Gutes Quartal, schlechtes Quartal: Wechselbad für deutschen Reifenhandel

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Angedeutet hatte sich schon im April, aber vor allem im Mai mit einem um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat rückläufigen Pkw-Sommerreifenabsatz des Handels in Richtung Verbraucher (Sell-out), dass sich die im ersten Quartal zu beobachtenden starken Verkaufszuwächse im deutschen Reifenersatzgeschäft im zweiten Dreimonatszeitraum 2014 wohl so nicht fortschreiben lassen würden. Nachdem der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WdK) sein sogenanntes Sell-out-Panel unter Einbeziehung der Zahlen des Juni vorgelegt hat, ist es nunmehr aber auch offiziell: Die Reifenvermarkter hierzulande haben insbesondere im Segment Pkw-Reifen im zweiten Quartal dieses Jahres geringere Stückzahlen absetzten können als im entsprechenden Vergleichszeitraum 2013.

Dennoch ist das noch lange kein Grund, sich übermäßig in Pessimismus zu üben. Denn dank eines starken Jahresbeginns präsentiert sich das Reifenersatzgeschäft zur Jahresmitte aus Handelssicht und bezogen allein auf die Stückzahlentwicklung weiterhin überwiegend  positiv, wenn man das erste Halbjahr 2013 als Maßstab heranzieht. Für die von der Industrie in Richtung ihrer Handelspartner gelieferten Volumina (Sell-in) gilt das sowieso. Zumal die Sell-out-Statistik der European Rubber Manufacturers’ Conference (ERMC) die auf Handelsseite beginnende Einlagerung von Pkw-Winterreifen für die nächste Umrüstsaison erkennen lässt. Die bis dato von der Industrie an ihre Vermarktungspartner gelieferten rund 5,4 Millionen Pkw-Winterreifen entsprechenden gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 einem Zuwachs um fast 43 Prozent. Auch die Pkw-Sommerreifenlieferungen liegen mit 15,9 Millionen Einheiten deutlich bzw. annährend zehn Prozent über dem Vorjahresniveau, sodass die Reifenhersteller in Summe bis dato also etwa 21,3 Millionen Pkw-Reifen und damit knapp 17 Prozent mehr von ihnen im deutschen Ersatzgeschäft absetzen konnten.

Freilich hat der Handel dieses Volumen nicht in gleichem Maße und schon gar nicht eins zu eins an die Frau oder den Mann bringen können, sondern bisher „nur“ etwa 18,0 Millionen Stück, was das kräftige Plus nach den ersten drei Monaten bis zur Halbzeitbilanz 2014 auf lediglich magere knapp ein Prozent hat abschmelzen lassen. Bei alldem standen bedingt durch die Jahreszeit natürlich auch im Geschäft Handel an Verbraucher bislang eher die Pkw-Sommerreifen mit nach nunmehr sechs Monaten in Summe 15,7 Millionen Einheiten – entsprechend einem Plus in der Größenordnung von fünf Prozent – im Fokus, während umgekehrt trotzdem noch etwa 2,3 Millionen Pkw-Winterreifen einen Käufer oder eine Käuferin fanden. Dass dies einem Minus von beinahe einem Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum gleichkommt, dürfte angesichts der in diesem Frühjahr deutlich milderen Witterung niemanden wirklich verwundern und nur am Rande interessieren.

Allerdings hat im zweiten Quartal – jedenfalls aufseiten des Handels – der Absatz von 4×4-, SUV- bzw. Offroadreifen ebenfalls Federn lassen müssen, sodass sogar weniger solche Reifen einen Käufer fanden als im selben Zeitraum 2013. Nach sechs Monaten steht dennoch weiter ein Plus in Höhe von etwa fünf Prozent auf gut 1,3 Millionen Einheiten unterm Strich. Im Sell-in waren es noch einmal etwa 100.000 Stück mehr und der Zuwachs mit knapp neun Prozent deutlich höher als mit Blick auf den Sell-out. Das gleiche Bild ergibt sich – wie übrigens in allen anderen Produktsegmenten – in Sachen Llkw- und Lkw-Reifen. Laut ERMC-Statistik legten die von der Industrie an die Reifenvermarkter hierzulande gelieferten Stückzahlen im Llkw-Segment um beinahe 17 Prozent auf in Summe 1,4 Millionen Einheiten zu, während der Absatz im Sell-out laut WdK-Panel „nur“ um irgendwo zwischen einem und zwei Prozent auf nicht ganz 1,2 Millionen Stück stieg. Im Lkw-Segment stehen 650.000 Reifen bzw. ein Wachstum um gut 15 Prozent im Sell-in einem Plus von etwa acht Prozent auf 750.000 Einheiten in Sell-out gegenüber. christian.marx@reifenpresse.de

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