„Boss-Napping“ bei Goodyear in Frankreich beendet – Streit geht weiter

Das sogenannte „Boss-Napping“ bei Goodyear in Amiens-Nord ist gestern Abend nach 30 Stunden beendet worden. Arbeiter des von der Schließung bedrohten Landwirtschaftsreifenwerkes haben nach einer Besprechung am Montag über die Zukunft der Fabrik den Werksleiter sowie den Personalchef in einem Konferenzraum festgesetzt – ob dabei auch physische Gewalt angewandt wurde, ist derzeit noch unklar. In Frankreich wird das Festhalten von Managern von vielen als minderschweres Delikt betrachtet, das nur selten strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht; oftmals verzichten die Geiseln dabei sogar auf eine Anzeige.

Die geiselnehmenden Arbeiter bei Goodyear wollten mit ihrer formaljuristisch unter Strafe stehenden Tat Verhandlungen über höhere Abfindungen und einen Sozialplan erzwingen. Die Unternehmensleitung lehnte allerdings Gespräche kategorisch ab, solange die beiden Manager noch gegen ihren Willen festgehalten werden. Die Arbeiter hatten zunächst noch angekündigt, die Geiselnahme „bis zum Ende durchziehen“ zu wollen.

Nachdem ein von Goodyear eingeschaltetes Gericht einen Gerichtsvollzieher geschickt hatte, heißt es dazu in den Medien, ließen die Arbeiter die beiden Manager jedoch am frühen Abend unter den Buhrufen der Belegschaft frei. Ein Ende des eigentlichen Konflikts ist unterdessen weiterhin nicht in Sicht, denn die Gewerkschaftler kündigten umgehend die Besetzung des Werks an.

Der ursprüngliche Plan der Arbeiter: „Wir fordern einen Sozialplan auf freiwilliger Basis mit Abfindungen von mindestens 80.000 Euro für jeden neu eingestellten Mitarbeiter und bis zu 180.000 Euro für die ältesten Angestellten, plus 1.500 Euro für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit“, so ein Vertreter der Gewerkschaft CGT. „Das ist die Aktion der letzten Chance, um zu versuchen zu bekommen, was wir können“, so ein anderer verzweifelter Gewerkschaftsvertreter.

Nach Ansicht von Beobachtern sind die Gewerkschaften nicht unschuldig daran, dass das Goodyear-Werk in Amiens von der Schließung bedroht ist. Nachdem sie sich geweigert hatten, einer im Rahmen eines Investitionsplanes vorgesehenen neuen Schichtverteilung zuzustimmen, hatte die Unternehmensleitung im Mai 2009 einen Sozialplan angekündigt. Er sah den Abbau von 820 von damals 1.400 Arbeitsplätzen vor. Die CGT hatte daraufhin die Unternehmensleitung mit Prozessen überzogen, um den Restrukturierungsplan zu verhindern. Anfang des vergangenen Jahres dann kündigte Goodyear an, das Werk in Amiens-Nord gänzlich schließen zu wollen. Erneut zog die Gewerkschaft vor Gericht, erneut wurde sie abgewiesen. ab

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