/V die Anforderung winterlicher, nasser und trockener Fahrbahnen am besten unter einen Hut zu bringen weiß. Das Magazin räumt auf Basis seiner Messergebnisse zugleich mit der weitverbreiteten Ansicht auf, dass man bei Schnee und Eis tendenziell eher zu schmaleren als den an vielen Fahrzeugen heutzutage montierten Breitreifen greifen sollte. Um aufzuzeigen, dass XXL-Winterreifen breiten Gummiwalzen für die wärmere Jahreszeit in puncto Sicherheit und Fahrdynamik nicht allzu weit hinterherhinken, durchlief ein Sommerreifen derselben Dimension den Testparcours bei identischen Bedingungen. Das heißt: Wie alle anderen sechs Probanden – Contis „WinterContact TS 850 P”, Michelins „Pilot Alpin PA4”, Nokians „WR A3”, Pirellis „Winter Sottozero 3”, das Star-Performer-Modell „SPTS AS” sowie Vredesteins „Wintrac Xtreme S“ – musste er sich in insgesamt zwölf Einzeldisziplinen bei Schnee, Nässe und auf trockener Fahrbahn sowie bei einer Schnelllaufprüfung (alle haben bestanden) beweisen. Wenig verwunderlich ist, dass er auf Schnee keinen Stich machen konnte.

Egal ob in der Teilwertung Bremsweg oder in den Kapiteln Traktion und Slalom – überall musste er sich dem jeweils schlechtesten Winterreifen bei Weitem geschlagen geben. „Nicht fahrbar“, urteilen die Tester sogar mit Blick auf den auf einem Prüfgelände im Norden Schwedens abgesteckten Slalomparcours. Doch so wie dies nicht anders zu erwarten war, so erstaunt doch, dass gerade in den vier Schneedisziplinen der „WR A3“ des Winterexperten Nokian nicht recht zu überzeugen weiß: Jedenfalls muss er laut AutoBild Sportscars sämtlichen anderen Wettbewerbsmodellen hier durchgängig den Vortritt lassen. Umgekehrt kann Pirellis „Sottozero 3“ alle vier Teilwertungen bei Schnee – Bremsen, Handling, Slalom, Traktion – für sich entscheiden, wobei ihm der „Pilot Alpin PA4“ von Michelin allerdings dicht auf den Fersen ist. Annähernd gleichauf liegen diese beiden Kontrahenten im Nassen, wo sie sich allerdings Contis „WinterContact TS 850 P“ geschlagen geben müssen: Vor allem beim Nassbremsen und auf dem bewässerten Handlingskurs kommt er nämlich den Leistungen des mitgetesteten Sommerreifens recht nah. Demgegenüber ist der Star Performer nicht nur in diesen beiden Nässeteilwertungen Letzter, sondern auch auf bewässerter Kreisbahn. Beim Aquaplaning reicht es jedoch immerhin zum zweiten Platz hinter dem „Sottozero 3“, und auf Schnee kann er sogar den Nokian-Reifen hinter sich lassen.

Den „WR A3“ des finnischen Herstellers beschreiben die Tester nicht umsonst als „Trockenspezialist[en] mit dynamisch sportlichen Handlingqualitäten auf nasser und trockener Strecke“, aber eingeschränkten Winterqualitäten. Denn der Reifen kann beim Bremsen sowie beim Handling auf trockener Fahrbahn den Rest des Wettbewerberfeldes hinter sich lassen, muss anderen aber bei den Kapiteln Rollwiderstand und Vorbeifahrgeräusch den Vortritt lassen. Gleichwohl liegen die Leistungen aller Sechs im Trockenen relativ nah beieinander, wobei allerdings auch hier der „SPTS AS” ein wenig zurückfällt. Dem Kandidaten der „Billigmarke“ Star Performer wird zusammenfassend ein ausgewogen sicheres Fahrverhalten auf verschneiter Piste und leises Abrollgeräusch attestiert, während ihm als Schwächen ein „unharmonisch untersteuerndes Fahrverhalten auf nasser und trockener Piste, gefährlich verlängerte Nassbremswege, eingeschränkter Komfort. Erhöhter Rollwiderstand“ angekreidet werden. Besser als er und in der Gesamtwertung vor ihm platzierte Nokian-Reifen schneidet das Vredestein-Modell ab. Aber vor allem wohl wegen leichter Defizite bei Nässe – insbesondere das Aquaplaningverhalten wird kritisiert – sowie Trockenheit (verlängerte Bremswege) reicht es bei ihm trotzdem nicht mehr ganz zu einem aus Sicht von AutoBild Sportscars „vorbildlichen“ Abschneiden.

Dieses Gütesiegel des Magazins kann sich nur das von den Conti-, Michelin- und Pirelli-Reifen gebildete Trio ans Revers heften. Letztendlich auf dritten Platz liegt dabei der „WinterContact TS 850 P“ des Herstellers aus Hannover. Ihn beschreiben die Tester als überzeugenden Winterreifen mit vorbildlichen Fahrqualitäten auf nasser Strecke. „Vorzügliches Nass- und Trockenhandling mit präzisem Lenkansprechen und stabiler Seitenführung“, steht darüber hinaus noch bei ihm im Testprotokoll. Zweiter wird Michelins „Pilot Alpin PA4“ dank sportlicher Eigenschaften mit einer ausgewogenen Leistung auf hohem Niveau. „Direktes Lenkansprechen, gute Zugkraft und stabile Seitenführung auf Schnee“, werden bei ihm demnach ebenso auf der Habenseiten verbucht wie kurze Bremswege bei allen Witterungsbedingungen und ein angenehmer Abrollkomfort sowie ein niedriger Rollwiderstand. Er muss sich damit trotzdem dem „Winterkönig“ geschlagen geben, als der sich Pirellis „Sottozero 3“ bei dem Test erwiesen hat. Gelobt werden die „hervorragenden Fahreigenschaften auf verschneiter wie nasser Fahrbahn“ des Reifens sowie sein „präzises Lenkverhalten mit guter Rückmeldung“. Außerdem biete er vorzügliche Sicherheitsreserven bei Aquaplaning und helfe dank seines niedrigen Rollwiderstandes beim Kraftstoffsparen, heißt es. christian.marx@reifenpresse.de

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