Die Paul Horn GmbH bietet Werkzeuge zur Bearbeitung von Aluminiumrädern

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Die Paul Horn GmbH (Tübingen) sei erstaunlicherweise erst seit gut drei Jahren im Produktionsprozess von gegossenen und geschmiedeten Aluminiumrädern engagiert, wundert sich Andreas Manfraß, verantwortlich bei dem Präzisionswerkzeughersteller für die technische Beratung und den Verkauf im Segment Felgenindustrie, ein wenig selbst, obwohl doch die Produkte der Firma geradezu für den Bearbeitungsprozess in der Aluminiumräderfertigung prädestiniert seien. Dabei erweist sich Firmenchef Lothar Horn als äußerst automobil-, ja sogar als rennsportaffin und hat in seinem Büro das Modell eines Aluminiumrades stehen.

Felgenquerschnitt mit den Bearbeitungsschritten, für die die Firma Paul Horn Werkzeuge bietet

Felgenquerschnitt mit den Bearbeitungsschritten, für die die Firma Paul Horn Werkzeuge bietet

In der Universitätsstadt Tübingen ist die Firma Paul Horn einer der größten gewerblichen Arbeitgeber. Hier arbeiten mehr als zwei Drittel der weltweit über 1.200 Beschäftigten. Der Jahresumsatz, der zu einem maßgeblichen Teil mit der Automobilindustrie generiert wird bzw. den Maschinenherstellern, die für die Automobilindustrie Gerät bauen, liegt bei knapp einer Viertelmilliarde Euro. Ein weiterer nennenswerter Bereich ist die Medizintechnik. Bei den auch international so erfolgreichen großen deutschen Maschinenherstellern reklamiert das Unternehmen einen Marktanteil von etwa einem Drittel für sich. Die Anzahl der relevanten Wettbewerber im Werkzeugmarkt ist hierzulande an einer Hand abzuzählen, gleichwohl hart, aber insgesamt fair. Schwer nachvollziehbar sieht Lothar Horn jedoch das Preisgebaren ausländischer Anbieter, bei denen das Thema Qualität oft zweitrangig sei.

„Die unschlagbar schnelle Durchlaufzeit in der Produktion sowie die hoch qualifizierten Mitarbeiter hier bei uns in Tübingen“, schwärmt beim Gang durch die Produktionsstätte Christian Thiele, in Personalunion Pressesprecher des Unternehmens und Assistent der Geschäftsleitung, sei die beste Standortgarantie, die man sich vorstellen könne. Darüber hinaus gibt es Vertretungen in mehr als 70 Staaten weltweit, Tochterfirmen in Ländern wie Italien oder Tschechien. Selbstverständlich werde der große Automobilmarkt Nordamerika vor Ort bedient, sei man in China mit einer Vertriebstochter präsent und habe man weitere Länder mit Tochtergesellschaften wie Großbritannien, Frankreich und Ungarn. Aber die enorme Kompetenz, die schnellen Wege zwischen Vertrieb, Entwicklung und Produktion sowie das seit Firmengründung so agile Unternehmertum, das auch der aktuelle Geschäftsführer des Familienunternehmens ausstrahlt, seien Garant, bei einer auch in Zukunft stark wachsenden spezialisierten und wirtschaftlich sehr gesunden Firma zu sein, die mit einem Produkt zur Zerspanung, fürs Fräsen, Drehen, Schneiden arbeitet, das „nach dem Diamanten eines der härtesten Materialien ist, das es gibt“ (O-Ton Thiele); unter Hartmetallen werden im Allgemeinen gesinterte Wolframkarbide mit Kobalt als Binderanteil verstanden. Zwar ist die Bearbeitung von verschiedenen Metallen gewissermaßen „das täglich Brot“, aber selbst bei neuen Materialien wie Faserverbundstoffen (aus solchen sind ja auch schon Räder gefertigt worden) kann das Tübinger Unternehmen schon auf einschlägige Erfahrungen verweisen.

In den großen, hellen und geradezu klinisch sauber wirkenden Produktionshallen stehen – man mag’s kaum glauben – Grünpflanzen zwischen Hightech-Robotern und -Maschinen. „Die ökologische Denkweise liegt schon in der DNA des Unternehmens“, so der PR-Chef der Paul Horn GmbH, „weil schon der Firmengründer erkannt hatte, dass dieses Prinzip langfristig das kostengünstigste ist.“ Dieser Tradition fühlt sich auch Manfraß verpflichtet, der einräumt, vielleicht nicht immer der preisgünstigste Anbieter zu sein, dem Kunden aber dafür Problemlösungen zu offerieren, mit denen der wiederum schon mittelfristig Geld einsparen könne.

Und jetzt kommen die Aluminiumräder ins Spiel

Harald Haug, Exportleiter der Paul Horn GmbH

Harald Haug, Exportleiter der Paul Horn GmbH

Weil das Geschäft mit der Aluminiumräderindustrie ein recht junges bei Horn ist, sieht der „Räderzuständige“ im Unternehmen auch noch jede Menge Potenzial. Mit der Markterschließung hat er natürlich in Deutschland begonnen: Beim einen Produzenten lief das blendend, beim nächsten beweise man sich gerade, an wieder einem anderen stehe man gerade am Projektstart. Seit 2012 sei man aber nicht nur national, sondern global unterwegs, erzählt Exportleiter Harald Haug. In Länder wie z. B. Türkei, Indonesien, Thailand und die Vereinigten Staaten liefert Horn Werkzeuge für den Bearbeitungsprozess von Aluminiumrädern.

Ausgehend von der Reputation, die man sich hierzulande erworben habe, werden eben Wellen geschlagen, beschreibt Andreas Manfraß, dass der erworbene gute Ruf bei erst potenziellen, dann tatsächlichen Kunden in den fernen Räderwerken schon angekommen war, bevor er dort überhaupt vorstellig geworden war. „Das tat natürlich gut, aber weckt auch neue Begehrlichkeiten. So gibt es noch weitere Teilnehmer des Alurädermarktes, mit denen man noch nicht in Kontakt steht“, verrät Haug. „Wir wollen, dass die Wellen immer weiter schlagen“, ergänzt Manfraß.

Zugute kommt dem Unternehmen, dass etwa jedes zweite Hartmetallwerkzeug, das das Unternehmen verlässt, eine Sonderanfertigung für einen speziellen Kunden ist. Gerade bei den Kunden in der Aluminiumräderindustrie kann damit gepunktet werden, dass „Produkte von der Stange“ eher weniger der Horn-Philosophie entsprechen. Weil sämtliche Entwicklungsarbeit im eigenen Hause erfolgt, kann der „technische Berater“ – so das Selbstverständnis des Räderverantwortlichen – oftmals maßgeschneiderte Produkte offerieren. Er verkauft nicht (nur) einfach Werkzeuge, sondern analysiert die Produktionsschritte beim jeweiligen Kunden, kehrt zurück zu den Tübinger Entwicklern und tüftelt gemeinsam mit denen aus, wie eine optimale Problemlösung aussehen kann.

Andreas Manfraß, technische Beratung und Verkauf Bereich Räderbearbeitung

Andreas Manfraß, technische Beratung und Verkauf Bereich Räderbearbeitung

Es mag müßig sein, ob nun der Satz „Eine Maschine kann nur so gut sein wie ihr Werkzeug“ oder der Satz „Ein Werkzeug kann nur so gut sein wie die dazugehörige Maschine“ eher den Sachverhalt trifft. Richtig aber ist, dass schon so manches Mal durch die Verwendung des optimalen Werkzeuges die Leistung einer Maschine erhöht werden, ja sogar die Neuanschaffung einer Bearbeitungsmaschine überflüssig gemacht werden konnte. Die Bearbeitung von Aluminiumrädern wird als komplexer systematischer Prozess gesehen, der eine ganze Reihe von Stellschrauben beinhaltet, um das Ergebnis zu optimieren, so durch die Kühlung, aber eben auch durch die Verwendung eines Werkzeuges, dessen Härte kurz hinter dem Diamanten steht. detlef.vogt@reifenpresse.de

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