„Pilot Road 4“ schickt Vorvorvorgänger aufs Altenteil

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Ende vergangenen Jahres hatte Michelin ihn bereits angekündigt, und für die Motorradsaison 2014 ist er verfügbar – oder besser gesagt, sie sind jetzt da: Denn seinen neuen „Pilot Road 4“ bietet der französische Hersteller in gleich drei Varianten an. Es gibt in also nicht nur als Standardversion für Naked Bikes und Sporttouringmaschinen, sondern auch für schwere Tourenmotorräder und Großenduros, wobei diese Varianten dann anhand der Namenzusätze „GT“ respektive „Trail“ erkennbar sind. Mit der Erweiterung des Produktportfolios um die mittlerweile vierte „Pilot-Road“-Generation ist zugleich allerdings ein Abschied verbunden, weil der Vorvorvorgänger des Neulings nicht länger angeboten werden soll.

Die Modelle „Pilot Road 2“ und „Pilot Road 3“ verbleiben mit entsprechender preislicher Abstufung gleichwohl im Lieferprogramm der Marke, wie Françis Ferreira, Leiter Vertrieb und Marketing Zweiradreifen bei Michelin, im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert. Um den Neuen zu charakterisieren, bemüht er im Wesentlichen nur drei Zahlen: 17, 20 und 50. Das hat nichts mit den Reifendimensionen zu tun, sondern die erste Ziffer drückt demnach aus, um wie viel Prozent kürzer der Bremsweg mit dem „Pilot Road 4“ auf nasser Fahrbahn im Vergleich zum besten seiner Mitbewerber ausfällt. Dafür weist der jetzt auch offiziell vorgestellte Michelin-Tourenreifen ein ähnliches Profildesign auf wie sein direkter Vorgänger aus gleichem Hause, das Ferreira angesichts des bei seiner Vorstellung recht unkonventionellen Aussehens mit den Worten „ziemlich revolutionär“ umschreibt.

Im Wesentlichen mit den drei Zahlen: 17, 20 und 50 charakterisiert Françis Ferreira, Leiter Vertrieb und Marketing Zweiradreifen bei Michelin, den neuen „Pilot Road 4“

Im Wesentlichen mit den drei Zahlen: 17, 20 und 50 charakterisiert Françis Ferreira, Leiter Vertrieb und Marketing Zweiradreifen bei Michelin, den neuen „Pilot Road 4“

Sei man damals noch hin- und hergerissen gewesen, ob man den erst vor etwa zwei Jahren eingeführten „Pilot Road 3“ tatsächlich mit einer Art lamelliertem Profildesign auf den Markt bringen sollte, so habe sich die Entwicklung im Rückblick als Erfolg erwiesen, sagt er. Nicht umsonst ist der Vorgänger bei Magazintests wie dem von Motorrad im vergangenen Jahr als „Regengott“ bezeichnet worden. „Darauf sind wir sehr stolz. Gleichwohl standen wir daher beim ‚Pilot Road 4’ vor der Herausforderung, einen besseren Reifen als den besten zu entwickeln“, so Ferreira mit Blick speziell auf das Thema Nasshaftung. Gemäß einem bei Dekra in Auftrag gegeben Produktvergleich mit Wettbewerbsmodellen von Bridgestone („Battlax Sport Touring T30“), Dunlop („RoadSmart II“), Metzeler („Roadtec Z8 Interact M/O“) sowie Pirelli („Angel GT“) scheint das durchaus gelungen zu sein, wird auf Basis entsprechender Messungen doch von eben jenem um 17 Prozent kürzeren Bremswege berichtet.

Und auch beim diesjährigen Motorrad-Tourenreifentest ist der neue „Pilot Road“ dem Anspruch, Bester bei Nässe zu sein, gerecht bzw. sogar Gesamtsieger des aktuellen Produktvergleichs geworden. Dabei konnte er dabei eine weitere seiner laut Pierre Fraisse, Direktor Entwicklung Zweiradreifen bei Michelin, wichtigsten Eigenschaften gar nicht unter Beweis stellen, weil das Magazin diesmal den Verschleiß der Probanden gar nicht bewertet hat. Denn die von Michelins Zweiradreifenvertriebs- und -marktingchef erwähnte Zahl 20 entspricht seinen Worten zufolge der prozentualen Verbesserung der Laufleistung der vierten gegenüber der dritten „Pilot-Road“-Generation. Und mit 50 ist die Temperaturspanne in Grad Celsius gemeint, innerhalb welcher der Reifen ordentlich Grip liefern soll: zwischen minus fünf Grad Celsius und plus 45 Grad Celsius.

Um all dies unter einen Hut zu bringen, stecken im „Pilot Road 4“ diverse bekannte, teils aber auch weiterentwickelte oder ganz neue Konzerntechnologien, wie Fraisse erklärt. So wie viele andere Michelin-Motorradreifen verfügt er beispielsweise über eine Zweikomponentenlaufflächenmischung, was mit dem Kürzel 2CT (Two Compound Technology) signalisiert wird. Prinzipiell ist dabei eine härtere Mischungsspezifikation in der Laufflächenmitte für einen geringen Abrieb bzw. das Thema Laufleistung zuständig, während zu den Schultern hin weicheres Gummi für den Bereich Kurvenhaftung in Schräglage verantwortlich zeichnet. Die mit dem Vorgänger eingeführte Lamellentechnologie XST – steht für X-Sipe Technology – wurde leicht modifiziert und heißt jetzt XST+: Dahinter verbergen sich nun leicht angeschrägte Profileinschnitte, um darüber den Abrieb zu verringern bzw. das Verschleißverhalten zu verbessern.

Laut Pierre Fraisse, Direktor Entwicklung Zweiradreifen bei Michelin, vereint die 2AT genannte Technologie das Beste aus beiden Welten von Radial- und Diagonalreifen

Laut Pierre Fraisse, Direktor Entwicklung Zweiradreifen bei Michelin, vereint die 2AT genannte Technologie das Beste aus beiden Welten von Radial- und Diagonalreifen

Als geradezu „revolutionär“ bezeichnet Fraisse allerdings vor allem das, was sich hinter dem Kürzel 2AT verbirgt. Das Akronym steht für Dual Angle Technology und soll den „Pilot Road 4“ zu einer Art von Zwitter aus Radial- und Diagonalreifen machen. Bei seinem Unterbau kombiniert Michelin dabei Konstruktionsdetails, die eher an Diagonalreifen erinnern und in Kombination mit den Vorteilen der Radialtechnologie dem neuen Tourenreifen zur einem Mehr an Stabilität insbesondere bei schweren Maschinen verhelfen sollen. Das diesbezüglich erzielte Plus beziffert der Hersteller mit 15 Prozent gegenüber einem konventionellen Radialreifen. Die Dual-Angle-Technologie, an der man laut Fraisse rund fünf Jahre lang gearbeitet hat und die auch aufseiten des Produktionsprozesses Anpassungen erfordert, vereine gewissermaßen das Beste beider Welten, wie er die Kombination von Radial- und Diagonaltechnologie umschreibt.

Für ganz besonders schwere Maschinen gibt es den „Pilot Road 4“ übrigens mit dem Namenszusatz GT (für Gran Turismo). Mit eben diesem Reifen als Erstausrüstung in den Dimensionen 120/70 ZR17 am Vorder- und 180/55 ZR17 am Hinterrad laufen Ferreira zufolge 40 Prozent aller BMW-Motorräder des Typs R 1200 RT vom Band. Damit nicht genug, bietet Michelin neben der Standardversion, die in den Größen 120/60 ZR17 und 120/70 ZR17 für vorne sowie in 150/70 ZR17, 160/60 ZR17, 180/55 ZR17, 190/50 ZR17 und 190/55 ZR17 für hinten angeboten wird, und der „GT“-Variante in den beiden Vorderraddimensionen 120/70 ZR17 und 120/70 ZR18 sowie den vier Hinterraddimensionen 170/60 ZR17, 180/55 ZR17, 190/50 ZR17 und 190/55 ZR17 seinen neuen Reifen zusätzlich noch mit der Zusatzbezeichnung „Trial“ an. Letzteres Modell, dessen Einsatzzweck sich unschwer an seinem Namenszusatz ablesen lässt, kommt in insgesamt vier Größen auf den Markt: 110/80 R19 und 120/70 R19 für vorne sowie 150/70 R17 und 170/60 R17 für hinten. christian.marx@reifenpresse.de

 

Als eine der Stärken des neuen Reifens hebt Michelin insbesondere seine Nassbremsleistungen hervor

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  1. […] „Road Attack 2 GT“, Dunlops „Roadsmart II“, Metzelers „Roadtec Z8 Interact“, Michelins „Pilot Road 4 GT“ und Pirellis „Angel GT“ montiert in den Größen 120/70 ZR17 am Vorder- sowie 180/55 ZR17 am […]

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