ARBÖ und Goodyear warnen vor abgenutzten Winterreifen im Sommer

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Das Klubjournal Freie Fahrt des Auto-, Motor- und Radfahrerbundes Österreichs (ARBÖ) und Goodyear sind gemeinsam der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Temperatur auf die Länge des Nassbremsweges eines Winterreifens im Vergleich zu einem Modell für den Sommer hat. Entsprechende Vergleichsmessungen dazu hat man Anfang April auf nasser Fahrbahn bei fünf Grad Celsius am Morgen sowie 15 Grad Celsius am Nachmittag durchgeführt. An einem VW Touran wurde dazu in der Dimension 205/55 R16 einerseits der Goodyear-Winterreifen vom Typ „UltraGrip 8 Performance“ mit vier Millimetern Restprofil montiert sowie andererseits mit dem „EfficientGrip Performance“ und vollen acht Millimetern Profiltiefe ein Sommerreifen desselben Herstellers. Ergebnis: Bei der geringeren Temperatur kam das winterbereifte Auto aus 70 km/h zwei Meter früher zum Stehen als mit Sommerreifen, während umgekehrt der Wagen bei der höheren Temperatur vier Meter im Vorteil war, als er auf Sommerreifen rollte. Selbst wenn die Ausgangsbedingungen für beide Reifentypen aufgrund ihrer vier Millimeter voneinander abweichenden Profiltiefe abgesehen von ihrer jahreszeitlichen Auslegung ganz offensichtlich noch hinsichtlich eines zweiten Parameters nicht identisch waren, so folgern Goodyear und ARBÖ daraus dennoch, dass sich die Vorteile von Winterreifen im Winter im Sommer zum Nachteil wandeln.

Andreas Kropf ist Manager Technical Customer Service bei Goodyear Dunlop Tires Austria

Andreas Kropf ist Manager Technical Customer Service bei Goodyear Dunlop Tires Austria

„Der Test hatte das Ziel, den Unterschied beim Nassbremsen aufzuzeigen – und zwar zwischen einem abgenutzten Winterreifen mit vier Millimetern Restprofil im Vergleich zu einem neuen Sommerreifen. Das ist die Situation, die Konsumenten betrifft, die vor der Entscheidung stehen, alte Winterreifen weiterzufahren oder neue Sommerreifen zu kaufen“, erklärt Marion Spriegl, PR & Communication Specialist Austria und Internal Communication DACH (Print) bei Goodyear Dunlop, auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG, warum dabei nicht Sommer- und Winterreifen identischer Profiltiefe miteinander verglichen wurden. Denn durch die Variation der Profiltiefe als zusätzlichem Parameter kann ein solcher Test – zumindest nach der bis dato bei dieser Fachzeitschrift vorherrschenden Meinung – in der vorliegenden Art doch wohl nur bedingt einen Rückschluss darauf erlauben, wie groß der Einfluss allein der Mischung bzw. der Temperatur ist. „Den Hauptanteil beim Nassbremsen hat die Reifenmischung, die Profiltiefe hat hier eine geringere Relevanz. Mehr Profiltiefe bedeutet instabilere Profilblöcke, was sich auf den Bremsweg bei Nässe eher negativ auswirkt“, so Spriegl dazu weiter. Insofern demonstriere der Vergleichstest, dass moderne Gummimischungen speziell für die jeweilige Jahreszeit entwickelt sind und ihre Stärke im entsprechenden Temperaturbereich ausspielen, ist man bei Goodyear Dunlop überzeugt.

„Wintermischungen bleiben auch bei tiefen Temperaturen weich und flexibel, was guten Straßenkontakt ermöglicht. Bei hohen Temperaturen schlägt diese Eigenschaft ins Gegenteil um, höherer Abrieb und deutlich längere Bremswege sind die Folge“, erklärt Andreas Kropf, Manager Technical Customer Service bei Goodyear Dunlop Tires Austria. „Die Testbedingungen von 15 Grad stellen nur den unteren Gefahrenbereich dar, denn bei sommerlichen 30 Grad ist der Bremsweg mit Winterreifen noch erheblich länger“, fügt er hinzu und warnt vor diesem Hintergrund vor dem seinen Worten zufolge weitverbreiteten „Fertigfahren“ von Winterreifen im Sommer. „Abgesehen vom Sicherheitsrisiko kann das Sparen bei neuen Sommerreifen eine weit höhere Investition für die Reparatur der Fahrzeugfront mit der heutigen aufwendig verbauten Technik nach sich ziehen“, so Kropf. „Der unterschiedliche Bremsweg bei Nässe ist hier offensichtlich. Doch auch bei anderen Leistungskriterien wie Seitenführungskraft, Trockenhaftung oder Aquaplaningverhalten ist der Winterreifen im Sommer unterlegen“, ergänzt Goodyear-Testfahrer und -Instrumentierer Robert Besch nach den Vergleichstests in den ARBÖ-Fahrtechnikzentren in Strasswalchen (Salzburg) und Ludersdorf (Steiermark). christian.marx@reifenpresse.de


 

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