Auf Kurs – Team steuert ruhigeres Fahrwasser an

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Nach den erst kurz zuvor wirksam gewordenen Austritten von Reifen Helm und RTC Reifen Team aus dem Reifenhandelsverbund Team sei der Anfang des Jahres bekannt gewordene Verkauf des ESKA Reifendienstes an die Conti-Handelskette Vergölst zwar irgendwie schon ein „unglückliches Signal“ gewesen, sagt Harald Emigholz, Beiratsvorsitzender des Zusammenschlusses freier Reifenfachhändler. Doch dies nur als weiteres Indiz für ein mögliches Aus der Kooperation zu werten, so wie hier und dort im Markt bereits geunkt wurde, wäre völlig falsch, sind er und Team-Geschäftsführer Gerd Wächter sich einig. Im Gegenteil – all dies hätten die Gesellschafter als Signal verstanden, dass man sich neu zu erfinden habe. Genau das hat sich Team vorgenommen und 2014 als „Jahr des Umbruchs“ ausgerufen. „Team zerfällt nicht, sondern ändert sich“, lautet die dahinter stehende klare Botschaft in Richtung des Marktes. Schließlich seien – so Emigholz – die „alten Verhaltensweisen nicht mehr dem Markt entsprechend“.

Bei alldem kann man nach seinen Worten auf eine breite Unterstützung der nunmehr verbliebenen 14 Gesellschafter bauen, die bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den neuen Kurs einstimmig befürwortet hätten. „Wir sind alle aufgestanden, und jetzt steht die Truppe wieder zusammen“, sagt er im Brustton der Überzeugung, dass der Verbund gestärkt aus der Situation hervorgehen wird. Doch was wird sich jetzt eigentlich konkret ändern? Wie bei vielen anderen Kooperationen gehen auch die Wurzeln von Team im Wesentlichen darauf zurück, durch einen Zusammenschluss mehrerer Partner ein gewisses Marktgewicht zu erreichen und dieses dann dank entsprechender Volumina in Vorteile bei der Warenbeschaffung umzumünzen. Ein solches, allein darauf basierendes Geschäftsmodell funktioniert in Zeiten, wo der Wareneinkauf verstärkt über Onlineportale bei hohen Verfügbarkeiten zu teils günstigeren Konditionen als bei der Industrie abgewickelt werden kann, freilich nicht mehr ganz so gut.

„Deswegen habe wir uns jetzt völlig von der Abhängigkeit vom Zentralbonus getrennt“, erklärt Emigholz. Insofern gehe es nicht mehr vorrangig um die Abschöpfung von Einkaufsvorteilen, von denen die Gesellschafter dann in Form von Boni profitieren. Vielmehr soll die – wie Emigholz es formuliert – „Kooperationsleistungszentrale“ der Top Service Team KG in Isernhagen bei Hannover als so etwas wie ein Dienstleister für die Gesellschafter fungieren, der ihnen klar definierte Module anbietet, die von den Partnern gebucht werden können, und der sich das Ganze „im Wege eines Beitragssystems“ bezahlen lasse. Ohne näher ins Detail zu gehen, spricht er zugleich von einer klaren Reformierung des Kostenmodells für die Gesellschafter, sodass man sich nun nicht mehr fragen müsse, wer jeweils wie viel zahlen müsse. „Wir wollen 2014 vorrangig versuchen, die Sinngebung dieses Konzeptes unter Beweis zu stellen“, sagt der Team-Beiratsvorsitzende. „Diejenigen, die noch zweifeln könnten, werden im Laufe des Jahres überzeugt“, ist sich Harald Emigholz sicher.

Schwerpunkte der Arbeit der Zentrale sieht Geschäftsführer Gerd Wächter unter anderem bei der Ausbildung, dem Marketing und Qualitätsmanagement sowie auch im Zusammenhang mit solchen Herausforderungen, wie sie mit der verbindlichen Pflicht von Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) bei Fahrzeugen der Klasse M1 spätestens ab November dieses Jahres oder dem Autoservice ganz allgemein verbunden sind. „Wir haben uns längst davon verabschiedet, nur Reifenhändler zu sein. Team wird zukünftig eher in Richtung freier Kfz-Werkstätten entwickelt“, gibt Wächter die weitere Marschrichtung vor. Die meisten Team-Gesellschafter seien zwar bereits in Sachen Autoservice aktiv, weil man mit dem Reifengeschäft alleine ohnehin schon längst am Ende wäre. Doch nichtsdestoweniger wolle man den Ausbau Kfz-naher Dienstleistungen weiter vorantreiben. Des Weiteren will man Qualitätssteigerungen im Servicebereich und als gemeinsames Entwicklungsprojekt die Stärkung des Onlinegeschäftes vorantreiben.

„Das Onlinegeschäft ist ein Muss“, konstatiert Emigholz und sieht in der diesbezüglichen Unterstützung der Team-Gesellschafter, damit sie sachkundig daran teilhaben können, eine der weiteren Aufgaben der Zentrale des Reifenhandelsverbundes. Als eine Art „Think Tank“ soll sie zukünftig eben vorrangig Servicekonzepte entwickeln bzw. verbessern helfen und „nicht den Einkauf koordinieren“ wie dies früher einmal im Vordergrund stand. „Wachstum über Service“ ist die Maßgabe. Wie der Team-Beiratsvorsitzende und der Kooperationsgeschäftsführer Wächter im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG verdeutlichen, wird bei alldem als Erstes ein qualitatives Wachstum ins Auge gefasst und erst dann ein quantitatives Wachstum, obwohl beide natürlich nicht abgeneigt sind, die durch das Ausscheiden von RTC, Reifen Helm und ESKA entstandenen Lücken – auch wenn man sie selbst als nicht allzu groß empfindet – mittel- bis langfristig wieder schließen könnte.

„Wir wollen unser Netz wieder so eng knüpfen, wie es einmal war“, sagt Emigholz vor allem auch im Hinblick auf die Flottendienstleistungen, den man ja in Zusammenarbeit mit point S über das Gemeinschaftsunternehmen Servicequadrat im Markt anbietet. Konkrete Zielvorgaben gebe es freilich keine, heißt es. Nichtsdestoweniger ist Emigholz überzeugt, dass es schon „den einen oder anderen neuen Gesellschafter gibt, der zu uns passt“. Etwaige potenzielle Kandidaten wolle man in erste Linie durch die Sacharbeit überzeugen und von der Philosophie, dass nicht Menge zähle, sondern solche Dinge wie Qualität und Zusammenarbeit. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Flottengeschäft laut Wächter immer wichtiger wird und in diesem Fahrwasser natürlich das Joint Venture Servicequadrat ebenso. „Wir sind gut drauf nach wie vor“, sagt Wächter und sieht Team im Segment Lkw-Reifen weiterhin stark aufgestellt. Selbst wenn das Fehlen einer solche Marktgröße wie Reifen Helm schon irgendwie merkbar sei, wie Emigholz ergänzt.

Demnach entwickelt sich die Eigenmarke Teamstar weiterhin positiv für die Gesellschafter bzw. Team insgesamt. „Wir sind überrascht, wie gut wir die Abwesenheit von Reifen Helm gepackt haben. Das ist in den Mengen schon merkbar, aber nicht so drastisch“, beschreibt der Beiratsvorsitzende, wie sich Absatzzahlen durch das Ausscheiden gerade dieses im Nutzfahrzeuggeschäft besonders starken (Ex-)Gesellschafters entwickelt haben. Allerdings gilt es dabei im Hinterkopf zu behalten, dass sich die Nachfrage nach Lkw-Reifen derzeit generell eher positiv entwickelt. Bei Team geht man übrigens davon aus, dass dieser Trend im weiteren Jahresverlauf anhalten wird. Nach einer – wie es heißt – im Gegensatz zu so manchem Vertreter der Industrie eher vorsichtigen Prognose geht die Kooperation wie bei Pkw-Reifen davon aus, dass letztlich ein Absatzplus von irgendwo zwischen zwei bis drei Prozent unterm Strich stehen wird bei Lkw-Reifen.

In letzterem Marktsegment will Team im Übrigen seine Produktpalette ab Juni um ein sogenanntes „Mehr-Leben-Konzept“ für Großverbraucher/Flotten erweitern: Bei dem Angebot heißrunderneuerter Lkw-Reifen der Eigenmarke Teamstar wird demnach Wenzel Industrie bzw. Marangoni zusammengearbeitet. Doch das Teamstar-Label soll sich ab etwa Mitte des Jahres erstmals auch auf Vollgummiindustriereifen finden, wofür laut Gerd Wächter eine entsprechende vertragliche Vereinbarung mit FAGA Tyres PVT Ltd. (Sri Lanka) bereits geschlossen wurde. Angesiedelt sein wird diese Produktreihe seinen Worten zufolge im Qualitätsbereich – Ziel sei jedenfalls nicht, Anbietern im Premiumsegment wie etwa Continental Konkurrenz zu machen. Vom Engagement im Industriereifengeschäft verspricht Team sich also offenbar Wachstumschancen. „Zumal wir ohnehin über die stärkste Mobilpressenflotte in Europa verfügen“, wie Wächter sagt.

Es bewegt sich also ordentlich was bei dem Handelsverbund bzw. es hat sich schon einiges getan. Auch in der Zentrale selbst, die personell nun deutlich schlanker aufgestellt ist: Statt 2013 zuletzt acht Mitarbeiter kümmert sich jetzt nur noch sechs um die Belange der Gesellschafter. Darüber hinaus wurde im Hinblick auf die Kostenoptimierung bzw. -redzierung noch an vielen weiteren Stellschrauben gedreht. „Wir haben alles auf den Kopf gestellt. Wir sind jetzt sehr ‚lean’ aufgestellt – mehr geht nicht“, so der Kooperationsgeschäftsführer. Doch Harald Emigholz will angesichts dessen keinen falschen Eindruck entstehen lassen. „Wir sind nicht die Kooperation der Kranken, sondern eher das Gegenteil ist der Fall: Unsere Unternehmen stehen gut da“, meint er. Dass Dinge wie beispielsweise eben die personelle Stärke einer Kooperationszentrale aber in einer vernünftigen Relation zur Zahl von deren Mitgliedern/Gesellschaftern stehen müssen, dürfte aber auf der Hand liegen.

So etwas ist also auch gemeint, wenn man bei Team davon spricht, dass die interne Arbeitsweise und Organisation reformiert und noch stärker an die Marktgegebenheiten angepasst wurde und wird. Regelmäßige Gesprächskreise der Gesellschafter mit klaren Schwerpunktthemen gehören ebenfalls dazu. Viermal im Jahr will man sich in Arbeitskreisen zusammenfinden sowie unterteilt nach den beiden Segmenten „Consumer“ und „Commercial“ untereinander austauschen, wobei jede Zusammenkunft einem bestimmten Schwerpunktthema gewidmet werden soll: Im März steht beispielsweise E-Commerce auf der Tagesordnung. Ende des Jahres will Team dann als eine Art Erfolgskontrolle eine erste Bilanz ziehen und sehen, ob und wie sich die neue Ausrichtung der Kooperation bewährt hat. Allzu große Sorgen – diesen Eindruck erwecken zumindest Gerd Wächter und Harald Emigholz im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift – macht man sich dabei aber augenscheinlich nicht.

Vergangenes Jahr habe es – gibt Emigholz offen zu – zwar durchaus „Momente gegeben, in denen ich der Panik schon recht nahe war“. Doch diese Augenblicke sind nun ganz offenbar der Zuversicht gewichen, dass es bei Team ab diesem Jahr wieder vorangehen wird. „Nichtsdestoweniger wird 2014 ein anstrengendes Jahr für alle“, bleibt der Team-Beiratsvorsitzende bei alldem Realist ohne getrübten Blick durch eine rosarote Brille. Eine Chance liege in jeder Krise, beschreibt er aus seiner Sicht die derzeitige Ausgangslage für die Kooperation. Und wenn Emigholz dies in Anlehnung ans Segeln dadurch ergänzt, dass nicht der Wind die Fahrtrichtung bestimmt, sondern es vielmehr auf die Stellung der Segel ankommt, dann spricht daraus einmal mehr die tiefe Überzeugung, dass der Handelsverbund die richtigen Schritte bzw. Maßnahmen umgesetzt/eingeleitet hat, um auch morgen noch Bestand im Markt zu haben. christian.marx@reifenpresse.de

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