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18-Zöller in der Formel 1: Geht es um Technologietransfer? – NRZ-Interview

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Spätestens seit dem Rennen in Silverstone vor zwei Wochen und dem anschließenden Test sind 18-Zoll-Reifen in der Formel 1 wieder ein ganz großes Thema. Auch wenn es Reifenlieferant Pirelli bei den Testfahrten auf den kurzfristig gebauten Konzeptreifen in 18 Zoll darum ging, durch Optik anstatt durch Performance einen ersten Eindruck zu hinterlassen, verspricht man sich bei Pirelli große Vorteile durch den Wechsel von 13 auf 18 Zoll große Reifen. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläuterte nun Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery, dass sich entsprechende Vorteile für den italienischen Hersteller aber nicht unbedingt durch den vielbeschriebenen Technologietransfer ergeben. Im Gegenteil.

Dass es einen Technologietransfer vom Motorsport in die Entwicklung herkömmlicher Straßenreifen gibt, gerade wenn es um Reifen im UHP-Segment geht, steht außer Frage. Das sieht auch Paul Hembery so. Das oft genutzte Argument, 13 Zoll große Formel-1-Reifen seien eben Jahrzehnte von der Wirklichkeit auf unseren Straßen entfernt, was niemand bestreitet, und eine Vergrößerung des Durchmessers der Formel-1-Reifen auf etwa 18 Zoll würde gerade bei der Entwicklung von Straßenreifen zusätzliche Synergien und Vorteile ermöglichen – einen Technologietransfer eben –, teilt Hembery allerdings nur bedingt. Im Gespräch mit dieser Zeitschrift betonte er stattdessen: „Der Technologietransfer, wenn wir von 13 auf 18 Zoll gehen, wird nahezu gleich bleiben.“

Ob 13 oder 18 Zoll - der Technologietransfer wird nahezu gleich bleiben, so Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG

Ob 13 oder 18 Zoll – der Technologietransfer wird nahezu gleich bleiben, so Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG

Auch wenn im Detail größere Synergien möglich sein werden, so der Motorsportdirektor weiter, gehe es beim Wechsel vor allem um die Glaubwürdigkeit des Sports und der Produkte, die dort genutzt und gezeigt werden. Mit anderen Worten: Formel-1-Reifen in 18 Zoll und schmaler Seitenwand sehen herkömmlichen UHP-Reifen einfach ähnlicher als die überkommenen 13-Zoll-Walzen. Und Pirelli steht in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Marktbedeutung – ob in der Erstausrüstung oder auf dem Ersatzmarkt – synonym für UHP- und Premiumreifen wie kaum ein anderes Unternehmen der Branche. Es ist für das Marketing wesentlich einfacher, die Verbindung zwischen beiden Produkten herzustellen, zwischen Formel-1-Reifen und Straßenreifen. Dann sieht der motorsportinteressierte Endverbraucher alle zwei Wochen bei den Formel-1-Rennen eben Produkte im Wettbewerb, die den Reifen überaus ähnlich sind, die er von der Straße und seinem eigenen Auto kennt. Daraus ergäben sich eben hauptsächlich die zusätzlichen Vorteile.

Ob die Formel 1 überhaupt größere Reifen bekommen wird, steht indes längst noch nicht fest. Eins der Probleme: Die Veränderung an der Rad-Reifen-Kombination wird weitreichende Veränderungen an der Fahrzeugkonstruktion nach sich ziehen müssen. Radaufhängung, Federung, Bremsen, Gewicht, Aerodynamik – all das und mehr noch wird von einer konstruktiven Veränderung der Reifen und folglich der Räder stark beeinflusst. Es entstehen Folgekosten, die insbesondere die Teams aus den hinteren Startreihen scheuen.

Paul Hembery zufolge könnten etwaige Veränderungen am Reglement der Formel 1 frühestens ab der Saison 2016 zum Tragen kommen, vorher sei dies auch technisch kaum abzubilden, wahrscheinlicher wäre allerdings die Saison 2017. Auch wenn das Thema 18-Zöller in der Vergangenheit immer wieder in Motorsportkreisen diskutiert wurde, gibt Pirellis Motorsportdirektor sich mittlerweile zuversichtlich, dass es nun endlich auch in die Formel-1-Praxis übertragen wird: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir jetzt größere Reifen bekommen.“ Allerdings müsse sich die Serie mit all ihren Beteiligten in der Formel-1-Kommission endlich zu einer Entscheidung durchringen, so Hembery weiter gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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