„Den Schaefflers“ gelingt ein Possenspiel um die Führung des Konzerns

Mittwoch, 9. Juli 2014 | 1 Kommentar
 

Für Schaeffler und das Manager-Magazin wird es vermutlich nicht mehr zu einem halbwegs freundlichen, nicht einmal halbwegs fairen Umgang miteinander reichen. Erst stand CEO Dr. Jürgen Geißinger im Scheinwerferlicht, was gleichbedeutend mit Dauerbeschuss war. Nun aber besetzt Unternehmenserbe Georg Schaeffler den ersten Rang auf der Abschussliste des Blattes, denn wenn schon das Titelfoto der beiden Schaeffler-Erben – Sohn mit Mutter – unterschrieben ist mit dem inhaltsschweren Satz „Mami hat gesagt“, ahnt man nicht nur, wohin die Reise gehen wird. Wenn dem langen Beitrag auch wenig inhaltliche Substanz zu bescheinigen ist, kann er als Lehrstück dafür gelten, wie man eine Story mit Anzüglichkeiten und Schmähungen lesbarer zu machen versucht, der ansonsten – wäre man auf dem Boden der Sachlichkeit geblieben – in Ermangelung neuer Fakten bestenfalls das Etikett „langweilig“ umzuhängen wäre. Doch mit viel Schmäh liest es sich wenigstens flotter.

So fordert Maria-Elisabeth Schaeffler den Sohn „mit mütterlicher Strenge“ zum Zuhören auf, was dieser mit „im Tonfall leisem Trotz“ goutiert. Der 49-jährige vierfache Vater wirke nicht wie der Herrscher eines Milliardenimperiums, sondern „wie der älteste Internatsschüler der Welt“. Die zwei Weltkonzerne, Schaeffler mit 79.000 Mitarbeitern und Continental mit 182.000 Mitarbeitern sieht das Manager-Magazin „abhängig von diesem eigenwilligen Duo: einer schlanken, stets elegant gekleideten Dame und ihrem etwas linkischen Junior.“ Dieser wohnt „bei Mama im alten Jugendzimmer (…) die Mutter seines ersten Kindes passte Maria-Elisabeth nicht (…) bei seiner späteren Ehefrau, der von ihr geschätzten Bernadette war es ihr gar nicht recht, dass Georg sich von ihr trennte (…) Bernadette teilt mit der Schwiegermutter ihre hohen Ansprüche an guten Stil.“ Überhaupt „die Mami“: Mit ihren 20 Prozent dominiert sie den 80 Prozent-Erben Georg, den das Manager-Magazin in nun bereits bekanntem Stil zitiert: „Die Mami hat gesagt, ich hab mit der Mami gesprochen.“

Quelle: „Vertraute“. Welche? Keine Namen, keine Hinweise. Eine ähnliche Tolle wie der neue CEO Rosenfeld habe sich Georg ins Haar gestylt, was zu einem Aufstöhnen „jetzt haben die schon die gleiche Frisur“ geführt habe. Quelle? Vertraute? Nein, noch besser: „Wird auf den Fluren gespottet.“ Und Mami? Sie lobt öffentlich „den gescheiten Sohn an meiner Seite, mit dem ich mich sehr gut ergänze“. Weiter: „Gegenüber Vertrauten (hier sind sie wieder, die anonymen Namenlosen) äußert sie immer wieder Zweifel, ob Georg der Aufgabe gewachsen ist, ob er zu lange schläft, was er jenseits des Atlantiks eigentlich die ganze Zeit so treibt.“ Dies und noch viel mehr hört man halt so. Auf den Fluren. Anzüglichkeiten und Häme zuhauf. So beschreibt man Menschen in einer Art und Weise als Deppen und Tölpel, die selbst auch noch dem allerletzten Leser sauer aufstoßen sollte.

Auch das noch relativ junge, für Welt-Abonnenten bisher kostenlos vertriebene Wirtschaftsmagazin Bilanz beschreibt in der neuesten Ausgabe in einem sechsseitigen Beitrag „Tanz auf dem Vulkan“, dass es bei Schaeffler drunter und drüber gehe und insinuiert, der Junior wolle die Macht, von der seine Mutter glaube, sie noch zu besitzen, während sie beide vom Management gegeneinander ausgespielt würden. Bilanz schmäht nicht, sondern bietet Tatsachen und knüpft eine eigene Meinung daran. „Die Schaefflers“ kommen auch hier nicht gut weg; das liegt an den Fakten. Die Bestellung des neuen CEOs Klaus Deller zum Nachfolger des gefeuerten langjährigen Schaeffler-Chefs Dr. Geißinger war zur Posse geraten, weil Deller ausbezahlt wurde, noch bevor er seine Arbeit begonnen hatte. Der – so Bilanz – respektabel besetzte Aufsichtsrat ließ sich vor vollendete Tatsachen stellen. Interims-CEO Rosenfeld bleibt für die nächsten fünf Jahre CEO nicht zuletzt, weil Technikvorstand Peter Gutzmer (60) seinen Verbleib im Unternehmen davon abhängig gemacht habe, dass Deller als Geißinger-Nachfolger noch verhindert werde; Gutzmer gilt einigen Entscheidungsträgern als unersetzbar, während es in Bilanz heißt, er sei einst bei Porsche als mittelmäßig eingestuft worden. So riecht es förmlich nach Intrige und Erpressung.

Selten dürfte ein „respektabel besetzter Aufsichtsrat“ so kaltschnäuzig düpiert worden sein wie im vorliegenden Fall. So hat das Aufsichtsratsmitglied Eckhard Cordes die Dinge auch wohl bewertet. Eine Fotokopie seines Briefes an den Aufsichtsratsvorsitzenden Georg Schaeffler (persönlich/vertraulich) mit Kopie an Maria-Elisabeth Schaeffler findet den Weg ins Bilanz-Heft. Darin erläutert Cordes, warum er den nun bestellten Rosenfeld in seiner neuen Funktion für eine Fehlbesetzung hält. Den bereits ernannten Klaus Deller – „offensichtlich aufgrund des Verhaltens von Herrn Gutzmer und möglicherweise auch von Herrn Rosenfeld“ – abserviert zu haben, hält Cordes für falsch wie er im Übrigen die Verkündung einer Vorstandspersonalie vor einem Aufsichtsratsbeschluss „unglücklich“ finde. Er hätte somit auch sagen können „Mariechen, mach‘ von nun an Deinen … alleine.“

Denn was soll die Mitarbeit in einem respektabel besetzten Aufsichtsrat, der in einer solch elementar wichtigen Frage übergangen wird und nichts zu melden hat? Welche Aufgabe eines Aufsichtsrates soll denn wichtiger sein als die, die besten Leute für das Unternehmen zu gewinnen und in Stellung zu bringen? Cordes jedenfalls sieht die Zukunft der Schaeffler-Gruppe unter der Führung von Rosenfeld kritisch. Er dürfte damit nicht allein sein. Wie sonst konnte sein Brief – zur Erinnerung: persönlich/vertraulich – durchgestochen werden? Von Cordes selbst oder seiner Umgebung? Das ist eher unwahrscheinlich. Naheliegender ist die Vermutung, dass es sich um ein Leck im Aufsichtsrat handeln könnte. Jedenfalls wurde den Herren Rosenfeld und Gutzmer (der erste Mann kann es angeblich nicht und der zweite Mann intrigiert, möglicherweise sogar gemeinsam mit der Nummer eins) so ein dickes fettes Bonbon aufs Hemd geklebt. Zu entfernen ist das nicht mehr.

Die Schaeffler-Gruppe ist unter der Führung von Dr. Jürgen Geißinger überaus erfolgreich gewesen. Es regnet Geld bei Schaeffler, schrieb einst die Süddeutsche Zeitung voller Begeisterung und Anerkennung. Schwer zu verstehen, warum Geißinger gefeuert wurde, wenn es nicht die persönlichen Eitelkeiten gäbe. Ein Fußballfan weiß, dass Geld keine Tore schießt, und so sollten Aufsichtsräte sich daran erinnern, dass beste Managementleistungen nur in Ausnahmefällen von Superreichen erbracht werden. Momentan drängt sich der Eindruck eines relativ führungslos gewordenen Konzerns auf, der nicht so recht weiß, in welche Richtung es geht und warum. Doch noch herrscht eitel Sonnenschein in Herzogenaurach, auch weil die Conti-Aktien in den Himmel zu wachsen scheinen. Damit das so bleibt, wird selbst in Herzogenaurach erst gar niemand auf die Idee kommen, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Continental AG Ratschläge oder gar mehr als das feilbieten zu wollen. Kursgewinne sind – zunächst einmal – bloß Papier. Schaefflers Schulden bleiben Realität. Nicht, dass diese nicht zu handhaben wären. Eine Entscheidung darüber, wie diese bezahlt werden, steht aber immer noch aus. klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

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Kategorie: Markt

Kommentare (1)

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  1. Caligula sagt:

    Die Witwe ist allzu eitel. Sieht sich gerne im Zentrum. Wir kennen ihre Kleider, ihre Pelzmäntel. Die Produkte des Unternehmens kennen wir jedoch kaum noch. Hinter ihrem Lächeln steckt eiskalte Berechnung eines in sich selbst verliebten Menschen. Wer glaubt denn an die Manager-Fähigkeiten der Dame? Sie werden in Herzogenaurach den Tag noch verfluchen, an dem sie Geißinger abschossen. Irgendwann bekommen Manager dort dicke Schreibtische, die bei unseren Wettbewerbern nicht mal auf der Mülltonne sitzen dürften. Nach der Deller-Geschichte wird es von erstklassigen Leuten sowieso nur noch den berühmten Fingerzeig geben. Das war der Anfang vom Ende. Menschen machen den Unterschied.

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