MLX-Jahrestagung 2014

Ein zündendes Motto für die Jahrestagung einer Reifenhandelskooperation ist gar nicht so einfach zu finden. Zur diesjährigen Veranstaltung in Neuss und Düsseldorf haben die Verantwortlichen der MLX Marketing- und Systementwicklungs GmbH & Co. KG (Andernach) sich für „Eine Branche zwischen Wandel und Bewahren“ entschieden. Da steckt natürlich Wahrheit drin, ist aber als Losung auch irgendwie „zeitlos schön“. Auf „gut 200 Teilnehmer“ konnte Rainer Baßler (49), Manager Business Development bei MLX, die Teilnehmerzahl an Konferenz und angeschlossener Industriemesse beziffern.

Verglichen mit anderen Kooperationen ist das eine gute Anwesenheitsquote. Vielleicht liegt das daran, dass die Verantwortlichen immer wieder das Zwischenmenschliche betonen, MLX-Geschäftsführer Heinz-Werner Knörnschild (63, intern auch HWK genannt) spricht denn auch von der MLX-Familie. Und die ist – das ist für industrieunabhängige Zusammenschlüsse in der heutigen Zeit schon ungewöhnlich – erneut gewachsen. Nach Abzug der Abgänge im vergangenen Jahr (aus den verschiedensten Gründen wie Geschäftsaufgabe, Geschäftsverkauf etc.) kam ein deutliches Plus zustande auf aktuell 312 Kooperationspartner (zum 31.12., mittlerweile haben sich bereits einige weitere Händler angeschlossen): in Deutschland! Denn MLX macht jetzt wahr, was schon vor längerer Zeit im Raum stand und vor einem Jahr konkret angekündigt wurde: Die Verbundgruppe expandiert ins Ausland, wobei nicht angestrebt wird, mit einer „Blaupause“ dort aufzutreten. Was nachvollziehbar ist, denn lange Branchenzugehörigkeit lehrt: Jeder Markt ist anders; in Belgien beispielsweise liegen die Potenziale sicherlich weniger bei beispielsweise Winterreifen (schon gar nicht Premium), dafür eher bei Kompletträdern.

Und zwar nach Belgien, ggf. plus Luxemburg. Das liegt für den Serviceprovider Großhändler Meyer Lissendorf von der Eifel aus gesehen geradezu vor der Haustür. Aus der Wallonie hatten bei dem für die neue geografische Region zuständigen MLX-Manager Emmanuel Demez bereits vier belgische Reifenhändler unterschrieben, Demez hofft auf 50 neue Mitglieder noch in 2014, Knörnschild wäre schon über 30 neue Familienmitglieder aus Belgien und Luxemburg äußerst froh. In Belgien gibt es aktuell 764 „freie“ Betriebe („Intégrés“), wobei der französische Nachbar Michelin bislang darauf verzichtet hat („aus historischen Gründen“, wie eine Nachfrage bei Euromaster ergeben hat), für seine eigene Handelskette Betriebe zu akquirieren oder Franchisepartner zu gewinnen. Auch insofern kann die geografische Zielrichtung von MLX nur als strategisch clever bezeichnet werden, richtet sie sich doch auf ein (weitgehendes) Vakuum.

Der Stratege in der Unternehmensgruppe Meyer Lissendorf und für die Kooperation MLX ist „HWK“. Der schwebt aber nicht über den Wolken, sondern weist darauf hin, dass man sich alles hart erarbeiten müsse: „Der Markt bereitet keine Geschenke.“ Zumal sich nach den beiden Wachstumsjahren 2010/11 bekanntlich zwei beschwerliche 2012/13 angeschlossen haben und die Branchenmeldungen in den letzten Monaten und Wochen (die „beiden Wagners“ an Pirelli, ESKA an Vergölst, Entlassungen und Standortschließungen bei ATU) alles andere als erquicklich waren. Peter Hülzer, der als geschäftsführender BRV-Vorsitzender der Veranstaltung einen Besuch abstattete, wird es angesichts der miesen Stimmung in weiten Teilen des deutschen Reifenfachhandels erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass ein langjähriger Marktkenner und -beobachter wie Knörnschild optimistischer ist als der WdK-Arbeitskreis (der ein Wachstum von sieben Prozent für 2014 prognostiziert) und angesichts leerer Lager beim Handel und zahlreicher an der Verschleißgrenze fahrender Verbraucher ein Plus gegenüber Vorjahr von zehn Prozent in den Raum stellt.

Dass die wachsende B2C-Vermarktung bei Knörnschild keine Euphorie hervorruft, ist ihm anzumerken. Sich dieser Marktentwicklung zu verschließen aber wäre fahrlässig. Wobei MLX zweigleisig fahren und eine nationale und eine abgegrenzt regionale bzw. auf das Hofgeschäft abgestimmte Variante entwickelt hat, die allerdings gerade erst an der Schwelle ist, ihren Projektcharakter zu überwinden. Der Preisunterschied zwischen B2B und B2C ist in der jüngeren Vergangenheit geschrumpft mit der zwangsläufigen Konsequenz, dass „immer weniger beim Fachhandel hängen bleibt“. Meyer Lissendorfs Vertriebsleiter Helmut Mayer muss sich bei der detaillierter Präsentation dieses neuen Moduls kritische Stimmen anhören dahingehend, dass der Preis im Hofgeschäft weiter unter Druck zu geraten droht.

Heinz-Werner Knörnschild, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Meyer Lissendorf

Heinz-Werner Knörnschild, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Meyer Lissendorf

Aber Kritik, zumal offen vorgetragene, gehört zu einer guten Familienkultur. Und Mayer hat für seine Klientel ja auch eine ganz offenkundig positive Nachricht mitgebracht: Großhändler Meyer Lissendorf hat die Exklusivrechte für den Vertrieb innerhalb Deutschlands der Marke Taurus erhalten, bezüglich des Segmentes Pkw und LLkw, muss hinzugefügt werden. Denn bislang ist die aus Ungarn stammende Marke, die seit 1996 zum Michelin-Konzern gehört, erst in den Reifenbereichen Lkw und Landwirtschaft in Erscheinung getreten.

Und noch eine positive Nachricht: Ende 2008 hatten die beiden Reifenfachhandelskooperationen team und point S das 50:50-Joint-Venture „Servicequadrat GmbH & Co. KG“ (Dieburg) gegründet. Das seit dem 1. April 2010 von Dr. Jürgen Wetterauer geführte Gemeinschaftsunternehmen, das inzwischen bei 27 Mitarbeitern einen Umsatz in der Größenordnung von etwa 60 Millionen Euro generiert, ist auch offen für Kooperationen mit anderen Partnern über die team- und point-S-Mitglieder hinaus. Servicequadrat dient in diesem Sinne künftig auch der Kooperation MLX als Dienstleistungspartner für das Flottenmanagement und löst damit das bisherige Modul „Driver Fleet Solution“ ab. Und ein erster abschließender Aspekt, der sich beim Gang über die Industriemesse erschließt: MLX/Meyer Lissendorf pflegen Kontinuität im besten Sinne: Reifenseitig sind beispielsweise Michelin und Hankook traditionell starke Partner und bringen weit mehr ein als „nur“ ihre Produkte. Auch felgenseitig findet wenig Austausch statt, es sind immer sehr weitgehend die gleichen „Kooperationspartner“ der „Kooperation“ MLX und des Großhändlers Meyer Lissendorf. Wenn es bei ganz wenigen Industrieunternehmen nicht rund laufen sollte (so bei Reifen mit Yokohama), dann sind Alternativen da (so Infinity). Wobei – Mayer räumt es ein – „Low Budget“ halt ein produktseitiges Thema sei, dem man sich als Serviceprovider mit Premiumansprüchen nicht verschließen kann: „Es findet eine Polarisierung zwischen Premium und Budget/Low Budget statt.“

So sieht’s nun mal auf derartigen Tagungen aus, gut besucht bei MLX allemal

So sieht’s nun mal auf derartigen Tagungen aus, gut besucht bei MLX allemal

Dr. Jürgen Wetterauer präsentiert die Servicequadrat GmbH & Co. KG

Dr. Jürgen Wetterauer präsentiert die Servicequadrat GmbH & Co. KG

Zurück zu den MLX-Partnern: Davon werden mehr als 70 in der 2009 eingeführten Gruppierung „MLX aktiv“ geführt, „Truck aktiv“ ist auf 30 Partner angewachsen, 20 MLXler haben sich 2013 gemäß MMQ (Michelin Meyer Lissendorf Qualitätspartnerschaft) erfolgreich zertifizieren lassen, 16 bereits für 2014 angemeldet (darüber hinaus können die Fachhandelspartner von Meyer Lissendorf, auch wenn sie keine MMQler sind, künftig auch von einem europaweit angelegten Michelin-Vorteilsprogramm, das hierzulande „Mein Business mit Michelin“ heißt, profitieren). Und einen allerletzten Punkt bzw. eine allerletzte Zahl, die unbedingt der Erwähnung bedarf: MLX besteht jetzt anderthalb Jahrzehnte, hatte damals 30 Gründungsmitglieder, klar dass die „15-Ender“ besonders geehrt wurden. Dabei: Manch einer aus diesem Kreis hat eine geschäftliche, aber eben auch freundschaftliche, ja fast familiäre Bindung zu Meyer Lissendorf, die noch einige Jährchen älter ist. detlef.vogt@reifenpresse.de

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