„Status als Weltleitmesse nicht gefährdet“ – NRZ-Interview mit Messe Essen

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Auf die Veranstalter der Reifen-Messe in Essen warten große Herausforderungen. Nicht nur, dass trotz des gescheiterten Referendums die Modernisierung des Standortes jetzt stattfinden soll. Sondern auch, weil ab 2018 in Köln mit der „The Tire Cologne“ wohl eine direkte Wettbewerbsveranstaltung stattfinden wird. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG gibt sich Oliver P. Kuhrt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Essen GmbH, zuversichtlich, dass der der Status des Messestandortes und insbesondere der der „Reifen“ als Weltleitmesse nicht gefährdet sei. Den Standort Essen zeichneten viele Vorteile aus: „Die ‚Reifen’ funktioniert in Essen hervorragend“, betont Kuhrt. Auch dürfe man die Zusammenarbeit mit dem BRV als „ideellem Träger“ der Reifen-Messe nicht überbewerten: „Die internationale Kompetenz und das Know-how liegen bei der Messe Essen.”

Neue Reifenzeitung:

Die Reifen-Messe 2014 steht kurz bevor. Wie bedeutend ist diese Veranstaltung für die Messe Essen GmbH und den Messestandort Essen?

Oliver P. Kuhrt:

Die „Reifen“ ist eines unserer Flaggschiffe – auch mit Blick auf ihre Internationalität: Von den über 660 Ausstellern kommen rund 70 Prozent von außerhalb Deutschlands. Das ist nicht nur am Standort Essen, sondern auch bundesweit ein Spitzenwert. Als eines unserer Top-Ten-Events genießt die „Reifen“ die uneingeschränkte Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter der Messe Essen. Diese Wertschätzung äußert sich unter anderem in exzellenten Leistungen bei Organisation und Service, die uns Aussteller und Besucher regelmäßig bestätigen.

Neue Reifenzeitung:

Inwiefern ist die Messe Essen dabei von etwaigen „ideellen Trägern“ wie dem Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) abhängig?

Oliver P. Kuhrt:

Eher nicht – wir haben mit dem BRV über viele Jahre verlässlich zusammengearbeitet. Gleichzeitig respektieren wir die Entscheidung des Verbands, sich nach 2016 nicht mehr an der „Reifen“ zu beteiligen. Da es sich aber um eine Eigenveranstaltung der Messe Essen handelt, wird die „Reifen“ auch über 2016 hinaus erfolgreich in Essen stattfinden. Dafür sprechen unter anderem die hohe Anzahl internationaler Aussteller und die Bindung der Branche an den Standort. Der BRV ist einer von vielen Akteuren für die nationale Reifenbranche, aber sein Einfluss auf die Messe ist begrenzt; von den deutschen Besuchern sind 84 Prozent kein Mitglied im BRV. Die internationale Kompetenz und das Know-how liegen bei der Messe Essen.

Neue Reifenzeitung:

Nachdem die Essener Bürger der Modernisierung der Messe für 123 Millionen Euro per Referendum eine Absage erteilt haben, sollen nun „alternative Planungen“ und „reduzierte Pläne“ umgesetzt werden. Was verbirgt sich dahinter konkret und in welchem Zeitrahmen soll dies geschehen?

Im Rahmen der jetzt umzusetzenden Modernisierung – wenn auch nur als „Basis-Lösung“ nach dem gescheiterten Referendum – soll auch eine neue Fassade entstehen, die der Messe Essen „einen modernen, zeitgemäßen und einladenden Gesamtauftritt verleihen“

Im Rahmen der jetzt umzusetzenden Modernisierung – wenn auch nur als „Basis-Lösung“ nach dem gescheiterten Referendum – soll auch eine neue Fassade entstehen, die der Messe Essen „einen modernen, zeitgemäßen und einladenden Gesamtauftritt verleihen“

Oliver P. Kuhrt:

Im Mittelpunkt steht nach wie vor der Umbau der Doppelstockhallen zu eingeschossigen Hallen, ohne dabei Einbußen bei der Gesamtfläche hinzunehmen. Die neue Planung sieht eine mittelgroße Struktur mit fünf Hallen nördlich der Galeria vor und schließt einen modernen Tagungsbereich ein. Außerdem werden eine neue Fassade und ein großzügiges Foyer entstehen, die der Messe Essen einen modernen, zeitgemäßen und einladenden Gesamtauftritt verleihen. Die Detailplanungen dazu haben gerade begonnen.

Neue Reifenzeitung:

Was bedeutet dies für die Zukunft der Reifen-Messe?

Oliver P. Kuhrt:

Die „Reifen“ wird von der Modernisierung maßgeblich profitieren. Erste positive Auswirkungen wie die neue Fassade wird es bereits zeitnah geben, und nach Abschluss der Arbeiten wird die „Reifen“ dann in zum Teil völlig neuen Hallen stattfinden. Damit entsprechen wir den gestiegenen Anforderungen der Aussteller an Technik und Optik. Außerdem bildet die „Reifen“ ab 2014 die gesamte Wertschöpfungskette der Branche ab: Sollte sich daraus langfristig ein höherer Flächenbedarf ergeben, könnten wir dem problemlos entsprechen.

Neue Reifenzeitung:

Die Messe Essen plant ein Effizienzprogramm und will die Kosten senken. Muss man da nicht befürchten, an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen?

Oliver P. Kuhrt:

Das Effizienzprogramm definiert die positiven Ergebnispotenziale in Kostenmanagement, Einkauf und Prozessen. Es geht dabei um die Themen, die nicht an der Schnittstelle zu unseren Kunden sichtbar und fühlbar sind. Deshalb wird die Wettbewerbsfähigkeit der Messe Essen auch nicht sinken, sondern erkennbar steigen. Wir wollen an den richtigen Stellen wirtschaftlicher werden und gleichzeitig dort investieren, wo es Sinn macht.

Neue Reifenzeitung:

Gerade in Bezug auf die Reifen-Messe steht der Messe Essen ab 2018 mit der „The Tire Cologne“ in Köln ein direkter Wettbewerb ins Haus. Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang?

Oliver P. Kuhrt:

Unseren Status als Weltleitmesse sehen wir nicht gefährdet: Die Reaktion der Aussteller nach der Ankündigung aus Köln stimmt uns eher optimistisch. Die „Reifen“ funktioniert in Essen hervorragend und wächst seit ihrer Gründung kontinuierlich. Die Aussteller sind überdurchschnittlich zufrieden und nach vollzogener Modernisierung in neuen Hallen untergebracht. Die Zeit zuvor werden wir nutzen, um die Veranstaltung weiterzuentwickeln. Näheres werden wir zum Messestart am 27. Mai bekanntgeben.

Neue Reifenzeitung:

Worin sehen Sie die Wettbewerbsvorteile der Messe Essen ganz allgemein und in Bezug auf die Reifen-Messe gegenüber der Kölnmesse, für die Sie ja früher tätig waren?

Oliver P. Kuhrt:

Für die Messe Essen im Allgemeinen sprechen die kurzen Wege auf dem Messegelände und der hohe Stellenwert von Organisation und Service. Als mittelgroße Messegesellschaft sind wir nah an unseren Kunden; und im Zweifel können wir effizienter und flexibler agieren als die ganz großen Wettbewerber.

Darüber hinaus ist der Messestandort Essen für internationale Aussteller und Besucher hervorragend erreichbar: Die Messe Essen liegt dank einer direkten Autobahnverbindung nur wenige Fahrminuten vom Flughafen Düsseldorf entfernt – dem wichtigsten internationalen Drehkreuz in Nordrhein-Westfalen. Köln ist ein teurer Standort. Essen bietet unseren Ausstellern ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das spiegeln zum Beispiel auch die Kosten für ein Hotelzimmer: Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF kostete ein Hotelzimmer in Köln 2013 durchschnittlich 122 Euro; in Essen waren es laut Convention Bureau Essen 94 Euro, also rund 25 Prozent weniger. Unabhängig von Messezuschlägen ist das ein enormer Preisfaktor. Ich könnte Ihnen hier noch eine Reihe weiterer Beispiele nennen.

Unser Messegelände ist mit einer Fläche von 110.000 Quadratmetern perfekt zugeschnitten auf Spezialfachmessen wie die „Reifen“. Bei uns werden die Branche und deren Beteiligte als Teilnehmer eines Top-Events wahrgenommen und auch behandelt.

Auch inhaltlich sehe ich uns im Vorteil: Die „Reifen“ in Essen bildet die komplette Wertschöpfungskette des Reifens ab; und dies ist nur in Essen möglich. Ein weiterer Pluspunkt ist unsere Erfahrung: Das Projektteam der Reifen ist seit 1980 in der Automotivebranche zu Hause. Mit der „Essen Motor Show“ und der „Techno-Classica Essen“ haben wir zwei weitere führende Branchenmessen im Programm, bei denen wir eng mit Herstellern und Zulieferern zusammenarbeiten.

Neue Reifenzeitung:

Dass die Reifen-Messe eine weltweit anerkannte Messe ist, steht außer Frage. Was halten Sie aber davon, die Reifen-Messe neben Shanghai („Reifen China“) noch weiter zu internationalisieren?

Oliver P. Kuhrt:

Gerade für die „Reifen“ als länderübergreifend stark frequentierte Messe macht eine weitere Internationalisierung Sinn. Deshalb beobachten wir den weltweiten Markt sehr aufmerksam und folgen dabei den Bedürfnissen unserer Aussteller. Hierzu werden wir Ende Mai sehr konkret werden.

Neue Reifenzeitung:

Inwiefern profitiert der Messestandort Essen von einer solchen Internationalisierung?

Oliver P. Kuhrt:

Unsere internationalen Ableger sind nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern stärken auch das Image des Messestandorts Essen in der Welt. Die „Reifen China“ beispielsweise hat die Internationalität ihrer Mutterveranstaltung deutlich gesteigert. Davon profitieren Aussteller, Besucher und natürlich auch wir als Messegesellschaft. ab

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