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Reiff legt umfassenden Jahresbericht vor – 8,7 Millionen Euro Verlust

Die Reiff-Gruppe hat jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz ein „schwieriges Jahr“ mit deutlichen Verlusten bilanziert. Der Geschäftsverlauf der in Reutlingen ansässigen Unternehmensgruppe sei demnach 2013 von zwei negativen Einflüssen geprägt gewesen: Einmaleffekte in einer Höhe von 4,9 Millionen Euro und dem Margenverfall im Reifengeschäft. Der Umsatz der Reiff-Gruppe reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent und liegt bei 509 Millionen Euro. Nach Steuern lag das Ergebnis der Reutlinger Unternehmensgruppe im Geschäftsjahr 2013 bei einem Verlust von 8,7 Millionen Euro, nachdem das Vorjahr noch ‚nur’ mit einem Verlust von 600.000 Euro geendet hatte. Diese Zahlen hatte das Unternehmen bereits vor gut vier Wochen veröffentlicht.

„Insgesamt hat die Gruppe ein schwieriges Jahr hinter sich“, heißt es dazu vonseiten des Unternehmens. Der Reifenmarkt war in Europa von einer schwachen Nachfrage und einer hohen Produktionskapazität der Hersteller geprägt. In den Jahren 2011 bis 2013 wurden rund 35 Millionen Pkw-Reifen weniger nachgefragt. Das entspricht der Produktionskapazität von fünf mittleren Reifenwerken. Der Wetterverlauf sorgte 2013 an zwei Fronten für eine mäßige Nachfrage: Im Frühjahr 2013 war es bis in den späten April kalt und der Winter fiel nahezu aus. „Bereits Ende des ersten Halbjahres berichteten wir über den rückläufigen Sommerreifenmarkt“, so Reiff. Die Folge seien übervolle Lager verbunden mit einem entsprechenden Margenverfall gewesen.

Der Umsatz der gesamten Unternehmensgruppe ging gegenüber dem Vorjahr um 3,6 Prozent auf 509 Millionen Euro zurück. Das EBITDA lag mit 4,7 Millionen Euro ebenfalls unter dem Vorjahr (13,5 Millionen Euro). Das Ergebnis wurde dabei von „zwei negativen Einflüssen belastet“, so Reiff: Einmaleffekte in einer Höhe von 4,9 Millionen Euro und dem Margenverfall im Reifengeschäft. Nach Steuern liegt das Ergebnis der Reutlinger Unternehmensgruppe im Geschäftsjahr 2013 bei einem Verlust von 8,7 Millionen Euro (Vorjahr 0,6 Millionen Euro). Die Mitarbeiterzahl beträgt 1.620 und liegt in etwa auf Vorjahresniveau (1.630).

„Die Aussichten für 2014 sind optimistischer“, prognostiziert man in Reutlingen. Weltweit werde sich das Wachstum beleben, selbst die europäischen Krisenländer würden leichte Wachstumsraten aufweisen. Auch für Deutschland würden höhere Wachstumsraten prognostiziert, die Bandbreite reicht von 1,5 Prozent bis zwei Prozent. „Einfluss könnten die Krisenherde in Syrien und in der Ukraine ausüben, trotzdem glauben wir dass die Rahmenbedingungen für Deutschland und Europa günstiger sein werden als vor einem Jahr“, so Reiff weiter.

Drei Jahre anhaltende Nachfrageschwäche und die daraus resultierenden Lagermengen führten zu einem großen Mengendruck im für die Reiff-Gruppe zentralen Geschäftsbereich „Reifen und Autotechnik“. Der bis ins Frühjahr reichende Winter habe bei Sommerreifen für Niedrigstpreise gesorgt; bei M+S-Reifen habe sich mit dem seit 130 Jahren mildesten Winter eine vergleichbare Situation gezeigt. Zudem seien die Rohstoffpreise für Natur- und synthetischen Kautschuk auf Grund der weltweit schwachen Nachfrage gesunken. „Dies führte bei den Herstellern zu umfangreichen Preissenkungen und zu entsprechenden Bestandsabwertungen im Handel“, so Reiff. Darüber hinaus fördere der E-Commerce die Transparenz der Märkte. Der Umsatz des Geschäftsbereiches Reifen und Autotechnik ging infolge dessen um 4,9 Prozent zurück auf 358,5 Millionen Euro. Das EBITDA des Geschäftsbereiches lag bei einem Minus von 1,3 Millionen Euro (Vorjahr: 6,7 Millionen Euro).

Das neu aufgestellte Management und der Best-Practice-Ansatz in der Niederlassungsorganisation – dem Teilgeschäftsbereich/Vertriebskanal „Fachhandel“ – hätten im Laufe des Jahres für erste Erfolge gesorgt. Die verschärfte Wettbewerbssituation habe die Reifenroherträge trotzdem weiter schrumpfen lassen. Im Absatzvolumen seien allerdings leichte Marktanteilsgewinne verbucht worden.

Vor allem bei den Dienstleistungen und hier besonders beim Autoservice sei ein Wachstum erzielt worden. „Bei bereits kaufenden Reifenkunden gelingt es dem Unternehmen zunehmend neue Geschäftspotentiale zu erschließen“, so Reiff.

„Im Juli konnte der Neubau von A/B/S in Stuttgart-Möhringen bezogen werden. Es entstand eine der modernsten freien Werkstätten Deutschlands. Auf 28 Hebebühnen werden alle Kfz-Marken gewartet und repariert. Die Karosserie- und Lackieranlage bietet im weiten Umkreis modernste und umweltfreundlichste Lackiertechnologie. Die Investition in dieses Kompetenzzentrum unterstützt unsere Autoservicepolitik in der Gruppe erheblich“, so Reiff weiter in der Mitteilung zum Geschäftsverlauf.

Auch bei Nutzfahrzeugreifen sei „die Entwicklung hinter unseren Erwartungen geblieben“. Der Fuhrpark der deutschen Transportindustrie sei so jung wie schon lange nicht mehr. Grund seien die CO2-Emmissionsvorgaben, die mit der Abgasnorm „Euro 5“ von der EU kommen. „Fahrzeuge höherer Schadstoffklassen können im Prinzip gar nicht mehr ökonomisch auf deutschen Straßen betrieben werden, da die Mautkosten für diese Fahrzeuge besonders hoch sind. Ein junger Fuhrpark hat naturgemäß hervorragende, von der Erstausrüstung gelieferte Reifen, die auf dem Ersatzmarkt nicht verkauft werden können.“ Bei Neureifen sei folglich die verkaufte Menge vom Vorjahr nicht ganz erreicht.

Bei Bandag – der hauseigenen Lkw-Runderneuerungsmarke – sei die Situation hingegen im Laufe des Jahres besser geworden. „Nachdem das Werk drei Monate Kurzarbeit gefahren hat, ist die Nachfrage ab September gestiegen und auch in den letzten Wochen des Jahres war kein Abbruch zu verspüren.“ Innerhalb des Nutzfahrzeugreifenbereichs habe das Industriereifengeschäft eine stabile Rolle gespielt. Durch ein stringentes Kostenmanagement und die oben erwähnten Wachstumserfolge im Dienstleistungs- und Autoservicegeschäft sei das Ergebnis besser als im Vorjahr gewesen.

Während die Absatzmengenentwicklung des Vertriebskanals „Discount“ im Geschäftsbereich „Reifen und Autotechnik“ erfreulich gewesen sei und Marktanteile gewonnen werden konnten, seien diese mit sinkenden Preisen und Roherträgen erkauft worden. Die Dienstleistungsentwicklung sei außerdem erfreulich.

Der Reiff-Onlineshop sei im Berichtsjahr neu gestaltet worden und hat bei einem Test unter den wesentlichen Marktteilnehmern in Deutschland den ersten Platz belegt. Das Wachstum im Teilgeschäftsbereich/Vertriebskanal „E-Commerce“ sei indes auch in diesem Geschäftsfeld etwas hinter den Erwartungen der Reiff-Gruppe zurückgeblieben, allerdings hätten sich im zweiten Halbjahr „erfreuliche Tendenzen“ eingestellt.

Die vier Marken R.Tec, Reifen und Räder, Hanse-Trading Reifenservice und Reifen Krupp – der „Großhandel“ der Reiff-Gruppe – hätten „ein extrem schwieriges Jahr“ hinter sich. Überbestände bei Sommer- und Winterreifen und entsprechende Panikverkäufe von Händlern, die Liquidität benötigten, hätten die Märkte in ganz Europa bestimmt. Die Margen seien in einer Weise „kollabiert, wie dies nicht erwartet wurde. Das Geschäft wird heute hauptsächlich von B2B-Internetplattformen in Europa bestimmt. Der E-Commerce-Anteil des Großhandels liegt bei circa 70 Prozent.“

„Die Gesamtmarktverfassung mit den stark sinkenden Preisen und dem Bestandsdruck haben dem Großhandel stark zugesetzt. Selbst das Motorradreifengeschäft, in dem wir Marktführer in Europa sind, ist von dem Preiswettbewerb nicht unberührt geblieben, auch wenn es im Vergleich zu den Pkw-Zahlen stabil blieb.“

Die in das Jahr gesetzten Erwartungen seien auch vom zweiten Geschäftsbereich „Technischer Handel“ nicht erfüllt worden. Statt eines geplanten signifikanten Umsatzwachstums habe Reiff dort nur ein geringes Umsatzwachstum erzielen können. Der Umsatz liegt bei 134,5 Millionen Euro (Vorjahr: 133,9 Millionen Euro).

In Baden-Württemberg sei die deutliche Abhängigkeit vom Maschinenbau für den Geschäftsverlauf verantwortlich gewesen. Die Niederlassungen tendierten ähnlich. „Zwei Investitionsprojekte standen im Mittelpunkt des Jahres. Zum einen die Erweiterung des Logistikzentrums. Das erweiterte Hochregallager hat 2013 1.740 Palettenplätze in Betrieb genommen. Die Anmietung externer Lagerkapazität konnte damit entfallen.“

Das fast 20 Meter hohe und mit über 22.000 Einlagerungsplätzen eingerichtete AKL („Automatisches Kleinteilelager“) werde ab Mitte 2014 in Testbetrieb und ab Ende des Jahres in Vollbetrieb gehen. Für die Niederlassung Chemnitz sei das neue Bürogebäude um 200 m² erweitert und zum Jahreswechsel bezogen worden.

Mit der Akquisition des metallverarbeitenden Unternehmens Delta.tec sei das Dienstleistungsspektrum ausgebaut worden. Dort werden einerseits im Linearcenter Führungsschienen für Linearantriebe konfektioniert, andererseits können dort mechanische Bauteile und Baugruppen jeglicher Art hergestellt werden.

Kremer sei 2013 unterdessen besonders erfolgreich gewesen. Zunehmende Umsatzsteigerungen im zweiten Halbjahr hätten zu einem Gesamtzuwachs von sieben Prozent geführt. Der Auftragsbestand sei weiterhin hoch.

In Luxemburg und Belgien sei Roller weiter auf Expansionskurs. Die neue erworbene Firma Picha habe sich gut eingefügt und sorge zusammen mit der Filiale in Charleroi für eine gute Abdeckung von Wallonien. Der Markt Luxemburg sei indes schwierig. Die Konjunktur sei nun schon im zweiten Jahr deutlich rückläufig gewesen.

In China habe Reiff eine weitere Verankerung als Technischer Händler bei deutschen Industrieunternehmen erzielen können. „Die Organisation wurde weiter ausgebaut und verstärkt.“

Auch für den Geschäftsbereich „Elastomertechnik“ (R.E.T.) sei 2013 ein „schwieriges Jahr“ gewesen. Externe und interne Einflüsse hätten zu einem Verlust geführt. Das erste Halbjahr habe große Unterauslastung gezeigt. Nach der Sommerpause seien die Umsätze allerdings „sehr erfreulich“ angestiegen. Der Umsatz liegt bei 15,7 Millionen Euro. Hohe Kosten belasteten das Jahresergebnis in. Der unerwartete Auslauf eines bedeutenden Serienteils war zu verkraften.

„Große Anstrengungen wurden in Kundenakquisition und Restrukturierung gemacht. Neue Serienaufträge sorgen ab 2014 für eine zusätzliche Produktionsauslastung. Die Anforderungen der Automobilindustrie erforderten Personal- und Prozessveränderungen. Alle notwendigen Investitionen wurden getätigt. „

Ausblick: „Steigende Umsätze; bessere Roherträge“

Für den Gesamtmarkt seien die Aussichten den Geschäftsbereich „Reifen und Autotechnik“ betreffend besser. „Die Bestände sind auf einem Normal-Niveau angekommen.“ Das höhere Wirtschaftswachstum werde vor allem im gewerblichen Kundenbereich zu mehr Nachfrage führen. Entscheidend sei jedoch, dass neben den Absatzmengen auch eine Rohertragsstabilisierung eintrete. „Dies gilt vor allem für Pkw-Reifen.“

Der Best-Practice-Ansatz werde im Fachhandel unterdessen seine volle Wirkung entfalten. „Hohe Erwartungen setzen wir nach wie vor auf den Autoservicebereich. Aushängeschild und Keimzelle für weiteren Ausbau dieser Dienstleistungen ist dabei A/B/S Stuttgart. Mit diesem Servicezentrum stößt dieser Geschäftsbereich in neue Dimensionen für den Autoservice vor.“

Netto-Reifen und Räder-Discount werden Reiff zufolge einen leichten Expansionskurs einschlagen. So wurde in Frankfurt im März ein neuer Markt eröffnet. Reifendiscount.de werde vom Wachstum des Internetmarktes profitieren.

„Der Reifengroßhandel hat den größten Weg zu einer normalen Ergebnislage zurückzulegen. Im Laufe des Jahres 2013 wurden viele Voraussetzungen geschaffen, um 2014 kostengünstig und schnell ein sehr breites und tiefes Sortiment an Reifen und Rädern in Europa an die Kunden im Reifenhandel und in die Kfz-Werkstätten zu bringen. Vor allem die hohen IT-Investitionen in die Verknüpfung der Großhandelsmarken werden erhebliches Wachstumspotential freisetzen.“

Der Auftragseingang der relevanten Industrie zeigt im Geschäftsbereich „Technischer Handel“ leicht nach oben. „In Deutschland wird wieder mehr investiert. Die Investitionen in die Logistik werden die Lieferfähigkeit über das gesamte Sortiment spürbar erhöhen. Das Vertriebsgebiet soll sukzessive ausgeweitet werden und die verschlankten Prozesse werden zur Effizienzsteigerung beitragen. Der Ausbau der Baugruppenkompetenz wird weiter vorangetrieben.“

Deutlich steigende Umsätze, weniger Sonderkosten und neue Serienanläufe in den Märkten E-Bike-Antriebe und Fahrerassistenzsysteme wie das Gehäuse für Abstandsradarsensoren werden im Geschäftsbereich „Elastomertechnik“ erwartet. 2014 werde außerdem eine deutliche Ergebnisverbesserung erwartet.

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind freundlich“, fasst Reiff den Ausblick für das Gesamtunternehmen 2014 zusammen. „Die Konjunktur und das Investitionsklima werden zu einem Wachstum führen. Viele Weichen wurden 2013 gestellt, um Prozesse zu vereinfachen und die Bedienerfreundlichkeit der Reifenshops zu erhöhen. Die logistische Kompetenz konnte ausgebaut werden, sodass sich das Unternehmen davon positive Effekte erhofft. Für 2014 sind alle Finanzierungslinien gesichert, die Investitionen sind durchfinanziert. Das erste Quartal 2014 verlief nach Plan. Insgesamt geht die Reiff-Gruppe von steigenden Umsätzen in allen Sparten, aber vor allem von besseren Roherträgen aus.“ ab

 

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