Italienischer Pkw-Markt weiter ungebremst auf Talfahrt

Das Center für Automobilmanagement (CAMA) an der Universität Duisburg-Essen befasst sich nicht nur regelmäßig mit dem deutschen Pkw-Markt, sondern wirft von Zeit zu Zeit einen detaillierten Blick auch auf die diesbezügliche Situation in anderen Ländern der Welt. Nach zuletzt Großbritannien, Brasilien oder Russland hat man sich aktuell mit Italien beschäftigt, und das letztendliche Fazit mit Blick auf diesen Markt ist kein positives.

„Während sich andere Märkte Südeuropas stabilisieren, ist in Italien ein Ende der Talfahrt nicht in Sicht“, so das CAMA vor dem Hintergrund, dass von Januar bis Oktober dieses Jahres 2013 in dem Land 1,1 Millionen Pkw verkauft wurden und damit acht Prozent weniger als im selben Zeitraum 2012. Für die sogenannten „Vorkrisenjahre“ 2007 und 2008 werden zudem Vergleichswerte von mehr als zwei Millionen Einheiten genannt. Dennoch bleibe Italien trotzdem viertgrößter Automobilmarkt in Europa hinter Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Von der Negativentwicklung sind die heimischen Fahrzeughersteller den CAMA-Zahlen zufolge übrigens genauso getroffen wie die Importmarken, weil sich der Marktanteil der italienischen Autohersteller während der vergangenen zehn Jahre kaum verändert haben soll und mit nahezu stabil etwa 30 Prozent angegeben wird – selbst wenn sich die Neuzulassungszahlen italienischer Autos in ihrem Heimatland absolut gesehen seit 2009 nahezu halbiert haben.

Die aktuelle Studie kann aber noch mit mehr Wissenswertem aufwarten wie etwa dem – allerdings weithin wohl schon vermuteten – Umstand, dass in „Bella Italia“ der Anteil der Kleinst- und Kleinwagen am Gesamtmarkt mit 45 Prozent deutlich höher ausfällt als die etwa 25 Prozent in Deutschland. In Italiens Automobilindustrie sind demnach übrigens fast 200.000 Menschen beschäftigt, und die Automobilproduktion in dem Land soll in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gesunken sein. „In den ersten sechs Monaten 2013 lag sie mit 222.848 Fahrzeugen weit hinter Deutschland (2.738.155), Spanien (948.867), Frankreich (788.100) und Großbritannien (764.390), auch hinter Tschechien (575.835), der Slowakei (515.071), Polen (254.800) und Rumänien (224.759). Die Auslastung wird auf etwa 40 Prozent geschätzt. Fiat, Ferrari und Maserati produzierten 2012 in Italien 394.620 Fahrzeuge. 2013 wird ein Rückgang von zwölf bis 15 Prozent erwartet, allein durch Fiat. Maserati produziert deutlich mehr als 2012. Ferrari kann es sich leisten, weniger als möglich wäre zu produzieren, um den Wert der Marke zu erhalten“, so das CAMA.

Der allgemeine Rückgang der Fahrzeugproduktion verschone auch die Zulieferindustrie nicht, heißt es weiter: In den vergangenen fünf Jahren sanken die Umsätze der italienischen Automobilzulieferer von 48 Milliarden Euro auf einen Wert von 38 Milliarden Euro im zurückliegenden Jahr. „Die Exporte von Fahrzeugteilen, -komponenten und -modulen blieben stabil. Mehr als 20 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland, zwölf Prozent nach Frankreich, jeweils sieben Prozent nach Polen und Großbritannien, jeweils sechs Prozent nach Spanien und in die USA. Durch Exporte versuchen die Zulieferer die Abhängigkeit von den italienischen Herstellern zu reduzieren“, heißt es weiter in der aktuellen CAMA-Analyse, die allerdings auch für 2014 keine besonders rosigen Zeiten auf den italienischen Automobilmarkt prognostiziert.

„Die wirtschaftliche Entwicklung in Italien wird sich auch 2014 nachteilig auf den italienischen Automobilmarkt auswirken. Rückläufige öffentliche und private Ausgaben und Investitionen geben dem Automobilmarkt keine positiven Impulse. Die hohe Arbeitslosigkeit und die relativ ungünstige demografische Entwicklung begünstigen den negativen Trend. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung wurde die Autoindustrie bisher vom Staat massiv gefördert, der aus wirtschafts- und strukturpolitischen Gründen Unternehmerentscheidungen stark beeinflusst und Werksschließungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland verhindern will. Befürchtet werden Verlagerungen der Produktion in die USA und der Konzernzentrale in die USA oder die Niederlande als Reaktion auf Gewalt und Boykott in Italien und das schlechte Investitionsklima“, lautet der nicht gerade optimistische CAMA-Ausblick. cm

 

 

 

 

 

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